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Lenin kommt nach Gelsenkirchen

Von MANFRED ROUHS | Seit dem Ende der 1980er Jahre wurden in Europa und der ehemaligen Sowjetunion tausende Lenin-Statuen demontiert und die meisten davon verschrottet. Während der kommunistische Revolutionsführer überall aus dem öffentlichen Straßenbild verschwand, geht die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) vor ihrer Parteizentrale in Gelsenkirchen den Weg in die andere Richtung und lässt eine Lenin-Statue neu aufstellen, die sie in Russland erworben hat – die erste in Westdeutschland.

Das gusseiserne Streitobjekt ist ca. 2,15 Meter groß und soll zuletzt in Tschetschenien gestanden haben. Die Stadt Gelsenkirchen scheiterte vor dem zuständigen Verwaltungsgericht mit dem Versuch, einen Baustopp durchzusetzen, wie die „Bild“-Zeitung berichtet. Sie gab damit der MLPD die Gelegenheit, im propagandistischen Stil der 1950er Jahre einen „großartigen Sieg für Wladimir Iljitsch Lenin“ zu verkünden.

Die MLPD ist eine skurrile stalinistische Kleinstpartei, die bei Wahlen stets Promille-Ergebnisse erzielt, aber dank einer Millionenerbschaft ein ehemaliges Sparkassengebäude in Gelsenkirchen erwerben und zu ihrer Parteizentrale machen sowie relativ aufwendige Wahlkämpfe finanzieren kann. Die Optik ihrer Plakate erinnert an die Mitte des 20. Jahrhundert, und eines ihrer beliebtesten Motive ist – Lenin.

Fraglich bleibt, ob es der MLPD gelingt, ihre Statue auf Dauer gegen böse Einwirkungen von außen zu schützen. Nach wie vor leben in Deutschland tausende Menschen, die als frühere Verfolgte des SED-Regimes auf Lenin & Co. nicht gerade gut zu sprechen sind …


PI-NEWS-Autor Manfred Rouhs, Jahrgang 1965, ist Vorsitzender des Vereins Signal für Deutschland e.V., der die Opfer politisch motivierter Straftaten entschädigt. Er ist als Unternehmer in Berlin tätig und vermittelt Firmengründungen in Hong Kong.