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Merkels Sitzblockade in China

Von PETER BARTELS | Es ist ein Jammer, dass Loriot nicht mehr da ist. Was für ein Fressen wäre Knollen-Kanzlerin Merkel für Vicco von Bülow und seinen genialen Zeichenstift gewesen! Um es mit Wum & Wendelin zu sagen: „Jaul … Jauuul … Tröööt“. Merkel hat mal wieder die Sitz-Riesin gegeben.

Staatsbesuch in China: 1,4 Milliarden Menschen (Deutschland: Knapp 60 Millionen länger hier Lebende). Das Reich der Mitte, seit 2500 Jahren Zivilisation, Kultur, Weisheit … Und Seide, Porzellan, Schießpulver – alles China first. Seine 21.196,18 km lange Mauer ist das einzige Werk der Menscheit, das auch der Mann im Mond sehen kann.

Es geht also nicht um Luxemburg und seinen lallenden, torkelnden „Rücken“ Juncker. Deshalb hat GröKaz ja auch um die 100 Wirtschaftsbosse mitgenommen: Airbus will den 320 montieren … Die Deutsche Post 100.000 E-Scooter produzieren … Siemens Gasturbinen liefern oder gleich am Gelben Fluß bauen…

Der Zuschauer sieht, wie Merkel mit rausgestreckter Riesenkiste, leicht gebückt die drei Stufen zum Messing-Baldachin hochtapert. Dann plumpst sie auf den kirschroten Stuhl, stemmt sich nochmal leise ächzend hoch, zupft sich das tschitscheringrüne Jäckchen zurecht, macht endgültig Pluuumps …

Merkel ruckt und zuckt nicht mal mehr…

Die deutsche Nationalhymne ertönt, Kanzlerin und Ministerpräsident sitzen. Die chinesische Hymne erklingt: Li Keqiang federt hoch. Merkel ruckt und zuckt nicht mal mit einer Backe. Miene: Nööö, wieso denn, wir haben doch im Protokoll vereinbart… Also blieb sie mit ihren vier Buchstaben auf dem kirschroten Drachenstuhl unterm auf Hochglanz politierten Messingbaldachin kleben. Sitzen und Schwitzen. Unsereiner, Jedereiner drehte wohl den Kopf zur Seite wg. Fremdschämen…

BILD in Text und Video so: „Er steht, sie bleibt sitzen … Kuriose Szene beim Staatsempfang für Angela Merkel in China … In Peking wurde die Kanzlerin zu Beginn eines dreitägigen Besuchs … Von Regierungschef Li Keqiang mit militärischen Ehren begrüßt“…

BILD: „Für die Zeremonie wurden vermutlich extra für Merkel Stühle bereitgestellt.“

BILD: „Beide konnten das Geschehen so im Sitzen beobachten … Merkel hatte in den letzten Monaten mehrfach unter Zitteranfällen gelitten … Danach hatte sie militärische Empfänge mehrfach im Sitzen absolviert“…

Der Chinese ließ die Kanzlerin einfach sitzen …

Jedenfalls watschelt Merkel nach ihrer Sitzblockade, wie bei ähnlichen Anlässen vom Zuschauer hinlänglich erlitten, plattfüssig mit schlackernden Ärmchen die chinesische Ehrenformation ab. Und BILD salzte wagnerianisch per Schlagzeile nach:

„Abgesprochen oder Eklat“ Dann: „Er stand einfach auf, ließ die Kanzlerin sitzen.“ War das ein Affront von Chinas Ministerpräsident Li Keqiang gegenüber Angela Merkel? Und um dann in voller Deckung tapfer andere sticheln zu lassen: „In der Regierungspressekonferenz heute Mittag in Berlin bohrten mehrere Journalisten nach. Vize-Regierungssprecherin Martina Fietz gab daraufhin zu erkennen, dass offenbar nicht abgesprochen war, dass der chinesische Regierungschef einfach aufsteht – nur das Aufstellen der Stühle sei abgemacht gewesen.“

Fietz, Stellvertreter*In von Steffen Seibert, dem legendären ZDF-Frühstücksei und Chemnitz-Hasser: „Natürlich war der protokollarische Ablauf für die militärischen Ehren mit der chinesischen Seite abgestimmt, und zwar im Vorfeld. Die Stühle wurden ja auch von der chinesischen Seite zur Verfügung gestellt.“ Vielleicht sollte die Zitter-Zaima nächstes Mal ihren eigenen Stuhl mitnehmen …

Erbarmen, Führerin, BILD zitiert ja nur: „Doch warum zwei Stühle – wenn der chinesische Ministerpräsident dann eben DOCH stehen wollte. Das sei doch ein Affront, will eine Journalistin wissen. Umgekehrt wäre so etwas gegenüber den Chinesen doch undenkbar gewesen und als Gesichtsverlust angesehen worden, fragt sie nochmals nach.“

Lieber Gott, gibt Loriot Urlaub…

Die Vize-Regierungssprecher*in „vielsagend“ (BILD): „Ich glaube, es liegt im Ermessen eines jeden Spitzenpolitikers, selbst zu entscheiden, wie er das handhabt. Wir haben von hier aus nicht zu bewerten, wie man sich jetzt auf der chinesischen Seite entschieden hat …“

Lieber Gott, kannst dem Loriot nicht mal für eine Woche Urlaub von Manna und Hosiana geben? Es wimmelt hier nur so von Knollenweiblein und Knollenmännchen. Und keine Sau weit und breit, die ihnen in Arsch und Datsche tritt. Stattdessen nur müde Scherzilein von lauter Herzilein.

PS: Wir schicken Dir als Ersatz gleich drei Arschkriecher hoch: Die Humorbrechstange Jan Böhmermann, den ZDF-Klopps Oliver Welke und die persische Plumpabacke Anissa Amadi. Mit denen kannst Du endlich mal den Teufel zum Heulen bringen…


Ex-BILD-Chef Peter Bartels.
Ex-BILD-Chef Peter Bartels.

PI-NEWS-Autor Peter Bartels war zusammen mit Hans-Hermann Tiedje zwischen 1989 und 1991 BILD-Chefredakteur. Davor war er daselbst über 17 Jahre Polizeireporter, Ressortleiter Unterhaltung, stellv. Chefredakteur, im “Sabbatjahr” entwickelte er als Chefredakteur ein TV- und ein Medizin-Magazin, löste dann Claus Jacobi als BILD-Chef ab; Schlagzeile nach dem Mauerfall: “Guten Morgen, Deutschland!”. Unter “Rambo” Tiedje und “Django” Bartels erreichte das Blatt eine Auflage von über fünf Millionen. Danach CR BURDA (SUPER-Zeitung), BAUER (REVUE), Familia Press, Wien (Täglich Alles). In seinem Buch “Die Wahrheit über den Niedergang einer großen Zeitung” (hier bestellen!) beschreibt Bartels, warum BILD bis 2016 rund 3,5 Mio seiner täglichen Käufer verlor; inzwischen mehr als 4 Mio. Bartels ist zu erreichen über FB und seinen Blog bartels-news.de.