Iran: Anschlag auf Atomphysiker

Massud Mohammadi

In Teheran ist ein Professor der Physik bei einem gezielten Bombenanschlag getötet worden. Dem Geschrei der Steiniger nach zu urteilen, spielte Massud Mohammadi (Foto) eine nicht unwesentliche Rolle beim Bau der iranischen Atombombe. Bisher hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Das Regime beschuldigt Israel und die USA.

AFP berichtet:

Ein auf Atomenergie spezialisierter Universitätsprofessor ist in der iranischen Hauptstadt Teheran bei einem Bombenanschlag getötet worden. Der Teheraner Generalstaatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi erklärte, der Wissenschaftler Massud Mohammadi habe morgens in sein Auto steigen wollen, als ein in der Nähe abgestelltes Motorrad explodiert sei. Laut dem englischsprachigen iranischen Staatsfernsehen Press-TV wurde das mit Sprengstoff präparierte Motorrad ferngesteuert zur Explosion gebracht. Iranische Medien beschuldigten „Konterrevolutionäre“, Israel und die USA, hinter dem Attentat zu stecken.

Im Staatsfernsehen hieß es, der „revolutionäre Professor“ sei als „Märtyrer“ in einem von „Konterrevolutionären und Elementen der weltweiten Unterdrückung“ verübten Anschlag getötet worden. Die Art der Explosion deute möglicherweise auf eine Urheberschaft der oppositionellen Volksmudschahedin hin. Die Nachrichtenagentur Bora News nannte Mohammadi einen „ranghohen Atomwissenschaftler“.

Der Vorfall erinnert an einige bedauerliche Todesfälle irakischer Atomwissenschaftler, die ebenfalls in Verdacht standen, an einer Atombombe für Saddam Hussein zu arbeiten. Als das irakische Atomprogramm dennoch fortgesetzt wurde, sah sich Israel gezwungen, den irakischen Reaktor in Osirak mit einem spektakulären Luftangriff 1981 zu zerstören, nachdem der damals mit dem Irak verfeindete Iran bei demselben Versuch zuvor gescheitert war:

Am 30. September 1980 griffen iranische Kampfflugzeuge den Reaktor an, konnten diesen aber nicht hinreichend beschädigen. Deshalb starteten am 7. Juni 1981 um 15.55 Uhr acht F-16-Jagdbomber und als Jagdschutz fünf F-15 der israelischen Luftwaffe vom Stützpunkt Etzion auf dem Sinai, flogen rund 1.100 km über jordanisches und saudi-arabisches Grenzgebiet, und zerstörten gegen 17.30 Uhr den Reaktor. Die Piloten flogen ihre Maschinen auf dem Weg zum Ziel so dicht beieinander, dass sie auf dem Radar wie ein Großraumflugzeug wirkten, die Kampfpiloten täuschten den Bordfunkverkehr einer Passagiermaschine vor, indem sie arabisch sprachen.

Bei dem Angriff warfen die Jagdbomber 16 Bomben mit jeweils 1000 Kilogramm Gewicht ab, mit denen zunächst eine Öffnung in die Reaktorhülle gesprengt wurde. Durch diese Öffnung erzielten die nachfolgenden Flugzeuge Treffer im Reaktorinnern. Bei den Piloten, die den Abschluss der Angriffsformation bildeten, befand sich der spätere Raumfahrer Ilan Ramon. Er berichtete später von starker Rauchentwicklung aus dem Reaktorinnern sowie einer gewaltigen Explosion, die jedoch nicht zum Einsturz des Gebäudes führte. Bei diesem Angriff kam auch ein französischer Techniker ums Leben. In seinem Buch Der Mossad berichtet Victor Ostrovsky, dass dieser Techniker insgeheim für den israelischen Geheimdienst arbeitete und einen Zielsender dort deponiert hatte. Warum er dann die Anlage aber nicht verließ, konnte nicht geklärt werden.

In einer Stellungnahme der israelischen Regierung wurde, auch bezugnehmend auf die technische Zusammenarbeit Frankreichs und Italiens mit dem Irak, festgehalten: „Wir rufen sie noch einmal auf, von diesem erschreckenden und unmenschlichen Vorhaben abzusehen. Unter keinen Umständen werden wir einem Feind erlauben, Massenvernichtungswaffen gegen unser Volk zu entwickeln.“

Man kann davon ausgehen, dass diese Feststellung auch heute noch gültig ist.