Eine Antwort auf Peter Widmann

Peter Widmann mit Petra Pau (SED)Lieber Herr Widmann, Sie sind wissenschaftlicher Assistent am Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung und treten nun als Kritiker der Islamkritiker hervor, sind also quasi ein Islamkritikerkritiker. Kann es sein, dass Ihnen der ursprüngliche Forschungsgegenstand abhanden gekommen ist? Sie könnten ihn ohne viel Mühe beim „Islam“ wiederfinden, vor Ihrer Türe, in Berlin. Das geht aber nicht, weil Sie dann auch ein Islamkritiker wären.

Wir „nutzen“ keine „Debatten über den Islam“, sondern wir stoßen sie an und das werden wir auch weiterhin tun. Inwiefern wir „irrationale Feindbilder verbreiten“, das vermögen Sie nicht zu sagen, dabei hätten wir Ihre Argumente wirklich gerne gehört. Ich denke, wir arbeiten eher „empirisch“ denn „irrational“, weil wir in der Lage sind, unsere Schlussfolgerungen zu belegen. Dazu benutzen wir neben „populärwissenschaftlichen“ auch islamwissenschaftliche Werke sowie das Schrifttum des Islam (Koran, Hadithe, Mohammed-Biographie, Sharia-Texte und Fatawas). Wichtiger noch: Wir beobachten und dokumentieren, wie Muslime ihre Schriften auslegen und welche Taten daraus erwachsen.

Sie nennen PI eine antimuslimische „Hass-Seite“, doch auch hier können Sie nicht mit Beweisen aufwarten, was uns eine Antwort schwer macht, weil man auf bloße Behauptungen nicht argumentativ reagieren kann. Und im Übrigen sind wir nicht „antimuslimisch“, sondern „islamkritisch“ – so steht es auch in unserem Selbstbild, denn wir kritisieren den Islam, nicht den einzelnen Muslim. Und den „Hass“ überlassen wir gerne anderen.

Dass wir gelegentlich vor „Ressentiments“ nicht vollständig gefeit sind, liegt an dem Gegenstand, mit dem wir uns befassen. Vielleicht dürfen wir Ihnen das an einem Beispiel erläutern.

Nach einem Hadith von Sahih al Bukhari lässt Mohammed den Dieben seiner Kamele zuerst die Hände und Füße abschneiden, dann die Augen ausbrennen und wirft sie zum Schluss in eine Grube, wo sie verdursten. Obwohl tatsächlich nicht „alle Muslime“ an die Hadithe glauben, bilden sie doch im „Islam“ neben dem Koran die Basis für Sharia, das islamische Recht, und für Fiqh, die islamische Rechtslehre. Die wichtigsten Rechtsschulen sind sich hier einig. Besonders in solchen Fällen, wo der Koran keine hinreichende Auskunft gibt, werden Hadithe für islamische Rechtsentscheidungen herangezogen. So entstand das Todesurteil für Ehebruch durch Steinigung, die im aktuell gültigen Strafgesetzbuch der Islamischen Republik Iran festgeschrieben ist.

Nicht „alle Muslime“, aber ein erheblicher Teil, will die Sharia auch in Europa einführen. Dagegen wehren wir uns.

Ganz recht, das sind „Schreckbilder des Islam“, jedoch keine, die wir konstruieren; im Gegenteil: Sie sind sehr real. Wir zeigen sie bloß auf, weil nach unserer Meinung die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, von diesen Dingen zu erfahren.

Sie meinen, wir sähen

„den Islam“ als größte Menschheitsgefahr der Gegenwart

und Ihre Einschätzung ist nicht ganz falsch. Andere sehen die „Klimakatastrophe“ oder die „Finanzkrise“ als „größte Menschheitsgefahr der Gegenwart“. Wir wünschen uns, keiner möge recht haben und es gäbe gar keine „größte Menschheitsgefahr der Gegenwart“. In diesem Zusammenhang interessant: Auch die Muslime pflegen ihre Ängste und für sie ist der „Unglauben“ oder wahlweise auch der „Zionismus“ die „größte Menschheitsgefahr der Gegenwart“.

Einen „Generalverdacht gegen Muslime verbreiten“ wir durchaus nicht, weil wir sehr wohl differenzieren können. Uns ist jeder willkommen, der sich integriert und unsere Gesetze, Regeln und Wertvorstellungen achtet und übernimmt. Wir befürchten keinenfalls eine „Überfremdung“, weil wir sehen, wie viele ursprünglich Fremde hier heimisch werden und sich gut integrieren und zu einem Teil von uns werden. Nur bestimmte Gruppen bereiten immer wieder Probleme und deren gemeinsamer Nenner lautet „Islam“. Auch dies wiederum keine Behauptung, sondern ein empirischer Befund.

Ja, wir sind der Meinung, der

Islam sei schlechthin eine Gewaltideologie und so juden-, frauen-, homosexuellen- und demokratiefeindlich

und das werden wir demnächst mit den „Acht Säulen der politischen Islamkritik“ auf PI belegen.

„Alarmierend“ finden Sie die „Neuverteilung historischer Täter- und Opferrollen“. Damit meinen Sie offenbar: Wer Opfer ist und wer Täter, das wurde historisch festgelegt und darf nicht mehr verändert werden, egal was die Realität uns lehrt. Wer Opfer war, bleibt immer Opfer und wer Täter war, bleibt immer Täter. Weil die „Deutschen“ Täter waren und sind, können sie gar nicht „Opfer“ werden. Muslime können nicht „Täter“ werden, weil das die „Deutschen“ sind.

Wir finden: Dieses Denken ist falsch und es stellt eines der wichtigsten Hemmnisse dar, die einen unverstellten Blick auf den Islam verhindern.

Mit freundlichen Grüßen

PI

» widmann@zfa.kgw.tu-berlin.de

(Foto oben: Vortrag von Peter Widmann zum Thema „Ist der Begriff ‚Rasse‘ in deutschen Verfassungen noch zeitgemäß?“ am 24. September 2007 bei einem Kolloquium der Linkspartei in Potsdam; rechts: Petra Pau)