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Wer in Socken schläft, lebt länger…

Von PETER BARTELS | Es gibt Weise und es gibt Greise. Einst gab es sogar „weise Greise“; Sophokles schrieb weit jenseits der 80 seinen „Ödipus auf Kolonos“, der 2500 Jahre später immer noch auf den Bühnen der Welt gespielt wird. Wir? Heute? Die meisten Greise haben eine Meise.

Eine zwitschert bei BILD. Name: Franz Josef Wagner, Alter: 77, Beruf: Postbote. Er schläft neuerdings in Socken, damit er nicht stirbt. Es sind eigentlich Muttis Socken. Denn die Kanzler-Matrone hat nicht nur die Pestmaske unter noch freiem Himmel verordnet, sondern auch die Corona -Socken im Bett.

Und da der greise Mann von BILD schon immer ein abgöttischer Fan von Mutti war („Ich mag sie, ich mag sie sogar sehr“), interpretiert er sich natürlich  Muttis „Frierende Klassenzimmer“ in vorauseilendem Gehorsam sofort passend  für seine Grappa-Gruft in Berlin, Motto: „Mutti, ich weiß was … im Keller brennt noch Licht, aber ich habe es s o f o r t ausgemacht.“ Wagners Weisheit: Wer in Socken schläft, lebt länger!

Wer das alles für die Meise eines PI-NEWS-Greisen hält, mag es im O-Ton des „Postboten“ selbst nachlesen:

Mein offenes Fenster

Berlin draußen, bewölkt, elf Grad. Gestern schlief ich zum ersten Mal mit Socken. Auch in der Nacht ließ ich das Fenster auf. Man wird ja auch immer sterblicher, wenn man nicht lüftet. Man friert sich den Arsch ab, um nicht zu sterben.

Es ist kalt in meiner Wohnung, mindestens so kalt wie draußen. Ich habe meinen Winterpullover an.

Wir reden über Luft. Luft, die jeder Mensch braucht. Luft ist Gottes Geschenk, das wir aus dem Universum bekamen.

Luft ist das Lebenselixier der Menschheit. Nach Luft schnappen Fische, Menschen. Ohne Luft können wir nicht leben.

Ich lass mein Fenster auf.

Anlaß für Wagners „Manifest des Schwachsinns“ war die BILD-Schlagzeile nebenan: „Schulen bereiten sich auf Corona-Winter vor“. Text:

Millionen Schüler müssen in den nächsten Monaten … auch dicke Pullover, Schals und sogar Decken … (mitbringen). Denn wegen der Coronapandemie dürfte es in vielen Klassenzimmern richtig kalt werden“…

„Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, empfehlen Experten, Klassenräume alle 20 Minuten zu lüften („Stoßlüften“). Dadurch könnte die Raumtemperatur gerade im Winter deutlich sinken. „Richtiges Lüften ist das A und O“, sagt Philologenverband-Chefin Susanne Lin-Klitzing (57)“…

„Für die kalten Monate werden dicke Pullover, Schals und Decken zur Grundausstattung der Schülerinnen und Schüler gehören.“

Dann gibt das Blatt den komplett Bekloppten, fragt allen Ernstes: „Lernen bei wenigen Grad über nullist das möglich? Und macht den „Allgemeinmediziner Stephan Pilsinger“ aus München zum Watschn-Wastel: „Dennoch sei die Regelung absurd“ … Schließlich steige das Erkältungsrisiko durch Unterkühlung: „Das ist eine Gesundheitsgefährdung.“

Aber bis zu Pilsinger im Text hat es Grappa-Grufti Wagner offenbar nicht geschafft (chin-chin!). Stattdessen knallt er die morschen Hacken Blickrichtung Kanzleramt vor „Mutti“ zusammen, faselt was von „Luft (die) wir aus dem Universum (??!) bekamen“ … Und: „Ohne Luft können wir nicht leben“ … Also Socken, Pullover, Bett: „Man friert sich den Arsch ab, um nicht zu sterben.“

Hunde, wollt ihr ewig leben? Alles Kino, mehr nicht … Einer flog über das Kuckucksnest? Alles Merkel. Und ihre Meute fliegt mit …


Ex-BILD-Chef Peter Bartels.
Ex-BILD-Chef Peter Bartels.

PI-NEWS-Autor Peter Bartels war zusammen mit Hans-Hermann Tiedje zwischen 1989 und 1991 BILD-Chefredakteur. Davor war er daselbst über 17 Jahre Polizeireporter, Ressortleiter Unterhaltung, stellv. Chefredakteur, im “Sabbatjahr” entwickelte er als Chefredakteur ein TV- und ein Medizin-Magazin, löste dann Claus Jacobi als BILD-Chef ab; Schlagzeile nach dem Mauerfall: “Guten Morgen, Deutschland!”. Unter “Rambo” Tiedje und “Django” Bartels erreichte das Blatt eine Auflage von über fünf Millionen. Danach CR BURDA (SUPER!-Zeitung), BAUER (REVUE), Familia Press, Wien (Täglich Alles). In seinem Buch “Die Wahrheit über den Niedergang einer großen Zeitung” (KOPP-Verlag) beschreibt Bartels, warum BILD bis 2016 rund 3,5 Mio seiner täglichen Käufer verlor. Kontakt: peterhbartels@gmx.de.