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Sprachwissenschaftler schlagen neue Regeln vor: Gendern mit Y!

Von CANTALOOP | Wohlstandsprobleme allenthalben: „Forschende“, „Lehrende“ und „Schreibende“, sowie einige andere, die beruflich mit Sprache und Kommunikation zu tun haben, machen sich permanent Gedanken darüber, wie Selbige gerechter und sensibler gestaltet werden kann. Bekanntlich sollen alle Geschlechter dabei eingeschlossen werden, um ja keinen zu diskriminieren.

Was anfangs noch als nicht ernstzunehmende Gaga-Wissenschaft verlacht worden ist, fängt mittlerweile an, immer dreister in unseren alltäglichen Sprachgebrauch einzugreifen. Langsam aber stetig. Gewissermaßen wie eine Metaebene zur Umgangssprache.

Wem solcherlei Ausdrucksformen wichtig sind, wer Schüler oder Student ist – oder aber in Mainstream-Medien publiziert, kann aus verschiedenen Methoden wählen und entweder mit Sternchen*, Doppelpunkt: oder dem Binnen-I die weibliche und männliche Form gleichsam verwenden. Geschrieben sieht eine Wortschöpfung wie „Lehrer*innen“ ja noch recht harmlos aus. Aber wie artikulieren wir die Genderform richtig – und welche Methode eignet sich hierfür am besten? Sprachwissenschaftler Thomas Kronschläger wählt dabei einen ganz neuen Weg.

Er schlägt „Entgendern mit y“, bzw. „Entgendern nach Phettberg“ vor. Statt die maskuline und feminine Form zu kombinieren und mit einem Sonderzeichen abzugrenzen, wird einfach ein y an den neutralen Wortstamm angefügt. In der Mehrzahl kommt dann noch ein s dazu. So wird aus Lehrer*in Lehry, aus Prüfer*innen Prüfys und aus Ärzt*innen werden Ärztys. Geradezu putzig – und dennoch eine ernsthafte Bedrohung für unsere gesamte gewachsene Sprachkultur.

Das generische Maskulinum alleine gilt als „toxisch“

Aus der in den 70er-Jahren etablierten „politischen Korrektheit“, der anfangs eigentlich ein hehrer Gedanke zugrunde lag, nämlich Minderheiten höflich zu behandeln, erwuchs im Laufe der letzten Jahrzehnte eine ernsthafte, gesellschaftliche Herausforderung, der sich mittlerweile fast niemand mehr entziehen kann. Insbesondere im grün-universitären Umfeld gedeiht diese selbstauferlegte Hochmoral immer mehr. Zwischenzeitlich ist eine regelrechte Hysterie darüber entstanden, die sicher maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass medial aufgepumpte Bewegungen wie „Black Lives Matter“ oder dergleichen überhaupt so groß werden konnten.

Zudem bemerkenswert: aktuell werden in zahlreichen Unis Studenten bei wichtigen Abschlussarbeiten bereits Punkte abgezogen, sollten sie in ihrem Werk nicht korrekt gegendert haben. Form ist also schon in manchen Bereichen wichtiger geworden als der Inhalt. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz hat diesbezüglich schon einiges publiziert – ein geradezu wohltuender Kontrast zum linksdominierten Korrektheitsanspruch.

Die Intention hinter all dieser Sprachmanipulation ist unterdessen klar, denn wer die Sprache kontrolliert, der hat irgendwann auch die Kontrolle über das Denken. Und dann schließt sich der Kreis. Oder wie es Franz Josef Strauß damals ausdrückte:

„Wir dürfen uns nicht im Kampf um die Sprache von den Sozialisten verdrängen lassen. Denn den Rückschlag der 1970er Jahre haben wir nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass die anderen sich der Sprache bemächtigt haben, die Sprache als Waffe benutzt haben, dass sie Begriffe herausgestellt, mit anderem Inhalt gefüllt und dann als Wurfgeschosse gegen uns – nicht ohne Erfolg – verwendet haben. Und darum ist für mich der Kampf um die Sprache eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die geistige Selbstbehauptung.“

In Kombination mit der ebenfalls völlig überzogenen linken Identitätspolitik wird dieser zivilisationskranke Unfug unserer Gesellschaft langfristig zweifellos mehr schaden als nutzen.

Kontakt:

Thomas Kronschläger
Institut für Germanistik
Abt. Didaktik der deutschen Sprache und Literatur
Bienroder Weg 80
38106 Braunschweig
Tel.: +49 531 – 391 8715
Fax: +49 531 – 391 8668
t.kronschlaeger@tu-braunschweig.de