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Gott und das Grundgesetz der Deutschen

Von WOLFGANG HÜBNER | In der ARD-Sendung um das Thema Sterbehilfe am Montag kam in der Spielhandlung des Autors Ferdinand von Schirach auch Gott vor. Und das nicht nur im Vortrag des fiktiven katholischen Bischofs, der faszinierend von dem Schauspieler Ullrich Matthes dargestellt wurde. Auch der von Lars Eidinger verkörperte, spürbar linksliberale Anwalt eines sterbewilligen alten Mannes kam im Laufe der Handlung auf Gott zu sprechen, nämlich jenem, von dem es in der Präambel des Grundgesetzes ganz am Anfang heißt: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen….hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“

Was hat Gott in einem Menschenwerk zu suchen, das bindende Grundlage des Zusammenlebens eines Volkes ist? Und welcher Gott soll das überhaupt sein? Betrachten wir zuerst die letzte Frage. Als der Parlamentarische Rat am 23. Mai 1949 das Grundgesetz verkündete, bezog sich der Gott in der Präambel zweifellos auf den christlichen Gott. Aber auch als die Präambel 1990 durch den Einigungsvertrag neu formuliert wurde, blieb Gott in der Präambel erhalten. Und der Bezug auf den christlichen Gott wurde damals noch nicht  ernsthaft bestritten. Seinerzeit war der Islam in Deutschland noch keine Macht. Inzwischen  sind die nichtislamischen Deutschen ein weitgehend gottesfernes, gottloses und in Teilen auch gottesfeindliches Volk geworden.

Nichts dokumentiert diesen Befund übrigens eindrucksvoller als die Reaktion auf die Virusgefahr. Da wo das Leben – auch mit Maske und Abstand vom Nächsten – als  allerhöchstes aller Güter gilt, kann Gott, der bekanntlich das Sterben nicht verhindert, keine Bedeutung und Macht mehr behaupten. Womit wir bei der oben genannten zweiten Frage sind, also der, was Gott überhaupt noch im Grundgesetz zu suchen hat. Der Anwalt in der ARD-Spielhandlung erkennt in dem Gottesbezug der Präambel jedenfalls nur eine symbolische Floskel, die irgendwie zur Demut verpflichten soll. Damit jedoch unternimmt er faktisch den Versuch, Gott aus dem Grundgesetz zu verbannen.

Das ist aus der Sicht des linksliberalen Anwalts nur logisch, denn er kann mit Gott nichts (mehr) anfangen: Gott stört nur in einem reinen Menschenwerk. Denn der neue Gott ist der freie, selbst entscheidende, selbstbestimmte Mensch. Und genau das soll der moderne Mensch unserer Zeit ja sein. Doch wo der Mensch sich vergöttlicht, da ist auch kein Platz mehr für Demut.  Denn vor was müsste ein Gott auch Demut empfinden oder zeigen? Der Anwalt sollte also konsequent für die ersatzlose Streichung des Gottesbezugs in der Präambel eintreten. Dazu bedarf es entsprechender politischer Mehrheiten, die ja längst durchaus möglich erscheinen. Jedoch wäre die Formierung einer solchen Mehrheit  mit Diskussionen verbunden, die von den meisten Parteien schon aus Gründen des politischen Opportunismus wie auch mangelnder geistiger Orientierung und Potenz gescheut werden.

Weit bequemer ist es, den Gottesbezug unbeachtet und folgenlos in der Präambel stehen zu lassen. Nur deshalb befindet sich das „Deutsche Volk“ noch immer auf dem Papier „im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott“ – also nicht nur vor „den Menschen“.  Wer aber tatsächlich Verantwortung vor Gott auf sich nimmt, der kann und darf den Menschen nicht vergöttlichen. Damit sind menschlicher Allmacht Grenzen gesetzt. Diese können nicht ohne die Verursachung unmenschlicher Folgen überschritten werden. Wo das trotzdem geschah und geschieht, waren und sind die Konsequenzen stets negativ, ja katastrophal.

Die Verfasser des Grundgesetzes haben das 1949 noch sehr gut gewusst, weil selbst erfahren. Die heutigen Ignoranten des Gottesbezuges in der Präambel, gewiss die große Mehrheit im Merkel-Deutschland, wollen es nicht mehr wissen. Die Folgen werden nicht ausbleiben. Der Mangel an Demut und der Überfluss an Kleinmut sind schon heute die gefährlichsten geistigen Pandemien unserer Zeit.


Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.