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Greta: Mit Segel-Hippies und Baby an Bord über den Atlantik

Von SLOCUM | Klima-Ikone Greta will per Yacht-Stopp über den Atlantik von der amerikanischen Ostküste zur Weltklimakonferenz nach Spanien. Die 16-Jährige aus Schweden lässt sich ab Donnerstag von Segel-Hippies auf einem Luxus-Katamaran nach Spanien transportieren. Natürlich fast emissionsfrei. Mit einem Baby an Bord und Eignern, die von sich behaupten, auf hoher See vom Segeln keine Ahnung gehabt zu haben.

Vor einigen  Tagen twitterte Greta händeringend nach einer emissionsfreien Mitfahrgelegenheit Richtung Europa, nachdem die Klimakonferenz kurzfristig von Chile nach Madrid verlegt worden war und sie ihre Reisepläne ändern musste. Der deutsche Profiskipper Boris Hermann hatte die Rennyacht eines monegassischen Milliardärskonsortiums mit ihr im August von England nach New York geprügelt (PI-NEWS berichtete).

Nun ist sie auf einen Luxus-Katamaran von australischen Segel-Hippies umgestiegen. Riley Whitelum und Elayna Carausu, so heißen die Aussteiger, sind seit mehreren Jahren mit dem rund 15 Meter langen Doppelrümpfer  „La Vagabonde“ unterwegs. Sie gehören zu der Handvoll weltweit führender  sogenannter Segel-Vlogs, die ihr Nomadenleben auf YouTube vermarkten und das interessierte Publikum mit Internet-Tagebüchern in Video-Form bedienen (Video-Blog =Vlog).

Angeblich wurden sie schon 56 millionenfach angeklickt (Yacht). Sie behaupten von sich selbst, dass sie zwar schon das Mittelmeer, den Atlantik, die Karibik und  den Pazifik überquert hätten, ohne von Segeln eine Ahnung gehabt zu haben.

Greta twittert, dass sie am Mittwoch in See sticht. Andere Quellen nennen Donnerstag als Abfahrttermin.

In diese Crew ist Greta samt Vater laut eigenem Tweet eingestiegen. Zur Mannschaft gehört auch die englische Profiskipperin Nikki Henderson, die offensichtlich die mangelnde Segelerfahrung des Eignerpaares ausgleichen soll. Das ist sicherlich damit ausgelastet, sich um ihr acht Monate altes Baby Lenny zu kümmern, das den Weltenbummlern unterwegs geboren wurde.

Auf was sich Gretra Thunberg eingelassen hat, ist aus mehrfacher Sicht hinterfragenswert. Ist es seemännisch zu verantworten, dass man sich mit einem Segelschiff und einem Baby an Bord  im Herbst auf die 5.400 Kilometer lange Reise von West nach Ost über den oft sturmgepeitschten Atlantik wagen sollte? Starke Gegenwinde mit Sturmboen, aber auch schwachwindige Zonen und Flauten kennzeichnen den riskanten Trip. Der von Greta beklagte Klimawandel macht den Trip wettermäßig unberechenbar. Hinzu kommt, dass die „La Vagabonde“ mit 7,5 Knoten maximalem Speed längst nicht so schnell ist wie die Rennyacht „Malizia II“, die mit über 20 Knoten Spitzengeschwindigkeit und einer professionellen Wetterberatung in der Lage war, gegebenenfalls gefährlichen Tiefs auszuweichen, vor ihnen abzulaufen oder Flautenlöcher zu vermeiden. Für den West-Ost-Törn muss die „Vagabonde“ bestenfalls mit 17 Tagen rechnen, wahrscheinlich aber eher mit 24 Tagen bei 5 Knoten Schnitt/Stunde. Wenn alles gut geht. Die Konferenz beginnt am 2. Dezember in Madrid.

Zu fragen ist, welchen Vorbildcharakter das Lebensmodell haben soll, auf das sich Greta für den Transport einlässt. Selbst Segelreporter merken kritisch an, ob Segeln noch Spaß macht, wenn die Kamera immer dabei ist.

Wer die Segel-Vlogs als segelnde Peep-Shows bezeichnet, liegt nicht falsch. Vorgespielt wird oft eine „gnadenlos heile Welt“, titelte die Zeitschrift Segel-Reporter. Die Transporteure von Greta Thunberg haben schließlich auch die Geburt des Sohnes vermarktet. Lenny unter Segeln. Das bringt Klicks und spült Geld durch Crowdfunding in die meistens chronisch angespannte Bordkasse. Denn mit einem goldenen Löffel sind die australischen Eigner nicht geboren worden, sagen sie auf ihrer Homepage.

Ihr jetziges Schiff, die „La Vagabonde“ (Duden: „Landstreicher, Herumtreiber“. Sueddeutsche: „Der Wanderer“), entstammt einem „unmoralischem Angebot“, berichtet die Fachpresse: „Die französische Werft Outremer stellte den beiden einen ihrer Luxuskatamarane (Beneteau, Baujahr 2007) zur Verfügung. Unter der Voraussetzung, dass sie ihren großen Törn nochmals von vorne beginnen – nur jetzt eben auf einem „Loft auf zwei Rümpfen“ und bitteschön mit vielen netten Ansichten vom Außen- und Innenleben auf so einem Katamaran – Gnaden- und schonungslos gewähren sie nun online Einblick in intimste und privateste Momente“.

Ist Hitchhiking per Luxus-Yacht a la Greta der ultimative Schlüssel für emissionsfreien Transportverkehr im Zeichen des Klimawandels? So ganz Co2-sauber wie vorgeblich auf der „Malizia II“, wo man noch auf den Eimer entleeren musste, geht es beim Retour-Törn schon nicht mehr zu. Die „Vagabonde“ verfügt selbstverständlich über eine Toilette. Dazu noch über zwei motorisierte Rumpfantriebe, einen spritfressenden Generator und  Außenborder fürs Beiboot. Die hin- und herjettenden Hilfskräfte nicht eingerechnet. Ob Greta wieder beim  Anlanden im spanischen Hafen (wie in New York) emissionsfrei von einem batteriebetriebenen Tender hereingeholt wird, ist nicht bekannt. Auch nicht, was das ganze Spektakel kostet und wer bezahlt. Aber das sind für eingeschworene Klima-Aktivisten Nickligkeiten. Auf die Haltung kommt es an.