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Bat Ye’Or über Palästinianismus in Europa

Im Folgenden veröffentlichen wir eine vollständige Übersetzung eines Interviews [1], das Jamie Glazov, der Herausgeber des Frontpage Magazines, mit Bat Ye’Or (Foto) geführt hat. Bat Ye’Or ist wohl die weltweit führende Expertin auf dem Gebiet der Dhimmitude [2].

Sie hat den Begriff Eurabia als Bezeichnung für ein Phänomen geprägt, das sie in ihrem Buch Eurabia: The Euro-Arab Axis [3] ausführlich beschrieben hat. Eine deutsche Übersetzung liegt leider immer noch nicht vor, aber ein hervorragender Artikel zu dem Thema kann hier [4] auf Deutsch gelesen werden.

Nun hat Bat Ye’or einen weiteren Begriff geprägt: „Palästinianismus“, den sie auch in ihrer Rede [5] anlässlich der CSI-Jahrestagung in München im November 2006 schon erwähnte, und den sie hier im Interview näher erläutert.

FP: Willkommen zum Frontpage-Interview, Bat Ye’Or.

Bat Ye’or: Ich freue mich, einmal wieder bei Ihnen zu sein. Danke Jamie.

FP: Von ihrem Buch Eurabia erschien 2006 eine französische Ausgabe, und kürzlich nun eine italienische. Eine niederländische und hebräische werden im Herbst folgen. Gibt es Unterschiede zur amerikanischen Ausgabe?

Bat Ye’or: Ja, es gibt Unterschiede. Ich schrieb die amerikanische Version im Jahr 2004 und hoffte, damit die amerikanische Öffentlichkeit aufzurütteln und auf die Wandlungen aufmerksam zu machen, die Europa in demographischer, religiöser, kultureller und demokratischer Hinsicht durchläuft. Diese Verschiebungen werden Europas Beziehungen zu Amerika verändern und die Kluft zwischen beiden vergrößern. Diese Kluft hängt nicht speziell mit Präsident Bush zusammen, obgleich sein starker christlicher Glaube eine der Hauptursachen für seine extreme Unbeliebtheit in Europa ist. Das Kernproblem hängt aber damit zusammen, dass Europa mehr und mehr zum Satelliten der arabischen und islamischen Welt wird – als Ergebnis einer Politik, die seit über 30 Jahren aus freier Wahl, Angst und Geldgier betrieben wird. Das demographische Gewicht von Arabern und Moslems in Europa verbindet sich mit arabischem Kapitalfluss, der Globalisierung der Märkte und den ausgedehnten finanziellen Investitionen Europas in arabischen Ländern.

All das schafft bedeutsame euro-arabische Vernetzungen und einen Druck, der eine auf wirtschaftlichem Opportunismus beruhende Politik festlegt. Die Europäische Union (EU) unterhält mehrere Programme für arabische Studenten aus dem Ausland; sie finanziert zahllose pro-arabische NGOs (Nichtregierungs-Organisationen) und hat zwischen Akademikern, Meinungsbildnern, Journalisten und Gewerkschaftlern ein stabiles euro-arabisches Netzwerk aufgebaut, mit dessen Hilfe die gemeinsame Position gegen die USA und Israel koordiniert wird. Wir haben erst kürzlich erlebt, dass die britische Nationale Journalistenvereinigung (British National Union of Journalists) sich für einen Boykott israelischer Waren stark gemacht hat. Letztes Jahr war es die Nationale Hochschullehrer-Vereinigung (National Association of Teachers in Further and Higher Education – NATFHE), die sich für einen „stillen Boykott“ israelischer Universitäten, Professoren und Studenten aussprach. Diese Politik wird von euro-arabischen Netzwerken in Gang gesetzt, die europäische und arabische Interessengruppen verbinden.

Es gibt eine gewichtige, fast eiserne Zusammenarbeit auf allen Ebenen zwischen Europa und den Ländern der Arabischen Liga. Innerhalb dieser arabisch-islamischen politischen Verknüpfung baut sich der europäische Antiamerikanismus und Antizionismus aus. Wenn Amerika nicht einwilligt, sich in den gleichen zersetzenden Unterwerfungsprozess und die gleiche moralische Unterstützung für die Ideologie des Djihad zu begeben, unter denen Europa verfault, wird die europäische Feindseligkeit nicht verschwinden; im Gegenteil: sie wird zunehmen. Europa ist heute an die arabisch-islamische Welt gekettet und kann sich nicht abkoppeln oder die Richtung ändern. Blair hat es versucht und scheiterte kläglich. Tatsächlich trägt er sogar nach zehn Jahren Regierungstätigkeit die Hauptverantwortung für die unglückliche Lage.

FP: Was hat sich seit der Veröffentlichung von Eurabia: The Euro-Arab Axis in Amerika im Januar 2005 verändert?

Bat Ye’or: Die Lage hat sich an jeder Front verschlimmert. Zu Beginn des Irakkriegs (im Frühjahr 2003) gab es etwas Hoffnung, dass eine demokratische Regierung an die Macht kommen und dem Volk Gerechtigkeit und Frieden bringen würde. Aber die Beseitigung der Tyrannei durch die Koalitionsstreitkräfte brachte nur die schlimmsten bösartigen und unmenschlichen Kräfte zum Vorschein, die arabisch-islamische Gesellschaften von innen verzehren. Der Krieg im Irak brachte Amerikas Unzulänglichkeiten, westliche Spaltung und die mangelnde Bereitschaft, sich dem weltweiten Djihad zu stellen, ans Tageslicht. Die chaotische Situation dort und das iranische Streben nach Atomkraft haben die Islamisten gestärkt. Darüber hinaus haben die beklagenswerte Antwort der Regierung Olmert gegenüber der Hisbollah im Libanon und der triumphale Wahlerfolg der Hamas in Gaza in der arabischen und islamischen Welt die Vorstellung eines israelischen und westlichen Debakels ermuntert. Großbritannien wurde gedemütigt und reagierte nicht bestimmt auf die Entführung von 15 seiner Soldaten durch die iranische Marine. Stattdessen wandten sich britische Journalisten und Akademiker in heftigem Hass gegen Israel, um islamische Regierungen zu besänftigen, ganz speziell die Palästinenser, die einen Journalisten der BBC verschleppt hatten, um Lösegeld zu fordern. Ein solches Verhalten ist typisch für Dhimmitude: der christliche Dhimmi, der zu ängstlich ist, seinen islamischen Unterdrücker anzugreifen, wendet seine impotente Frustration gegen einen schwächeren und unschuldigen Opfer-Dhimmi, gegen den Juden. Diese Dreiecksbeziehung zieht sich seit mehr als einem Jahrtausend durch die soziale und politische Struktur der Dhimmitude, und sie ist auch heute noch lebendig.

Der Hass gegen Amerika, die antisemitische Kultur, die zynische Wahrheitsverdrehung, die Unterstützung und das Parteiergreifen für Mörder und Entführer, sind Ausdruck eines erniedrigenden Gefühls des Unvermögens. Großbritannien wurde zum Hofhund seiner Beschützer: Der Islamisten und Palästinenser. Das beschränkt sich aber nicht auf Großbritannien, nur wirken sich vielleicht diese selbst gewählte Talfahrt und Entwürdigung bei Großbritannien deshalb so traumatisch aus, weil es einst eines der stolzesten und mächtigsten Länder Europas war, eine der drei wichtigsten Siegermächte im Zweiten Weltkrieg. Einige Europäer stellen sich allerdings dieser Politik entgegen, doch die EU-Direktiven zielen darauf, die demokratischen Rechte in einem Spinnennetz totalitärer Kontrolle der Kultur, Medien und Universitäten lahm zu legen.

Darüber hinaus isoliert auf der anderen Seite des Atlantiks die latino-arabische Allianz, die von dem Andalusier Zapatero gefördert wird, Amerika sogar noch mehr. Die Taktik, den Westen zu spalten, um ihn zu schwächen, geht auf.

FP: Sie haben einen Begriff für ein neues Konzept geprägt: „Palästinianismus“. Was exakt bedeutet das?

Bat Ye’or: Ich denke, exakt „Palästinianismus“ ist die Wurzel von Europas Dekadenz. Es ist eine Ideologie, die auf Ersetzungstheologie basiert, wobei Palästina Israel ersetzt. Sie wurde von europäischen und arabischen Intellektuellen und Politikern gemeinsam ausgearbeitet und angezettelt, in ihr vereint sich das Schlechteste aus beiden Kulturen. Für die arabische und islamische Welt umfasst Palästinianismus die Ideologie und die Zielsetzung des Djihads gegen eine rebellierende Dhimmi-Bevölkerung. Sie basiert daher auf einer islamischen Kultur und Theologie, in der territoriale Unabhängigkeit und Souveränität eines jeden nicht-moslemischen Volkes verneint wird.

Der Palästinianismus stellt sich Israel in zwei Hauptpunkten entgegen: 1) Juden als Dhimmi-Volk dürfen über Moslems nicht herrschen und noch weniger dürfen sie ihr Land befreien und selber regieren, ganz besonders dann nicht, wenn dieses früher vom Djihad erobert und kolonisiert worden war – wie zum Beispiel Israel, Spanien, der Balkan, Ungarn und andere Teile Europas. Juden müssen unter das Joch des Islam gezwungen werden. Und das gilt selbstverständlich genauso für Christen; beide müssen auf Unterwerfung und Dhimmitude reduziert werden. 2) Die islamische Doktrin weist die Bibel zurück, sie anerkennt nicht, dass die Bibel die Geschichte des Volkes Israel und die Quelle des Christentums darstellt. Moslems glauben, dass die biblischen Erzählungen, so wie sie im Koran umgeschrieben wurden, die Geschichte des islamischen Volkes und der islamischen Propheten seien. Aus diesem Grund leugnen sie das historische Erbteil und die Abstammung von Juden und Christen im Heiligen Land. Für sie speisen sich sowohl das Alte als auch das Neue Testament aus islamischer Quelle und beschreiben islamische Geschichte, weil die Personen der Bibel und auch Jesus selbst (Isa) Moslems waren. Judentum und Christentum werden als Verfälschungen des Islam betrachtet. Das ist der innere Kern der Ideologie – ja der Doktrin – des Palästinianismus und seines Krieges gegen Israel.

Die europäische Seite hat dem ihren traditionellen christlichen Antisemitismus hinzugefügt, der Juden dazu verdammt, im ewigem Exil zu leben, bis sie konvertieren. Der palästinensische Krieg gegen Israel, massiv gefördert von vielen in Europa, kam als wunderbare Gelegenheit, die Kultur des Hasses und der Verunglimpfung gegen Juden – heute in Gestalt des Staates Israel – aufrecht zu erhalten und weiter leben zu lassen, indem man einem zweiten Holocaust moralische und politische Unterstützung zukommen lässt. Europa ist immer der größte Unterstützer und finanzielle Förderer der Palästinenser und auch ihr ideologischer Lehrmeister gewesen.

FP: Europa ist bereits palästinisiert, oder? Was sind die Konsequenzen für Europa?

Bat Ye’or: Die Konsequenzen für Europa sind vielfältig, tief greifend und wie es scheint irreversibel. Palästinianismus war das effektivste Werkzeug, den Westen zu spalten, zu schwächen und zu zerstören. Aber dieser Prozess konnte nur stattfinden, weil ein institutioneller Apparat, die Europäische Gemeinschaft (EG) – die 1993 zur Europäischen Union wurde – Palästinianismus all ihren Mitgliedsstaaten als gemeinsame Außenpolitik aufzwingen konnte.

Eurabia - von Bat Ye'or [3]Während in der arabischen und islamischen Welt Palästinianismus das djihadistische Werkzeug ist, um die Unabhängigkeit und Freiheit des jüdischen Dhimmi-Volkes auszuradieren, nimmt er in Europa eine andere Bedeutung an. Die inoffizielle Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft für den Djihad der Arabischen Liga zur Zerstörung Israels stellt eine Kultur des Hasses wieder her, die sich auch auf Europa selbst destruktiv auswirkt. Was auch immer Europäer heute glauben mögen, ihre gesamte spirituelle und humanistische Kultur stammt von den biblischen Propheten, von der Befreiung der Hebräer aus der Sklaverei, und die Werbung für Gleichheit und Menschenwürde kommt aus den heilsgeschichtlichen Tugenden der Demut, der Selbstkritik und der Bitte um Vergebung, aus der Liebe zum Frieden und der Trennung von Religion und Staat usw. Alle christlichen Feste sind christianisierte jüdische Feste; die Heiligen Bücher der Juden sind die Heiligen Bücher der Christen.

Das Überlaufen ins Heerlager der Djihadisten beinhaltet die Unterdrückung dieser Verbindungen, die das Christentum strukturieren und tragen, und sie schwächen es dadurch und bringen es in Gefahr, zu zerbrechen. Und Hass zerstört den Hassenden mehr als den Gehassten. Es bedeutet, dass man sich der djihadistischen Ideologie anschließen muss, die nach islamischer Herrschaft über die ganze Welt strebt, ein Weltbild, in dem Pluralität und Gleichheit der Menschen, das Annehmen von Kritik, die freie Meinungsäußerung keinen Platz haben. Es bedeutet, dass Christentum – genauso wie Judentum – als Religionen und Zivilisationen negiert werden und es verdienen, zerstört zu werden.

Palästinianismus ist bestrebt, die Verbindungen zwischen Christentum und Judentum zu unterdrücken, denn er erklärt, dass das Christentum aus dem Islam geboren wurde, aus einem Jesus, der ein islamischer Prophet war – der koranische Isa – und der sich sehr von dem jüdischen Jesus, der von den vier Evangelisten beschrieben wird, unterscheidet – die Evangelisten ihrerseits waren vom Alten Testament geprägt und nicht vom Koran. In Europa beeinflusst die theologische Ersetzung des Judentums durch Palästinianismus auch die Politik. Von abfälligen Kommentaren abgesehen vermeiden es die Medien, Israel zu erwähnen, so als ob es bereits nicht mehr existieren würde und unterdrücken es so durch einen stillen Boykott. Ein weiterer europäischer Trend besteht darin, dass eine strikte historische Gleichstellung und Gleichsetzung zwischen Israel einerseits und Arabern und Palästinensern andererseits aufgebaut wird, wo überhaupt keine ist.

Da der Palästinianismus heute die vorherrschende Ideologie in Europa ist, hat er die europäische Unterstützung djihadistischer Aktivitäten fest bestimmt. Und Djihad ist nicht wie ein beliebiger Krieg, er stellt mit seiner heiligen Strategie und seinen rituellen Taktiken einen ganzen theologischen Kriegskorpus dar. Europa rechtfertig das Ziel der PLO, Israel zu zerstören, das Verschleppen und Morden von Zivilisten, Luftpiraterie, Kidnapping und Terrorismus seit den 1970er Jahren, indem es die Opfer beschuldigt und nicht die Täter. Um diese Verbrechen, die so sehr im Gegensatz zu humanistischen Werten und humanistischer Moral stehen, rechtfertigen zu können, musste Europa Israel dämonisieren, musste es Israel als den größten Feind des Friedens darstellen und deshalb hat Europa seine leidenschaftliche Liebe, Israel zu hassen, wieder auferstehen lassen, indem es Israel für die Verbrechen, deren Opfer es ist, schmäht.

Und das ist noch nicht alles. Die meisten Europäer stimmen mit dieser Politik nicht überein. Viele haben sie bloßgestellt und gegen sie gekämpft. Und deshalb hat ein System, in dem Politiker mit Märkten, Kulturschaffenden, Universitäten, Medien und Meinungsbildnern verbunden sind, in einer koordinierten Kampagne unter der Schirmherrschaft der EU-Netzwerke seinen totalitären Griff auf die Mitgliedsstaaten ausgestreckt, um ihnen eine verabscheuungswürdige Kultur der Lügen und der Verleugnung aufzuzwingen, die Europas pro-palästinensische Außenpolitik stützt.

FP: Das ist alles sehr deprimierend, Bat Ye’Or. Gibt es irgendeine Hoffnung bei der Konfrontation des Westens mit dem militanten Islam? Ist Europa schon sicher verloren? Was sollten wir in der freien Welt tun? Was können wir tun?

Bat Ye’or: Die einzige Hoffnung für den Westen liegt darin, dass man die Ziele des globalen Djihads und die Gefahren, die von ihm ausgehen, begreift. Es handelt sich dabei nicht ausschließlich um einen militärischen Krieg, es ist viel mehr eine spirituelle, intellektuelle und politische Debatte. Aber die Europäische Union schlägt die entgegengesetzte Richtung ein, indem sie sogar ein Lexikon herausgibt, mittels dem das Wort „Djihad“ und seine geschichtliche Existenz in der Debatte zensiert wird. Die feige europäische Position entmutigt beherzte Moslems, die für eine Demokratisierung und Modernisierung des islamischen Denkens und islamischer Gesellschaften kämpfen. Die Europäer sind durch den Palästinianismus so gut dressiert, Amerika und Israel zu hassen, dass sie nicht nur in Verleugnung leben, sondern in Narkose.

Was wir tun können? Zuerst sollten wir in Europa und Amerika unsere Universitäten zurückgewinnen, die zu Bastionen des „Saidismus“ geworden sind. Diese Schule, die im Palästinianismus wurzelt und nach dem ägyptischen Christen Edward Said [6] benannt ist, hat die orientalische Gelehrsamkeit mit Ignoranz und Hassindoktrination gegen den Westen und Israel ersetzt. Wir müssen auch die geistige Diskussion in die Öffentlichkeit tragen, und zwar ohne Zensur, Boykott und Drohungen. Das ist der einzige Weg, einen Rassismus, der auf Frustration und Ohnmacht basiert, zu vermeiden. Aber – vor allem – müssen Europäer über ihre Werte und ihre Zukunft selbst entscheiden und für ihre demokratischen Institutionen und gegen die Unterwanderung ihrer Kultur kämpfen. Sie müssen die Kontrolle über ihre Sicherheit wieder selber in die Hand nehmen anstatt um den Schutz der Djihadisten zu betteln und Lösegeld zu zahlen.

FP: Bat Ye’Or, wir danken Ihnen für Ihren Besuch bei Frontpage.

Bat Ye’or: Ich danke Ihnen für die Einladung, Jamie.

Das englische Original des Interviews ist am 26. April 2007 unter dem Titel: The Palestinianization of Europe [7] bei Front Page Magazine erschienen.


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Deutscher Verstand gegen jüdische Wut

geschrieben von Eisvogel am in Allgemein | Kommentare sind deaktiviert

Mit großer Erleichterung haben wir zur Kenntnis genommen, dass Ralph Giordano trotz seiner Gegnerschaft zum Kölner Moscheebau kein Rechtsradikaler ist. Wir hatten schon befürchtet, wir wären einem Rechtsradikalen aufgesessen, als wir interessiert und tief beeindruckt Die zweite Schuld [8] gelesen haben. Noch mal Glück gehabt. Ralph Giordano hat von Matthias Drobinski [9] (Foto) den Persilschein bekommen, der – wie allgemein bekannt – die Befugnis hat, Persilscheine zu verteilen. Denn er ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung.

Er schreibt:

Ralph Giordano, der 84-jährige jüdische Publizist, der mit knapper Not den Nazis entkam, hat dazu aufgerufen, den Bau einer Moschee für bis zu 4000 Beter in Köln-Ehrenfeld zu stoppen, weil die Integration der Muslime in Deutschland gescheitert sei. Er hat dann muslimischen Funktionären totalitäre Absichten unterstellt, eine verhüllte Frau einen „menschlichen Pinguin“ genannt, die Linken als „gnadenlose Verneiner berechtigter Eigeninteressen“ gescholten. Das macht ihn nicht zum Rechtsradikalen, auch wenn er sich sagen lassen muss, dass in seinen Äußerungen derzeit die Wut regelmäßig den Verstand besiegt.

Nun, er weiß wohl selber, dass er sich Beleidigungen sagen lassen muss, er kämpft ja gerade für die Bewahrung der Gesellschaft, in der die freie Meinungsäußerung hoch gehalten wird. Jeder, der sich gegen Moscheebauten ausspricht, muss das, und diejenigen, die sich anmaßen, den Verstand für sich gepachtet zu haben, machen dabei auch vor Herrn Giordano nicht Halt. Wir haben das befürchtet und wir haben leider Recht behalten. Er weiß inzwischen leider auch, dass er sich Morddrohungen [10] sagen lassen muss. Aber wenn’s denn der Religionsfreiheit dient …

Neugierig geworden, warum Herr Giordano nun trotz deutlicher Unmutsäußerungen von Mitbürgern muslimischen Glaubens kein Rechtsradikaler ist, liest man weiter in dem Artikel Pamphlet. Man stellt sich nebenbei auch noch die Frage, warum überhaupt im Eingangsartikel betont werden muss, dass er kein Rechtsradikaler ist. Schließlich beginnen Artikel über Politiker wie zum Beispiel Volker Beck, der ihn angegriffen hat [11], auch nicht mit der Vorbemerkung, dass sie keine Rechtsradikale seien. Leider bietet Herr Drobinski auf diese brennende Frage im Weiteren keine Antwort. Er ergeht sich lieber in architektonischer Betrachtung der geplanten Moschee:

Der Entwurf der bekannten Kölner Architekten Paul und Gottfried Böhm mit seiner aufgebrochenen, lichtdurchlässigen Kuppel ist darüber hinaus ansprechend; alles in allem gibt es gute Gründe, weshalb bis auf eine populistische Splittergruppe alle im Stadtrat vertretenen Parteien für das Bauvorhaben sind.

Er äußert Verständnis für Bürger, die sich brav dem verordneten Unwissen über den Islam anschließen und lieber über Parkplatzprobleme als über Menschenrechtsverletzungen nachdenken, und verteilt an jene, die beim Moscheebau nur um ihr höchst privates finanzielles Wohl besorgt sind, großzügig das begehrte Gütesiegel „nicht ausländerfeindlich“.

Die Sorgen der Anwohner über den Autoverkehr und die fehlenden Parkplätze sind berechtigt, die Furcht vor dem sinkenden Wert des eigenen Grundstücks oder der Adresse ist menschlich und sollte nicht als ausländerfeindlich abqualifiziert werden.

Danach erfährt der geneigte Leser, was den Verstand eines modernen deutschen SZ-Redakteurs von der exemplarischen Wut eines alten jüdischen Mannes unterscheidet. Das wollten wir schon immer wissen. Gerne hätten wir auch gewusst, wofür Herr Giordanos angebliche Wut exemplarisch ist, aber das „wofür“ bleibt der Schreiber uns schuldig, dafür klärt er uns über das „warum“ auf. Giordanos Wut ist exemplarisch (Wofür auch immer? Für alttestamentarische Unbeherrschtheit, die sich in Attacken äußert?), weil er sich angeblich nicht um „Details“ kümmert, die Drobinski „spannend“ fände.

Viel spannender als Giordanos wütende Attacken wäre die Frage an die Ditib, warum sie nach all den Jahren der Abschottung den Dialog mit der deutsch-christlichen Mehrheit erst jetzt sucht, wo die Türkei dringend in die EU will – und ob der Moscheebau in Deutschland nicht doch auch der Versuch der Regierung Erdogan ist, den Zugriff auf die Landsleute und Ex-Landsleute im fernen Almanya zu erhalten.

Na denn fragen wir uns doch, warum der Herr SZ-Redakteur sich nicht selber um diese spannende Frage kümmert. Schließlich haben wir mal gedacht, dass es die Funktion der freien Presse in einer Demokratie wäre, spannenden Fragen auf den Grund zu gehen. Nun, wir haben auch mal gedacht, dass der Osterhase bunte Eier bringt. Beide Illusionen mussten wir leider aufgeben. Die Ostereier haben Mama und Papa bemalt und spannende Fragen sollten nicht Journalisten, sondern 84-jährige Holocaust-Überlebende beantworten. Zumindest sollten sie das tun, bevor sie unsere Pressevertreter bei ihrem ehrbaren Kampf für Glaubensfreiheit für alle (auch für Scientologen, auch für Satanisten?) mit wofür-auch-immer-„exemplarischer Wut“ belästigen. Journalisten sollten lediglich auf das Versäumnis und die Wut hinweisen. Den Pulitzer-Preis wird man jedoch wohl kaum dafür bekommen, wenn man als Antwort auf die spannende Frage investigativ recherchiert, dass Herr Erdogan im Jahr 1998 in der Türkei zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt [12] wurde, weil er das Folgende aus einem Gedicht zitierte:

„Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“

Das Dogma heißt, Moscheen sind Orte, an denen Menschen einfach nur ganz lieb zu ihrem Gott nette Gebete sprechen, und wo kämen wir denn hin, wenn wir uns von einem Herrn Erdogan hinten fern aus der Türkei in unserem Dogma beirren ließen! Daraus könnte man zwar eventuell die Antwort auf Drobinskis spannende Frage erhalten, aber da wir keine 84-jährigen Holocaust-Überlebenden sind, die sich ihren Verstand von Wut vernebeln lassen, sind wir ja auch genau wie Drobinski nicht verpflichtet, das zu tun. Genauso wenig ist es Pulitzerpreis-verdächtig, wenn man im Internet eine Schrift namens Koran [13] aufspürt, von der gemunkelt wird, dass sie die Grundlage dessen sein könnte, was in Moscheen gelehrt wird, und diese sogar liest. Man könnte es als Journalist vielleicht dennoch tun?

Am Ende des Artikels wartet die Enttäuschung, dass man immer noch nicht erfahren hat, warum Giordano kein Rechtsradikaler ist. Wir lernen nur, dass seine wofür-auch-immer-„exemplarische Wut“ Ausdruck einer „Unheimlichkeitserfahrung“ ist. „Unheimlichkeitserfahrung“ ist ein genialer Ausdruck für die Erinnerungen eines von Nazis verfolgten Menschen – suggeriert sie doch gleichermaßen eine tiefe emotionale Intelligenz und sozialpsychologische Bewusstheit der Extraklasse des Schreibers und ist ganz nebenbei auch noch eine höfliche Umschreibung für die Tatsache, dass man Giordano für einen psychisch lädierten Menschen hält, der im hohen Alter „unheimliche“ Jugenderfahrungen auf neue Situationen überträgt, die seine Wut über seinen Verstand dominieren lassen.

Dennoch endet der Artikel gar nicht mal so übel:

Die Freiheit zum Bau eines Gebetshauses leitet sich vom Grundrecht auf Glaubensfreiheit ab, und es müssen schon sehr gewichtige Gründe sein, diese Freiheit einzuschränken. Dass eine Moschee irgendwie nicht ins Bild der Bürger passt, reicht da nicht.

Da können wir doch auch einmal zustimmen. Dass man den Bau einer Gebetsstätte ablehnt, weil einem die Architektur nicht in den persönlichen Geschmack passt, finden wir genau so wie die Sorge um Parkplätze zwar vielleicht nicht unbedingt ausländerfeindlich, aber denn doch schon ein bisschen kleinlich. Ja, man braucht dafür gewichtigere Gründe, denn das Recht auf freie Religionsausübung ist ein wichtiges und wertvolles Grundrecht, das im übrigen auch das Recht umfasst, einer ganz bestimmten sich Religion nennenden Gemeinschaft nicht weiter angehören zu müssen, wenn man es nicht mehr will. Vielleicht wäre es die Aufgabe der Presse, herauszufinden, ob es sich bei einer Moschee um ein Gebetshaus oder – um mit Herrn Erdogan zu sprechen – um eine „Kaserne“, einen Stützpunkt einer expansiven politischen Ideologie handelt, die unseren Werten widerspricht?

Es braucht in der Tat gewichtige Gründe, sich gegen den Bau einer Moschee auszusprechen. Diese Gründe liegen vor und wer sie erkennen will, hat alle Möglichkeiten dazu. Sie sind nicht versteckt. Sie sind nur vor jenen versteckt, die kein Interesse haben, sie zu sehen und sich stattdessen in der Rolle des selbstgerechten Richters gefallen, der unbegründete Urteile darüber spricht, wer eine Wut hat und wer ein Rechtsradikaler ist und wer gerade noch mal diesem Urteil entkommt.

Ralph Giordano lässt sich nicht einschüchtern und gibt nicht auf. Wer sein Werk kennt, ist nicht sehr verwundert darüber. Hochachtung verdient es dennoch, sich in dem fortgeschrittenen Alter den unvermeidlichen Attacken linker Gutmenschen auszusetzen, die dieses Engagement mit sich bringt.

Sie haben die Hochachtung von PI, Herr Giordano!

» Email an den SZ-Redakteur: matthias.drobinski@sueddeutsche.de
oder kultur-online@sueddeutsche.de [14]

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Lafontaine: und er träumt wieder

geschrieben von PI am in Allgemein | Kommentare sind deaktiviert

2 Saarländer und einer der sich niemals die Haare gefärbt hatAuf SpOn [15] fanden wir heute die Nachricht, dass Oskar Lafontaine als Chef der Linkspartei (ehemals SED) den eventuellen Wählerauftrag erfüllen würde und noch einmal Ministerpräsident im Saarland werden will. Allerdings nicht als Vizechef unter Heiko Maas (SPD). Nein, berauscht vom enormen Wahlerfolg der Linken im Bundesland Bremen schiebt sich der kleine, krächzende Saarländer wieder mal in Rampenlicht. Oskar, Du hast doch eigentlich viel mehr verdient als nur Ministerpräsident im Saarland, oder?

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Ist die Ahmadiyya wirklich harmlos?

geschrieben von PI am in Allgemein | Kommentare sind deaktiviert

Diese Überschrift spielt auf einen in der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“ erschienenen Artikel über den Besuch einer 8. Schulklasse in einer Moschee der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Groß-Gerau an. Der Bericht der „Reporterin“, selbst Schülerin, trägt den Titel „Ist Islam wirklich frauenfeindlich [16]?“

Auf den offiziellen Homepages der Ahmadiyya Muslim Jamaat (national wie international) findet sich zum Teil sehr umfangreiches Textmaterial über Geschichte und Lehre der Ahmadiyya, noch dazu in sehr gutem Englisch bzw. Deutsch. Das Problem ist, dass offenbar niemand, der nicht selbst Ahmadi ist, diese Bücher und Broschüren liest. Sonst wäre es erheblich schwieriger, die Ahmadis als Vorzeige-Muslime und Muster an Integrationsbereitschaft darzustellen. Stattdessen sehen wir die ordentlich gestutzten Bärte, manikürten Fingernägel und den edlen Zwirn und schließen durch Äußerlichkeiten, dass das Gegenüber nicht die krause Weltanschauung des afghanischen Klischee-Muslims mit Zauselbart, Kopfwindel und Krummsäbel teilt, was zum Teil ja auch stimmt. Zum Teil. Womit noch nichts über die Vereinbarkeit der Sekten-Lehre mit unseren Werten, Grundgesetz, Menschenrechten und Pluralismus gesagt ist – die zentrale Frage der Integration. Aber wir haben keine Lust, hinter die Fassade zu schauen.

Hoch anzurechnen ist den Ahmadis die Absage an den gewalttätigen Dschihad der terroristischen Gotteskrieger. Die islamische Orthodoxie hingegen, welche die Ahmadis als Abtrünnige oder gar kafir, „Ungläubige“ bezeichnet, bejaht den Gewaltaspekt des Dschihad ausdrücklich. So ist der gebräuchliche Ausdruck „heiliger Krieg“ keine wörtliche Übersetzung, sondern eine treffende Interpretation einer bestimmten Form von Dschihad. Dschihad heißt zunächst „Anstrengung“, insofern hat unser Imam aus dem oben zitierten Text vollkommen Recht. Allerdings verschweigt er wichtige Details. Es geht nicht nur um die Anstrengung, ein „besserer Mensch“ (also ein ergebener Diener Allahs) zu werden, sondern um die Anstrengung, den Islam in der Welt zu verbreiten. Islam ist untrennbar mit Scharia, dem „göttlichen Gesetz“ verbunden, das im Gegensatz zum weltlichen Gesetz der Nicht-Muslime steht. Der Islam strebt jedoch die Herrschaft von Allahs Gesetz über das weltliche Gesetz der Ungläubigen an, z.B. durch militärische Unterwerfung letzterer in „heiligen Kriegen“. „Diese Dichotomie“ – zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen – „ist also keine religiöse, sondern eine politische“, erkennt Prof. Egon Flaig in seinem hervorragenden Essay [17]. Im Gegensatz zum Christentum ist das „Reich Gottes“ in islamischer Sicht nämlich ganz und gar „von dieser Welt“, und es ist die religiöse Pflicht jedes Gläubigen, sich für sein Erscheinen einzusetzen. Dabei muss der Griff nach politischer Macht nicht zwangsläufig gewaltsam erfolgen. Im Hadith spricht Mohammed:

„Schon vor mir wurde durch Allah kein Prophet in irgendeiner Gemeinschaft berufen, ohne dass er in dieser Gemeinschaft Jünger und Gefährten gefunden hätte, die sich an sein Vorbild gehalten und ihm nachgeeifert hätten. Freilich werden nach deren Tod unfähige Erben auftauchen, die reden, was sie nicht tun, und die tun, was man ihnen nicht aufgetragen hat. Wer gegen sie mit der Hand einen Dschihad führt, der ist gläubig. Wer gegen sie mit Worten einen Dschihad führt, der ist gläubig. Wer gegen sie mit dem Herzen einen Dschihad führt, der ist gläubig, und jenseits von solchem Dschihad gibt es nicht einmal ein Senfkorn Glaubens.“

Es geht also auch anders. Gerade den Dschihad der Worte und des Herzens hat die Ahmadiyya-Gemeinschaft perfektioniert. Am Ziel des Dschihad ändert das nichts. Um der Gewaltlosigkeit der Ahmadiyya eine Legitimation zu verschaffen ist es erforderlich, an der Geschichte des Frühislam Anpassungen vorzunehmen, insbesondere an den Ereignissen zu Lebzeiten Mohammeds und an Mohammeds Charakter selbst. Posthum wird der Kriegsherr und autokratische Machtpolitiker Mohammed zum Friedensfürsten deklariert, dem Aggression so fremd war, dass er nie auch nur im Ansatz in den Zustand der Wut geriet. Kriegerische Aktivitäten Mohammeds waren samt und sonders „Selbstverteidigung“. Die Ahmadis versuchen, die vermeintliche Friedfertigkeit des kriegerischen Propheten an Koranversen wie Sure 9, 5 festzumachen: Wollt ihr nicht gegen Leute kämpfen, die ihre Eide gebrochen und den Gesandten am liebsten vertrieben hätten, wobei sie (ihrerseits) zuerst mit euch (Feindseligkeiten) anfingen? Fürchtet ihr sie denn? Ihr solltet eher Allah fürchten, wenn (anders) ihr gläubig seid. (Übersetzung nach Paret)

Es ist abenteuerlich, aus dieser Aussage den Pazifismus Mohammeds herauszulesen, da sie nur auf einen winzigen Teil der riesigen Gebiete zutrifft, die schon unter Mohammed auf der arabischen Halbinsel erobert wurden. Aber die wahrhaft Gläubigen stört dieser Widerspruch nicht. Für sie wie für andere Muslime auch ist Mohammed bis heute der „perfekte Mensch“ und leuchtendes Vorbild.

Tabligh – Strategien zur Verbreitung des Islam

Aktive Ahmadis treten stets ausgesucht freundlich, höflich und hilfsbereit auf, damit ihre Gemeinschaft in der Öffentlichkeit in einem möglichst guten Licht erscheint. Sie geben sich zudem angepasst, bildungsbeflissen und sind nicht nur äußerst koran-, sondern auch bibelfest. Auch der Imam hat sich vor der Schulklasse nach diesen Grundsätzen verhalten, jedoch gehört nicht nur die Freundlichkeit und die großzügige Bewirtung mit Eis und Getränken dazu, sondern ebenso das Verschweigen des wahren Charakters des Dschihad. Das Letzte, was unser Imam will ist nämlich, seine Gäste zu beunruhigen. Der Grund: Tabligh.

Die Ahmadiyya-Kritikerin Dr. Hiltrud Schröter [18] übersetzt Tabligh (arabisch, „[die Botschaft] überbringen“) mit „Ausweitung, Missionierung“, ein vielschichtiges Konzept zur Erweiterung des Einflussbereiches der Sekte und Gewinnung neuer Anhänger. So ist sowohl der vom vierten „Kalifen“ ausgerufene „100-Moscheen-Plan“, der die Errichtung von Knotenpunkten der Sekte in ganz Deutschland vorsieht, als auch das sanfte und zuvorkommende Verhalten der Mitglieder in der Öffentlichkeit Teil von Tabligh. Ob Ausbau der Infrastruktur oder ein Auftreten, welches das Wohlwollen der Gesellschaft sichern und neue Mitglieder rekrutieren soll – Tabligh gehört zu den Pflichten eines jeden Ahmadis, jeder soll nach seinem persönlichen Vermögen zur „Ausweitung“ beitragen. Ein vom Imam einer Londoner Ahmadiyya-Moschee verfasstes Buch empfiehlt, die missionarischen Tätigkeiten penibel an die jeweiligen Umstände anzupassen, damit die größte Effektivität von Tabligh gewährleistet ist (Inspiring Events in the Field of Tabligh):

Approach According to the Circumstances:

The second point of Hikmat [“Weisheit”], which is usually ignored, is keeping the circumstances in view. Analyze the circumstances and then start the work of calling towards Allah. Everything is fine if it is done at proper time. Delivering your message to some one who is in a hurry or mentally upset is not proper. This will not be according to circumstances. If a man dislikes something and it is presented to him, he won’t accept it even if it is good. Therefore, if the way of presentation is not so agreeable that it overpowers the hatred to hear the message, Tabligh will not be effective for him. Therefore, mind that you are engaged in a very delicate task. Follow the model of the Holy Prophet (peace and blessings of Allah be upon him), and be kind to others. Similarly adopt wise way of communication. You will have to think that your addressee will surely change by normalcy, therefore, you need to communicate gently.

In Accordance with Human Nature:

One of the demands of Hikmat is to talk according to the trend of the person you are talking to, and you should never be oblivious to it. Understand the tendency of the person whom you are conversing with. You should know what he avoids and then deal with him accordingly. (…)

Remain Constantly in Contact:

To take care of your crop is another demand of Hikmat. When you engage in Da‘wat ilallah [“Aufruf zu Allah”] or will engage, you will enjoy it. If you will not see the person you are preaching again and again, you will lose him like destroying your harvest. This is because the effect of your tabl?gh has not gone very deep. You will have to pay constant attention. If you will not do so, your labor will go to waste.

Simple, aber immer wieder höchst erfolgreiche Psychologie. Hier lassen sich ohne Mühe Ähnlichkeiten zu den Strategien entdecken, mit denen auch “gewöhnliche” Sekten – die sich nicht selbst das Etikett “Islam” verpasst haben – und sektenartige Gemeinschaften neue Mitglieder rekrutieren. Affirmatives Verhalten, die Aussicht auf die vermeintliche Lösung aller Probleme, mit der besonders Menschen in schwierigen Lebenssituationen geködert werden, das ständige Halten des Kontakts mit dem Kandidaten bzw. Neumitglied, das im Extremfall bis zur vollständigen Abschirmung vor dem Kreis von Freunden und Verwandten geht. Es gilt, rationales Denken auszuschalten und ein Vertrauens- oder Abhängigkeitsverhältnis herzustellen. Ist dies einmal erreicht, ist die Bindung des Neumitglieds an die Sekte bereits stark genug, um Belastungen – wie wirtschaftliche und mentale Ausbeutung durch die Gemeinschaft – zu tragen. Tatsächlich heißt es zwei Kapitel weiter:

Winning of Hearts is Essential:

During the job of Da‘wat ilallah, winning of hearts is more essential than winning of heads. Remember that if hearts are won, most of the job is done. That is the time when winning the heads poses least problem. If you have won somebody’s heart with love and affection, then the obstacles between him and the sayings and writings of the Promised Messiah (peace be upon him) will melt away. Therefore, reform your tongue, mend your heart and make it sweeter. Be lowly and humble and then see, by the grace of God, how many blessings you will earn. You will conquer those hearts in the least possible time. (Hervorhebungen durch den Autor)

Leider sind sich im „Dialog“ mit Funktionären der Ahmadiyya wohl nur die wenigsten nicht-muslimischen Teilnehmer bewusst, dass sie es mit taktisch geschulten Aktivisten zu tun haben, deren Auftreten in erster Linie Mittel zum Zweck ist. Im hier Gesagten wird deutlich, dass die Grenzen zwischen Taqiyya [19] – die dem Schia-Islam bekannte Irreführung durch Verschleierung der eigenen Absichten – und Tabligh fließend sind. Zwar ist es dem Ahmadiyya-Anhänger verboten zu lügen, doch da die Tabligh-Missionierung in der Gemeinschaft einen äußerst hohen Stellenwert einnimmt und zu den obligatorischen Pflichten eines jeden Anhängers gehört, kann es zweckmäßig sein, Aspekte, die für die Gegenseite nicht akzeptabel sind, zu verschweigen: Scharia, Stellung der Frau im Islam, Diskriminierung von Homosexuellen, weltweite Islamisierung…

Apropos Islamisierung

Keinen Zweifel lassen die Autoren daran, dass das Endziel der Gemeinschaft die Herrschaft sowohl über alle anderen Religionen als auch über alle anderen Spielarten des Islam ist:

There is the promise contained in the Holy Quran, already referred to that in the Latter Days, a Prophet would be raised in Islam who would not only defend Islam against the concerted attacks of the followers and exponents of other faiths, but would establish the superiority of Islam in every respect over all other religions (Quran, 9:33). The commentators of the Holy Quran agree that the promise contained in this verse would be fulfilled through the Mahdi-Messiah, whose advent in the Latter Days had been foretold by the Holy Prophet. (Welcome To Ahmadiyyat)

Aussagen wie die obige haben die Ahmadis nirgendwo, nirgendwann revidiert. Sure 9, 33 lautet in der Übersetzung nach Paret: [Allah] ist es, der seinen Gesandten [Mohammed] mit der Rechtleitung und der wahren Religion geschickt hat, um ihr zum Sieg zu verhelfen über alles, was es (sonst) an Religion gibt – auch wenn es den Heiden zuwider ist. Für naive Islam-Träumer, nur zur Erinnerung: das Konzept der totalen Herrschaft des Islam läuft jedem gesellschaftlichen und religiösen Pluralismus zuwider, wie er in freiheitlichen Rechtsstaaten notwendig und in weiten Teilen des Christen- und Judentums längst verankert ist.

Die in Koran und Hadith verheißene islamische Überlegenheit und Weltherrschaft ist bislang eine Utopie, die Realität der „besten aller Gemeinschaften“ ist eher ernüchternd. Die Folge ist eine ausgeprägte narzisstische Kränkung, die den Jahrhunderte andauernden Niedergang des Islam als fremdverschuldet erklärt – das Feindbild „der Westen“ wird bemüht, um die wirtschaftliche und kulturelle Rückständigkeit des Islam auf die angebliche westliche „Dekadenz“ zurückzuführen. Im Hintergrund steht aber eine allumfassende jüdisch-christliche Verschwörung gegen den Islam. Ahmadiyya-Gründer Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (1835-1908), der das Verkünden des Islam auch als Dschihad der Gegenwart bezeichnete, nennt als seine Motive u.a.:

True piety and virtue have been forgotten. The philosophy and science of this age run counter to spiritual aspirations. The influence they exert is bad to an extreme and conducive to spiritual blindness. They stimulate thoughts dangerous and impulses satanic. Those who become engrossed in these studies lose their religious convictions,(…) The more enlightened people become in a new sciences, the more deficient they become in decent and good behavior, and in disposition of modesty and shame, in the fear of God, and love of straight dealings. The Christian teaching is laying so many mines to blow up truth and faith. Christians are out to destroy Islam and ready to use lies and fabrications in ways most subtle, and on all occasions and with the help of ever new techniques – all directed to beguile and lead people astray. Christians are defaming and lampooning the Holy Prophet, the perfect man who proved himself the pride of holy men of all times and chief among the saints and apostles of the world. They hesitate not to caricature him in theatrical shows. They try and project a most hateful image they can invent of him. The worst that vicious and unchaste minds can think of is leveled against Islam and the Holy Prophet of Islam to lower them in the eyes of the world. Now O Mussalmans, hear and hear attentively that this campaign against Islam and Islam’s holy influence cannot be defeated by ordinary methods and means. The campaign is backed by the most complex fabrications and the most carefully planned devices that Christians can design. It is pursued mercilessly, with no thought of the expenditure involved. It does not exclude some most shameful devices which decency forbids us to detail. It is a campaign let loose on a large scale and pushed by the worst possible wizardry by Christian peoples, followers of Trinity. Such a campaign cannot be countered by ordinary methods. It cannot be beaten unless its magic and wizardry are confronted by the miraculous power of the Hand of God. Only miraculous power can and will smash this campaign and not without it can we save our simple souls from this vicious Western magic. To think of anything else would be sheer folly. No wonder, therefore, God Almighty has chosen from amongst the true Muslims of our time, this humble one and blessed him with His revealed word and with other divine favors that this vicious magic may be undone. (Victory of Islam)

Auffällig sind die Parallelen zum Denken von Hassan Al-Banna und Sayyid Qutb, den “Vätern” des modernen Islamismus, und ihrem Nacheiferer Osama Bin Laden. Es fehlt eigentlich nur die Erwähnung der „salibiyyun“, „Kreuzzügler“, wie die dämonischen Anhänger der angeblichen Verschwörung des Christentums gegen den Islam im arabischen Raum genannt werden. In einer ersten Stufe ist die „Reinigung“ der Welt des Islam von „nichtislamischen“ Elementen vorgesehen. Ist diese erfolgreich abgeschlossen und hat der Islam, wie man glaubt, dadurch seine alte Größe wiedererlangt, sind die Muslime stark genug, um die Islamisierung der Welt in Angriff zu nehmen.

Israel Schuld am Einmarsch Iraks in Kuwait

Dass diese Geisteshaltung seit den Tagen von Hazrat Mirza Ghulam Ahmad nicht ausgestorben ist, zeigte der vierte „Kalif“ der Ahmadiyya Jamaat, Hadhrat Mirza Tahir Ahmad (gest. 2003), in einer Reihe von Freitagspredigten zum Golfkrieg 1990. Darin exkulpiert er das irakische Regime unter Saddam Hussein und stuft die irakische Okkupation Kuwaits zum regionalen Kleinkonflikt zwischen orientalischen Despotien herab, während „die Juden“ (die er als „aliens“, Fremde, bezeichnet) für weitaus größere Grausamkeiten verantwortlich seien:

„…look at the thousands of people of all ages, elderly, young and infants, who are helplessly languishing in camps. They are killed mercilessly; the skulls of infants are cracked open with rocks; children are brutally murdered in front of their mothers, and the mothers soon follow their children on the death trail.”

Die Geiselnahme von Ausländern durch die irakischen Streitkräfte und ihr Missbrauch als “menschliche Schutzschilde” sei ein geringes Verbrechen im Vergleich zum Boykott Iraks durch die UN („…constitutes a crime whose horror exceeds the hypothetically feared poetential execution of a few thousand Britons and Americans held in Iraq.“). Vielmehr ist die Politik gegen den Irak Saddam Husseins Ausdruck der allgegenwärtigen Verschwörung gegen den Islam:

„My apprehension is that Iraq will be subjected to horrific revenge and it may be blown to bits. The fire of their revenge will not quench until they annihilate this up-and-coming Muslim country which is an exceptional force in this region. These ill-intentions were first conceived in Israel. (…) God alone knows how Iraq was lured into occupying Kuwait and the whole sinister development ensued (Hervorhebung im Original)

Der „Kalif“ war nicht der Einzige, der in der islamischen Welt kruden Verschwörungstheorien anhängt. Im Gegenteil, Verschwörungstheorien gehören zum absoluten Mainstream. Die weit verbreitete Neigung, für Missstände im „Haus des Islam“ stets „den Westen“, Juden, Christen oder Nicht-Muslime allgemein verantwortlich zu machen, ist nicht zuletzt auf den im Koran begründeten unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen zurückzuführen. Abgesehen davon gerät jede nichtislamische Kultur oder Idee durch den universellen Herrschaftsanspruch des Islam rein zwangsläufig in eine Konkurrenzposition zu den Muslimen.

Die einzige Hoffnung auf Überwindung der gegenwärtigen Schwäche und Zerrissenheit der islamischen Welt liegt laut Tahir Ahmad in der Besinnung auf die Gebote des Koran, auf den „wahren Islam“ der Ahmadiyya-Bewegung.

„The period of adversity has been long and painful. You should turn to God, repent, and seek His forgiveness. Let me assure you that to whatever extent the matters may have worsened, if you submit today before the leadership established by God, then not only will you rise as a great power in the world, but such a great movement of the new supremacy of Islam wil be set in motion that no power in the world will be able to confront it and the progress which appears to spread over centuries will become a matter of years.” (The Gulf Crisis & The New World Order)

Muslimischer Küchenzauber

Ein breites, jedoch rasch verhallendes Medienecho [20] rief ein Artikel im deutschsprachigen Jugendmagazin der Ahmadiyya im April 2007 hervor. In dem Blatt wurde behauptet, der Verzehr von Schweinefleisch mache homosexuell; dieselbe Aussage fand sich auf der offiziellen Homepage der deutschen Ahmadiyya-Gemeinschaft (PI zitierte ausführlich [21]).

Diese voraufklärerische Variante von „Du bist was Du isst!“ beleidigt Homosexuelle und Fleischesser (und vermutlich auch Schweine selbst), ist aber in dieser und ähnlicher Form als Begründung für das Schweinefleischverbot bei unterschiedlichen islamischen Strömungen durchaus gebräuchlich. Weil schlechte Presse für die Ahmadis schädlicher ist als gar keine Presse, wurde der Stein des Anstoßes rasch von der entsprechenden Webseite entfernt, womit der Fall für die meisten Medien erledigt ist. Der „Tagesspiegel [22]“ zitiert den Sprecher der Sekte, Rafik Ahmad, mit folgender Begründung für diesen Schritt:

„Wir haben keine Quelle gefunden, in der diese Aussage belegt wird“ (…) Darum würden jetzt alle Videobänder mit Reden und Diskussionen des Kalifen ausgewertet. Solange gelte, dass im Koran und in den Schriften des Begründers der Gemeinde kein Zusammenhang hergestellt werde zwischen dem Verzehr von Schweinefleisch und Homosexualität, sagte Ahmad. Beides ist Muslimen nicht erlaubt.“

Eine wie wir finden höchst bemerkenswerte Aussage, wenn man das Pferd von hinten aufzäumt: angenommen, es gibt im Koran Passagen, die eine Verbindung knüpfen zwischen Schweinen und Homosexuellen, dann ist Diskriminierung erlaubt, wenn nicht geboten. Im Geiste der Nächstenliebe sind wir bereit zu helfen. Ein Hinweis findet sich in der Tat in den Aussagen des Gründers Hazrat Mirza Ghulam Ahmad:

The Promised Messiah and Mahdi writes about „Why Eating the Flesh of Swine is Prohibited“:“One matter to be kept in mind in this context is that in the very name of the animal, God has indicated the reason for the prohibition of its flesh. The Arabic word for swine is Khinzir which is compound of Khanz and Ara , which means: I see it very foul. Thus the very name that God Almighty gave to this animal at the beginning points to its uncleanliness. It is a curious coincidence that in Hindi this animal is called Suar, which is a compound of Su and Ara . This also means: I see it very foul. … Everyone knows that it eats filth and is utterly shameless. Thus, the reason for the prohibition of its flesh is obvious, as by the law of nature its flesh would have a foul effect on the body, and the soul of one who eats it. …. Even in pre-Islamic times, Greek physicians had opined that the flesh of this animal particularly damages the faculty of modesty and fosters shamelessness.

Schnitzel macht also „schamlos“. Ob Homosexualität „Schamlosigkeit“ bedeutet ist eine Interpretation, die abhängig von der jeweiligen Weltanschauung ist. In den deutschsprachigen Koran-Übersetzungen finden sich Hinweise auf Mohammeds Haltung zur Homosexualität (4,16; 7,81). Homosexualität wird dort mit „Hurerei“, „Unzucht“ und „Ausschweifung“ assoziiert. Nach wie vor findet sich auf http://www.ahmadiyya.ch/ [23] ein Eintrag in den FAQ, der keinen anderen als den deutschen Islam-Konvertiten Hadayatullah Hübsch [24] zitiert.

Hingegen liegt dem Verbot [von Schweinefleisch] eine Ernährungsphilosophie zugrunde, die davon ausgeht, dass jedes Nahrungsmittel auf eine gewisse Weise bestimmte Moralverhalten im Menschen stärke oder schwäche. Konkret, dass durch die Aufnahme von Nahrung das moralische Verhalten des Menschen beeinflusst wird. Das Schwein gilt als Tier, das schamlos ist. Es ist ein Allesfresser, frisst auch das Fleisch von Artgenossen, es hat zudem Neigungen zu einem ausschweifenden Sexualleben und zur Homosexualität.

Wenn man weiß, dass Muslime oft Analogieschlüsse [25] ziehen, um zur Rechtsfindung zu gelangen, ist es eigentlich nicht erstaunlich, wenn die Ahmadis dem Schwein nachgesagte Eigenschaften auf das Verhalten „schweinischer“ Menschen übertragen. So ist es höchst zweifelhaft, dass die Entfernung des fraglichen Inhalts von der deutschen Ahmadi-Homepage Anzeichen eines echten Umdenkens innerhalb der Gemeinschaft ist – und nicht vielmehr Teil der Tabligh-Strategie, den Zielpersonen der Missionierung Details zu verschweigen, damit kein unangenehmer Eindruck von der Sekte entsteht. Wenn erst die „Herzen gewonnen“ sind und das Denken ausgeschaltet ist, ist auch die Bereitschaft vorhanden, Kröten zu schlucken. Liebe macht bekanntlich blind.

Fazit

Wie gesehen gibt es Indizien dafür, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat ein doppeltes Spiel treibt. Vordergründig integriert, verfolgt sie hinter den Kulissen unter Zuhilfenahme der Tabligh-Strategie die Islamisierung des Westens hin zum „Weltkalifat“.

Es ist an der Zeit, die Schriften der Ahmadiyya Muslim Jamaat einer systematischen Prüfung zu unterziehen. Noch sind die von uns zitierten Texte online frei für jedermann einzusehen. Nicht überraschend wäre es, wenn die deutsche Ahmadiyya-Gemeinde weitere fragwürdige Inhalte wie Aussagen über die Rechte der „Frau im Islam“ (Broschürentitel) und judenfeindliche Passagen [*], die sich genauso in der Charta der radikal-islamischen Hamas finden („Der Konflikt im Mittleren Osten“), sang- und klanglos verschwinden ließe, sobald sie einen größeren öffentlichen Bekanntheitsgrad erreichten. Doch wir dürfen uns nicht durch Tabligh nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ täuschen lassen. Die Ahmadiyya hat es verdient, dass ihr mit Skepsis und Zurückhaltung begegnet wird. Höflichkeitsfloskeln wie „Liebe für alle, Hass für niemanden“ kann jeder absondern. In der Konfrontation der Sekte mit ihren eigenen fragwürdigen Aussagen und in ihrer Reaktion darauf wird sich zeigen, wie weit es mit ihrer Redlichkeit her ist: lässt sie Kritik zu, ist sie in der Lage, Selbstkritik zu üben, indem sie die Inhalte zur Kenntnis nimmt, um sich schließlich – als Zeichen der Einsicht und Umkehr – glaubhaft von ihnen zu distanzieren? Oder bedient sie sich aus dem Taktik-Repertoire des typischen muslimischen Verbandsfunktionärs, das Verschweigen, Abwiegeln, Abstreiten und Ins-Gegenteil-Verkehren umfasst?

Nachtrag: Alle von uns zitierten Schriftstücke sind, sofern sie von Autoren der Ahmadiyya Muslim Jamaat stammen, auf der internationalen Homepage http://www.alislam.org/ [26] bzw. der Homepage der deutschen Ahmadiyya-Gemeinde http://www.ahmadiyya.de/ [27] einzusehen (zumeist PDF-Format, s. http://www.alislam.org/books/ [28] bzw. http://www.ahmadiyya.de/online_shop/library_frameset.html [29])

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[*] Zitat aus „Der Konflikt im Mittleren Osten im Lichte himmlischer Prophezeiungen“:

„In den Ahadith (Aussprüchen des Heiligen Propheten Muhammad, Friede und Segen Allahs seien auf ihm) stoßen wir auf zahlreiche wichtige Einzelheiten über die Taten von Gog und Magog auf der einen Seite und das Unglück der Muslime und ihre letztliche Rettung durch die Hand des Messias auf der anderen Seite. Zum Beispiel bestätigen die Ahadith ausdrücklich, daß in den letzten Tagen ein heftiger Kampf zwischen den Juden und den Muslimen ausbrechen werde und daß am Ende Allah Sieg den Muslimen gewähren würde: Prophezeiung, daß die Juden eine endgültige Niederlage durch die Hand der Muslime erleiden werden. „Es wird von Abu Huraira berichtet, daß ein schwerwiegender Zusammenstoß zwischen Muslimen und Juden stattfinden wird, und zwar in den letzten Tagen. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung wird sein, daß die Muslime beginnen werden, die Juden zu töten. Die Juden werden sich selbst hinter einem Stein oder einem Baum verbergen. Dann wird der Stein oder der Baum laut ausschreien: ‚0 Muslim, 0 Diener Allahs, hier ist ein Jude, der sich hinter mir verbirgt, komm und töte ihn.‚“ (Sahih Muslim: Kitab-al-Fitn) (Hervorhebung durch den Autor)

Zum Vergleich: Auszug aus der Charta der Hamas:

„The Islamic Resistance Movement is one link in the chain of jihad in confronting the Zionist invasion. It is connected and linked to the [courageous] uprising of the martyr ‚Izz Al-Din Al-Qassam and his brethren the jihad fighters of the Muslim Brotherhood in the year 1936. It is further related and connected to another link, [namely] the jihad of the Palestinians, the efforts and jihad of the Muslim Brotherhood in the 1948 war, and the jihad operations of the Muslim Brotherhood in 1968 and afterwards. Although these links are far apart, and although the continuity of jihad was interrupted by obstacles placed in the path of the jihad fighters by those who circle in the orbit of Zionism, the Islamic Resistance Movement aspires to realize the promise of Allah, no matter how long it takes. The Prophet, Allah’s prayer and peace be upon him, says: „The hour of judgment shall not come until the Muslims fight the Jews and kill them, so that the Jews hide behind trees and stones, and each tree and stone will say: ‚Oh Muslim, oh servant of Allah, there is a Jew behind me, come and kill him,‘ except for the Gharqad tree, for it is the tree of the Jews.“ (Quelle: MEMRI, Hervorhebungen durch den Autor)

Gastbeitrag von Martin S. [30]

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Bundesregierung begrüßt G8-Proteste

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Proteste gegen den G8-Gipfel Heiligendamm

Gehts noch absurder? Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Schäuble haben ausdrücklich die Proteste gegen den G8-Gipfel – sprich: die Demonstrationen gegen sich selbst – begrüßt [31]. Natürlich nur die friedlichen! Beide zeigten sich begeistert (!) vom Engagement der Linksextremen Gutmenschen für Gerechtigkeit in der Welt, obwohl die oft gar nicht wissen [32], worum es eigentlich geht. Schäuble freute sich ausdrücklich über den Beitritt Geißlers zu Attac [33].

„Die Demonstrationen sind von der Bundesregierung erwünscht“, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble nun der „Bild am Sonntag“. Wenn Bürger „aufmerksam machen wollen, dass es nicht so weiter gehen kann mit Afrika oder mit der Klimapolitik, dann ist das nur zu begrüßen“, so der CDU-Politiker. Er beschäftige sich selbst intensiv mit diesen Fragen: „Die Spaltung der Welt, die Ungerechtigkeit wird mit der Globalisierung größer“. Jene, die zu Demonstrationen aufriefen, hätten nichts mit militanten G8-Gegnern zu tun, fügte Schäuble hinzu.

Woher weiß Schäuble das eigentlich so genau?

Ausdrücklich unterstützte Schäuble den Beitritt des früheren CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler zum globalisierungskritischen Netzwerk Attac: „Mein Freund Heiner Geißler kann dort sehr viel Sachverstand einbringen.“ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bewertete das Engagement der G8-Kritiker in ihrem wöchentlichen Podcast positiv. „Ich begrüße, dass viele Menschen durch Aktionen und Protest ihr Interesse an einer gerechten, menschlichen Globalisierung deutlich machen.

Anstatt dieses dumme Gerede von der westlichen Schuld an der Rückständigkeit vieler Länder nachzuplappern, sollte lieber auf die korrupten Despoten afrikanischer Länder wie zum Beispiel Robert Mugabe aufmerksam gemacht werden, die ihre Völker rücksichtslos ausbeuten und ins Elend treiben. Viele afrikanischen Länder sind reich an natürlichen Rohstoffen wie Erdöl, Gold oder Diamanten, und an ihrer Armut hat nicht der Westen, sondern haben die eigenen Regierungen alleine Schuld. Auch der Rückständigkeitsmultipklikator „Islam“ hätte mal eine Thematisierung verdient, statt sich bei „Für-nichts-gegen-alles“-Vertretern anzubiedern.

Ins selbe Horn bläst auch die katholische Kirche. Bischof Lehmann ist erschrocken – aber nicht etwa über die Militanz und Gewaltbereitschaft der Gipfelgegner, sondern über den Sicherheitszaun, der das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Teilnehmer schützen soll.

„Natürlich erschrecke ich über den Metallzaun. Man hat schon den Eindruck, dass die für die Sicherheit Verantwortlichen derzeit außerordentlich nervös sind und sensibel reagieren.“

Und da sitzen sie nun alle in einem Boot: Die Roten, die Grünen, die Braunen, die Bundesregierung und die katholische Kirche. Vereint in ihrer Sorge über die Ungerechtigkeiten in dieser Welt und die Zukunft des Planeten. Was für ein Happening!

(Spürnase: Stefan H.)

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PI-Leser, morgen ist „Israel-Tag“ in Deutschland!

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israel_tag.jpgAm morgigen Donnerstag veranstaltet ILI („I LIKE ISRAEL e.V.“) [34] wieder den alljährlichen Israel-Tag. In über 40 Städten wird Israels Geburtstag am 3. Mai bundesweit gefeiert. Er wird von 180 Gruppen, Verbänden und Gemeinden organisiert, darunter christliche, jüdische, muslimische, politische und gesellschaftlich engagierte. Die Veranstalter rechnen mit 150.000 Besuchern. Die Besucher erwartet neben Informationsständen zu Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft vielerorts auch ein reichhaltiges Bühnenprogramm.

Wir von PI rufen unsere Leser auf, zahlreich am Israel-Tag teilzunehmen. Hier [35] und hier [36] kann sich jeder Leser informieren, in welchen Städten die einzelnen Veranstaltungen stattfinden. Auch PI wird natürlich vor Ort sein und in den nächsten Tagen ausführlich über die Kölner Groß-Veranstaltung [37] berichten. Gerne veröffentlichen wir auch Eindrücke unserer Leser (Fotos und/oder Text) der jeweiligen Veranstaltungen – Emails bitte an pi-red@arcor.de [38].

Auch in der nordrhein-westfälischen Stadt Siegen wird morgen ab 15 Uhr zum ersten Mal der Israel-Tag gefeiert. Schon seit einigen Wochen machen Siegener Bürger mit einem Video Werbung für ihre Veranstaltung:

Hier vorab die Rede von Roger Bückert [39] von der Pro-Israel-Initiative „neveragain“ [40] zum morgigen Israeltag in Siegen:

Sehr verehrte Anwesende, Bürgerinnen und Bürger von Siegen, liebe Israelfreunde!

Eine öffentliche Feier für den 59. Geburtstag Israels ausrichten, das bedeutet heute weit mehr, als lediglich Solidarität gegenüber einem Staat auszudrücken, der immerhin als einzige Demokratie und als rechtstaatliche Ordnung im gesamten Nahen Osten unsere Unterstützung und Freundschaft mit Recht verdient.

Vielmehr verleihen wir durch diese Feier einem regelrechten Staunen darüber Ausdruck, dass ein Volk, das jüdische Volk, nach Jahrhunderten der Zerstreuung unter alle Völker, nach Jahrhunderten der Unterdrückungen, der Pogrome und des politischen, religiösen und ethnischen Antisemitismus, in das Land „Israel“ zurückkehren konnte.

Wir staunen darüber, dass sich dort die Wüste, die Einöde und die malariaverseuchten Sümpfe innerhalb von ein paar Jahrzehnten in ein Land verwandeln konnten, das in jeder Hinsicht – wirtschaftlich, landschaftlich, kulturell und politisch – aufgeblüht ist.

„Israels Geburtstag feiern“ bedeutet auch das Erstaunen darüber, wie dieser junge Staat, der seit seiner Gründung 1948 bis zum heutigen Tag, in mehrfacher Hinsicht, permanent und stark in seiner Existenz bedroht ist, es schafft, nicht nur zu überleben, sondern – im ganz profanen Sinn des Wortes – zu leben, zu bauen, aufzubauen, zu forschen, Projekte zu planen und fröhlich und ausgelassen Feste zu feiern.

„Israels Geburtstag feiern“ heißt sich zu erinnern, dass dieser pulsierende Staat Israel als jüdische Heimstätte im gewissen Sinne aus den Trümmern der Vernichtungslager von Auschwitz, Majdanek, Sabibor und Treblinka hervorgegangen ist und dass nach der von deutschem Boden ausgegangenen Shoa, dem Holocaust, ein neues Kapitel in der Geschichte des jüdischen Volkes aufgeschlagen werden konnte.

Wir feiern den Geburtstag Israels und stellen damit auch klar, dass das Bild des Landes Israel bei Politik und Medien – auch den deutschen Medien – viel zu oft reduziert wird auf den so genannten Nahostkonflikt. Wer das Land und die Menschen in Israel kennt, wird wissen: Israel ist viel mehr als die Auseinandersetzung, als jeder Kampf und jede Maßnahme gegen den Terrorismus übrigens genau DEN Terrorismus, der durch die Attentate von London und Madrid und dem versuchten Anschlag auf deutsche Zugreisende letztes Jahr quasi auch vor unsere deutsche Haustür gekommen ist.

Nicht zuletzt deswegen feiern wir Israels Geburtstag auch im Angesicht all derjenigen, die Israel die Vernichtung wünschen und Israel den Kampf angesagt haben. Wir feiern im Angesicht eines Iranischen Ministerpräsidenten, Ahmedinejad, dessen atomare und antisemitisch motivierten Gelüste in den letzten Wochen und Monaten leider immer mehr und ungehindert Gestalt annehmen konnten, ohne dass deutsche, europäische oder internationale Politik dies hätte verhindern können.

Wir feiern eine Geburtstagsparty für Israel und tun dies als Freunde, die sich, wenn sie auch im Einzelfall nicht immer alle Entscheidungen der jeweilig politisch Verantwortlichen in Israel bis ins Detail nachvollziehen können, dennoch (ohne wenn und aber) solidarisch hinter Israels Recht, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen, und Israels Recht auf Selbstverteidigung stellen.

Wir feiern ein Land, das schon durch seine bloße Existenz dafür sorgt, dass Juden nicht nur in Tel Aviv, Petach Tikva, Tiberias, Haifa, Bersheba und Jerusalem, sondern – wie es nicht wenige mit Recht empfinden – weltweit, also auch in London, New York, Amsterdam, in Tokio und Berlin, wieder erhobenen Hauptes ihr Leben führen können.

Wir feiern ein Land, das durch sein Vorhandensein der beste und in meinen Augen auch der einzige Garant dafür ist, dass der weltweit immer noch um sich greifende Antisemitismus nicht noch einmal in der Menschheitsgeschichte vor die Rampe von Auschwitz oder einem ähnlichen Ort des Grauens führen wird.

Wir feiern Israels Geburtstag und damit auch ein Land, das es erfolgreich geschafft hat, so viele unterschiedliche Menschen und Kulturen zu einem sinnvollen Ganzen zu integrieren. Aus vielen Sprachen und Nationen sind Juden heimgekehrt ins Land Israel, haben hebräische Sprache und manchmal erst dort auch modernes Leben überhaupt kennen gelernt, haben ihren kulturellen Hintergrund mitgebracht aus der Diaspora in ihre neue Heimat und auch so Israel zu einem einzigartigen Land werden lassen.

Wir feiern dieses Israel, das Land in dem viele hier Anwesenden Offenheit, großzügige Gastfreundschaft, einzigartige Menschen kennen gelernt und auch Freunde darin gefunden haben.

Wir feiern ein Land, das uns in seinen großartigen Städten begegnet: Tel Aviv, voller Leben, voller Träume, eine Stadt von der Dynamik einer Mega-Party, Haifa, eine Großstadt in der Araber und Juden Seite an Seite friedlich zusammenleben, und Jerusalem, Israels Hauptstadt, wo sich alte Kultur, modernes Leben und ausgeübte Religion zu einer außerordentlichen Synthese verbinden.

Wir feiern Israels Geburtstag, weil wir das jüdische Volk lieben, das jahrhunderte lang auch in Deutschland Opfer von kirchlichem und politischem Antisemitismus war. Weil damit endgültig Schluss sein muss, auch deshalb feiern wir den Staat Israel.

Wir feiern Israels Geburtstag, weil wir Israel Glück wünschen wollen, weil wir wissen, dass ein gesundes, starkes und erfolgreiches Israel nicht Problem, sondern Lösung für viele Probleme im Nahen Osten ist. Nicht Israel ist – politisch gesehen – das Problem, sondern der ungebrochene Antisemitismus, der das politische Feld im Nahen Osten immer noch beherrschen will.

Wir feiern Israels Geburtstag, weil wir Israel und unseren Freunden in Israel damit ausdrücken wollen: Israel, Du hast Freunde! Israel, Du bist nicht allein! Israel, wir stehen an Deiner Seite!

Es lebe Israel

Am israel chai!

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Bremen: Ein Herz für Terroristen

geschrieben von PI am in Allgemein | Kommentare sind deaktiviert

Über die Bemühungen dieses Staates, „gestrauchelten“ Menschen bei ihrer „Wiedereingliederung“ in die Gesellschaft behilflich zu sein [41], während vergangene und zukünftige Opfer sich selbst überlassen werden, haben wir schon häufiger berichtet [42]. Ganz besonders fürsorglich ist man hierzulande mit linken und islamischen Terroristen. Auch um Mörder, die dann schnell die Metamorphose zu „Ex-Mördern“ durchmachen, ist man sehr bemüht.

Gut in Erinnerung ist hier sicherlich noch der nachlässige Umgang mit den Helfern des Massenmordes vom 11. September, Abdelghani Mzoudi und Mounir El Motassadeq. Besondere „Verdienste“ in der „Resozialisierung“ [43] hat sich die Stadt Bremen erworben.

Im Februar berichteten wir [44] darüber, dass die – natürlich vorzeitig entlassene und mit falschem Namen vor Belästigungen geschützte – RAF-Terroristin Susanne Albrecht im Norden Deutschlands als Lehrerin arbeitet. Die Bild-Zeitung hat Frau Albrecht aufgespürt. Die Frau, die den Mördern ihres Onkels, des Dresdner-Bank-Chefs Jürgen Ponto, Zugang zu dessen Haus verschaffte, wird in der gutmenschlich orientierten Stadt Bremen im Fach Deutsch auf die Kinder losgelassen [45], ein Bereich, in dem man durch die Auswahl „geeigneter“ Texte natürlich „keinerlei“ Einfluss auf Kinderseelen hat.

Die heute 56-Jährige muss jetzt allerdings ernsthaft um ihre selbstgewählte Anonymität fürchten. „Verurteilte RAF-Mörderin arbeitet als Grundschullehrerin in Bremen“, lüftete die „Bild“-Zeitung am Montag in gewohnt großen Buchstaben „eines der bestgehüteten Geheimnisse der Bremer Justiz- und Schulbehörden“.

Dem Stadtstaat steht nun also in den kommenden Tagen ein gesteigertes Medieninteresse ins Haus. Der Großteil der Kamerateams, Reporter, Fotografen und Ü-Wagen dürfte dabei weniger an den Wahlen zur Bremischen Bürgerschaft am 13. Mai als an der Jagd auf die frühere RAF-Terroristin interessiert sein.

Und schon wird die Täterin zum Opfer. Eine Frau, die kaltschnäuzig das Vertrauen ihres Onkels auf widerwärtige Weise missbraucht hat, wird nun „gejagd“ von einer Meute sensationsgeiler Reporter, wo sie doch nur in Frieden leben wollte. Ihr Onkel hätte das sicher auch gern gewollt, aber „Opfer“ Albrecht hatte damals anders entschieden.

Auch in der Behörde von Bildungssenator Willi Lemke (SPD) befürchtet man, dass ab sofort jede weibliche Lehrkraft in Bremen von den Medien durchleuchtet wird. „Wir können das leider nicht verhindern“, räumt Lemke-Sprecher Rainer Gausepohl gegenüber FOCUS Online ein. Albrecht sei in der Tat an Bremer Schulen tätig, allerdings nicht, wie von „Bild“ kolportiert, bei der Stadt angestellt. „Sie arbeitet für einen Freien Träger der Stadt, also nicht im, sondern für den öffentlichen Dienst“, weist Gausepohl auf ihr Engagement beim Verein „Stadtteil-Schule“ hin.

Seit mittlerweile zehn Jahren bereite Albrecht ausländische Grundschüler an verschiedenen Schulen auf den Deutschunterricht vor. „Sie leistet sehr gute Arbeit und hat sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen“, lobt Gausepohl die Fachfrau, die 1976 unmittelbar vor ihrem Eintritt in die RAF in Hamburg noch ihr erstes Staatsexamen für das Grund- und Realschullehramt abgelegt hat.

Von einem Beispiel vorbildlicher Resozialisierung spricht Gausepohl über Albrecht, die ihre Taten nie bereut hat und fürchtet, dass ihre Anonymität beendet werden könnte. Wir haben Mitleid. Dass es vielen Eltern nicht Recht sein mag, ihre Kinder dem Einfluss dieser niederträchtigen, brutalen und gefühllosen Frau ausgesetzt zu sehen, interessiert hierbei selbstverständlich nicht.

(Spürnasen: Gerhard B. und Frank Sch.)

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SPD-Abgeordneter instrumentalisiert Christenmorde für Türkei-Beitritt

geschrieben von PI am in Allgemein | Kommentare sind deaktiviert

rolf_fischer.jpgRolf Fischer [46] (Foto), europa- und minderheitenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, instrumentalisiert die furchtbaren Christenmorde in der Türkei [47], um für den EU-Beitritt der Türkei zu werben. Die Logik seiner Argumentation: Ohne absehbaren EU-Beitritt wäre alles noch viel schlimmer. Für Politiker wie Rolf Fischer scheint es schlicht keine Gründe zu geben, den Türkei-Beitritt abzulehnen – geschehe, was wolle.

Das durchsickern, wie intolerant und oft gewalttätig das gesellschaftspolitische Leben in der Türkei oftmals ist, bringt die Fürsprecher des Türkei-Beitritts in Erklärungsnot. Eine Gegenstrategie ist die Argumentation des SPD-Abgeordneten Rolf Fischer (RF): Er wirft der CDU Instrumentalisierung der Christenmorde vor, was er jedoch selbst betreibt. Allerdings mit einer aus menschenrechtlicher Sicht äußerst fragwürdigen moralischen Position.

Zu den Äußerungen des kulturpolitischen Sprechers der CDU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, über die Anschläge in der Türkei erklärt der europa- und minderheitenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Rolf Fischer:

Ich warne davor, die schreckliche Tat in Malatya für eine allgemeine Schelte auf die Türkei zu instrumentalisieren. Wer meint, gar die EU-Beitrittsverhandlungen durch diese Tat von Extremisten in Frage stellen oder sogar abbrechen zu müssen, wie das Wolfgang Börnsen tut, muss sich diese Instrumentalisierung vorwerfen lassen. Die friedlichen Bürger eines Staates können nicht für ein paar Extremisten verantwortlich gemacht werden. In allen europäischen Ländern steht der Kampf gegen extremistische Bestrebungen im Vordergrund.

Diese Aussage soll die Christenmorde zum Delikt von Einzeltätern bagatellisieren. RF lenkt bewusst davon ab, dass dieser brutal-bestialische Mordanschlag nur der Gipfelpunkt eines intoleranten, oft sogar von Hass erfüllten Klimas gegenüber Christen in der Türkei ist. Diesem Umstand muss sich die Türkei stellen. Und hier hat die Türkei sehr wohl „allgemeine Schelte“ verdient.

Die Türkei weigert sich, den Armenier-Genozid aufzuarbeiten bzw. auch nur als solchen anzuerkennen. Christen sind in der Türkei geradezu traditionell Repression ausgesetzt [48], christliche Priester benötigen Polizeischutz [49].

Der Verweis auf die „friedlichen Bürger“ eines Staates (der Türkei) soll einerseits dem Kritiker der menschenrechtsfeindlichen Zustände in der Türkei unterstellen, er kritisiere undifferenziert und pauschalierend. Wenn man so vorgeht, kann man nie ein Unrechtssystem kritisieren, weil in jedem Unrechtssystem nie alle Individuen an Verbrechen beteiligt sind. Zumal einem Teil immer auch die Rolle der Opfer zukommt. Hier ist also Solidarität mit den Opfern von Intoleranz und Gewalt gefragt anstatt Bagatellisierung damit die Täterkomponente möglichst klein erscheint.

Opfer von Intoleranz und Gewalt sind in der Türkei nicht nur Kritiker des Umgangs mit dem Armenier-Genozid, Christen, ggf. bekennende Atheisten, sondern auch Menschen, die nicht gemäß islamisch geprägten Sitten-Normen leben. Die erschreckende, katastrophale Bilanz der Türkei bei Ehrenmorden [50] belegt ebenfalls, wie groß die Defizite in puncto Menschenrechte beim EU-Beitrittskandidaten Türkei sind.

Dann folgt eine Relativierung und Diffamierung:

In allen europäischen Ländern steht der Kampf gegen extremistische Bestrebungen im Vordergrund. Nähme man allein das Vorhandensein von Bedrohung und extremistischer Tat als Kriterium für die EU-Mitgliedschaft, so würde sich der Vorwurf von Wolfgang Börnsen gegen diverse europäische Staaten richten.

RF nutzt das rhetorische Stilmittel der Behauptung, um die Türkei moralisch zu entlasten. Willkürlich, ohne sich auch nur die Mühe von Belegen für seine Aussage zu machen, stellt er eine Ähnlichkeit der Menschenrechtslage in europäischen Staaten mit den Zuständen in der Türkei her. In welchen europäischen Ländern verüben nicht-moslemische Bevölkerungen Ehrenmorde, arrangieren Zwangsehen (was der Ministerpräsident der Türkei, Erdogan, ausdrücklich für eine legitime und wünschenswerte Form der Paarfindung hält), werden Menschen anderer, zumal friedlicher Religionen derart schikaniert und ermordet?

Das Anliegen von RF, die Türkei durch eine vergleichende Gleichsetzung mit europäischen Ländern moralisch zu entlasten, beinhaltet zugleich eine Diffamierung und Herabsetzung dieser Länder auf türkisches Niveau. Gegen diese subtile Form übler Nachrede muss man sich entschieden verwahren. Sie ist auch kontraproduktiv wenn es gilt, die Schwere der Menschenrechtsverletzungen in der Türkei zu thematisieren.

Ich mahne deshalb eine harte, aber sachliche Debatte über die Menschenrechtssituation in der Türkei an.

Gerade RF lässt es an Sachlichkeit fehlen.

Hier gilt es, alle Verstöße offen zulegen und zu ahnden. Dies ist selbstverständliche und demokratische Pflicht.

Wenn RF dies als „demokratische Pflicht“ sieht, warum bagatellisiert er dann die Verbrechen als Handlungen von „ein paar Extremisten“? Und sind all die Ehrenmörder und Zwangsverheirater etwa keine Extremisten? Und deren Opfer keine Opfer von Extremismus?

Ich weise aber darauf hin, dass diese Forderung umso erfolgreicher sein wird, so lange die Beitrittsverhandlungen laufen oder wenn die Türkei Mitglied in der EU ist.

RF behauptet das einfach mal so, als wäre es eine physikalische Gewissheit, dass Beitrittsverhandlungen die Menschenrechtslage der Türkei verbessern. Man kann genauso gut behaupten, dass es die Türkei anspornt die Menschenrechtslage zu verbessern, wenn sie vor dem Beitritt menschenrechtliche Standards verwirklicht. Sofern diese Kriterien unumstößlich gelten.

RF unterstellt der Türkei sogar, sie hätte aus sich selbst heraus möglicher Weise eine geringere Motivation die Menschenrechtslage zu verbessern, stünde nicht der EU-Beitritt in Aussicht. Was hat RF nun wirklich für ein Türkeibild?

Natürlich nimmt ein Beitrittsbefürworter wie RF seine Weggefährten in Schutz:

Wer vom „Schweigen der EU“ spricht, blendet die kritischen Bemerkungen aus Brüssel, aus Berlin und aus Istanbul bewusst aus.

„Kritische Bemerkungen“ oder Rechtfertigungsphrasen, um die Beitrittspolitik nicht zu gefährden? Welchen Effekt hatten denn die „kritischen Bemerkungen“ bisher, wenn sich das gesellschaftspolitische Klima in der Türkei immer stärker polarisiert. Wenn liberale, säkulare Türken zu hunderttausenden gegen islamisch-totalitäre Bestrebungen demonstrieren?

Und wenn schon „Istanbul“ genannt wird als „kritischer Bemerker“, warum kommen solche „kritischen Bemerkungen“ immer erst dann, wenn die AKP-Regierung moralisch unter Druck gerät? Und nicht präventiv durch die Propagierung säkular-westlicher Werte anstatt traditionell-islamischer? Zumal die Menschenrechtslage in der Türkei doch kein Geheimnis darstellt.

Man hat eher den Eindruck, RF blendet die katastrophale Menschenrechtslage der Türkei partiell aus. Er wirft anderen vor, was er selbst betreibt:

Insbesondere auch die Solidaritätserklärungen der türkischen Bürger in Deutschland für die Opfer der Bluttat geraten so völlig aus dem Blickwinkel. Das ist nicht akzeptabel.

Dass türkische Bürger in Deutschland diese Verbrechen verurteilen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein, und nichts woraus man versucht, politisch Kapital zu schlagen, wie RF es tut. Denn Ablehnung von Verbrechen hat nun rein gar nichts mit der Erweiterungspolitik der EU zu tun. Es sei denn, RF denkt, man wäre den Türken, die den Beitritt wollen, etwas schuldig, weil sie derartige Verbrechen ablehnen. Das würde aber zugleich bedeuten, dass die Ablehnung der Verbrechen die Erwartungshaltung des EU-Beitritts beinhaltet. RF sucht nach Argumenten für den EU-Beitritt der Türkei, verheddert sich aber in Unterstellungen, die den Türken, die diese Verbrechen ablehnen, kaum gerecht werden können. Eine solche Argumentation ist gegenüber den türkischen Mitbürgern nicht akzeptabel.

RF als Beitrittsbefürworter steht unter Rechtfertigungsdruck. Dass sich die Menschenrechtslage durch Beitrittsverhandlungen verbessert – genau für diesen Prozess fehlt es an Belegen. Die Logik in RF’s Argumenten ist äußerst fragwürdig. Denn sie bedeutet, dass je umfassender die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei sind, umso dringender die Beitrittsverhandlungen erfolgen müssen und sogar der Beitritt geboten ist. Als ließe sich die Menschenrechtslage in der Türkei nicht auch ohne EU-Beitritt verbessern. RF’s Pro-Beitrittsargumente sind von der Systematik her moralische Erpressungen. Er definiert willkürlich, dass wir eine moralische Verpflichtung haben, die Türkei in die EU aufzunehmen, um die dortige katastrophale Menschenrechtslage zu verbessern. Die aber gemäß seiner eigenen Aussage nur durch „ein paar Extremisten“ hervorgerufen wird. Gegenfrage: Ist es dann überhaupt notwendig, die Türkei unbedingt in die EU aufzunehmen, angesichts von nur „ein paar Extremisten“ die sich derart verbrecherisch gebärden ? Umgekehrt gilt: Machte man Menschenrechtsverletzungen zum EU-Aufnahmekritierium um gegen Menschenrechtsverletzungen eine Einflußmöglichkeit zu haben, müsste die EU global erweitert werden.

Dass laut RF die Forderungen nach Verbesserung der Menschenrechtslage noch besser durchsetzbar sind „wenn die Türkei Mitglied in der EU ist“, impliziert, dass die Türkei sogar in die EU kommen kann, wenn sie zum Beitrittszeitpunkt die Menschenrechte unzureichend achtet. Mit diesem Ansatz könnte die Türkei EU-Mitglied werden, ohne ausreichend menschenrechtliche Standards zu erfüllen. Und wäre dennoch voll einflussfähig innerhalb der EU.

Das kann nicht wünschenswert sein. Denn es bedeutet eine weitere inakzeptable Absenkung der Menschenrechtsstandards in der EU. Die Argumentation eines Beitrittbefürworters wie RF zeigt exemplarisch, wie entschlossen viele diese Position vertreten. Die Argumente pro Beitritt werden in geradezu absurder Weise in ihrer Sinnhaftigkeit auf den Kopf gestellt, bis sie letztlich keine Argumente mehr sind, sondern rhetorische Fallen, um den Türkei-Beitritt unter allen Umständen durchsetzen zu können.

» [51] an Rolf Fischer

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Islamisches Wort: „Barmherzigkeit und Gnade“

geschrieben von PI am in Islam | Kommentare sind deaktiviert

Heute war Premiere: Der öffentlich-rechtliche Dhimmi-Sender SWR machte sich zu einem „erstklassigen“ Helfershelfer der Taqiyya [52] und präsentierte pünktlich zu Hitlers und Mohammeds Geburtstag das erste „Islamische Wort“ [53], gesprochen vom Generalsekretär des „Zentralrats der Muslime“, Aiman Mazyek (Foto). Frei nach Gustave LeBons „Psychologie der Massen“ [54], wonach durch ständige Wiederholung die Lüge zur Wahrheit wird, ist das „Islamische Wort“ bis zum Erbrechen vollgestopft mit der Behauptung, dass Allah barmherzig sei. Weil das am Handeln seines Bodenpersonals niemand so recht erkennen kann, wird es auch im Koran – wie wir erfahren – über 700 Mal wiederholt.

Hier das Manuskript zum ersten „Islamischen Wort“ von Aiman Mazyek (Audio) [55]:

Barmherzigkeit und Gnade – Gottes oberstes Prinzip

Bismillahi arrahami arrahim.
Mit dieser Einleitung beginnen wir Muslime unser Denken und Handeln: „Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen“. Es ist das Gefühl und auch die Gewissheit, im Alltag, im Beruf, beim Autofahren oder im Kreis unsrer Familie, Gottes Gnade zu erfahren. Jeder Mensch wünscht sich, dass sein Tun gute Wirkung entfaltet, gesegnet ist. Mit den Worten „Bismillahi arrahami arrahim“ habe ich denn auch dieses erste „Islamische Wort“ im SWR begonnen. Ich bitte Gott um Seinen Segen für dieses Wort.

Rahma – die einleitend erwähnte Barmherzigkeit Gottes – kommt als Eigenschaft und als Name Gottes mehr als 700 Mal im Koran vor. Damit gehört es zu den am häufigsten erwähnten Attributen Gottes. Es bedeutet, jemandem Wohltat und Güte zu gewähren, vielleicht sogar, ohne dass dieser es unbedingt verdient, es aber trotzdem erhält. Und dies beschreibt exakt die Beziehung zwischen Gott und den Menschen.
Gott stellt seine Barmherzigkeit im Koran gegenüber seinen Geschöpfen als „grenzenlos“ dar. Im Koran, dem heiligen Buch der Muslime, lesen wir, ich zitiere: „Er hat sich zur Barmherzigkeit verpflichtet“ (Sure 6/12). Rahma, als oberstes göttliches Handlungsprinzip, zieht sich wie ein roter Faden durch unser gesamtes Dasein hindurch.
Arrahim, vom selben Wortstamm wie Rahma, bedeutet im Arabischen auch: Mutterleib. Es ist der Ort, wo das Kind vollkommen geschützt heranwächst. Im Koran heißt es: „Er ist es, der euch im Al-Rahim gestaltet“ (Sure 3/6). Das liebevolle, mütterliche Kümmern ums eigene Kind kommt der Beschreibung sehr nah, wie Gott mit seinen Geschöpfen umgeht. Es ist demnach eher ein mütterliches Verhältnis zwischen Gott und uns Menschen als ein väterliches.
Die Barmherzigkeit kommt nicht nur in der Beziehung zwischen Gott und den Menschen zum Tragen, sondern auch die Beziehungen der Menschen untereinander sollen von Barmherzigkeit geleitet sein. Nicht von ungefähr gibt es Namen wie Abdul-Rahman oder Abdul-Rahim, was so viel heißt wie Diener des Barmherzigen.

Der Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm) sagte einmal: „Ihr werdet das Paradies nicht betreten, bevor ihr nicht barmherzig handelt.“ Seine Anhänger sagten: „Wir sind doch alle barmherzig.“ Er sagte: „Es ist nicht (nur) die Barmherzigkeit unter Euresgleichen, sondern die Barmherzigkeit gegenüber allen (Menschen); er wiederholte: die Barmherzigkeit gegenüber allen.“

Ich persönlich meine, dass die Barmherzigkeit Gottes uns die Kraft des Verzeihens, der Gnade gibt, die stärker ist als die des Hasses und der Zerstörung. Sprechen wir eine barmherzige Sprache miteinander? Haben wir die Kraft zur Barmherzigkeit auch in Extremfällen?
Eine äußerst schwierige Frage, eine nahezu unlösbare Herausforderung besonders für Opfer von Hass und Zerstörung, wie die aktuelle Diskussion um die Begnadigung ehemaliger RAF-Terroristen zeigt.

Wir Menschen mit unserem begrenzten Wissen sind auf Gottes Rechtleitung existenziell angewiesen. Die Rechtleitung hat ihren Ursprung wiederum in Gottes Barmherzigkeit, damit der Mensch nicht irre geht.
Frauen und Männer in Geschichte und Gegenwart tragen Gottes Barmherzigkeit weiter – sozusagen als Botschafter für die Menschen. So werden z.B. die Propheten Moses, Jesus oder auch Mohammad – Friede sei mit ihnen allen – aber auch Maria, der im Koran zu Ehren eine ganze Sure gewidmet ist, als Träger der Barmherzigkeit Gottes beschrieben.
Unser Bündnis mit Gott ist stets von der Hoffnung getragen, dass unsre Vergehen und Versäumnisse vom Barmherzigen vergeben werden. Gott sagte mittels seines Gesandten Mohammad: „O Mensch, wenn auch deine Missetaten bis zu den Wolken des Himmels reichten, und du Mich um Vergebung bittest, so vergebe ich dir.“ (Hadith Kudsi nach Thirmisi)
Eindringlich ruft Gott die Menschen im Koran auf: „Verliert nicht die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit. Gewiss, Gott vergibt alle Sünden. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.“ (Sure 39/53).

Eine so blödsinnige Aneinanderreihung von kitschigen Lügen wird beim nächsten „Islamischen Wort“ nicht leicht zu toppen sein. Auf SpOn zeigt sich [56] dagegen sein Bruder im Geiste Yassin Musharbash ganz hingerissen von den klugen Worten Mazyeks:

Gelungene Premiere: Zum ersten Mal ist heute auf der Website des Südwestrundfunks das „Islamische Wort“ zu hören. Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime trifft darin genau den richtigen Ton: Seine 4-Minuten-Botschaft ist originell, souverän und unaufgeregt.

Dabei lässt er unerwähnt, dass der Koran zu 60% aus Gewalt- und Hass-Suren [57] besteht, die hier natürlich schwerlich ins Bild des „barmherzigen Gottes“ passen würden. Deshalb reißt Mazyek die Friedenssuren mit freundlicher Genehmigung des SWR mal eben aus dem Zusammenhang und präsentiert sie isoliert, so dass für den nicht vorgebildeten Zuhörer/Leser unweigerlich der Eindruck entstehen muss, im Koran würde es vor Frieden nur so wimmeln. Ganz und gar Übelkeit auslösend ist der sentimentale Muttervergleich, wobei wir nicht hoffen, dass auch nur eine Mutter auf der Welt so mit ihrem Kind umgeht wie dieser Allah seinen Gläubigen befiehlt:

Sure 8,12: Da gab dein Herr den Engeln ein: „Ich bin mit euch; so festigt denn die Gläubigen. In die Herzen der Ungläubigen werde Ich Schrecken werfen. Trefft (sie) oberhalb des Nackens (gemeint ist, schlagt ihnen die Köpfe ab) und schlagt ihnen jeden Finger ab!“

Sure 4,89: Sie wünschen, dass ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, und dass ihr ihnen gleich seid. Nehmet aber keinen von ihnen zum Freund, ehe sie nicht auswanderten in Allahs Weg. Und so sie den Rücken kehren, so ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet; und nehmet keinen von ihnen zum Freund oder Helfer.

So sprach Allah, der Allerbarmer, der Barmherzige. Aber heute beim SWR war er ganz lieb und friedlich.

» PI-Leserin Jutta Starke hat SWR-Intendant Peter Voss vor ein paar Tagen einen sehr lesenswerten Brief geschrieben (Datei herunterladen [58]) – es wäre schön, wenn viele unserer Leser ihrem Beispiel folgen würden.
» [59] an SWR-Intendant Peter Voss
» [60] an SpOn-Autor Yassin Musharbash

(Spürnase: Voltaire)

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Google Earth will Welt über Schrecken in Darfur informieren

geschrieben von PI am in Allgemein | Kommentare sind deaktiviert

In der sudanesischen Provinz Darfur findet ein Völkermord unvorstellbaren Ausmaßes [61] statt, den als solchen zu benennen die UNO sich weigert und dem die Welt gleichgültig gegenübersteht. Während westliche Bessermenschen sich am Fall Kurnaz abarbeiten, metzeln aus purem Rassismus arabische ‚weiße‘ Moslems ihre schwarzafrikanischen Glaubensbrüder mit unvorstellbarer Brutalität nieder. Mit einer Erweiterung für das Landkartenprogramm will Google Earth [62] nach eigenen Angaben die Menschen in der Welt informieren, um das Töten zu stoppen.

Seit fast vier Jahren herrscht Krieg in der sudanesischen Region Darfur. Im Kampf der regierungsnahen Milizen gegen Rebellenverbände wird auf die Zivilbevölkerung keine Rücksicht genommen. Das Resultat ist ein Völkermord ungeheuren Ausmaßes. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden in Darfur rund 200.000 Menschen getötet und circa 2,5 Millionen vertrieben.

Doch das sind nur Zahlen. Gemeinsam mit dem United States Holocaust Memorial Museum hat die Suchmaschine Google eine Erweiterung, ein sogenanntes Layer, für das Landkartenprogramm Google Earth erstellt, mit dessen Hilfe man sich ein Bild vom ganzen Ausmaß der Zerstörung machen kann. (…)

Mit dem Projekt solle es Internet-Nutzern ermöglicht werden, „sich die Zerstörung in Darfur vorzustellen und von ihr zu erfahren wie nie zuvor“, sagte Google-Sprecher Elliot Schrage bei der Vorstellung der Software in Washington. Der Darfur-Flüchtling und ehemalige Mitarbeiter des deutschen Roten Kreuz, Dawud Salih, erklärte: „Der einzige Weg, das Töten in Darfur zu stoppen, ist es, die Menschen zu informieren.“

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die Verantwortlichen mit Google Earth sicherlich ein geeignetes Medium ausgesucht. Nach Angaben des Herstellers wurde das Programm mittlerweile 200 Millionen Mal von den Google-Servern heruntergeladen. Sara Bloomfield, Direktorin des Holocaust Memorial Museums bezeichnete die Software als „die größte Plakatwand der Welt.“

Salih hofft zudem, man könne mit der Aktion politische Veränderungen in seiner Heimat bewirken. „Wir müssen Präsident Bashir und anderen Tätern klar machen, dass sie beobachtet werden“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press.

Traurig und großartig zugleich, dass wir uns auf diese Weise die Informationen holen müssen und können, die die Medien uns aus Gründen der Political Correctness [63] vorenthalten.

» Link [64] zu der KMZ-File für Google Earth

(Spürnase: Patrick S.)

» Buchtipp: Gérard Prunier – Darfur. Der „uneindeutige“ Genozid [65]

Rezension von Dominique Burckhardt, erschienen in der Basler Zeitung am 10.04.2007

So viel vorweg: Auch nach Lektüre der jüngst erschienenen deutschen Übersetzung des neuesten Buches von Ostafrikaspezialist Gérard Prunier bleibt unklar, wie der opferreiche Krieg in Darfur zu nennen ist. Findet in dieser entlegenen, völlig vernachlässigten und unterentwickelten Region im wüstenhaften Westen Sudans ein Völkermord statt? Handelt es sich bei den Gräueltaten um ethnische «Säuberungen», also um die ohne Rücksicht auf Verluste durchgeführte Vertreibung bestimmter Menschengruppen? Oder wie anders ist die Tötung Hunderttausender, die Vertreibung von Millionen, die Auslöschung ganzer Dörfer und die systematische Vergewaltigung von Frauen und Mädchen zu bezeichnen?

mehrdeutig. Der Franzose Prunier schlägt die Wendung «uneindeutiger Genozid» vor – so lautet auch der Titel seines flüssig geschriebenen Buches. So nennt er das Schlimmste aller Verbrechen gegen die Menschlichkeit beim Namen, um es zugleich fast wieder ein wenig zurückzunehmen. Pruniers Begründung: Absicht der sudanesischen Regierung in Khartum sei nicht «die totale physische Auslöschung der Bevölkerung, sondern die totale politische und territoriale Kontrolle» über die strategisch wichtige Grenzregion Darfur.
Die Wortklauberei mehr oder weniger besorgter Vertreter der internationalen Gemeinschaft kümmere die Darfurer selbst herzlich wenig, schreibt Prunier: «Die Erfahrung des Grauens bleibt dieselbe.» Der Autor kritisiert die Diskussion um eine Rubrifizierung nicht ohne Seitenhieb auf die Medien: «Dass wir meinen, der Mord an 250000 Menschen bei einem Genozid sei eine grössere Tragödie als der Tod von 250000 Menschen durch nicht-genozidale Massaker, ist in der Tat ein Massstab für den übersättigten Zynismus, der heute herrscht.»
Das ist die eine Seite. Eine andere ist: Die offizielle Feststellung, dass in Darfur ein Völkermord stattfindet, würde die UNO nach den Bestimmungen der Genozid-Konvention von 1948 zum Eingreifen verpflichten. Das aber, so kritisiert der Autor, wollten die meisten Politiker tunlichst vermeiden. Es ist Pruniers Verdienst, schonungslos offenzulegen, wie sich Spitzenpolitiker winden, um das Morden in Darfur zu umschreiben, ohne eingreifen zu müssen, und das Regime in Khartum zugleich schlimmster Verbrechen zu beschuldigen. «Der uneindeutige Genozid» wird so zur fulminanten Anklageschrift, die sich gegen das Islamisten-Regime in Khartum, mitmischende Nachbarregierungen und die internationale Gemeinschaft richtet. Beispiel um Beispiel schildert der Autor, wie sich selbst UNO-Spitzenbeamte von Khartum an der Nase herumführen lassen, und zerpflückt die Friedensbemühungen der letzten Jahre.
Dabei hat das enorm faktenreiche Buch seit Erscheinen der englischen Originalausgabe 2005 – leider – nichts an Aktualität eingebüsst. Im Gegenteil, «Darfur in Agonie» heisst das Kapitel, in dem Prunier eigens für die deutsche Ausgabe die Ereignisse bis Mitte 2006 zusammenfasst. Darin zitiert er eine Bilanz des inzwischen abberufenen UNO-Sondergesandten für Darfur, Jan Pronk: «Der Terror geht weiter. Schaut man auf drei Jahre des Mordens und der ethnischen Säuberungen in Darfur zurück, muss man einräumen, dass unsere Friedensstrategie misslungen ist.» Tatsächlich vergeht auch heute kaum ein Tag, ohne dass nicht irgendwo in Darfur Überfälle stattfänden. Längst breitet sich das Blutvergiessen auch in Tschad und in der Zentralafrikanischen Republik immer weiter aus.

Spielball. Hintergründe des Krieges in der Darfur-Region legt Historiker Prunier ebenso kenntnisreich dar wie wer wen aus politischen, wirtschaftlichen oder ideologischen Überlegungen unterstützt. Ein beeindruckendes Quellenverzeichnis und eine ausführliche Bibliografie machen das Buch unerlässlich für alle, die sich für einStück Zeitgeschichte interessieren, in dem «nur noch gestorben wird». Allerdings riskiert der Nicht-Fachspezialist angesichts der enorm verworrenen, verzwickten, verlogenen Lage die Übersicht zu verlieren. Auch kann er deshalb schlecht abschätzen, welche Fakten allenfalls ausgelassen worden sind.
Für den offen engagierten Autor Prunier hingegen gibt es keine Zweifel. Sein bitterböses Résumé, Tragödien wie die in Darfur seien eine Angelegenheit allenfalls noch für Menschenfreunde, gipfelt in der Aussage: «Der Westen scheint fest entschlossen zu sein, sich von Darfur nicht um seinen narkoseähnlichen Schlaf bringen zu lassen.»

(Spürnase: Urs Schmidlin)

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Karfreitag: Moslems und Christen beten gemeinsam in Hamburg

geschrieben von PI am in Allgemein | Kommentare sind deaktiviert

Trotz der in den Leitlinien „Klarheit und gute Nachbarschaft – Christen und Muslime in Deutschland“ [66] der evangelischen Kirche verankerten deutlichen Absage [67] gemeinsamer Amtshandlungen mit Muslimen, hat Karfreitag in Hamburg ein gemeinsames Gebet von Moslems und Christen stattgefunden.

Eine Delegation der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in St. Georg nahm als „Zeichen gegenseitiger Wertschätzung“ [68] am Freitagsgebet der Muslime in der Centrums Moschee teil.

Als ein Zeichen für Frieden und soziale Gerechtigkeit haben Christen und Muslime zusammen am Karfreitag gebetet. (…) Pastor Kay Kraack erklärte die Bedeutung des Karfreitags für die evangelischen Christen, später sagte er: „Das gemeinsame Gebet und die Aktion überhaupt sind ein großes Zeichen unserer gegenseitigen Wertschätzung.“ Es war das erste Mal, dass der Pastor vor dem Gebet der Muslime sprechen durfte. Zustande gekommen war dieser Besuch, weil Mitglieder seiner Gemeinde die Initiative ergriffen und den Kontakt zur Moschee hergestellt hatten. Tobias Laufs, der die Fürbitten in der Moschee sprechen durfte, war vom Freitagsgebet sehr ergriffen. „Es war wirklich unglaublich spannend und schön. Es war für uns eine Ehre, beim Gebet in der Moschee dabei sein zu dürfen.“

Es ist wirklich eine große Ehre, mit Leuten beten zu dürfen, deren Heiliges Buch [57], das nicht hinterfragt werden darf, die eigene Tötung vorschreibt [69]:

Und kämpft auf dem Weg Allahs gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. Wahrlich, Allah liebt nicht diejenigen, die übertreten. [2:190]

Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben; denn die Verführung (zum Unglauben) ist schlimmer als Töten. Und kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie aber gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen. [2:191]

Wenn sie aber aufhören, so ist Allah Allverzeihend, Barmherzig. [2:192]

Und kämpft gegen sie, bis es keine Verwirrung (mehr) gibt und die Religion Allah gehört. Wenn sie aber aufhören, so soll es keine Gewalttätigkeit geben außer gegen diejenigen, die Unrecht tun. [2:193]

Da haben die Christen sich sicher richtig gut gefühlt!

Nach dem Freitagsgebet folgten dann einige Muslime der Einladung des Pastors und seiner Gemeinde an der Kreuzigungsgruppe vor der Dreieinigkeitskirche eine Andacht abzuhalten.

Also die Christen unterwerfen sich in der Moschee, während die Moslems das Haus der Ungläubigen nicht zum Gebet betreten.

Der Orientalist Hans-Peter Raddatz schrieb zur unkritischen Distanz im Dialog mit den Muslimen im Hamburger Abendblatt am 08.01.2002:

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich eine Sonderform der Kommunikation gebildet, die sich „Dialog mit dem Islam“ nennt. Spezialisten der Kirchen, Politik, Universitäten, Wirtschaft sowie zahlreichen anderen Instituten finden hier ein stabiles Auskommen. Einzige Voraussetzung für garantierten Erfolg war bisher das unbeirrte Festhalten an einigen wenigen Dogmen: „Der Islam ist tolerant – Fundamentalismus ist nicht Islam – Islam bedeutet Frieden“. Dabei wird behauptet, dass es „den Islam“ auf Grund seiner Vielfalt eigentlich nicht gebe, „der Islam“ dennoch geradezu monolithisch tolerant sei.

Als die durch Osama bin Ladens Selbstmord-Terroristen gekaperten Flugzeuge in die Türme des World Trade Center einschlugen und Tausende Unschuldiger unter sich begruben, schienen die Ideen des Friedens und der Toleranz für einen Moment aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Nur wenige Tage nach dem 11. September bildete sich eine Solidaritätsfront für den islamistischen Zentralrat der Muslime, der den bislang favorisierten Islamistenkader der Milli Görüsh ablöste und nicht wenigen die Frage aufdrängte, wie auf diese Weise eigentlich die Mehrheitsinteressen der „gemäßigten Muslime“ zu Wort kommen sollten. Bundespräsident Johannes Rau, Innenminister Otto Schily, Kardinal Karl Lehmann, EKD-Präses Manfred Kock, sogar Paul Spiegel, der Zentralratspräsident der Juden in Deutschland, und viele andere rückten entschlossen zusammen und erneuerten das Dialog-Credo lauter als je zuvor: Kanzler Schröder brachte dieses Credo auf einen knappen Nenner: „Die Anschläge haben – das wissen wir – nichts, aber auch gar nichts mit Religion zu tun.“

Wirklich nicht? Wichtigste Vertreter des Islam scheinen da ganz anderer Meinung zu sein. Abgesehen davon, dass schon im Jahre 1996 die Religionsbehörde von Medina den Dialog mit Nichtmuslimen mit Glaubensabfall gleichsetzte, stellte M. Tantawi, Präsident der Azhar-Universität in Kairo, nach dem Anschlag fest, dass auch Fundamentalisten als Angehörige des Islam gälten, weil sie fest auf demBoden des Koran stünden. Zudem bestätigte Scheich Qaradhawi, Rechtsautorität am Golf, dass der Selbstmord im Einsatz für den Islam als verdienstvolles Verhalten einzustufen sei, das zum direkten Übergang ins Paradies berechtige. Der Kampf für die Interessen und die Ausbreitung des Islam (Dschihad) gehöre zu den vornehmsten Pflichten des Gläubigen, weil er einen Dienst an der Gemeinschaft darstelle, dem sich kein gläubiger Muslim entziehen könne. Mit den Wahrnehmungen des Dialogs von Frieden und Toleranz haben diese Feststellungen wenig zu tun.

Wie ist dann die erkennbare Kluft zwischen islamischer Wirklichkeit und dialogischer Wunschwelt zu deuten? Welcher Art von Vernunft folgen die Vertreter eines Dialogs, der offensichtlich so wenig Kenntnis vom realen Kontext und Selbstbild der Muslime nehmen will?

Ein Beispiel für die hier immer wieder zu beobachtende Vorgehensweise betrifft die Begründung für die zentrale Dialogfiktion der islamischen Toleranz. In monotoner Wiederholung werden hier im Wesentlichen drei Aspekte herangezogen:
1. Im Kalifat von Cordoba sei eine kulturelle Hochblüte im Zusammenleben von Muslimen, Christen und Juden erreicht worden.
2. Der Schutzvertrag für die christlich/jüdischen Minderheiten (Dhimma) habe diesen Toleranz und Eigenständigkeit gesichert.
3. Allein der koranische Satz, nach dem es „keinen Zwang im Glauben“ gebe (2/256), bestätige unzweifelhaft die Glaubensfreiheit und Toleranz im Islam.

Aussage 1 trifft in dem Sinne zu, dass einige wenige der andalusischen Kalifen – vornehmlich im 10. Jahrhundert – als tolerant gelten können, allerdings die „Tradition“ der Christenverfolgung nur entsprechend kurzfristig unterbrochen haben, die durch die nachfolgenden Almohaden aus Nordafrika umso brutaler aufgegriffen wurde.
Aussage 2 trifft in dem Sinne zu, dass Christen und Juden als „Schriftbesitzer“ eine Sonderbehandlung erfahren, indem sie nicht wie die Heiden sofort zu töten sind. Dies hinderte in der Geschichte nicht an zahlreichen Benachteiligungen und Repressalien, welche die Angehörigen beider Glaubensgemeinschaften drastisch reduzierten und sich bis in unsere Tage mit regelrechten Massakern an Christen in Sudan, Nigeria und Indonesien fortsetzten.
Aussage 3 trifft in dem Sinne zu, dass „kein Zwang im Glauben“ eine Aussage des Koran ist und daher nur für Muslime gilt, die ihren Glauben den Regeln ensprechend, das heißt „uneingeschränkt“, ausüben. Wer allerdings seinen Glauben verlassen will, riskiert im Islam sein Leben.

Der Kampf für die Ausbreitung des Islam gehört zu den vornehmsten Pflichten des Gläubigen, weil er einen Dienst an der Gemeinschaft darstellt.

Das Auffallende an dieser Art von „Argumentation“ ist die willkürliche Auswahl der „Beweise“ und ihre fehlende Verbindung mit der realen Geschichte sowie – und dies ist entscheidend – mit dem Selbstverständnis der Muslime. Diese leben aus ihrer Geschichte, die immer auch Heilsgeschichte ist. Der Koran und sein Verkünder Muhammad, das Wort Allahs und der durch ihn geforderte Dschihad, der Kampf gegen die Ungläubigen, sind ihnen unmittelbar gegenwärtig und vom Propheten selbst vorgelebt worden. Nicht zuletzt hatte dieser in den 20er-Jahren des 7. Jahrhunderts unbequeme Kritiker durch Auftragsmörder beseitigen und in einem beispiellosen Massenmord zwischen 700 und 900 Juden in Medina umbringen lassen. Da der Koran das unveränderbare Gesetz und Muhammad das unübersteigbare Vorbild der Muslime ist, bildet der Dschihad in diesem konkreten Sinne auch heute, wie Scheich Qaradhawi und viele seiner Kollegen weltweit nicht müde werden zu bestätigen, die unausweichliche Pflicht eines jeden Gläubigen.

Gerade diesen für die Diskussion in der deutschen Gesellschaft wesentlichen Aspekt blenden die führenden Dialogvertreter gezielt aus. Unlängst ließ die „Fachstelle Dialog“ der Deutschen Bischofskonferenz an alle Abgeordnete des Deutschen Bundestages eine Darstellung über „Islam und Gewalt“ verteilen, in der ein weiterer Stereotyp des Dialogs noch einmal ausführlich wiederholt wird. Es handelt sich hier um die seit Jahrzehnten tief eingeschliffene Floskel, derzufolge der Dschihad eine „Anstrengung im Glauben“ darstelle, womit allerdings – insbesondere in den Augen der Muslime – die Grenzen zum Absurden überschritten werden.

Nach den Koran-Kommentaren und der Tradition des Propheten (Hadith) bedeutet Dschihad in allererster Linie der Kampf gegen die Ungläubigen und damit für die Ausbreitung des Islam. Der Löwenanteil der Aussagen ruft zu Aggression und zum Teil zur Tötung der Nichtmuslime auf und behandelt vor allem Fragen der Beuteverteilung. Zur weiteren Verschleierung der Tatsachen zieht der Dialog die Unterscheidung zwischen dem „großen“ und dem „kleinen“ Dschihad heran, wobei Ersterer sich auf den islamisch-mystischen Sprachgebrauch im Sinne einer Anstrengung um die „Läuterung der Seele“ bezieht. Letzterer bedeutet den eigentlichen Kampf, der in unserer Zeit außer Gebrauch gekommen sein und im Grunde keine Rolle mehr spielen soll.

Es ist an der Zeit, die Kompetenz des Dialogs und der deutschen Islampolitik insgesamt eine genaueren Prüfung zu unterziehen. Hier ist interessant zu wissen, dass auch Sayyid Qutb, der von Nasser im Jahre 1956 hingerichtete Radikalmuslim und Vorbildgestalt der radikalen Muslimbruderschaft, den „großen Dschihad“ durchaus kennt und ihn als Läuterung der Seele im Sinne einer notwendigen, inneren Vorbereitung auf den kompromisslosen Kampf gegen die Ungläubigen fordert. Interessant ist dabei, dass es diese Muslimbrüder sind, die nun von den gesellschaftlich Verantwortlichen hofiert und gefördert werden. Denn nach dem Islamistenkader der türkischen Milli-Görüsh-Gemeinschaft ist es jetzt der „Zentralrat der Muslime in Deutschland“, der sich der besonderen Gunst des deutschen Islamdialogs erfreut. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die islamischen Organisationen in Deutschland weniger als ein Prozent aller in Deutschland lebenden Muslime vertreten. (…)

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