Süddeutsche: Islamkritiker gleichen Islamisten

Thomas SteinfeldDem polemischen Artikel in der FAS von Claudius Seidl wollte die Süddeutsche nicht nachstehen und hat daher Thomas Steinfeld (Foto) beauftragt, auch mal etwas Negatives über Broders „Pamphlet“ (O-Ton Steinfeld) „Hurra, wir kapitulieren“ zu schreiben. Der stellt – frei nach dem Motto, dass das Opfer genauso schuldig ist wie der Täter – fest, dass der Schreiber mit der spitzen Feder ebenso schlimm ist wie der Mörder mit der scharfen Axt.

Steinfeld schreibt:

Wer mit den „westlichen Werten“ ebenso kämpferisch umgeht, wie es der radikale Islam mit seinen heiligen Schriften tut, wird selbst zum Fundamentalisten
(…)
Henryk M. Broder verfasst zwar nur Streitschriften, wenn er kämpft. Aber die Anhänger eines radikalen Islams sehen die Sache, wenn sie die Waffe in die Hand nehmen, im Prinzip ähnlich. Mit gutem Grund sprach Claudius Seidl, der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, am vergangenen Wochenende von „unseren heiligen Kriegern“. Denn zu den fatalen Folgen der nun schon mindestens ein Jahrzehnt währenden Auseinandersetzung um den wahren Charakter des Islams gehört, dass die Beschwörung der „westlichen Werte“ ihre eigenen Hassprediger hervorbringt.

So gleichen sich Täter und Opfer, und Broder wird zum Hassprediger. Er mag sich trösten, er ist nicht alleine. Necla Kelek leistet ihm Gesellschaft.

Es muss nur irgendetwas geschehen, ein missglücktes Attentat wie zu Anfang des Monats zum Beispiel, und schon geht die Debatte wieder los, mit immer den gleichen Argumenten – halt, nein, was da angeführt wird, sind schon lange keine Argumente mehr, sondern es sind Parolen: „Die Muslime müssen sich von der Scharia lösen, sie müssen den politischen Islam ächten und sich vorbehaltlos zur Bürgergesellschaft und (zu) deren Rechten und Pflichten bekennen“, sagte die Berliner Soziologin Necla Kelek in der vergangenen Woche. „Es gibt keinen anderen Weg, außer man setzt auf Konfrontation.“

„Irgendetwas…“ schwamm drüber. Dieses Theater, bloß weil einer einen anderen in Stücke hacken wollte! Muss das sein? Können wir da nicht diskret zur Tagesordnung übergehen?

Wer auf Toleranz beharrt, für den kann die Toleranz nicht aufhören, wenn ein anderer nicht tolerant sein will. Wer Freiheit fordert, muss mit der Freiheit zu Niedertracht und Habgier rechnen. Und wer sich der Gleichheit verschreibt, der darf nicht nach der Polizei rufen, wenn er auf individuelle Interessen stößt.

Mit anderen Worten: Wer Freiheit fordert, muss auch dem Mörder die Freiheit gestehen, ihn umzubringen und darf dann nicht etwa nach der Polizei rufen.

Wenn Necla Kelek fordert, die Muslime hätten sich von der Scharia zu lösen und den politischen Islam zu ächten, wenn Henryk M. Broder für eine offensive Verteidung der „freien Gesellschaft“ plädiert, dann steckt darin auch eine Vision für die Zukunft der islamischen Gesellschaften. Denn wenn der Islam als solcher verwerflich und vom Islamismus nicht zu trennen ist, wenn er also im Westen gar nichts zu suchen hat, dann muss ihm, falls diese Islamkritiker sich durchsetzen können, die Zwangsmodernisierung drohen.

Wir zwingen niemanden. Wer will, darf gerne im Mittelalter verharren. Aber er soll uns nicht zwingen, ihm zu folgen.

(Spürnase: Mister Maso)