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Belarus – die Bildersprache der Tagesschau

Sie können es einfach nicht lassen. Zu Beginn der Flüchtlingskrise 2015 wählten Tagesschau und Tagesthemen solche Bilder für ihre Berichterstattung, die geeignet waren, beim Zuschauer Mitleid auszulösen. Es galt, die Zuschauer propagandistisch auf täglich tausende ins Land strömende (männliche) Merkel-Gäste vorzubereiten. Die Bilder waren aber so platt, die Kritik so deutlich, dass Chefredakteur Kai Gniffke die Regierungs-Propaganda schließlich reduzieren musste. Der Focus [1] zitierte ihn im Oktober 2015:

Die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“ zeige nicht immer ein richtiges Bild der nach Deutschland drängenden Flüchtlingen. Das hat „ARD aktuell“-Chefredakteur Kai Gniffke jetzt eingeräumt. Vor Branchenexperten in Hamburg sagte Gniffke: „Wenn Kameraleute Flüchtlinge filmen, suchen sie sich Familien mit kleinen Kindern und großen Kulleraugen aus.“ Tatsache sei aber, dass „80 Prozent der Flüchtlinge junge, kräftig gebaute alleinstehende Männer sind“.

Nun betrachte man das Bild oben, das die Tagesschau für die Belarus-Berichterstattung [2] ursprünglich (siehe Update am Ende dieses Artikels) ausgewählt hat: In der Mitte eine Frau, links davon eine weitere. Und natürlich mehrere Kleinkinder, die auf den Armen der Mütter und Väter getragen werden. Ein grünes Idyll.

Auch das eingebettete Video zeigt zu Beginn Bilder, die eher an einen Familienausflug als an den Sturm auf die Grenze erinnern. Entsprechend kommentiert die Tagesschau:

Vorbereitungen für die Nacht. Auf der belarussischen Seite sitzen Migranten und Flüchtlinge fest. Zelte werden aufgebaut und Lagerfeuer entzündet. Es sind Männer, Fauen und Kinder. Solche Videos werden aus dem Grenzgebiet ins Internet gestellt. Alles ist dokumentiert.

In unpersönlicher Formulierung („es“) wird später dann auf die Gewalttätigkeit „einiger“ eingegangen, die versuchen, den Zaun niederzureißen. Man kann es nicht mehr weglassen, weil es doch schon jeder weiß. Aber dann eben im richtigen Rahmen. So weit das Framing der ARD-Tagesschau. Nichts dazu gelernt beziehungsweise: Propagandaauftrag wieder erfüllt. Im Westen nichts Neues.

Update 10:30 Uhr: Während des Verfassens unseres Artikels wurde der Tagesschau offensichtlich ihr eigenes Bild zu peinlich. Sie tauschten es gegen das neue Bild aus, das allerdings eine ähnlich Botschaft an unser schlechtes Gewissen senden soll: Eine Frau steht am Stacheldrahtzaun (Nato-Draht), auf dem Arm trägt sie ein Kind, daneben steht noch ein Kind, links davon eine weitere Frau und ein Mann, der den Arm hebt (soll wohl suggerieren: „Warum lasst ihr uns nicht durch?“), dann ganz links im Bild noch ein Kind.

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