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Rick Sanchez: „Hassrede? Nein, ich zitiere nur die Mainstreammedien“

Sehnsüchtig warten alle zwei Wochen die Fans der „Deutschen Wochenschau“ auf die neue Folge des satirischen Youtube-Formats von Rick Sanchez. Natürlich ist Rick nur ein Pseudonym, entnommen dem Spitznamen einer Comicfigur. Der Mann mit der „schnarrenden Reporterstimme“, wie Ex-BILD-Chef Peter Bartels vor kurzem schrieb, ist sich durchaus der Brisanz seines Werkes bewusst. „Würden die Medien wieder weniger sensations- und eskalationslüstern schreiben und Politiker wieder weniger Kriegsrhetorik in ihren Aussagen haben, ginge der ‚Deutschen Wochenschau‘ ganz schnell das Material aus“, äußert sich der 36-Jährige im exklusiven PI-NEWS-Interview.

PI-NEWS: Herr Sanchez, wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, die „Deutsche Wochenschau“ auf satirische Art und Weise wieder ins Leben zu rufen?

RICK SANCHEZ: Die Idee dazu kam mir das erste Mal im Jahr 2019, als es losging, dass Skeptiker des menschengemachten Klimawandels als „Klimaleugner“ diffamiert wurden. Als dies dann im Sommer 2020 auch mit Kritikern der Corona-Maßnahmen begann und diese mehr und mehr offen feindselig mit schwarzer Rhetorik in eine Ecke gedrängt wurden, während gleichzeitig die Grundrechte mehr und mehr eingeschränkt wurden, war mir klar, ich muss das Projekt irgendwie wieder hervorholen. So richtig den Ausschlag gab dann die Abstimmung über das Infektionsschutzgesetz am 18. November letzten Jahres und die Berichterstattung darüber, wie sich die Presse fast schon daran erfreute, wie der Staat hier gegen die Demonstranten vorging, während gleichzeitig nebenan im Eiltempo Rechte wie die Unverletzlichkeit der Wohnung zu Grabe getragen wurden. Als ich sah, dass ich die Texte so wie sie da standen Eins-zu-Eins übernehmen kann und nur etwas im Stil von Harry Giese einsprechen muss, um einen Bericht zu haben, wie er so auch 1942 im Kino hätte laufen können, war klar, dass ich das unbedingt genau so umsetzen muss, auch wenn ich anfangs nie mit einer größeren Reichweite gerechnet hätte.

Der Bezug zum Dritten Reich gilt hierzulande als „vermientes Gebiet“. Was würden Sie Leuten entgegnen, die Ihnen vorenthalten, dass Sie damit die Nazi-Zeit verharmlosen?

Das ist ja tatsächlich schon mal vorgekommen. Ebenso wie mich Kritik aus dem gegenüberliegenden Spektrum erreicht, die mir vorwirft, ich würde die damalige „Wochenschau“ verunglimpfen. Wobei das wohl sogar näher an der Realität ist. Es gibt ja auch eine öffentlich-rechtliche Satire-Sendung, „Extra3“, die immer wieder mal die CSU oder AfD im Rahmen einer an die NS-Zeit angelehnten „tönenden Wochenschau“ aufs Korn nimmt. Ich bin kein Freund von „es ist ok, wenn wir es machen“. Hier muss man einfach fragen, was darf Satire. „Hassrede“ kann man mir sicher nicht vorwerfen, immerhin zitiere ich nur Mainstreammedien. Und NS-Verharmlosung kann nur derjenige in meinen Videos sehen, der sich nicht eindringlich damit befasst hat und erkennt, dass ein Großteil der Folgen im Grunde gerade kritisiert, wie ähnlich sich die heutigen Medien und Politiker in ihrer Ausdrucksweise bereits dem damaligen Sprachstil wieder annähern – die Worte lege ich ihnen ja nicht in den Mund. Noch vor wenigen Jahren wäre eine Eins-zu-Eins-Übernahme der Texte gar nicht möglich gewesen. Würden die Medien wieder weniger sensations- und eskalationslüstern schreiben und Politiker wieder weniger Kriegsrhetorik in ihren Aussagen haben, ginge der „Deutschen Wochenschau“ ganz schnell das Material aus.

Wenn man sich die Ähnlichkeiten der Rhetorik der Medien von früher und heute betrachtet, könnte man sagen: Die Journalisten haben aus der Geschichte nichts gelernt…

Man könnte es meinen, aber ich fürchte, vielen ist das gar nicht bewusst, was sie da rhetorisch teilweise raushauen und die, die sich ganz besonders hervortun, wissen meiner Meinung nach genau was sie da tun, denn diese Propaganda-Rhetorik hat sich ja auch damals schon bewährt.

Welche Rolle spielen die Medien von heute im Rahmen der Corona-Propaganda?

Mit die wichtigste. Wo früher mit Zwang gleichgeschaltet wurde, haben sich die Medien alle über Jahrzehnte freiwillig selbst zensiert und sind über Netzwerke eng mit der Politik verflochten. Darum gibt es da so wenig Kritik, man könnte sonst ja seine guten Beziehungen verlieren. Sieht man gut in der Bundespressekonferenz: außer Boris  Reitschuster herrscht da ein Harmonie- und Wohlfühlbedürfnis, das den Pressekonferenzen von Putin in Sachen Zahmheit in nichts nach steht. Ob die Propaganda von den Medien selbst kommt und sie von der Politik nur dazu ermuntert werden oder ob sie wie früher direkt von der Politik vorgegeben wird, kann ich nicht sagen. Aber das spielt im Grunde beim selben Endergebnis auch gar keine so große Rolle.

Sie verarbeiten in Ihrer Wochenschau Originalzitate der heutigen Medien. Erkennen Sie da einen „Trend“ hin zu einer immer rabulistischeren Ausdrucksweise der Journalisten, um dem Corona-Narrativ gerecht zu werden?

Definitiv, ein gutes Beispiel ist Karl Lauterbach, wenn behauptet wird, er habe immer Recht behalten. Und weil er immer Recht hat, ist das, was er sagt, sinngemäß viele Meinungsartikel, fast schon Gesetz. Dabei wird dann unterschlagen, wie oft er auch schon meilenweit daneben lag. Darauf angesprochen wird dann mit Ausflüchten argumentiert bis hin zu Totschlagsargumenten wie: „Wollen wir wirklich Menschen sterben lassen?“ Auch sogenannte „Schwarze Rhetorik“ wird gern als Stilmittel verwendet.

Das heißt, Ihnen wird so schnell Stoff für Ihre nächsten Sendungen nicht ausgehen?

Nein, im Gegenteil mein Redaktionsteam und alle Freiwilligen, die für die Wochenschau auf die Suche nach Material gehen, liefern immer derart viel, dass ich quasi die Qual der Wahl habe und dann natürlich die Beiträge mit der offensichtlichsten Propaganda in die Sendung nehme.

Wir wünschen Ihnen dabei in Zukunft immer das richtige Händchen.

Vielen Dank.


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