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Freihändler und Neokons am Ende ihres Lateins

Von WOLFGANG PRABEL | Bereits in den 60ern war der Versuch der Umkremplung asiatischer und afrikanischer Gesellschaften grandios gescheitert. Mit der Kolonialisierung gingen im 19. Jahrhundert die Missionierung und die weltweite Durchsetzung europäischer Rechtsvorstellungen einher. Ein bekannter Durchpeitscher des eurozentrischen Weltbilds schrieb 1853: „Die Frage ist, ob die Menschheit ihre Bestimmung erfüllen kann ohne radikale Revolutionierung der sozialen Verhältnisse in Asien. Wenn nicht, so war England, welche Verbrechen es auch begangen haben mag, doch das unbewußte Werkzeug der Geschichte, indem es diese Revolution zuwege brachte.“ So der Globalist Karl Marx. Doch seine Revolution verendete kläglich. Nach dem zweiten Weltkrieg errangen die tradierten Verhältnisse der Despotie, außerökonomischer Gewalt und der Stammeswirtschaft auf dem größten Teil des Globus wieder ihre Geltung. Der Vietnamkrieg scheiterte, ein zweites Korea ließ sich nicht durchsetzen, auch weil die Medien nicht mitspielten.

Das hinderte Neokonservative aller Parteien nicht, immer wieder neue Versuche zu starten, Asien und Afrika mit westlicher Lebensart zu bombardieren. George W. Bush mit seinem Irak- und Afghanistankrieg, Barack Obama, David Cameron und Nikolas Sarkozy mit dem Libyenfeldzug hinterließen keine geordneten Verhältnisse. Auch die Einmischung in Ägypten und Syrien war nicht segensreich.

Das Konzept des Demokratieexports ist auch in Myanmar, Rußland, der Ukraine, in Bosnien, Weißrußland, Mali und China kläglich gescheitert. Derzeit diskutieren die Brüsseler Neokons über einen Einsatz in Mozambik, ein Signal, daß sie in überholte Ideen verbohrt und nicht lernfähig sind.

Es gibt eben verschiedene Kulturkreise, mit denen sich die Globalisten nicht abfinden können: Der islamische, der orthodoxe, der chinesische, der indische, der westliche, der lateinamerikanische, und kleinere in Asien und Afrika. Sie sind in ihrer Selbstbehauptung stark. Der Autor dieser Zeilen ist in der Zeit großgeworden, als Moskau die Welthauptstadt des Proletariats war und „die Wissenschaft“ Märchen vom weltweiten Sieg des Kommunismus hervorbrachte. Das war auch schon gescheiterter Globalismus und arroganter Kulturimperialismus pur. Bereits in der zweiten Hälfte der 80er Jahre fielen alle unterjochten Gesellschaften in ihre Traditionen zurück, auch wenn sie zweihundert Jahre von Rußland beherrscht worden waren. Die Kultur ist immer stärker als aufoktroyierte Verhältnisse.

Die zweite Heilige Kuh ist der freie Welthandel. Viele Länder sind durch ihren Rohstoffmangel auf ihn angewiesen. Es ist auch unbestritten, daß er in den letzten zwei Jahrzehnten den Wohlstand in der Dritten Welt gehoben hat. Aber richtig frei war er natürlich nie. Zum einen haben die Staaten nichttarifäre Schikanen ersonnen, um alles mögliche und unmögliche vor Konkurrenz zu schützen. Waren und Dienstleistungen müssen unzählige Anforderungen erfüllen, um eine Grenze überschreiten zu dürfen. Die EU ist in dieser Hinsicht kein Vorbild. Aktuell ist von der tarifären Klimamauer und vom Lieferkettengesetz die Rede.

Der zweite noch wesentlichere Gesichtspunkt bei der Verderbung der Handelssitten sind Subventionen und Wechselkursmanipulationen. Wenn es dauerhaft einseitige Handelsüberschüsse gibt, stimmt der Wechselkurs nicht. Am Handel zwischen Deutschland und Italien wie auch an dem zwischen den USA und China kann man das exemplarisch studieren. Die Ungleichgewichte im Außenhandel haben ein Ausmaß erreicht, daß ein Handelskrieg begonnen hat. Die deutschen Medien hatten fälschlicherweise damit gerechnet, daß Präsident Biden den scharfen Kurs gegen China beendet, haben sich aber getäuscht. China und die EU haben mit ihrer Währungspolitik den Freihandel an die Grenzen des Scheiterns geführt.

Die Entschärfung vieler Konflikte ist nur über eine Wiederbegrenzung nach Jahrzehnten der Entgrenzung möglich. Die Handelsströme müssen neu geordnet werden. Ein Baustein dazu kann beispielweise die Einführung einer weltweiten Mindeststeuer sein, auch wenn sie aus deutscher Sicht gering erscheint. Und auch die Menschenströme müssen geordnet werden. In Frankreich zeigt sich exemplarisch, daß kulturfremde Einwanderung zu einer rechtlichen Verwahrlosung führt. Man kann dort zum Beispiel ungestraft Juden vom Balkon werfen oder Kirchen demolieren. Präsident Macron will gegensteuern und den europäischen Grenzschutz herstellen, um im kommenden Jahr eine Wahlniederlage bei der Präsidentschaftswahl im April abzuwenden. Er hat Pech, noch ist Merkel am Ruder und in Berlin verhallen seine Worte ungehört. Wenn Merkel am Ende dieses Jahres weg ist, ist das Zeitfenster um ihn zu retten vermutlich zu klein.

Erforderlich ist in Europa die Überwindung des Kulturrelativismus. Die Mißachtung der europäischen Kultur ist der Kern der Disfunktionalität der EU. Mit persönlichen Freiheitsrechten, Marktwirtschaft, Sozialverpflichtungen, Trennung von Religion und Staat, Wissenschaftfreiheit hat Europa gegenüber anderen Kulturkreisen wesentliche Vorteile, die sich in der Vergangenheit in Wohlstand und Sicherheit ausgeprägt hatten. Eine Gleichwertigkeit der Kulturen zu predigen ist idiotisch. Sie sind verschieden, ob man das wertet, oder auch nicht.

Fremde Kulturen verändern oder verbessern zu wollen ist genauso hirnrissig. Verschiedene Kulturen müssen sich voneinander abgrenzen und möglichst friedlich koexistieren. Nachhaltige Änderung von Kulturen ist nur durch innere Entwicklung möglich, nicht durch Entwicklungshilfe im weitesten Sinne. Wir müssen fremde Gebräuche anderswo akzeptieren und im Umkehrschluß zu Hause auf unseren Werten bestehen. Fremde Länder – fremde Sitten.

Ein Beispiel der kulturellen Überdehnung war das Habsburgerreich. Es reichte in Galizien und in der Backa weit in den orthodoxen Beritt herein, in Bosnien auch in den islamischen. Das hat zum Ausbruch des WK I beigetragen und den Zerfall des Reichs bewirkt. Ähnlich geht es auch der EU. Mit der Aufnahme Griechenlands, Bulgariens und Zyperns sind morgenländische Gebräuche in Brüssel eingezogen. Wenn zukünftig als Ersatz für die unreformierbare EU eine Europäische Handelsunion gegründet werden wird, sollte sich diese auf das lateinische Europa beschränken und auf souveränen Nationalstaaten aufbauen.

Unsere Kultur ist europäisch. Europa zwischen Lissabon und Helsinki, zwischen London und Zagreb ist ein relativ einheitlicher Kulturraum. Strategische Interessen dieses Raums – Handelssachen und Verteidigung – müssen nach außen einheitlich vertreten werden, die übrigen Belange sollten die Nationalstaaten regeln.

In Polen, Ungarn, Dänemark, Italien ist man, was die Abgrenzung Europas betrifft, am Umdenken. In Frankreich und Schweden hat dieser Prozeß ebenfalls begonnen. Deutschland isoliert sich derzeit und wird bei künftigen Entscheidungen übergangen werden.

Grüße an den Inlandsgeheimdienst. „Verfluchtes Volk! Kaum bist du frei, / so brichst du dich in dir selbst entzwei. / War nicht der Not, des Glücks genug? / Deutsch oder Teutsch, du wirst nicht klug.“ (Geh. Rath v. Goethe)



(Im Original erschienen bei prabelsblog.de)




Donnerwetter: BILD entdeckt die Sex-Ausländer …

Von PETER BARTELS | Was der leidgeprüfte Leser von PI-NEWS, JouWatch, Boris Reitschuster, ACHGUT, Tichys Einblick seit „ewig“ weiß – ausgerechnet BILD reibt sich jetzt den Schlaf aus den Augen, „enthüllt“: Merkels Migranten-Kostgänger  sind die absoluten Spitzenreiter bei Sex-Straftaten. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea!! Uuund BILD entdeckt offenbar sogar die „linke Gewalt“ im doch so heilen Merkel-Land. Denn die hat sage und schreibe um 345,8 Prozent zugenommen …

Man erstaunt und glaubt es kaum, schwarzer Vollhorst, weisser Schaum, jedenfalls vorm Maul. Ausgerechnet Drehhofers Behörde, die Bundespolizei, hat laut BILD ermittelt: „Sexualstraftaten in Bahnen und Bahnhöfen werden mehrheitlich von Migranten begangen! Das geht aus Daten der zuständigen Bundespolizei hervor, die BILD exklusiv vorliegen … Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Nötigung, Belästigung, exhibitionistische Handlungen und andere Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“. Das Blatt listet offenbar irritiert im Detail auf:

  • 2019 ermittelte die Bundespolizei 693 Verdächtige, davon 371 ohne deutsche Staatsangehörigkeit (53,5 %). Die meisten nicht-deutschen Verdächtigen kamen aus Rumänien, Syrien und Afghanistan.
  • 2020 hatten von 621 Tatverdächtigen 346 keinen deutschen Pass (55,7 %). Die meisten von ihnen kamen aus Syrien, Polen und Afghanistan.
  • Zwischen Januar und März 2021 waren 80 von 137 Tatverdächtigen nicht-deutsch (58,4 %), die meisten aus Afghanistan, Polen und Eritrea.

Und folgert, messerscharf:  „Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ist überproportional hoch – und steigt immer weiter“. BILD zitiert sogar (sic) den Union-Innenexperten Mathias Middelberg (56) mit einer „Forderung“, die krachend wie ein Donnerschlag mit voller Wucht in die Wagner-Wolken einschlägt: „Zügige Asylverfahren und schnelle konsequente Rückführungen“, um die Bevölkerung zu schützen. Schließlich stellten Flüchtlinge „bei etwa 2 % Bevölkerungsanteil 15 bis 16 % der Tatverdächtigen bei Körperverletzungsdelikten oder Vergewaltigung“. Dies seien vor allem abgelehnte Asylbewerber.“

Wolf Biermann und Margot Honecker …

Lacht da mal wieder einer? Vielleicht der Allerletzte mit Gesundem Menschenverstand bei SPRINGER? Die von den Meinungsforschern immer kleiner gehegten AfD-Wähler in Wessi-Land jedenfalls werden Brüllen vor  Lachen; die letzten wahren Deutschen in Ossi-Land um Alexander Gauland, Tino Chrupalla, Björn Höcke hat die Watschelwachtel aus der Uckermark ja eh längst in homerisches Dauergelächter versetzt. Der wunderbare Ur-Sachse Uwe Steimle, der einst den Mitteldeutschen Rundfunk demokratisch frisierte, bis er eben deshalb gefeuert wurde, weint zuweilen sogar vor Lachen. Der weise Uwe enthüllt übrigens gerade in seiner 30. „Aktuellen Kamera“, wie, wo, wann Wolf Biermann kurz vor seiner „Ausweisung“ Margot Honecker vernascht hat (oder sie ihn). Und belegt das auch noch mit einem richtigen Augen- und Ohrenzeugen, einem Sänger und Philosophen … Jesses, Marx und Honecker!!

Doch das Massenblatt BILD (gestern 5,3 Mio, heute eine halbe Mio) beläßt es diesmal nicht bei den Kostgängern der tauben Nuss „Mutti“, BILD wagt sich sogar an die seit ewig geschont und geschönten linken Extremisten ran, wörtlich:

Enorme Zunahme linksextremer Gewalttaten in Deutschland. Ihre Zahl stieg im Jahr 2020 um 34,3 Prozent auf 1237 Delikte. Dazu zählen fünf versuchte Tötungsdelikte (2019: 2, +150 %) und 423 Körperverletzungsdelikte (2019: 355, +19,2 %).

Linke Gewalt: 345,8 Prozent plus

Und zitiert dazu den  „Dienstagvormittag vorgestellten Bundesverfassungsschutzbericht“. BILD, todesmutig oder endlich erwacht: „Dieser spricht von einer „hohen Gewaltbereitschaft im Linksextremismus“ und „zahlreichen Ausschreitungen“. Besonders drastisch stieg demnach die Zahl von Landfriedensbruch-Delikten (auf 321, 2019: 72). Eine Zunahme von 345,8 Prozent. Auch die im vergangenen Jahr bereits hohe Anzahl an Sachbeschädigungen stieg noch einmal um 6,1 Prozent auf nunmehr 3734 Delikte (2019: 3520).“ Der Verfassungsschutz folgert laut BILD: „Dieser teils deutliche Anstieg linksextremistischer Straf- und Gewalttaten setzt eine Entwicklung fort … Eine Abkehr in der Szene von der Gewalt ist nicht erkennbar. Vielmehr begehen einzelne gewaltbereite Gruppen immer mehr und immer erheblichere Straf- und Gewalttaten.“ In Teilen der linksextremen Szene zeige sich eine „deutliche Radikalisierung“.

Vierzehn Zeilen lang warnt das Blatt schmallippig von  den „Linken“, die quasi unbehelligt von Polizei und Justiz um genannte 345,8 Prozent stieg … Aber schwelgt dann 26 Zeilen gegen die „Rechten“, die laut Merkels/Drehhofers „Verfassungsschutz“ um 5,1, bzw.10,6 Prozent zunahm … BILD: „Auch die Zahl rechtsextremer Straftaten nahm zu! Diese stieg um 5,1 Prozent, die Zahl der Gewalttaten um 10,6 Prozent. Der Verfassungsschutz verweist auf den rechtsextremen Anschlag von Hanau mit neun Todesopfern … „Damit ist die Zahl aber noch unterhalb der Zahl von 2018 (1088)“, heißt es“.

Rechter Antisemitismus: 14,3 Prozent minus

Aber BILD bläst trotzdem wie gehabt die Bäckchen auf: Im Jahr 2020 stieg die Zahl rechtsextremistischer fremdenfeindlicher Gewalttaten um 7,3 Prozent (746 Delikte) … Die Zahl der rechtsextremistischen Gewaltdelikte mit antisemitischem Hintergrund sank hingegen (-14,3 Prozent) auf insgesamt 48 Delikte. Und dann klopft BILD dem „Verfassungsschutz“ von Merkels Drehhofer auch noch auf die Schulter: „Das  2020 ausgesprochene Verbot der rechtsextremen Gruppierungen „Combat 18 Deutschland“, „Nordadler“ und „Wolfs-/Sturmbrigade 44“. Uuund „verweist auch auf den großen Einfluss rechtsextremer Strömungen auf Proteste gegen die Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern“. Die „Proteste“ der Weltgesundheitsbehörde, die Corona längst für eine schlappe Grippe hält, werden natürlich verschwiegen …

Dann aber der Arschtritt für Ali: „378 Taten hatten islamistischen Hintergrund … Dem Bereich „Politisch motivierten Kriminalität – religiöse Ideologie“ wurden 2020 insgesamt 409 extremistische Straftaten zugerechnet … Der überwiegende Teil (378) davon hatte einen islamistischen Hintergrund. Von den 409 Straftaten mit religiös-ideologischer extremistischer Motivation sind insgesamt 33 Gewalttaten (19,5 Prozent), zwei versuchte und zwei vollendete Tötungsdelikte sowie 24 Körperverletzungen… 56 Taten wurden als Vorbereitung oder Unterstützung einer „schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ eingestuft,  34 Fälle als Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung…“

Vom Kriechen und Siechen …

Geht jetzt auch bei BILD die Sonne wieder im Osten auf, nicht mehr in Arabien oder Afrika? Leider Nein!! Denn solange  BILD jedes Tattütata in jeder Phonstärke zelebriert, Merkels Vergewaltiger aber weiter nur als „Männer“ vernuschelt … Jeden weißen Verdächtigen aber mit Name, Alter, Beruf und Foto zeigt, Merkels Migranten-Vergewaltiger nur mit   „südländischem bis dunklem Teint“  am riesigen Querbalken im Gesicht vorbei beschreibt, so lange wird BILD kriechen und siechen. Wie Merkel-Deutschland auch. Egal, wie grün es die Auguren von Forsa bis Insa, von den Hobby-Staatsanwälten der süddeutschen Alpen-Pravda bis zu den präpotenten FAZ-Feivels noch tünchen werden … Remember September? Merkel endlich weg?? Wenn nicht: Laschet lauert lasch an der nächsten Laterne … Und seine grüne Annalena singt Sonne, Mond und Sterne!!


Ex-BILD-Chef Peter Bartels.
Ex-BILD-Chef Peter Bartels.

PI-NEWS-Autor Peter Bartels war zusammen mit Hans-Hermann Tiedje zwischen 1989 und 1991 BILD-Chefredakteur. Davor war er daselbst über 17 Jahre Polizeireporter, Ressortleiter Unterhaltung, stellv. Chefredakteur, im “Sabbatjahr” entwickelte er als Chefredakteur ein TV- und ein Medizin-Magazin, löste dann Claus Jacobi als BILD-Chef ab; Schlagzeile nach dem Mauerfall: “Guten Morgen, Deutschland!”. Unter “Rambo” Tiedje und “Django” Bartels erreichte das Blatt eine Auflage von über fünf Millionen. Danach CR BURDA (SUPER-Zeitung), BAUER (REVUE), Familia Press, Wien (Täglich Alles). In seinem Buch “Die Wahrheit über den Niedergang einer großen Zeitung” (KOPP-Verlag) beschreibt Bartels, warum BILD bis 2016 rund 3,5 Mio seiner täglichen Käufer verlor. Kontakt: peterhbartels@gmx.de.




Personenkult um Greta Thunberg

Von MANFRED ROUHS | Im Jahre 1956 erklärte Nikita Chruschtschow den Personenkult um Josef Stalin in der Sowjetunion für beendet. Nach seiner Grundsatzrede beim XX. Parteitag der KPdSU wurden zahllose Stalin-Statuen in der Sowjetunion entfernt. Es dauerte allerdings noch volle fünf Jahre, bis auch die zentrale Stalin-Darstellung in Berlin-Friedrichshain verschwand, weil die SED-Führung die Entstalinisierung jahrelang hintertrieb.

Ein bronzenes Ohr des aus Georgien stammenden sowjetischen Diktators blieb nach der Demontage übrig und kann bis heute im Café Sibylle in der mittlerweile in Karl-Marx-Allee umbenannten ehemaligen Stalin-Allee 72 in Berlin-Friedrichshain besichtigt werden. Das Café ist derzeit allerdings coronabedingt geschlossen.

In seiner sorgfältig vorbereiteten Rede zur Entstalinisierung führte Chruschtschow aus, es sei „unzulässig (…) eine Person herauszuheben und sie zu einem Übermenschen zu machen, der gottähnliche, übernatürliche Eigenschaften besitzt, zu einem Menschen, der angeblich alles weiß, alles sieht, für alle denkt, alles kann und in seinem ganzen Verhalten unfehlbar ist“. Der so verherrlichte „hielt sich nicht damit auf, die Menschen zu überzeugen, aufzuklären und geduldig mit ihnen zusammenzuarbeiten, sondern er zwang anderen seine Ansichten auf und verlangte absolute Unterwerfung unter seine Meinung“.

Karl Marx hatte bereits analysiert: „Hegel bemerkte irgendwo, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“

Wenn jetzt in Europa Statuen von Greta Thunberg aufgestellt werden, erleben wir eindeutig die Wiederholung des Gestern in Gestalt einer Farce. Da spielt der Preis keine Rolle: Der moderne Personenkult ist offensichtlich irre und historisch widerlegt. Bliebt nur zu hoffen, dass uns nicht auferlegt wird, noch andere Etappen der Tragödie des Stalinismus ein zweites Mal durchleben zu müssen.


PI-NEWS-Autor Manfred Rouhs, Jahrgang 1965, ist Vorsitzender des Vereins Signal für Deutschland e.V., der die Opfer politisch motivierter Straftaten entschädigt, vierteljährlich die Zeitschrift SIGNAL herausgibt und im Internet ein Nachrichtenportal betreibt. Der Verein veröffentlicht außerdem ein Portal für kostenloses Online-Fernsehen per Streaming und stellt politische Aufkleber und andere Werbemittel zur Massenverteilung zur Verfügung. Manfred Rouhs ist als Unternehmer in Berlin tätig.




Buntismus: Politische Idee oder Pfeifen im Walde?

Von C. JAHN | Der Buntismus, die Idee der totalen „Bunten Republik“, ist eine Ideologie, die es den indigenen Deutschen ermöglicht, ihre ethnopolitische Zurückdrängung im eigenen Land als eine für sie positive Entwicklung umzudeuten. Er ist eine geistige Krücke, die die Betroffenen dankbar annehmen, weil sie ihnen das tägliche Dasein angesichts unabänderlicher Umstände erleichtert. Ein rational abgeleitetes politisches Konzept bietet er hingegen nicht.

Der moderne Buntismus der Gegenwart, die Ideologie der totalen Umvolkung, ist eine Ideologie, die sich parallel zur Massenansiedlung von Arabern und Türken in Deutschland erst nach und nach entwickelt hat. Er ist keine Ideologie, die – wie etwa der Kommunismus – in der Studierstube entstand und dann, ähnlich einem Kochrezept, als Leitfaden für die Umsetzung in der Realität herangezogen wurde: Marx schrieb sein Buch, Lenin hat dieses Buch anschließend als Blaupause für seinen neuen Staat genutzt. Erst war die Idee, dann die Umsetzung.

Der Buntismus hingegen ist eine Ideologie, die einen faktischen Zustand der Realität stets erst im nachhinein in einen sinnvollen Zusammenhang stellt. Niemand hat in den 60er-Jahren ein Buch geschrieben, Deutschland müsse ethnisch umgebaut werden, daher sei die Ansiedlung von Türken erforderlich. Behauptet wurde vielmehr, die Anwesenheit von Türken in Deutschland sei eine vorübergehende Erscheinung, da es sich um Gastarbeiter handele. Erst als 1998 mittels Einbürgerungen der Aufenthalt von Türken in Deutschland zu einem dauerhaften Zustand gemacht wurde, also bereits Tatsachen geschaffen waren, wurde infolge dieses neuen Zustands auch eine neue sinngebende Erklärung für diesen dauerhaften türkischen Aufenthalt erforderlich. Anders als im oben genannten Beispiel des Kommunismus erfolgte im Fall des Buntismus also zunächst die Umsetzung und erst danach die Herausbildung einer diese Umsetzung erläuternden Ideologie.

Dieser Charakter einer Ideologie „im nachhinein“ erschwert allerdings bis heute die Glaubwürdigkeit der buntistischen Lehre. Man glaubt Karl Marx, dass er das Eigentum abschaffen möchte, weil man das in seinem Buch so nachlesen kann. Trotz aller ideologischer Spielarten blieb diese Kernidee der Ideologie in allen kommunistischen Systemen grundsätzlich erhalten. Beim Buntismus allerdings lässt sich die zentrale Idee nur unscharf erahnen, da seine Aussagen immer erst nachträglich an eine durch vorab geschaffene Tatsachen stetig veränderte Realität angepasst werden.

So scheint die Idee des Buntismus in der Zeit um 1998 gewesen zu sein, Deutschland solle durch die Einbürgerung der Türken zwar eine orientalische Minderheit erhalten, diese eingebürgerten Türken würden sich aber in die deutsche Gesellschaft integrieren („wie die Polen“). Eine radikale ethnische Umkonstruktion des Landes war damals kein Thema. 2010, als Bundespräsident Wulff die „Bunte Republik“ ausrief, scheint die Idee dann gewesen zu sein, eine Integration der Türken sei doch nicht erforderlich, sondern Türken und Deutsche würden gerade infolge ihres kulturellen Kontrastes gleichermaßen positiv beitragen zu einer als Selbstzweck verstandenen allgemeinen „Buntheit“. Und seit Merkels Völkerwanderung von 2015 scheint die Idee nun zu sein, dass gerade die Abwesenheit jeglicher rationaler Konzeption der wahre Wesensgehalt des Buntismus sei: „Buntheit“ als ein quasireligiöses Moralziel sei über jede rationale Erklärung erhaben.

Zudem wird man im Rückblick den Eindruck nicht ganz los, dass alle buntistischen Deutungsansätze der vergangenen Jahre dem immerselben Muster folgten: Sie boten allesamt scheinrationale Antworten auf Fragen, die sich ab einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb der indigenen deutschen Bevölkerung stellten, sobald Umvolkung und Landnahme eine nächste, wieder etwas radikalere Phase erreicht hatten.

Da die Türken sich auch nach ihrer Einbürgerung von 1998 nicht „wie die Polen“ integrierten, sondern ganz im Gegenteil eine sogar zunehmende Neigung zur Segregation zeigten, mehrten sich unter den indigenen Deutschen die Sorgen und Zweifel, ob der Staat die von ihm propagierte „Integration“ tatsächlich im Griff habe. Also wurde 2010 das Konzept einer „Bunten Republik“ aus dem Hut gezaubert, um den faktischen Flickenteppich segregierter Völkerschaften in Deutschland zu einem wünschenswerten Zustand umzudeuten. 2015 dann wurde die Frage laut, ob der Staat überhaupt noch willens sei, irgendeine aktiv gestaltende Rolle im Rahmen des Umvolkungsprozesses zu übernehmen, also wurde die Parole ausgegeben, wonach bereits der Gedanke an einen wünschenswerten Zustand jedweder Art dem neuesten Konzept des Buntismus als einer Ideologie des völlig freien Laufs der Dinge entgegenstehe.

Anders als ein überzeugter Kommunist, der sich auf ein sorgfältig durchdachtes, rational ableitbares Gedankengebäude berufen kann, fehlt dem gläubigen Buntisten daher ein vergleichbar verlässliches, in seinen Kerngedanken stabiles Gerüst. Er hat im Buntismus nur eine Art Geisteskrücke zur Verfügung, die ihm eine Zeitlang Halt gibt, bis er sie wieder auswechseln muss: Was er gestern geglaubt und gesagt hat, gilt schon heute nichts mehr. Diese Erfahrung chamäleonhafter Wandlungen seiner Ideologie prägt sein ganzes Leben, dennoch bleibt er zu immer wieder neuer geistiger Anpassung bereit: Weil jede noch so dürftige Scheinerklärung, die man ihm darbietet, ihm immer noch mehr geistige Stütze für sein tägliches Dasein bietet als sich die erschreckende Offensichtlichkeit einzugestehen, dass er in Wahrheit als indigener Deutscher in einem rational nicht erklärbaren, da für ihn ausschließlich zerstörerischen Prozess gefangen ist: Jede freiwillige Selbstaufgabe ist an sich irrational, dies gilt gleichermaßen für das menschliche Individuum wie eine menschliche Gemeinschaft.

Der gläubige Buntist ist insofern kein geistig ebenbürtiges Gegenüber, sondern gleicht eher einem herumirrenden Wanderer, der einem Weg folgt, den er nicht kennt, Dinge wahrnimmt, die er nicht versteht, und der sich deshalb mit jeder Form ihm dargebotener Scheinrationalitäten einzureden versucht, er laufe hier richtig und es gebe keinen Anlass zur Sorge. Letztlich ist sein oft grelles, fanatisches Gerede von der „Bunten Republik“, dem gemeinsamen Paradies von Türken, Arabern und Deutschen, Kolonisten und Indigenen, an das er angeblich glaubt, nichts als ein lautes Pfeifen im Walde.




Die kruden Theorien des Fabian Jellonnek

Von SAMIRA KLEY | Das sogenannte Büro für demokratische Kommunikation und politische Bildung im Netz „Achtsegel“, provoziert mit einer neuesten, grafisch und unterhaltungsmäßig minderwertigen Dokumentation über angeblichen Rechtsextremismus in Hessen. Wie immer, wenn selbsternannte Antifaschisten ein neues Rechtsextremismus-Problem aus dem Hut zaubern, geht es um die Alternative für Deutschland und deren Jugendorganisation Junge Alternative.

Der ungepflegt und hager anmutende junge Mann im Video ist Fabian Jellonnek. Der Frankfurter ist Inhaber und Geschäftsführer von „Achtsegel“. Er glaubt nach sechs Monaten kräftezehrender Recherche herausgefunden zu haben, dass ein rechtskonservativer Podcast namens „Rechtsausleger“ mutmaßlich von einem Vorstandsmitglied der hessischen Jungen Alternative und einem weiteren Mitglied betrieben wird.

Laut Jellonnek soll „Rechtsausleger“ den Terrorismus und die Taten von Anders Behring Breivik verherrlichen. Grund für diese Annahme ist ein Tweet von Rechtsausleger, in dem wörtlich geschrieben steht: „Wir brauchen mehr Akzeleration!“

Nach Jellonnek versteht man unter dem Begriff Akzelerationismus rechten Terror, der zu einem Umsturz des Systems führen soll. In Wirklichkeit hat Akzelerationismus mit Terror genau so viel zu tun, wie Fabian Jellonnek mit seriöser Berichterstattung. Nämlich nichts.

Bei dieser Begriffsdefinition seitens des Achtsegel-Inhabers könnte man meinen, er hätte seinen Abschluss an der Baumschule erworben. Ein Politikwissenschaftler, der nicht einmal die einfachsten Zusammenhänge versteht, betreibt Politikberatung. Ein erneuter Beleg für die Inkompetenz der politischen Linken. Denn tatsächlich handelt es sich hierbei um eine neuartige antikapitalistische philosophische Denkschule. Akzelerationisten glauben, dass das Kapital sich irgendwann verselbstständigt und so den Menschen überdauert, da die menschliche Komponente nicht in die konstant rationalisierenden Prozesse des Kapitalismus passt. Die Vertreter des Akzelerationismus bauen ihre Theorien auf Marx‘ und Engels‘ ökonomischen Thesen auf. Jellonnek, der sich ebenfalls als Antifaschist gibt, bezeichnet also eine Denkschule, die auf den Theorien von Karl Marx basieren, als rechtsextrem? Ist er es dann folglich selbst? Wir wissen es nicht. Und was das alles mit der Alternative für Deutschland zu tun haben soll, ist ebenfalls unklar.

Eines ist allerdings Tatsache. Hier fischt erneut ein augenscheinlich schlecht ausgebildeter Politikberater in Gewässern, die er nicht kennt und niemals kennenlernen wird, denn dazu bedarf es echtes Interesse und Unvoreingenommenheit. Letztere wird dem Großteil akademisch gebildeter junger Menschen allerdings schon an der Universität aberzogen und in Ideologie und Angst vor einem kaum noch vorhandenen Rechtsextremismus umgewandelt.

So unterstellt die Dokumentation beispielsweise dem Bürgernetzwerk „Ein Prozent“ die Nähe zu Alt-Right-Organisationen in den USA und die Finanzierung rechtsextremer Projekte. Untermauert wird das Ganze durch einen „Heil!“ rufenden Richard Spencer, der tatsächlich nichts mit „Ein Prozent“ zu tun hat. Auch die rechtsextremistischen Projekte, von denen Jellonnek fabuliert, sind nicht auffindbar. Wahrscheinlich möchte er auf die Finanzierung des Onlinegames „Heimatdefender“, ein patriotisches PC-Spiel, in dem Protagonisten der rechts-intellektuellen Szene auf Abenteuerreise gehen oder auf das neue Magazin „Die Kehre“, das sich mit ökologischen Themen jenseits der Grünen befasst, hinaus. Rechtsextremismus? Fehlanzeige.

Die komplette Selbstinszenierung des Fabian Jellonnek, der sich in seiner zwanzigminütigen, wirklich billig anmutenden, Dokumentation in Szene gesetzt hat, scheint auf einem einzigen Lügenmärchen zu beruhen und setzt Personen und Organisationen miteinander in Verbindung, die in Wirklichkeit nichts miteinander zu tun haben. Keine Fakten, schlechte Recherche. Eine typische Vorgehensweise linker Verschwörungstheoretiker, die ihre auf Emotionen basierenden Thesen zum Besten geben und absichtlich auf Fakten verzichten.




Landtagswahl Baden-Württemberg: Grüne strotzen vor Kraft

Von CANTALOOP | Da wächst tatsächlich ein „GRÜN*kern-Bratling“ von ernstzunehmender Größe heran: 34 Prozent plus x in den Umfragewerten kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 14. März! Die Öko-Kommunisten erreichen hier trotz all ihrer zahlreichen Verbote, Regelungen und Schikanen für die wertschöpfenden Bevölkerungsteile Dimensionen, die längst einer Volkspartei gleich kommen. Im einst tiefschwarzen Baden-Württemberg, seit jeher eigentlich eine CDU-Hochburg höchster Ausprägung, scheint traditioneller Konservatismus, zumindest offiziell, keine tragende Rolle mehr zu spielen. Abgesehen von der OB-Wahl vor nicht allzu langer Zeit, die in Ermangelung eines grünen Spitzenkandidaten zugunsten eines wertkonservativen Kandidaten ausging.

Zugegebenermaßen hat der ehemalige Lehrer und Maoist Winfried Kretschmann offenbar seine Lektion gelernt. Er vertritt das Land in einem speziellen Mix aus Lokalkolorit, christlicher Tradition und einer Behäbigkeit, die auch einem CDU/FDP/AfD-Politiker in dieser Region gut zu Gesicht stünde. Das kommt speziell auch bei der älteren Generation an. Und der schwäbische Nachwuchs ist ohnehin grün-affin bis ins Mark.

FDP hegt noch Ambitionen

Aktuell meldet sich die in Baden-Württemberg ehemals auch gut aufgestellte FDP zu Wort und spricht Regierungsambitionen an, die aber nach aktuellem Stand der Dinge nur innerhalb einer Ampel-Koalition, im Klartext mit SPD, den Grünen plus einem mächtigen Wahl-Boost zu bewerkstelligen wären.

Wir erinnern uns: noch vor nicht allzu langer Zeit schloss FDP-Chef Christian Lindner derlei Zusammenkünfte auf Bundesebene noch kategorisch aus.

Dafür gebührt ihm auch heute noch ein gewisser Respekt, selbst wenn er sich ansonsten eher als politischer Bettnässer entpuppt und außer gelegentlichen Sticheleien, die eigentlich keinem richtig wehtun, kaum etwas zu den drängenden Problemen der Zeit zu sagen hat.

Kretschmann ermöglicht den Grünen Höhenflüge ungeahnter Art

„Landesvater“ Kretschmann gilt als der große Zampano, der bestimmen kann, wie – und vor allem mit wem es weitergeht im Ländle. Wird Stuttgart bald komplett autofrei sein? Das liegt nicht zuletzt in seinen Händen. Ob Daimler-Benz, Bosch, Siemens und Porsche zukünftig im nahen und fernen Ausland ihr Glück suchen und schließlich die von seinen Parteigenossen vorangetriebene Rundum-Überwachung inklusive der Verschärfung sämtlicher Lebenshaltungskosten der Bürger neue Dimensionen erreicht, ist ebenfalls ungewiss. Viele wissen ob seiner bewegten Vergangenheit im westdeutschen kommunistischen Bund – und glauben dennoch, er hätte seinen alten Idealen, die irgendwo zwischen Marx, Mao und Ho-Chi-Minh angesiedelt sind, komplett abgeschworen.

So könnte nach 16 Jahren Regentschaft einer zweifellos sozialistisch geprägten Kanzlerin ein Ministerpräsident ähnlicher Gesinnung mit 12 Jahren ununterbrochener Dienstzeit folgen. Immerhin stellt dies eine bemerkenswerte Kontinuität dar, die die besonnenen Schwaben seit jeher ausgezeichnet hat. Treue, Gehorsam und Unterordnung. „So isch’s recht“, freut sich Winfried Kretschmann im breitesten Schwäbisch.




Das Geld der Anderen

Von SAMIRA KLEY | Innerhalb der politischen Linken tun sich dieser Tage wieder einmal Abgründe auf. Als hätten finanzielle Schwierigkeiten nicht schon im gesamten Coronajahr 2020 wie ein Damoklesschwert über vielen Familien gehangen, kriegt die professionelle Gutmenschenfraktion wieder einmal den Hals nicht voll. Denn wenn es um das liebe Geld geht, ist bei SPD, Linken, Grünen und deren Befürwortern der Spaß vorbei.

Wie der selbsternannte Experte für Klassismus, Andreas Kemper, kürzlich auf dem Nachrichtendienst Twitter erklärte, werden in Deutschland tagtäglich eine Milliarde Euros vererbt. Wer zu den Ärmeren gehöre, so Kemper, wird von dieser Milliarde nichts abbekommen. Deshalb hat Kemper eine Idee, die fast so bahnbrechend ist wie die Mondlandung, das Sozialerbe.

Sozialerbe soll bedeuten, dass jeder, der etwas zu vererben hat, bei Versterben nicht einfach sein eigenes erwirtschaftetes Geld an seine nächsten Angehörigen weitergeben kann. Es bedeutet, dass diese Gelder in staatliche Hand übergehen, um dann auf Deutschlands Bevölkerung umverteilt zu werden. So zumindest die Theorie. In Wirklichkeit würde der letzte Punkt, nämlich die Umverteilung, sicher nicht in die Praxis umgesetzt werden. Doch warum ein Sozialerbe? Das altherkömmliche Privaterbe wäre, nach Kemper, egoistischer Familismus.

Familismus, das ist die neueste Diffamierung in Richtung der klassischen Familie Mutter, Vater, Kinder. Eine Konstellation, die Familien, die anders sind, diskriminieren würde. Per Definition bedeutet Familismus: „Sozialstruktur, bei der das Verhältnis von Familie und Gesellschaft durch weitgehende Identität gekennzeichnet ist.“ Was im Klartext heißt, dass Familien eine Gesellschaft formen.

Seien wir ehrlich, bevor die 68er-Bewegung sich etablierte und innerhalb kürzester Zeit alle möglichen staatlichen Einrichtungen unterwanderte, befand sich das Nachkriegsdeutschland im wirtschaftlichen Aufschwung. Gepflegte, adrett gekleidete Männer, Frauen und Kinder bestimmten das Straßenbild. Überhaupt ist es mir aus heutiger Perspektive ein absolutes Rätsel, wie man aus der damaligen gepflegten Gesellschaft eine Müllhalde machen wollte.

Was waren das für Menschen, die sich diesen links-grünen Gruppen anschlossen und sich für lange Achselhaare und gegen Körperhygiene positionierten? Es müssen die gleichen arbeitsverweigernden Hippies gewesen sein, die heute etwas von staatlicher Enteignung für gute Zwecke und einem demokratischen Sozialismus faseln.

Kemper, der sich selbst der Antifa zuordnet, spricht von Reichen, denen er mit seiner Idee an den Kragen möchte, um endlich die Klassengesellschaft zu überwinden. Wer am Ende tatsächlich unter einer Umverteilung leiden würde, wissen wir. Es sind die einfachen Leute, die sich lange etwas angespart haben, um ihren Familien eine kleine Freude in Form von finanziellen Mitteln hinterlassen zu können.

Außerdem gibt es so etwas wie eine Klassengesellschaft schon lange nicht mehr, aber für sozialistische Tagträumereien ist das unwichtig. Unsere heutige Gesellschaft besteht aus einer unzähligen Anzahl an Milieus. Wer heute noch von zwei Klassen spricht, ist offensichtlich im 19. Jahrhundert stehen geblieben oder über Marx nicht hinausgekommen. Sich diese Tatsache einzugestehen, ist natürlich nicht einfach, besonders wenn man ein brotloser Soziologe ist, der von seinen Büchern nicht leben kann.

Dass man die eigene Sache einfach schlecht macht, wäre zu einfach. Viel bequemer ist es deshalb, sich auf Kosten der sogenannten Solidargemeinschaft, wie eine Made im Speck, ein schönes Leben finanzieren zu lassen und jeden, der das als ungerecht empfindet, als rechtsextrem abzustempeln.

Doch muss man nicht einmal logisch denken können, um zu erkennen, dass diese als sozial deklarierte Idee des Sozialerbes, so wie alle Einfälle der antikapitalistischen Linken, ein völliger Reinfall und mehr als unsolidarisch sind.
Würde man diese Neidsteuer tatsächlich einführen, würde man der einst blühenden deutschen Wirtschaft einen erneuten Dolchstoß verpassen.

Kein Unternehmer wird sich je wieder in Deutschland ansiedeln und diejenigen, die hier ihre Unternehmen führen und damit Arbeitsplätze schaffen, verließen Deutschland auf Nimmerwiedersehen. Dieses wirtschaftliche Verständnis kann man natürlich nur von Menschen verlangen, die tatsächlich einmal gearbeitet haben. Wenn man sich das Personal der Antikapitalisten so ansieht, dann weiß man, warum sie sich dem Antikapitalismus verschrieben haben. Sie haben entweder noch nie auch nur einen Finger krumm gemacht, weil sie faul oder einfach zu nichts zu gebrauchen sind, oder kommen, wie das Paradebeispiel Luisa Neubauer, aus reichen Familien, die mit der tatsächlichen Arbeitnehmerschaft noch nie etwas am Hut hatten.

Das gilt in der Politik, im Übrigen, links wie rechts. Ist es Neid auf den Wohlstand der Anderen, in Kombination mit verqueren Thesen aus Marx und Engels, die Klassenkampf-Kemper so in Fahrt kommen lassen? Ich weiß es nicht und ehrlicherweise interessiert mich das auch wenig. Ich hoffe nur inständig, dass seine inhumane Denkweise nicht auf Gegenliebe stößt, obwohl diese Hoffnung im Angesicht eines übergriffigen und monetär am Boden liegenden Wohlfahrtstaates tatsächlich vergebens sein könnte.




Die Welt von heute und die von gestern

„Mit einem Ruck emanzipierte sich die Nachkriegsgeneration brutal von allem bisher Gültigen und wandte jedweder Tradition den Rücken zu, entschlossen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, weg von alten Vergangenheiten und mit einem Schwung in die Zukunft. Eine vollkommen neue Welt, eine ganz andere Ordnung sollte auf jedem Gebiete des Lebens mit ihr beginnen; und selbstverständlich begann alles mit wilden Übertreibungen.

Wer oder was nicht gleichaltrig war, galt als erledigt. Statt wie vordem mit ihren Eltern zu reisen, zogen elfjährige, zwölfjährige Kinder in organisierten und sexuell gründlich instruierten Scharen als ›Wandervögel‹ durch das Land bis nach Italien und an die Nordsee. In den Schulen wurden nach russischem Vorbild Schülerräte eingesetzt, welche die Lehrer überwachten, der ›Lehrplan‹ umgestoßen, denn die Kinder sollten und wollten bloß lernen, was ihnen gefiel.

Gegen jede gültige Form wurde aus bloßer Lust an der Revolte revoltiert, sogar gegen den Willen der Natur, gegen die ewige Polarität der Geschlechter. Die Mädchen ließen sich die Haare schneiden, und zwar so kurz, daß man sie in ihren ›Bubiköpfen‹ von Burschen nicht unterscheiden konnte, die jungen Männer wiederum rasierten sich die Bärte, um mädchenhafter zu erscheinen, Homosexualität und Lesbierinnentum wurden nicht aus innerem Trieb, sondern als Protest gegen die althergebrachten, die legalen, die normalen Liebesformen große Mode.

Jede Ausdrucksform des Daseins bemühte sich, radikal und revolutionär aufzutrumpfen, selbstverständlich auch die Kunst. (…) Überall wurde das verständliche Element verfemt, die Melodie in der Musik, die Ähnlichkeit im Porträt, die Faßlichkeit in der Sprache. Die Artikel, ›der, die, das‹ wurden ausgeschaltet, der Satzbau auf den Kopf gestellt, man schrieb ›steil‹ und ›keß‹ im Telegrammstil, mit hitzigen Interjektionen, außerdem wurde jede Literatur, die nicht aktivistisch war, das heißt, nicht politisch theoretisierte, auf den Müllhaufen geworfen.

Die Musik suchte starrsinnig eine neue Tonalität und spaltete die Takte, die Architektur drehte die Häuser von innen nach außen, im Tanz verschwand der Walzer vor kubanischen und negroiden Figuren, die Mode erfand mit starker Betonung der Nacktheit immer andere Absurditäten, im Theater spielte man ›Hamlet‹ im Frack und versuchte explosive Dramatik.

Auf allen Gebieten begann eine Epoche wildesten Experimentierens, die alles Gewesene, Gewordene, Geleistete mit einem einzigen hitzigen Sprung überholen wollte; je jünger einer war, je weniger er gelernt hatte, desto willkommener war er durch seine Unverbundenheit mit jeder Tradition – endlich tobte sich die große Rache der Jugend gegen unsere Elternwelt triumphierend aus.

Aber inmitten dieses wüsten Karnevals bot mir nichts ein tragikomischeres Schauspiel als zu sehen, wie viele Intellektuelle der älteren Generation in der panischen Angst, überholt zu werden und als ›unaktuell‹ zu gelten, sich verzweifelt rasch eine künstliche Wildheit anschminkten und auch den offenkundigsten Abwegen täppisch hinkenden Schritts nachzuschleichen suchten. (…)

Schriftsteller, die jahrzehntelang ein rundes, klares Deutsch geschrieben, zerhackten folgsam ihre Sätze und exzedierten in ›Aktivismus‹, behäbige preußische Geheimräte dozierten auf dem Katheder Karl Marx, alte Hofballerinen tanzten dreiviertelnackt mit ›gesteilten‹ Verrenkungen die ›Appassionata‹ Beethovens und Schönbergs ›Verklärte Nacht‹. Überall lief das Alter verstört der letzten Mode nach; es gab plötzlich nur den einen Ehrgeiz, ›jung‹ zu sein und hinter der gestern noch aktuellen eine noch aktuellere, noch radikalere und noch nie dagewesene Richtung prompt zu erfinden.

Welch eine wilde, anarchische, unwahrscheinliche Zeit, jene Jahre, da mit dem schwindenden Wert des Geldes alle andern Werte in Österreich und Deutschland ins Rutschen kamen! Eine Epoche begeisterter Ekstase und wüster Schwindelei, eine einmalige Mischung von Ungeduld und Fanatismus. Alles, was extravagant und unkontrollierbar war, erlebte goldene Zeiten: (…) Alles, was äußerste Spannungen über die bisher bekannten hinausversprach, jede Form des Rauschgifts, Morphium, Kokain und Heroin, fand reißenden Absatz (…); unbedingt verfemt hingegen war jede Form der Normalität und der Mäßigung.“

Nein, hier ist nicht von den berüchtigten 68ern, nicht von Langstreckenluisas FfF, von Bodos Clubhaus, von Klaus Schwabs Weltwirtschaftsforum oder gar von Null Kórona die Rede, sondern von der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Es ist eine Beschreibung von Stefan Zweig aus „Die Welt von gestern“. Bis in lächerliche Details zum Verwechseln ähnlich mit der Welt der NGOs von heute.

Die Kulturrevolutionäre von gestern zappelten sich in Deutschland und Österreich auf die eine oder andere Art in Adolfs Spinnennetz. Ich kalkuliere mal, daß Stokowski, Neubauer, Kerosinkatha und Koboldannalena eines Tages kein Problem mehr sind, weil sie unter einem Überwurf stecken. Mit der Maske begann alles. Was gut beginnt, endet schlecht, was schlecht anfängt, endet katastrophal. Für mich nicht, aber für die Fräuleins und Aktivisten vom Großen Reset.

Grüße an den V-Schutz: „Durch Stolpern kommt man bisweilen weiter; man darf nur nicht fallen und liegenbleiben.“ (Geh. Rath v. Goethe, August 1831)


(Gefunden auf prabelsblog.de | Aufmacher: Stefan Zweig in Passfotos, die er 1940 in London aufnehmen ließ)




Was trägt unseren Wohlstand?

Von PROF. EBERHARD HAMER | Nach Marx war nur die Arbeit der produktive Faktor, die Werte schafft. Deshalb müsse denen, die reale Arbeit leisten, auch der Gesamtertrag dieser Arbeit zugutekommen.

Übersehen hat Marx, dass auch der Boden produktiv ist und dass Kapital produktiv sein kann, wenn es zum Beispiel in der Industrie durch mehr Kapitaleinsatz (Maschinen) höhere Produktivität bringt.

Der internationale Trend von der Agrar- über die Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft (ca. 70 Prozent BSP) hat jedoch die Messeinheit von Arbeit immer mehr vom Arbeitsertrag auf die eingesetzte Arbeitszeit verschoben. Nur Unternehmer und ihre Betriebe werden durch den Gewinn noch nach Arbeitsertrag belohnt, was zum Beispiel im Handwerk die Folge hat, dass nicht die eingesetzte Zeit der Arbeit, sondern das Produkt – der Arbeitserfolg – geschuldet wird, abgeliefert werden muss und bezahlt wird. Kommt es nicht zu diesem Arbeitsergebnis, wird nicht bezahlt.

Das ist in der Dienstleistung ganz anders. Ein Arzt, ein Anwalt, ein Beamter und die Millionen in den Sozialberufen Beschäftigten werden nicht nach ihrem Arbeitsergebnis, sondern nach der eingesetzten Arbeitszeit (Stundenlohn bzw. Monatsgehalt) bezahlt. Sie bekommen diese Arbeitszeit unabhängig vom Ergebnis ihrer Arbeit vergütet. Bringt ihre Arbeit – wie zum Beispiel in vielen Sozialberufen – kein Ergebnis, bekommen sie dennoch hohe Gehälter.

Und die Gehälter der Dienstleister sind durchweg höher als diejenigen der praktisch Arbeitenden. Viele „Zeitarbeiter“ erzielen in der Regel höheren, etwa den doppelten, dreifachen oder vierfachen Lohn als ein „Erfolgsarbeiter“, zum Beispiel ein Handwerksgeselle. Kein Wunder, wenn deshalb die Jugend in die Angestelltenberufe drängt und hunderttausende von Handwerkslehrlingsstellen unbesetzt bleiben.

Schon seit einem Jahrzehnt vertreten vor allem amerikanische Wirtschaftstheorien die Ansicht, dass die Entwicklung zur Dienstleistung in der Volkswirtschaft ein notwendiger Fortschritt sei. Ihnen schien recht zu geben, dass die Geldflutungen des letzten Jahrzehnts vor allem denjenigen zugutekamen, die sich mit Geldgeschäften, mit Krediten, mit Spekulationen, mit Geldanlagen und mit Geldvermehrung beschäftigt haben. Deshalb haben Banker, Strukturvertriebe und Finanzspekulanten in den letzten 40 Jahren die größten Einkommen erzielt.

Der neue Dienstleistungstrend der Digitalisierung scheint wiederum Wachstums-, Wohlstands- und Zukunftstrend der Volkswirtschaften zu werden. Er wird nicht nur immer unverzichtbarer, sondern auch für diejenigen, die diesen digitalen Zukunftstreiber bearbeiten, besonders ertragreich. Die Löhne in der digitalen Welt sind höher als in der realen Arbeitswelt.

Die beginnende Weltwirtschaftskrise ist nicht nur Corona-Krise, sondern deshalb die größte Weltwirtschaftskrise, weil sie wiederum einen Strukturwandel von zu viel unproduktiver Dienstleistung hin zu Realproduktion bringen wird.

Das Beispiel der USA steht für diese Entwicklung. Die USA haben ihre Realproduktion wegen billiger Arbeitskräfte weltweit ausgelagert, vor allem nach China, weil sie mehr am Kapitalgeschäft verdienen konnten, indem sie 192 Länder der Erde mit Dollarkrediten vollstopften und sich dafür Zinsen und Abzahlungsleistungen erzwangen – zum Teil sogar mit militärischen Mitteln. So wurde die Handelsbilanz der USA immer defizitärer, konnte aber durch die Zahlungsbilanz ausgeglichen werden. Wenn also die USA immer mehr für Zuliefererprodukte bezahlen mussten, konnten sie dies aus wachsenden Finanzeinnahmen finanzieren.

Inzwischen aber ist auch die Zahlungsbilanz der USA so defizitär (600 bis 800 Mrd. Dollar Defizit) und sogar existenzgefährlich. Nur durch unverantwortliche Dollarflutung der FED konnte bisher der finanzielle Zusammenbruch in den USA verhindert werden. Die Gewaltversuche von Trump, durch Sanktionen und Strafen Importe zu verhindern und die Realproduktion in den USA zurückzuholen, ist am Widerstand der Finanzindustrie gescheitert.

Das Gegenbeispiel ist die Bundesrepublik, die von allen europäischen Ländern mit fast einem Drittel immer noch den größten Realleistungssektor hat. Unsere Industrie- und Gewerbeproduktion hat mit ihrer Produktivität die Dienstleistung besser getragen als in allen anderen Ländern, was zu entsprechenden Handelsbilanzüberschüssen der Bundesrepublik geführt hat.

Schon immer hat die Mittelstandsökonomie darauf hingewiesen, dass unter Produktivitätsgesichtspunkten der Dienstleistungssektor überbewertet würde. Ein großer Teil der Dienstleitungssektoren sind nämlich wenig oder unproduktiv, dienen ganz anderen Zwecken, als wirtschaftliche Werte zu produzieren:

  • Den eigentlichen Staatsaufgaben der Ordnungs- und Rechtsdurchsetzung kann man zwar indirekte Produktivität auch für die Wirtschaft zumessen, der Schul- und Hochschulbildung ebenfalls, weil sie die Qualifikationen zu bringen hat, die die Wirtschaft für den Produktivitätsfortschritt braucht.
  • Der Gesundheitssektor ist schon umstrittener, weil hier ein Staatsmonopol mit Nullpreis-Angebot eine unwirtschaftliche Übernachfrage erzeugt hat, wie in der Corona-Hysterie gerade am deutlichsten sichtbar wird.
  • Andere staatliche und private Sozialbereiche und vor allem ideologische Luxusverwaltungsbereiche wie Gender-, Gleichstellungs-, Öko- und Meinungssteuerungsverwaltungen bezahlen ihre Beschäftigten besser als Produktivarbeitskräfte, sind aber wirtschaftstheoretisch nicht produktiv, sondern meist unproduktive Kostenlast, in schlimmeren Fällen Wirtschaftsblockade.
  • Andere – vor allem private – Dienstleistungsbereiche sind ebenfalls nicht eigenproduktiv, sondern nur für andere Wirtschaftsbereiche hilfsproduktiv, wie zum Beispiel der Transport, die Reinigung, die Kommunikation oder ähnliches. Viele Beschäftigte in diesen minderproduktiven Bereichen verdienen in der privaten Wirtschaft, wo Arbeitsleistung von Produktertrag leben muss, weniger als die direkt produktiven Arbeitskräfte etwa in Handwerk oder Industrie, andere dagegen in Dienstleistungsbereichen, in denen die Arbeit nicht nach Ertrag, sondern nach Zeit bemessen wird, mehr als die gewerblichen Produktivkräfte.

Wenn eine volkswirtschaftliche Gesellschaft nicht mehr wie nach dem Kriege auf die Deckung des Realbedarfs ausgerichtet ist, sondern immer mehr auf gering- oder unproduktive Dienstleistung, wandeln sich auch Ziele, Werte und Lebensgrundlagen unserer Gesellschaft:

  1. Früher galt praktisches Geschick als vorbildlich und produktive Arbeit verschaffte Anerkennung. Nun gilt sie als inferior, umweltverschmutzend, klimaschädlich oder schlicht stupide. „Als Ergebnis dieser Werteverschiebung bezahlt die arbeitende Bevölkerung nicht nur die Steuern, die das Leben am Laufen halten, sondern sie bewundert diejenigen, die auf ihre Kosten leben.“

Aus der systematischen Entwertung produktiver Tätigkeit folgt, dass sich unsere Werte verändert haben: „Kreativität statt Fleiß, Spontanität statt Verlässlichkeit, Sinnproduktion statt Güterproduktion, Geistiges statt Materielles, Individualität statt Anpassung, Sein statt Haben.“

  1. Inzwischen verkörpern die Grünen den neuen Zeitgeist, an dem sich alle anderen orientieren sollen; „den fröhlich plappernden Annalenas und Gretas mit ihrer naiven Begeisterung kauft man alles ab. Als Ideologe, Sinnstifter und Weltverbesserer braucht man sich eben nicht um irgendwelche Trivialitäten des realen Lebens zu kümmern. Sie können ein unbeschwertes, hochbezahltes, gesichertes Leben führen, sie können unproduktiv herumschwadronieren – dank Euch, liebe Handwerker, LKW-Fahrer, Lageristen, Friseuren, Erzieherinnen und alle, die Ihr Arbeit macht, für die sich die Ideologen zu gut sind und welche die Steuern zahlen, von denen jene leben.“
  2. Inzwischen erarbeiten nur ein Drittel der Bevölkerung unser reales Sozialprodukt auf dem Markt, während zwei Drittel im Zuge der großen öffentlichen Umverteilung von dem Leistungsertrag des ersten Drittels leben. Die unproduktiven Ideologen verändern aber Lebensgrundlagen durch Steuern und Abgabenerhöhungen weiter ständig zu Lasten der Produktiven und zu Gunsten der Unproduktiven: CO2-Steuer jetzt gerade auf Benzin, EEG-Umlage auf Elektroenergie, Erhöhung der GEZ-Steuer o.a. Die Mehrheit der nicht mehr von ihrem Leistungsertrag abhängigen Dienstleister lebt war zwar vom Arbeitsertrag einer produktiven Minderheit, erhöht aber ständig deren Kosten und vermindert dadurch deren Wohlstand.
  3. Proteste der Minderheit gegen die Mehrheit werden von der neuen Meinungsdiktatur unterdrückt. Nur die Meinung der unproduktiven Mehrheits-Ideologen zähl. Nur sie wird in den Medien gebracht (wofür diese hunderte von Millionen Bestechungsgelder zur Existenzsicherung erhalten). Und wer in den sozialen Medien protestiert, wird als rechts- oder hassverdächtig abgeschaltet, mundtot gemacht, sogar ein Präsident in den USA.
  4. Kein Wunder, wenn auch unsere nicht mehr auf Leistung und Pflichterfüllung, sondern durch „Spaßschulen“ auf Lustgewinn programmierte Jugend freitags nicht mehr zur Schule, sondern für eine ideelle Umwelt oder arbeitsloses Grundeinkommen auf die Straße geht. Arbeitsloses Grundeinkommen wird auch von den grünen Ideologen als „Erfüllung einer sinnentleerten Arbeit“ gefordert und ist mit dem Massen-Kurzarbeitergeld für hundert Milliarden Euro in der ganzen EU sowie mit „Hartz-IV für alle“ eingeführt, in Spanien sogar gesetzlich.

Der kommende Crash wird zeigen, dass das von den Ideologen erträumte und teilverwirklichte Ziel des „Wohlstands ohne produktive Arbeit“ zusammenfällt.

Wenn Deutschland

  • seine eigenen Corona-Kosten von mehr als 500 Mrd. Euro und die darüber hinaus für ganz Europa durch Mithaftung übernommenen drei Billionen Euro Schulden nicht mehr bezahlen kann
  • und die Menschen merken, dass Geldvermehrung ohne Gütervermehrung Betrug ist statt Wohlstandssteigerung,
  • die erwartete und unterbezahlte Realproduktion aber in der Krise mit ihren produktiven Arbeitsplätzen um ein Drittel zusammenfällt, deshalb die wachsenden Geldsummen sinkendem Güterangebot gegenüberstehen und zur Inflation explodieren,
  • die sich verschärfende Rezession dann aber auch immer mehr unproduktive Arbeitsverhältnisse unbezahlbar und deshalb überflüssig macht,

werden die überheblichen unproduktiven Meinungsmacher und Ideologen merken, dass sie mit der Verachtung der Realproduktion ihre eigene Existenz vernichtet haben und werden – wie üblich – die Gesellschaft, nicht sich selbst, für ihr Scheitern verantwortlich machen.

Der Markt lässt sich nicht betrügen. Und Wohlstand ist nicht Ideologie, sondern reale Versorgung. Und ohne reale Arbeit und produktive Leistung hat noch keine Volkswirtschaft dauerhaft überlebt.

Viele, jetzt überversorgte Ideologen und unproduktive Dienstleistungsbereiche werden schon bald merken, dass man nicht mehr von unproduktivem Lustgewinn und Ideologie leben kann, sondern nur von harter produktiver Arbeit. Der Begriff der Arbeit wird wieder auf das Ergebnis statt auf bloße Beschäftigungsdauer umgestellt werden müssen!


Prof. Eberhard Hamer.
Prof. Eberhard Hamer.

PI-NEWS-Autor Prof. Dr. Eberhard Hamer (* 15. August 1932 in Mettmann) ist ein deutscher Ökonom. Sein Schwerpunkt ist die Mittelstandsökonomie. In den 1970er Jahren gründete er das privat geführte Mittelstandsinstitut Niedersachsen in Hannover und veröffentlichte über 20 Bücher zum Thema Mittelstand. Hamer erhielt 1986 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Seine Kolumne erscheint einmal wöchentlich auf PI-NEWS.




Kommt 2021 die Entmerkelung?

Von WOLFGANG PRABEL | Derzeit gibt es ein würdeloses Rennen um den CDU-Vorsitz, das von der Kanzlerin genußvoll in die Länge gezogen wird, damit sich die Thronprätendenten möglichst umfassend selbst beschädigen können. Die Bewerber hängen alle mehr oder weniger am Hosenanzug von Dr. Merkel, sie sind so devot ihr gegenüber wie seinerzeit Nikita Chrustschoff, der Stalin 20 Jahre lang geduldig die Stiefel geleckt hatte, bis sein Vorgesetzter endlich aus ihnen herausgekippt war.

Keiner wagt den Bruch mit Merkel, weil er bei der kleinsten Abweichung von der Politik der letzten zehn Jahre mit der Macht der Medien sofort abgetan werden würde. Im Gegenteil: Jeder versucht ihre Gunst zu erhalten bzw. zu erhaschen, besonders eifernd Markus Söder, ihr bayerischer Statthalter. Ob sie die Alte nur täuschen und hinters Licht führen, ob sie im Herbst eine vorsichtige Entmerkelisierung einleiten, ein politisches und kulturelles Tauwetter riskieren, niemand weiß es. Vielleicht wollen sie auch nur den Thron erben und noch furchtbarer als die häßliche alte Hexe spalten und zerstören. Es ist nie so schlimm, daß es nicht noch schlimmer kommen kann.

Zuweilen ist es lehrreich Charaktermasken von Politikern zu ergründen, die in ähnlichen alternativlosen Kulissen agierten. Mit den derzeitigen Zuständen in Berlin kann man die Periode der Herrschaft der Goldenen Horde 1237 bis 1462 und die Zeit der Säuberungen von 1934 bis 1953 vergleichen. Iwan Kalita war auf dem Stuhl des Moskauer Großfürsten lebenslang der beflissene Sklave des Großchans, vergleichbar etwa mit den CDU-Ministerpräsidenten. Die Jahre 1953 bis 1957 dagegen waren durch die Milderung einer verkrusteten Schreckensherrschaft geprägt. Gibt es in der CDU einen Chrustschoff, der versucht die Geister der Vergangenheit zu zähmen oder gar zu bannen? Oder nur widerliche kriecherische Kreaturen wie Iwan Kalita?

„Die Politik Iwan Kalitas war einfach folgende: das unterwürfige Werkzeug des Khan zu spielen, auf diese Weise Macht von ihm zu erschleichen und sie dann gegen seine fürstlichen Rivalen und die eigenen Untertanen zu wenden. Dies zu erreichen mußte er sich bei den Tartaren durch zynische Lobhudeleien, häufige Reisen zur Goldenen Horde (…), durch die Vorspiegelung genzenloser Anteilnahme an des Khans Interessen, die skrupellose Ausführung seiner Befehle (…), kurz durch die Vereinigung der Charaktere eines Henkers, Speichelleckers und obersten Sklaven der Tartaren in seiner Person einschmeicheln. Er erstaunte den Khan durch ständige Enthüllungen geheimer Verschwörungen. Wann immer die Linie von Twer eine Regung nationaler Unabhängigkeit zeigte, eilte er zur  Goldenen Horde, sie zu denunzieren. Wo immer er auf Wiederstand traf, lud er den Tartaren ein, diesen niederzutrampeln.“

So ist Kalitas Handeln in der „Geschichte der Geheimdiplomatie des 18. Jahrhunderts“ beschrieben worden, man muß nur den Namen Kalita durch Söder, Bouffier, Günther, Laschet. Hans oder Kretschmer ersetzen und die Goldene Horde durch das Bundeskanzleramt, der Khan ist dann Dr. Merkel. Die „Linie von Twer“ könnte Kemmerich sein.

Der Autor obiger Zeilen war übrigens Karl Marx, auch der bärtige Säulenheilige wurde in der Russenzeit zensiert, seine Geschichte der Geheimdiplomatie wurde weder in die MEGA noch die MEW aufgenommen. Zu tiefe Einblicke in die Ränkespiele der Machterlangung und -erhaltung. Erst 1977 wurde sie im Westen erstmalig in deutscher Sprache gedruckt.

Nun gibt es freilich Sklaven, deren Natur zutiefst kriecherisch und stupide ist, und solche, die sich nur geschickt verstellen, um nach dem Tod ihres Herrn und der handfertigen Machtergreifung die Dinge wieder zu richten. Nikita Chrustschoff war einer von der letzteren Sorte.

Natürlich war er bei den Säuberungen nicht Opfer, sondern Täter und Beteiligter. Noch von 1949 bis 1953 war er Erster Sekretär der Parteiorganisation des Gebietes von Moskau. Auf dem XIX. Parteitag der KPdSU 1952 hielt er auf Geheiß Stalins das Referat über die bedeutsamen Abänderungen am Parteistatut. Und dann röchelte Väterchen Stalin eines schönen Morgens endlich in seinem Erbrochenen und niemand traute sich, ihm zu helfen. Der 5. März 1953 war der Freudentag, an dem er in der Hölle brutzelte und sein Fett an die Decke spritzte. Am 26. Juni 1953 wurde der von allen Politbüromitgliedern gefürchtete Innenminister und Geheimdienstchef Beria handstreichartig verhaftet, wegen antisowjetischer Verschwörung am 23. Dezember 1953 zum Tode verurteilt und am gleichen Tag zusammen mit anderen führenden Geheimdienstlern erschossen. Chruschtschow, nunmehr dienstältester Sekretär, erreichte, daß die führenden Ämter Erster Sekretär und Regierungschef getrennt wurden und er am 7. September 1953 zum neuen Ersten Sekretär des ZK gewählt wurde.

Auf dem XX. Parteitag der KPdSU vom 14. bis 25. Februar 1956 enthüllte Chruschtschow in seiner Geheimrede Über den Personenkult und seine Folgen vom 25. Februar den Führungsstil von Stalin und die damit verbundenen Verbrechen. Es entwickelte sich die sog. Tauwetter-Periode: Zumindest innenpolitisch kehrte eine gewisse Entspannung ein. Chruschtschow ließ zahlreiche Konzentrationslager schließen und Inhaftierte entlassen. Ganze deportierte Völker wurden rehabilitiert, die letzten deutschen Kriegsgefangenen durften 1957 in die Heimat.

Nun, man darf seine Lockerungen nicht idealisieren, es dauerte noch 33 Jahre bis zur Normalisierung und noch etwas länger bis zu einer nur dürftig bemäntelten Wiederherstellung des Zarentums. Das Leben von Chrustschoff zeigt jedoch, wie sich ein Sklave von der Übervaterfigur seines Halters lösen kann, und in welchem Rahmen. Es gehörte ungeheurer Mut dazu, und die skrupellose Anwendung unter Extrembedingungen erlernter Machttechniken, um in einem verknöcherten Mordapparat eine Richtungsänderung um etwa 20 bis 30 Grad durchzustehen.

Auch eine gelinde Kursänderung in Berlin erfordert Mut und Umsicht. Die einschüchternde Rolle, die früher die Tscheka bzw. die GPU spielte, nehmen heute NGOs und Medien ein. Es wird die entscheidende Operation sein, sie zu neutralisieren. Ein Reformer müßte heutzutage nicht zu so drastischen Mitteln wie Nikita greifen, die modernen Methoden sind seit den 70ern halt andere. Man muß nur das tun, was SPD, Grüne und CDU drei Jahrzehnte lang praktiziert haben, mit umgekehrtem Vorzeichen. Es reicht gleichmäßig zu besteuern, Privilegien und Subsidien zu entziehen. Auch Eigentümerwechsel können Wunder wirken. Zuletzt las ich, daß die Passauer Neue Presse ihre sarmatische Polska Press an PKN Orlen verklingeln will. Polska Press ist eine der größten Mediengruppen in Polen. Ihr gehören zum Kaufzeitpunkt 20 von insgesamt 24 regionalen Tageszeitungen im Land, rund 120 Wochenblätter und 500 teilweise sehr reichweitenstarke Internetportale. Bereits 2015 hatte die Passauer Neue Presse ihre tschechischen Regionalzeitungen verkauft. Auch ein Weg, Meinungsmonopolisismus zu beenden.

Grüße an den V-Schutz: Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen.




Rassismus-Alarm im Negertal

Von MANFRED ROUHS | Seit rund 700 Jahren wird ein Fluss, der durch den Kreis Olpe (NRW) fließt, Neger genannt. Ihn umschließt das Negertal. Im Negertal liegt der Ort Neger, in dem die Ortsteile Oberneger, Mittelneger und Unterneger unterschieden werden. Das alles war rund 700 Jahre lang kein Problem.

Aber jetzt kommen die Gut- und Bessermenschen. Ihnen gegenüber sah sich der Bürgermeister von Olpe, Peter Weber (CDU), in der Pflicht zu der Klarstellung, dass in seiner schönen Gemeinde „Rassismus keinen Platz hat“, wie der „Tagesspiegel“ berichtet. Und am Tod von George Floyd sind sie auch nicht schuld. Das stellt noch nicht einmal der neunmalkluge Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch in Abrede, den die „Bild“-Zeitung mit dem Satz zitiert:

„Man kann den Ortsbewohnern nicht vorwerfen, dass sie in dem Ort leben, der so heißt. Aber man kann ihnen einen Perspektivwechsel abverlangen.“

Das heißt auf gut Deutsch: Wer im Negertal lebt und keine Änderung der Ortsbezeichnungen anstrebt, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden.

Am 10. Mai 1953 vollzog der DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl einen Perspektivwechsel in Chemnitz und benannte die Stadt in einem feierlichen Akt in Karl-Marx-Stadt um. Das hatte Bestand bis 1990. Seither heißt Karl-Marx-Stadt wieder Chemnitz.

Wie lange werden sich Peter Weber und andere Kommunalpolitiker im Kreis Olpe wohl noch wehren gegen die bohrenden Anfeindungen von Journalisten und anderen Moralaposteln? Wie lange noch widerstehen sie den Sachbeschädigungsorgien gegen ihre Ortsschilder?

Anfang Juni sind im kleinen Dorf die Ortsschilder von den üblichen Verdächtigen besprüht worden.

Eines lässt hoffen: Das Negertal liegt im Sauerland. Der Sauerländer an sich ist stur wie ein Steinbock. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann lässt er davon so schnell nicht ab. Vielleicht rettet sich ja das Negertal mit diesen Eigenschaften durch die letzte Phase des Multi-Kulturalismus? – Seinen Eingeborenen wäre es zu wünschen.


PI-NEWS-Autor Manfred Rouhs, Jahrgang 1965, ist Vorsitzender des Vereins Signal für Deutschland e.V., der die Opfer politisch motivierter Straftaten entschädigt. Der Verein veröffentlicht außerdem ein Portal für kostenloses Online-Fernsehen per Streaming und hat die Broschüre Coronazeit – Leben im Ausnahmezustand“ herausgegeben. Manfred Rouhs ist als Unternehmer in Berlin tätig und vermittelt Firmengründungen in Hong Kong.




Vom Leistungslohn zum Grundeinkommen

Von PROF. EBERHARD HAMER | Durch den zweiten Weltkrieg waren die Deutschen verarmt, ihr Vermögen in Kriegszerstörung und Währungsreform zusammengeschmolzen und hatten mehr als 90 Prozent der Menschen überhaupt nur eine Existenzchance, wenn sie Arbeit hatten und daraus Einkommen erzielen konnten.

Zehn Prozent unserer Bevölkerung haben nach dem Krieg durch Selbständigkeit Einkommen zu erzielen versucht, 90 Prozent durch abhängige Arbeit. Das Erwerbseinkommen war somit für fast alle Einwohner die Existenzbasis ihres Lebens.

Erst im Laufe der Jahrzehnte haben erfolgreiche Arbeitnehmer und Unternehmer Vermögen aufbauen können, das ihnen Erträge abwarf und sie vom Erwerbseinkommen immer unabhängiger werden ließ. Andererseits stieg auch kontinuierlich die Zahl derer, die nicht von eigenem Einkommen, sondern aus öffentlichen Leistungen (Transfereinkommen) leben.

Die Dominanz des Erwerbseinkommens in unserer Gesellschaft hat den Steuerstaat dazu verführt, das Erwerbseinkommen als Hauptgrundpfeiler seiner Steuereinnahmen zu gebrauchen – nach der falschen Erkenntnis von Marx, dass nur Arbeit produktiv sei und deshalb der Arbeitsertrag besteuert werden müsse. Je mehr der Staat Geld für die Subventionen an Kapitalgesellschaften und für die soziale Umverteilung brauchte, desto stärker wurden die Arbeitsleister unserer Wirtschaft (Unternehmer und Mitarbeiter) besteuert, haben wir inzwischen für Arbeitseinkommen die nach Belgien höchste Besteuerung der Welt.

Das Kapital dagegen wird umso weniger besteuert, je größer es ist, weil die großen internationalen Konzerne ihre Gewinne in den Steueroasen anfallen lassen und deshalb mehr öffentliche Gelder kassieren als sie selbst an den Staat abführen.

Andererseits hat sich mit wachsendem Wohlstand in unserer Gesellschaft die Zahl der Sozialleistungsnehmer kontinuierlich erhöht. Kurz gesagt: Höherer Wohlstand hat nicht zur Verminderung der Sozialprobleme geführt, sondern umgekehrt haben die Sozialfunktionäre immer mehr angeblich Sozialbenachteiligte entdeckt, die sie zu betreuen versuchten und die der Staat – also praktisch die Leistungsträger – finanzieren mussten. Die Sozialleistungen nehmen inzwischen die Hälfte aller unserer Steuereinnahme in Anspruch.

Das Mittelstandsinstitut hat zur Produktivität unserer Bevölkerung errechnet, dass die fünf Millionen Unternehmer und die ca. 24 Millionen in privaten Firmen für den Markt arbeitenden Leistungsträger 33,9 Prozent unserer Gesamtbevölkerung ausmachen. 66,1 Prozent unserer Bevölkerung leben dagegen als Rentner (24,6 Prozent), als Arbeitslose und Sozialeinkommensbezieher (5,6 Prozent), aber auch als aus Steuermitteln unterhaltene öffentliche Beschäftigte (7,5 Prozent) letztlich von der Leistungskraft und den Steuern sowie Sozialabgaben des ersten produktiven Drittels.

Zwei Drittel unserer Bevölkerung leben also von dem, was der Staat, nicht was der Markt ihnen zahlt. Für zwei Drittel sind also die politischen Bedingungen einkommenswirksamer als die Marktbedingungen, ist die Sozialwirtschaft entscheidender als die Marktwirtschaft.

Dies hat politische Rückwirkungen: Wenn für zwei Drittel unserer Wähler die Transfer- und Sozialleistungen wichtigste Einkommensquelle sind, wählen sie auch die Politiker, die ihnen am meisten Transfer- und Sozialeinkommen versprechen. Daraus folgt wiederum, dass alle sozialistischen Parteien einschließlich der CDU ihren Wahlkampf nicht mehr mit Ideen, sondern mit Sozialversprechen führen, sich mit Sozialgeschenken gegenseitig zu übertreffen versuchen.

Die Grünen gehen nun am weitesten: Sie haben in ihrem neuen Wahlprogramm den „Leistungsterror überwunden“ und „orientieren uns an der Leitidee eines bedingungslosen Grundeinkommens“.

Ein solches Grundeinkommen gibt es für einzelne Bevölkerungsgruppen schon jetzt: Nicht nur den Rentnern wurde dies garantiert, sondern durch Grundsatzurteil des Bundessozialgerichts für alle, die kein Erwerbeinkommen haben. Es hat entschieden, dass die Hartz-IV-Versorgung nicht vom früheren Erwerbseinkommen abhängig sein darf, sondern auch Personen und Gruppen zusteht, die nie gearbeitet haben und nie arbeiten wollen. Dies sei „Ausdruck der Menschenwürde“. Dass man also in Deutschland ohne Erwerbseinkommen bis zum Lebensende (inkl. Rente) abgesichert wird, hat sich vor allem bei den Armen der Welt herumgesprochen und zur Masseneinwanderung von Sozialleistungsforderern geführt. Damit wird auch deutlich, weshalb gerade die Grünen die Zuwanderung in unserer Sozialsysteme am stärksten verlangen (und daraus ihre zukünftigen Wähler erwarten).

Es wird aber von unserer derzeitigen Politik nicht nur die Existenzsicherung im Sozialbereich betrieben, sondern internationale Banken und Konzerne mit Milliardenbeträgen auf Kosten der Leistungsträger des Mittelstandes subventioniert, wenn sie in Schieflage geraten, sich verzockt haben oder durch willkürliche Corona-Lockdowns ihr Geschäft weggebrochen ist. Der Staat zahlt Unsummen nach unten, aber ebensolche Unsummen auch nach oben. Die EU und die EZB haben sogar Billionen bereitgestellt, um Pleitestaaten, Zombiebanken, veraltete Konzerne und unproduktive Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen existenzzusichern. Ganz offen wird auch gesagt, dass diese Gelder nicht mehr durch Produktivität der Wirtschaft, nicht mehr durch Leistungslohn und Abgaben finanziert würden, sondern als „ewige Darlehen“ bzw. „Dauergeschenke“ einfach durch Geldmengenvermehrung.

Die politischen Umverteiler haben also jede Produktionsbasis der Umverteilung (und vor allem deren Beschränkungen auf die Produktivität) verlassen und die Geldverteilung an alle – Grundeinkommen für alle Personen und Existenzsicherung für alle Kapitalgesellschaften – durchgesetzt: Einkommen für alle, ohne Rücksicht auf Produktivität und Eigenbeitrag.

Lediglich der produktive Mittelstand, der bisher der größte Leistungsträger unserer Wirtschaft und Gesellschaft mit zwei Dritteln aller Steuern und Sozialabgaben brutto – und allen Steuern sogar über 80 Prozent netto –, war schon zu Zeiten des Leistungslohns ausgeplünderte Gesellschaftsgruppe und ist nun bei den Zahlungen für alle wiederum Verlierer, weil „Mittelstand ist, wer leise stirbt, ohne dass ihn Staat und Funktionäre dabei beachten“.

Die willkürliche Zwangsschließung vor allem der mittelständischen Branchen (Einzelhandel, Touristik, Hotellerie, Gastronomie u.a.) wird im nächsten Jahr zum Massensterben mittelständischer Betriebe führen.

Das hätte zu früheren Zeiten der Produktivitätsabgaben auch zum Zusammenbruch öffentlicher Steuern und Sozialeinnahmen geführt (wie 1930), kann aber jetzt durch hemmungslose Geldvermehrung so lange überdeckt werden, wie die Bevölkerung noch an den Wert des Euro oder Dollar glaubt, seine wachsende Entwertung noch nicht erkannt hat.

Aber auch für diesen Geldbetrug gilt: Der Markt lässt sich nicht betrügen. Irgendwann erkennen die Menschen den Währungsbetrug und kommt es zu galoppierender Inflation oder gleich zur Währungsreform (schon vorbereitete Digitalwährung). Das Grundeinkommen für alle Menschen und Kapitalgesellschaften ist unerfüllbare politische Parole. Keiner ihrer Vertreter hat bisher gesagt wie dies finanziert werden könnte, wenn der Rausch der Geldmengenvermehrung in einen Kater übergeht.

Paradiese bleiben Wunschvorstellung, auch Sozialparadiese, weil das, was verteilt werden soll, immer erst erwirtschaftet werden muss.

Die sozialistischen Umverteilerparteien müssten also eigentlich die Leistungsträger unseres Mittelstandes pflegen, statt sie zu beschimpfen, um künftig überhaupt noch die Mittel für ihre wachsende Umverteilung erwarten zu können. Geht die Leistungsschicht der Mitte jetzt in der Rezession zurück, werden die Umverteiler mit leeren Händen dastehen und ihre Versprechen nicht halten können.

Aber vielleicht ist dies ja ebenfalls eine notwendige Korrektur.


Prof. Eberhard Hamer.
Prof. Eberhard Hamer.

PI-NEWS-Autor Prof. Dr. Eberhard Hamer (* 15. August 1932 in Mettmann) ist ein deutscher Ökonom. Sein Schwerpunkt ist die Mittelstandsökonomie. In den 1970er Jahren gründete er das privat geführte Mittelstandsinstitut Niedersachsen in Hannover und veröffentlichte über 20 Bücher zum Thema Mittelstand. Hamer erhielt 1986 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Seine Kolumne erscheint einmal wöchentlich auf PI-NEWS.