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US-Sanktionen: „Münchner Rück“ steigt aus Nord Stream 2 aus

Von DER ANALYST | Die zu über 90% fertig gestellte Gaspipeline Nord Stream 2 soll uns von der bisherigen Route der russischen Gaslieferungen, die durch die Ukraine und Polen führt, ein Stück weit unabhängiger machen. Die russische Gazprom und ihre westlichen Partner hoffen, das Projekt noch in diesem Jahr abschließen zu können.

An den russischen Gaslieferungen gibt es nichts zu kritisieren. Egal wie die „politische Großwetterlage“ war, die Russen haben immer geliefert: pünktlich, zuverlässig und preisgünstig. Lieferengpässe gab es immer nur, wenn die Ukrainer das russische Erdgas aus der durch ihr Land führenden Leitung nach Westeuropa abzapften.

Das Projekt hat viele Gegner

Nord Stream 2 würde diesem Missstand ein Ende bereiten, denn dann wird ein großer Teil des aus Russland gelieferten Gases in unterseeischen Röhren durch die Ostsee nach Deutschland geleitet. Die bisherigen Transitländer Ukraine und Polen fallen dann weg. Kein Zweifel, das ist ein herber Verlust für die Wirtschaft der beiden Länder, da sie bisher an den Transitgebühren recht gut verdient haben. Ein weiteres Land, dem Nord Stream 2 überhaupt nicht gefällt, ist die USA.

Die Amerikaner möchten, dass wir statt des russischen Erdgases ihr mittels „Fracking“ gewonnenes, teures Flüssiggas kaufen, das mit Schweröl betriebenen Riesentankern unter enormer Umweltbelastung über den großen Teich gekarrt wird (PI NEWS berichtete). Den Amerikanern geht es also darum, eine unliebsame Konkurrenz auszuschalten und den geopolitischen Kontrahenten Russland zu schwächen. Die Ukraine als derzeitiges Gas-Transitland möchte weiterhin maximale Einnahmen aus den Durchleitungsgebühren und könnte bei Bedarf auch mal etwas davon abzapfen, wie sie es in der Vergangenheit schon praktiziert hat. Und die osteuropäischen und baltischen EU-Staaten hegen aus den Zeiten der Sowjetunion noch ein tiefes Misstrauen gegen Russland.

Während die europäischen Gegner von Nord Stream 2 politisch auf Deutschland einwirken, das Projekt einzustellen, greifen die Amerikaner zu knallharten Sanktionen gegenüber den an der Fertigstellung beteiligten Firmen.

Zuerst waren die Verlegeschiffe dran

Die Swiss Allseas Group und die italienische Firma Saipem, deren Spezialschiffe, allen voran die riesige  „Pioneering Spirit“, die unterseeischen Röhren verlegt hatten, sind bereits aufgrund des Sanktionsdrucks der Amerikaner ausgestiegen. Hier haben ihnen jedoch die Russen einen Strich durch die Rechnung gemacht und sind mit ihrem Verlegeschiff „Akademik Cherskiy“ eingesprungen.

Jetzt konzentrieren sich die Amerikaner auf jene Unternehmen, die das Projekt versichern. Im Januar wurde berichtet, dass die Versicherungsgesellschaft Zurich Insurance Group AG aufgrund der Androhung von US-Sanktionen die Versicherungsdienstleistungen für den Bau von Nord Stream 2 eingestellt hat.

Diesem unrühmlichen Beispiel ist nun auch die Münchener Rück gefolgt. Sie wird das Gaspipeline-Projekt angesichts der drohenden US-Sanktionen nicht mehr versichern.

„Wir können bestätigen, dass unsere Tochtergesellschaft Munich Re Syndicate Ltd. eine Kündigungserklärung für Nord Stream 2 herausgegeben hat. Aus Gründen der Vertraulichkeit äußern wir uns jedoch normalerweise nicht zu einzelnen Verträgen“

(Stellungnahme der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft)

Aus für Nord Stream 2?

Das ist natürlich ein schwerer Schlag, wenn der weltgrößte Rückversicherer aus dem Projekt aussteigt, denn ohne Versicherung geht es nicht. Es bleibt abzuwarten, wie dieses Problem gelöst werden kann und ob sich jemand findet, der einspringt.

Sollte es den Amerikaner gelingen, Nord Stream 2 auf der Zielgerade noch zu stoppen, dann hat das an dem Projekt beteiligte russisch-europäische Konsortium (Gazprom, die BASF-Tochter Wintershall, der österreichische Mischkonzern OMV, die Eon-Abspaltung Uniper sowie die Royal Dutch Shell und die französische Engie) etwa 10 Milliarden US-Dollar in den Sand gesetzt.

Man sieht, „America first“ geht auch unter Biden.


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