Von AKIF PIRINCCI | Während der rasanten Expansionsphase der Streamingdienste à la Netflix in den letzten Jahren wurden diese in fast allen Ländern vom Gesetzgeber dazu verpflichtet, daß, wenn sie schon das Geld der Zuschauer in den jeweiligen Ländern einstreichen, sie einen Teil davon gefälligst auch in heimische Filmproduktionen zu investieren haben. Es ist so eine Art kommerzielle Filmförderung, aber viel effizienter und professioneller, weil die Investitionen letzten Endes von US-Produktionsprofis überwacht werden und keine staatlichen Filmbeamte das Sagen über Stoff und Personal haben.

Das Ergebnis ist durchwachsen. Manchmal kommt tatsächlich etwas Tolles dabei heraus, vornehmlich jedoch produziert von Ländern, die nicht gerade im Ruf stehen, in der ersten Liga der Kinematographie mitzuspielen, so z. B. Spanien, Türkei oder Südkorea. Aus Deutschland gibt es darunter nichts, was wirklich haftenbleibt.

So ein deutsches Netflix-Produkt ist auch ein Film der Drehbuchautorin und Regisseurin Mira Thiel, für den sich wohl kaum jemand interessiert haben durfte: „Rumspringa – Ein Amish in Berlin“ (siehe Video-Trailer oben). Dabei ist die Idee gar nicht einmal so uninteressant. Allerdings kommt sie 40 Jahre zu spät.

Erzählt wird die Geschichte des Amisch-Teenagers Jacob, der in Berlin nach seinen Wurzeln sucht und sich darüber klar zu werden versucht, welchen Weg er künftig einschlagen möchte.

Die Amischen sind eine christliche Glaubensgemeinschaft, die auf den im Berner Oberland geborenen Jakob Ammann zurückgeht. Ende des 17. Jahrhunderts spaltete sich die Gruppe von den Mennoniten ab, und mit Beginn des 18. Jahrhunderts siedelten ihre Mitglieder aus dem süddeutschen und schweizerischen Raum in die USA über, wo sie noch heute oftmals abgeschieden von der Außenwelt leben. Moderne Techniken werden von den Amischen größtenteils abgelehnt. Die Angehörigen tragen häufig altmodisch wirkende Trachtenkleidung und sprechen das sogenannte Pennsylvaniadeutsch. „Rumspringa“ nennen die Amischen die Zeit zwischen dem Schulende und dem eventuellen (freiwilligen) Beitritt zur Gemeinde, in der die jungen Menschen mehr Freiheiten erhalten als üblich, etwa ausgelassen feiern zu dürfen.

Wie gesagt, wäre der Film in den 80ern entstanden, hätte „Rumspringa“ eine erstklassige Komödie werden können. Damals nämlich war (West-)Deutschland eine die Modernität und Freiheit huldigende und die Religion immer weiter hinter sich lassende Gesellschaft, in dem der Amish-Junge Jakob in der Tat wie ein Zeitreisender aus der Vergangenheit gewirkt hätte. Seine altmodische Skurrilität und überholte Religiosität hätte man in komischen Szenen wunderbar veralbern können. So aber ist Jakob in Berlin von heute ein Freak unter vielen Freaks in einer Freak-Gesellschaft und verliert dadurch sein ihn interessant machendes Alleinstellungsmerkmal. Es gibt keinen Konflikt, weil im heutigen Deutschland jeder auf seine eigene Weise irgendwie bekloppt ist.

Also exakt das Gegenteil von dem, was die Filmemacher vorhatten und daraus Unterhaltungskapital schlagen wollten. Der culture clash zwischen Jacobs traditioneller Lebensweise und dem modernen deutschen Großstadtalltag: Fehlanzeige.

Die WG, in die ihn ein Gleichaltriger namens Alf nach einigen Verwicklungen widerwillig aufnimmt, beherbergt auch Moslems, die vermutlich in Sachen Religion noch steinzeitlicher drauf sind als Jakob selbst. So spielt seine vor zweihundert Jahren konservierte Religion überhaupt keine Rolle, ergo gibt es auch keine Witze darüber. Alle nehmen ihn so, wie er ist.

Was es weiterhin in Berlin nicht gibt, sind offenbar deutsche Frauen, denn er begegnet ausschließlich Türkinnen und irgendwelchen Araber-Mischlingen und begehrt diese.

Das Deutschland, in dem Jakob den E.T. geben soll, ist selbst ein bunter Zoo geworden, in dem niemand wegen seiner wie auch immer von der Norm abweichenden Andersartigkeit auffällt.

Gesetzt den Fall, die Macher hätten das Gegenteil beabsichtigt, nämlich Jakob solle mit seinem seltsamen Deutsch, seiner puritanischen Tracht und seiner naiv verklemmten Denkweise das längst überholte Ur-Deutschland symbolisieren, so funktioniert auch das nicht. Denn dafür ist Jakob zu trendy. Wer sich wegen eines angeblich nahenden Weltuntergangs auf die Straße klebt, Hexenverfolgungen wegen „falscher Meinung“ gerade auf Künstler veranstaltet und eine kollektivistisch-totalitäre Gesellschaftsordnung favorisiert, ist von der Amisch-Denke nicht weit entfernt. Womit man natürlich diesem grundfriedfertigen Völkchen schweres Unrecht täte, denn niemals würde den Amischen in den Sinn kommen, ihre spinnerte Lebensweise anderen aufzuzwingen.

Am Ende beschließt Jakob, in Berlin zu bleiben und nicht mehr zu den Amischen zurückzukehren. Demensprechend hat er sich einen gelackten, bunten Punker-Look zugelegt. Er will offenkundig nicht mehr Jesus´ Lehre folgen, sondern der der totalen Diversität und Weltumarmerei. Vermutlich wählt er jetzt die Grünen.

Weiterlesen bei der-kleine-akif.de…

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16 KOMMENTARE

  1. Aus dem Artikel:

    „… Das Ergebnis ist durchwachsen. Manchmal kommt tatsächlich etwas Tolles dabei heraus, vornehmlich jedoch produziert von Ländern, die nicht gerade im Ruf stehen, in der ersten Liga der Kinematographie mitzuspielen, so z. B. Spanien, Türkei oder Südkorea. Aus Deutschland gibt es darunter nichts, was wirklich haftenbleibt …“

    *************************

    Da ist dem Kleinen Akif mit Spanien aber ein ganz dicker Fisch durch das Netz gerutscht. Bestimmt hat er schon mal von Carlos Saura (Anna und die Wölfe) und Luis Bunuel (Belle de Jour) gehört, es gibt aber auch eine häufig durch sehr viel Schwarzen Humor geprägte Reihe von absolut sehenswerten Filmen aus Spanien, die erst in den letzten zwanzig bis dreissig Jahren entstanden sind und bei Kennern auch hierzulande Kult-Status geniessen.

    Aus EU-Geldern finanziert kann aber muss nicht sein. Wären immerhin mal ein paar gut verwendete €.

    🎥

  2. Zusatz zu Barackler 27. Mai 2022 at 15:14:

    Zum Geschehen in Südkorea und der Türkei kann ich mich aus Mangel an Kenntnissen nicht äussern.

  3. Holla die Waldfee, heute mal ganz ohne Fäkalsprache? Sind Sie erkrankt Herr Pirincci?

  4. In den 50er und 60er Jahren gab es noch gute Hollywoodstreifen und in den 70 und 80er Jahren hervorragende Ausnahmefilme aus den USA. Immer mehr gingen Hollywood jedoch die Ideen aus und während Hollywood aus wirtschaftlichen Gründen mittlerweile für den vermuteten Welt-Einheitsgeschmack produziert hat Deutschland seine Filmwelt so weit links politisiert, dass der Einheitsbrei fade wirkt, wie die Aktuelle Kamera. Es müssen also, da man an Kontroverseren nicht interessiert ist, harmlose Alternativen her.

    Die deutsche Fröhlichkeit – natürlich auch immer mit politisch korrekter Pointe -, die wohl ihren Startschuss wohl mit der Schwulenkomödie „Der Bewegte Mann“ begann, hat ihr Komödiendasein in den letzten Jahrzehnten so weit abgedroschen, dass es einem mehr als zum Hals rauskommt. Nun läuft diese Welle, die ihr Tal schon lange erreicht hat, noch einmal besonders flach aus. Allerorten wird jetzt dem harmlosen Linken-Kitsch gehuldigt nach dem Motto: wir haben uns doch alle lieb und wir haben irgendein Thema ausgegraben, dass es noch nicht gab. Dusselige Radiomoderatoren, die auch nichts zu berichten haben, werden den Film schon aufgreifen und ebenso dusselige Grünen-Wähler müssen ja auch mal was neues berichten können.

  5. Deutsche Produktionen schau ich mir seit Jahrhunderten (absichtliche Übertreibung) nicht mehr an, die sind immer so mies beleuchtet das man denkt am Fernseher wäre der Kontrast verstellt.

  6. Die Amischen (englisch Amish [‚??m??]) sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft. Die Bezeichnung leitet sich vom Namen ihres Begründers Jakob Ammann (1644–1730) ab. Die Amischen haben ihre Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas, vor allem der Schweiz und Süddeutschlands. Vom Hauptstrom der Täufer, den Mennoniten, trennten sich die Amischen 1693.

    Wenn heute von Amischen gesprochen wird, sind fast immer die „Amischen alter Ordnung“ gemeint. Denn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spalteten sich die Amischen in verschiedene Untergruppen auf, von denen die Amischen alter Ordnung nur etwa ein Drittel ausmachten. Die meisten anderen Untergruppen haben jedoch im Lauf der Zeit ihre amischen Eigenarten verloren und sich der amerikanischen Gesellschaft angeglichen.

    Neben den Amischen alter Ordnung haben sich jedoch die Kauffman Amish Mennonites, die Beachy-Amischen und die Amischen neuer Ordnung Teile der alten amischen Kultur erhalten. Die konservativen Mennoniten, von denen viele amischen Ursprungs sind, haben Traditionen bewahrt, die sowohl mennonitisch als auch amisch sind. Die Amischen alter Ordnung sind heute in mehr als vierzig Untergruppen aufgeteilt, die sich teilweise erheblich unterscheiden…

    Die meisten Amischen alter Ordnung sind dreisprachig. Untereinander sprechen sie alle einen deutschen Dialekt, das sogenannte Pennsylvaniadeutsch*, in einigen Countys Indianas auch Schweizerdeutsch(Anm.: Hochalemannisch), genauer eine Form des Berndeutschen im Adams County, sowie niederalemannisches Elsässisch im Allen County sowie in den Tochtersiedlungen dieser beiden Countys…
    https://de.wikipedia.org/wiki/Amische#Sprache

    *vorderpfälzisch/kurpfälzischen Dialekten aufbauende Sprachvariante der deutschen Sprache in Nordamerika…
    https://de.wikipedia.org/wiki/Pennsylvania_Dutch_(Sprache)

    Lieber Türke Akif, deutsche Dialekte
    sind kein „seltsames Deutsch! 😐

  7. Ich bewundere die Fähigkeit zur Geduld, sich solchen politkorrekten volkspädagogischen Blödsinn von Anfang bis Ende anzusehen.
    Sofern ich mich überhaupt einmal überwinden kann, mir in den Mediatheken oder auf YT etwas aus den ÖRR anzusehen, schalte ich beim ersten Textbaustein mit transatlantischem Framing sofort aus.

    Wobei man gerechterweise sagen muss dass der Film im Gegensatz zu Machwerken wie „Yung“ noch harmlos zu sein scheint, allerdings fallen die Filmkritiken für „Rumspringa“ durch die Reihe weg eher negativ aus.

    Generell sollte man, sobald ein deutscher Jugendfilm mit den Schlagworten „Party“, „Komödie“ und „Sex“ veröffentlicht wird, der auch noch in Berlin spielt (wie sollte es auch anders sein) das Geld besser für andere Dinge ausgeben.

  8. Der viermal geimpfte Apparatschik, Millionär, Steuerflüchtling, Moralapostel, woker Best- und Gutmensch Herbert Gröhlemeier ist an Corona erkrankt.
    Er muß die GESAMTE TOURNEE ABSAGEN. Also quasi ein „Milder Verlauf“. 😀

    Die Impfung wirkt und der Booster ebenfalls. Danke dir Coronaimpfstoff das du uns das Sprechgestammel ersparst.
    Zudem wird die Umwelt geschont und unsere Nerven.

  9. @Barackler 27. Mai 2022 at 15:14
    Da ist dem Kleinen Akif mit Spanien aber ein ganz dicker Fisch durch das Netz gerutscht. Bestimmt hat er schon mal von Carlos Saura (Anna und die Wölfe) und Luis Bunuel (Belle de Jour) gehört…
    – – – –
    Belle de Jour (mit Catherine Deneuve) ist von 1967. Das ist 53 Jahre her, mehr als ein halbes Jahrhundert!
    Der Saura-Film ist von 1973…

  10. Filme in Deutschland müssen politisch Korrekt sein.
    Gefördert wird nur, wer Schwule,Leseben,Andersfarbige,
    der Kampf gegen Rechts,und sonstige Randgruppen im Drehbuch aufweist.
    Ja und dann fängt es an, völlig verblödende Handlungen,
    und Dialoge, und sonstiger Dinge im realen Leben.
    Wo sind die Zeiten des „Großen Bellheims“ und anderer
    Mehrteiler geblieben.
    Gut,manche geschichtlichen Rückblicke bringen auch noch
    ordentliche Werke zu Tage.
    Ich sag dann immer die Drehbuchschreiber können das,
    dürfen allerdings oft nicht,oder diese Filme müssen billig
    produziert werden.
    Jedenfalls befindet sich diese Filmindustrie,im gleichen desolaten
    Zustand,wie ganz Deutschland !

  11. da zolle ich meinen uneingeschränkten respekt. sehr interessanter beitrag
    ………
    Maria-Bernhardine 27. Mai 2022 at 15:54

  12. Aus Deutschland kommt schon lang keine Qualität mehr, egal, ob Filme, Autos, oder sonst etwas. Mittelmaß ist noch eine Übertreibung, nach oben natürlich. Man muss sich das einmal geben, man wirtschaftet ein Land in jeder Hinsicht herunter, so dass es sich gesellschaftlich, wirtschaftlich, kulturell, ziviisatorisch auf dritte-Welt-Niveau befindet. Die Qualität der einheimischen Bewohner ist ebenfalls angepasst, aber nicht durch Zwang, sondern bei den meisten freiwillig.

  13. @ Mattes 27. Mai 2022 at 16:11
    „„SEK stürmt Wohnung von bekanntem Corona-Skeptiker nach anonymem Hinweis“

    Dascha Skandal. Biete deinen Spürnasentip unbedingt der PI-Redaktion an.

  14. @ LEUKOZYT 27. Mai 2022 at 20:16

    Dachte schon dran, aber wie man sieht, sind sie hier auch so up-to-date.

  15. Einfach nur hanebüchen. Übrigens habe ich kein Netflix, denn die müssten mir eher Geld zahlen, damit ich mir den Woke-Müll reinziehe. Und wie von Akif richtig angemerkt, stammen die Amischen aus dem süddeutschen Raum, also was will einer von denen auf Spurensuche in Berlin?

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