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„Local Heroes“: Schwarz-weiß-Framing im Mittagsmagazin

Schwarz-weiß-Framing vom Feinsten bot das ARD-Mittagsmagazin am 29.07. dem Wahlvolk ab 13:00 Uhr im Fernsehen an. „Local Heroes“ wurden dort gezeigt, lokale Helden, die den Attentaten von rechts trotzen, so der Unterton zu Beginn des Beitrags. Bilder von den Attentaten auf Walter Lübcke und Henriette Rekers werden vorangestellt, um die aktuelle Gefahr und den Mut der heutigen Local Heroes unter Beweis zu stellen.

Eine der beiden ist Oberbürgermeisterkandidatin von Aachen, die als Parteilose für die Grünen antritt. Um zu zeigen, wie ernst sie es als Bunte meint, macht das Fernsehteam gleich zu Beginn Aufnahmen von ihr und einem Schwarzen, wie sie zusammen ein Quatsch-Selfie aufnehmen, bei dem er manisch seine rosa Zunge rausstreckt. Nach politischen Inhalten wird sie in der Folge nicht gefragt.

Der zweite Held des Mittagsmagazins ist Mate Sieber, 22 Jahre alt, Student (Politik) und Bürgermeisterkandidat für das westlich von Hamburg gelegene Horneburg. Sein (FDP-) Programm lautet: „Zeig mir dein Horneburg“. Dazu wird sein Gesicht gezeigt, eingerahmt von einer Aura aus bunten Linien. Begeisterung ließ sich vom Fernsehen dafür nicht auf der Straße einfangen, „nicht aussagekräftig“ befand eine ältere Passantin, aber das Erste erklärt’s dem doofen Wahlvolk, was für ein Guter der Mate ist:

Mate will nämlich zeigen, dass er „da“ ist, „auch wenn die gesellschaftliche Stimmung ein bisschen angespannt ist“ (ab Minute 25:09). Die begleitenden Bilder zeigen Aufkleber der Antifa-SA, danach dann einen aufgesprühten Schriftzug „FCK NZS“.

Die Dramatik steigt. Er will, so Mate Siebert, „dass da neue Impulse von außen rankommen“, als er plötzlich entdeckt … dass Plakate von ihm verschwunden sind. Wer könnte das gewesen sein? Der Sprecher aus dem Off (25:43) meldet sich:

„Vor vier Jahren hat Mate Sieber zum ersten Mal gewählt. Bei einer Bundestagswahl, bei der die AfD besonders stark war.“

Weißte Bescheid. Stark waren natürlich auch andere Parteien vor vier Jahren. Sinn ist es hier, die AfD in die Nähe von Vandalen zu rücken, die Plakate klauen, ohne das direkt auszusprechen. Die ARD-Rechtsabteilung passt auf, dass die Propaganda nicht justiziabel wird und die Journalisten setzen ihren „Programmauftrag“ perfekt um.

Nächste Einblendung: ein Aufkleber mit der Aufschrift: „Erinnern heißt kämpfen“ „Alle zusammen gegen die Faschistinnen“. Und direkt danach steht Mate neben eben diesem Aufkleber und verspricht, für eine bessere Welt zu kämpfen, damit „Randgruppen“ und „Extreme“ keine Chance haben. Deswegen mache er Politik, so der Politikstudent. Dass sein Programm, sich die Ortschaft zeigen zu lassen, etwas mager daherkommt, macht in diesem Moment nichts mehr. Für das Erste Deutsche Fernsehen ist er, Mate, der Erste, ein local hero eben.