Berliner Freiheitsdemo ein „unerfreulicher Höhepunkt“?

Von ROBERT ANDERS | Die AfD ist schon eine merkwürdige Partei: Sie wird von fast allen Medien diffamiert, sie wird von allen anderen Parteien im Bundestag diskriminiert, sie wird vom Verfassungsschutz verfolgt und von der Antifa verprügelt, dazu streitet sie sich noch intern mit einer Energie, die man sich eigentlich für den Kampf für die vielen Feinde der Partei aufheben sollte.

Und dann passiert an einem heißen Augustsonntag in Berlin endlich mal was Großes und Gutes, nämlich eine Großdemonstration, in der sich neben hunderttausenden anderen Teilnehmern auch Mitglieder und  Funktionäre der AfD völlig gefahrlos wie der Fisch im Wasser bewegen können. Niemand schließt sie dort aus, niemand (außer den Hetzmedien) denunziert sie dort. Aber dann verfasst wenige Tage später der Vorsitzende dieser Partei eine veröffentlichte, überaus wortreiche Erklärung mit folgenden Formulierungen:

Liebe Leser, der Zustand unseres Landes, ganz konkret die Art der Auseinandersetzung in der Frage des richtigen Umgangs mit dem Coronavirus, gibt Anlass zu tiefer Sorge.

Die ungeheure Polarisierung, die bereits in den letzten Wochen an allgegenwärtigen Schuldzuweisungen spürbar war, steigerte sich am vergangenen Wochenende zu einem (zumindest vorläufigen, hoffentlich aber endgültigen) unerfreulichen Höhepunkt.

Der Auslöser war die allseits bekannte Demonstration in Berlin gegen die teilweise drastischen Maßnahmen zur Beschränkung der bürgerlichen Freiheitsrechte aufgrund der Corona-Pandemie.“

Der AfD-Vorsitzende, der über den Massenaufmarsch aktiver Freiheitskämpfer in Berlin eigentlich vor Freude und Begeisterung immer noch glühen müsste, bezeichnet also dieses Ereignis als „unerfreulichen Höhepunkt“ – was hat der Mann geschluckt?!

Und warum tut Meuthen das? Weil unter den Demonstranten auch Menschen gewesen seien,  die nicht an die Gefahr von Corona glauben. Nun mag man über solche Auffassungen gewiss verschiedener Meinung sein. Aber es wird unter den Berliner Teilnehmern bestimmt auch viele gegeben haben, die nicht glauben, dass die AfD wirklich die Alternative für Deutschland ist. So ist das halt in der Demokratie, das muss man aushalten. Aber bislang liegt nach meiner Kenntnis von den AfD-Skeptikern noch keine Stellungnahme vor, wonach der Samstag ein unerfreulicher Höhepunkt war, weil auch Leute von dieser Partei dabei waren.

Ach ja, gerade erfahre ich, dass der andere AfD-Vorsitzende, Tino Chrupalla, sich positiv über die Berliner Demonstration geäußert habe. Und da sich Meuthen und Chrupalla seit einiger Zeit nicht mehr gut verstehen sollen, könnte der Grund für die Stellungnahme von Meuthen gar nicht die Teilnahme von Corona-Skeptikern, sondern die Äußerung seines „Parteifreundes“ gewesen sein. Bei dieser merkwürdigen Partei ist keine Vermutung zu spekulativ!