Ein Fußballstadion voller Helden

Ein paar Mitglieder einer als rechtsradikal geltenden Organisation, die sich „Nordsturm Hansestadt Bremen“ nennt, haben ein ganzes Stadion voller Werder Bremen-Fans glücklich gemacht. Beim Spiel gegen Bochum zeigten sie ein Spruchband und ermöglichten es den Werder-Fans, zu Tausenden „Zivilcourage“ zu zeigen und mit einmal Buh-Rufen eine Heldentat zu vollbringen, von der sie noch ihren Enkeln am Kaminfeuer erzählen werden.

Update: Die vom Platz geführten Rechten zeigten keine Reichskriegsflagge, sondern ein nicht strafbares Spruchbanner (siehe unten).

Der Kampf gegen Rechts™ ist gegenwärtig so beliebt, dass einmal „auf Wiedersehen“ rufen und winken genügt, um auf ewig als Held dazustehen. Der Kampf in der Masse zu Tausenden gegen ein kleines Häufchen von Rechts gibt einem ganzen Fußballstadion das Gefühl: Wir hätten es besser gemacht. Wir wären vor 70 Jahren die besseren Deutschen gewesen. Wir sind die aus den Schatten der Vergangenheit geläuterten guten Menschen.

Doch kommt die Hauptgefahr, gegen die man Zivilcourage zeigen müsste wirklich von Rechts? Gibt es nicht neue totalitäre Phänomene innerhalb und außerhalb Europas, die unsere Besorgnis wecken müssten? Gegen die wir mutig einstehen müssten, auch wenn wir dafür nicht das Lob von Tausenden erhalten und uns gegenseitig auf die Schultern klopfen können?

Auf Youtube gibt es ein Video über die Nazi-Austreibung:

Stellt man bei diesem Video den Ton aus und vergisst, dass es sich hierbei um Deutschland handelt, weckt der Anblick recht beunruhigende Assoziationen:

Ein Fußballstadion – eine riesige Menschenmenge mit geballten Fäusten – die von der Masse als schuldig Befundenen werden von der Polizei aufs Spielfeld geführt – gefesselt – die Szene ist aus. China? Iran? Afghanistan? Nein, Deutschland.

Update: Um Missverständnissen vorzubeugen: In diesem Betrag geht es nicht um Rechtsextreme in der Hauptperson. Die Hauptakteure sind die Menschen, die durch einmal Buh-Rufen zu Helden hochstilisiert werden. Es geht auch nicht darum, ob man Rechtsradikale vom Platz stellen soll, sondern WIE man es gemacht hat.

Unabhängig von Religion, Herkunft und Gesinnung sollten Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte für ALLE Menschen in Deutschland gelten.

Das gezeigte Banner – NSHB für Nordsturm Hansestadt Bremen. Natürlich mit Absicht so benannt, aber nicht strafbar.