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Merkels Corona-Zuflüsterer

Von WOLFGANG HÜBNER | Je näher der Zeitpunkt für politische Entscheidungen hinsichtlich der Beendigung oder zumindest Lockerung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen in der Virus-Krise kommt, desto dringender suchen die Regierenden in Deutschland nach wissenschaftlicher Autorität zur Legitimierung ihrer drastischen Entscheidungen.

Nachdem einige Wochen die Demokratie in eine Virologie verwandelt schien, ist Ernüchterung eingetreten: Denn die beiden dem Publikum bekanntesten Fachmediziner, Christian Drosten und Hendrik Streeck [1], sind sich offenbar ganz und gar nicht mehr einig in der Beurteilung der pandemischen Lage.

Pikant daran ist, dass hinter dieser Auseinandersetzung auch ein Konflikt zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (pro Drosten) und Kanzlerkandidat Armin Laschet (pro Streeck) steht. Was daran die Show von zwei CDU-Politikern oder doch reale Meinungsunterschiede sind, soll hier nicht das Thema sein.

Merkel und die Bundesregierung setzen jedenfalls auf eine neue wissenschaftliche Autorität: Die „Leopoldina“ in der sachsen-anhaltinischen Stadt Halle. Wer den Namen „Leopoldina“ noch nie gehört hat, muss sich nicht grämen.

Denn bislang ist diese Institution als einflussreicher Politikberater wohl nur den wenigsten Deutschen bekannt. Aber lassen wir die „Leopoldina“ sich selbst vorstellen: [2]

„Die 1652 gegründete Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina ist mit ihren rund 1.600 Mitgliedern aus nahezu allen Wissenschaftsbereichen eine klassische Gelehrtengesellschaft. Sie wurde 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. In dieser Funktion hat sie zwei besondere Aufgaben: die Vertretung der deutschen Wissenschaft im Ausland sowie die Beratung von Politik und Öffentlichkeit.“

Die „Leopoldina“ ist zweifellos eine bedeutende Institution in Deutschland. Eines aber ist sie nicht, nämlich eine für Epidemien und Pandemien fachlich kompetente Forschungseinrichtung. Denn geforscht wird in Halle nicht, vielmehr ist das prachtvolle strahlend weiße Gebäude der „Leopoldina“ ein Forum für Forscher aus ganz verschiedenen Gebieten der Wissenschaft.

Nun  hat eine 26-köpfige, hochkarätig besetzte Arbeitsgruppe eine 19-seitige Stellungnahme erarbeitet (hier als pdf im Download) [3], die aktuell in allen Medien große Beachtung findet und der Bundesregierung Orientierung für den Ausstieg aus der virusbedingten Auszeit bieten soll. Wer sich das Dokument allerdings näher anschaut, wird enttäuscht werden: Denn konkrete Ratschläge für politische Entscheidungen werden nicht oder nur sehr vorsichtig erteilt.

Das ist jedoch keineswegs verwunderlich, wenn 26 Wissenschaftler aus ganz verschiedenen Bereichen sich unter Zeitdruck auf einen Text einigen müssen. Und keiner von den 26 Kapazitäten war zuvor mit der jetzigen Situation konfrontiert worden – so wenig wie die Politiker.

Eines der 26 Mitglieder der Arbeitsgruppe ist zum Beispiel der Präsident der „Leopoldina“, der Klimatologe Gerald Haug. Andere sind Juristen, Pädagogen, Theologen, Soziologen sowie auch Repräsentanten naturwissenschaftlicher  Einrichtungen. Virologen sind übrigens keine darunter, auch die Frauenquote mit nur zwei Vertreterinnen lässt sehr zu wünschen übrig.

Die Politiker in Berlin und in den Ländern halten nun zwar den Bericht der „Leopoldina“-Arbeitsgruppe beschwörend hoch, aber entscheiden und diese Entscheidungen verantworten müssen sie unverändert selbst. Da sie bislang ein sehr braves und geduldiges Volk erlebt haben, ist damit zu rechnen, dass der Ausnahmezustand hier und da gelockert, aber noch sehr lange unser Leben bestimmen und entsozialisieren wird. Die vielen klugen Köpfe der „Leopoldina“ werden daran nichts ändern: Denn die wissen auch nicht, was nun zu tun richtig wäre. Aber dafür haben wir ja Angela Merkel!


Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner [4] schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite [5] erreichbar.

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