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Leipzig: Jude in Luxushotel beleidigt – Medien berichten Halbwahrheiten

Von MANFRED W. BLACK | Weil er einen Davidstern gut sichtbar an einer Kette trug, soll ein Mitarbeiter des Leipziger Spitzenhotels Westin dem 39-jährigen jüdischen Sänger Gil Ofarim das Einchecken verweigert haben. An der Rezeption hatte es offenbar eine riesige Schlange gegeben, weil der Computer nicht funktioniert hat.

Allem Anschein nach ist Gil Ofarim – der Sohn der israelischen Musik-Legende Abi Ofarim – in extremer Form antisemitisch beleidigt worden. Medien berichten über den Skandal freilich nur die halbe Wahrheit.

Protestaktionen

Gil Ofarim erzählte nach den Vorfällen, ein Herr W. von der Rezeption habe gerufen: „Packen Sie Ihren Stern ein.“ Erst dann dürfe er einchecken. Der Sänger hat nach eigenem Bekunden daraufhin nach dem Manager des Hotels verlangt. Doch der angesprochene Hotel-Mitarbeiter habe behauptet, dieser sei nicht erreichbar. Daraufhin hat der Musiker sichtlich aufgelöst das Hotel verlassen.

Die Vorfälle haben in einigen Medien und in den Sozialen Netzwerken für Empörung gesorgt. In Leipzig versammelten sich am Dienstagabend viele Menschen zu einer Protest-Kundgebung. Laut Veranstalter haben sich 600 Menschen der Aktion angeschlossen. Einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) zufolge beteiligten sich auch Mitarbeiter des Hotels – allerdings in der Nähe der eigentlichen Protestaktion, direkt vor dem Westin, das nicht nur zu den höchsten Bauwerken der Messestadt zählt, sondern auch zu den besten Business-Hotels in Deutschland.

Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) berichtete ebenfalls über die Proteste und schrieb: „Auch mehrere Mitarbeiter des Hotels setzten etwas abseits der Demo ein Zeichen und stellten sich mit einem Banner, das unter anderem israelische Fahnen zeigte, vor den Eingang des Hauses.“ Eine Darstellung, die – wenn überhaupt – nur die halbe Wahrheit beschreibt.

MDR und LVZ verschweigen den islamischen Halbmond vor dem Hotel

Was der öffentlich-rechtliche Sender MDR und die LVZ geflissentlich verschweigen, ist die Tatsache, dass die Demonstration vor dem Westin recht sonderbar ablief. Darüber hat nur die Bild-Zeitung berichtet. Mitarbeiter des Hotels stellten sich seltsamerweise nicht nur mit mehreren Israel-Flaggen vor das Westin, sondern auch mit mindestens zwei großen islamischen Halbmond-Transparenten. Unter diesen Hotelmitarbeitern hat sich auch der Generalmanager des Westin befunden.

Was Viele nicht wissen: Der Davidstern, den Gil Ofarim vor der Rezeption des Hotels ablegen sollte, gilt als wichtiges Symbol des Judentums; die israelische Flagge ist ein Staatssymbol. Und der Halbmond Hilal wird als arabisches Zeichen für die Sichel des zunehmenden Mondes angesehen; Muslime verstehen diese Sichel als eines ihrer wichtigsten religiösen Embleme. Die Bild-Zeitung schreibt dazu: „Merkwürdig (…), dass Mitarbeiter den islamischen Halbmond hochhalten, obwohl hier ein Jude wegen eines jüdischen Symbols diskriminiert worden sein soll.“

Hotel-Mitarbeiter „beurlaubt“

In Kreisen des Hotelpersonals ist mittlerweile inoffiziell die Behauptung aufgestellt worden, dass sich der Vorfall vor der Rezeption anders abgespielt habe als von Ofarim dargestellt. Demnach habe Herr W. drei Gäste vorgelassen. Die Gründe werden nicht genannt. Ofarim sei deswegen wütend geworden. Nach einem Wortgefecht „sei der Sänger […] des Hauses verwiesen worden“ (Bild-Zeitung).

Diese Darstellung bestreitet jedoch die Managerin Ofarims, Yvonne Probst, energisch: „Gil sagt, es war nicht so. Dass es mit seinem Davidstern zu tun hatte, hat er sich nicht ausgedacht. Er sagt, das sei immer das Problem bei Antisemitismus, dass es dann heißt Aussage gegen Aussage. Er hat definitiv nicht gepöbelt.“

Dass der Sänger Ofarim die Wahrheit spricht, kann man wohl auch daraus folgern, dass nach einem Bericht der LVZ das Leipziger Hotel noch im Verlauf des Dienstags die betreffenden Mitarbeiter „beurlaubt“ hat, die an der Rezeption Dienst taten. Das bestätigte die stellvertretende Managerin Antje Reichstein der Zeitung mit den Worten: „Wir sind ein weltoffenes Hotel und lehnen jede Form von Intoleranz, Diskriminierung und Antisemitismus auf das Schärfste ab.“

Was waren die ethnischen Hintergründe?

Nun hat sich auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zu den skandalösen Vorfällen geäußert: „Wo waren die anderen Menschen in der Schlange vor der Rezeption, die sich an die Seite von Gil Ofarim gestellt haben?“ Warum habe niemand protestiert?

Die Frage, wer denn genau die kritisierten Rezeptionisten und die „Kollegen Demonstranten“ des Westin gewesen sind, stellt Schuster freilich nicht. Die Frage, ob hier muslimische Hotel-Angestellte – auch bei der seltsamen „Demonstration“ vor dem Hotelgebäude – das Sagen hatten, traut sich offenbar bisher nicht einmal die Bild-Zeitung zu stellen. Und warum der LVZ nur die stellvertretende Direktorin – und nicht der verantwortliche „Generalmanager“ – Rede und Antwort gestanden hat? Auch die Frage wird nicht beantwortet.