Goil: Moped-Manni macht Frieden

Etwa 50 in die Jahre gekommene Mopedfahrer knatterten gestern unter Verbrennung wertvoller Rohstoffe zu höchst gefährlichem CO2 durch Köln. Mopedfahren für den Frieden – das ist nach Saufen für den Frieden wohl die zweitgeilste Idee, um dem urdeutschen Bedürfnis nachzukommen, irgendetwas nicht etwa nur zu tun, weil es Spaß macht, sondern jedes Tun durch einen weihevollen Zweck zu erhöhen.

Jedes Ding muss seinen Grund haben, diese feste Vermutung ist der letzte Überrest vom einstigen Volk der Denker und Dichter. Und so gehört auf jede deutsche Theke die Sammelbüchse für den guten Zweck. Wer aber gerne mit Wehrmachtshelm, viel Lärm und Gestank und einem Fahrzeug, dass an Kradmelder in Stalingrad erinnert,  durch die Stadt gurken will, befestigt daran einen blauen Luftballon mit Friedenstaube und streicht das Hakenkreuz auf der Kutte durch. Und schon wird aus dem harmlosen Spaß eine wichtige Angelegenheit mit höherem Sinn: Die Friedensfahrt der Motorradfahrer im Rahmen der Ostermärsche. Ein schon traditioneller Klamauk in Köln. 

Dass die ganze Sache nicht nur ein symbolischer Scherz ist, sondern eine ganz wichtige, erklärt zum Abschluss vor dem Kölner Dom ein Redner, dem man, wie allen Teilnehmern, ohne weiteres abnimmt, dass er von Anfang an dabei war. Mopedfahren scheint weder die Vermehrung anzuregen noch Menschen unter 50 sonderlich anzuziehen. Wenn heute die ursprünglich alles erdrückende atomare Bedrohung etwas abgenommen hat, so erklärt der Veteran, dann ist das „unser Erfolg – der Erfolg unseres Druckes von unten!“

Mit atomarer Bedrohung ist nun freilich nicht die durch asiatische Folterstaaten gemeint, durch die reale islamische Bombe in Pakistan, die angestrebte der Steiniger im Iran oder die der Gulagkommunisten in Nordkorea. Die wahre Gefahr für die Menschheit droht aus den USA, denn selbst wenn da jetzt der Friedensmessias persönlich mit tiefen Verbeugungen vor allen Halsabschneidern dieser Welt regiert, gibt es doch dort immer noch das Böse, das an der Ostküste wohnt und steife Hüte trägt. Darin waren sich ja bereits Joseph Goebbels und Ernst Thälmann einig.

Glücklicherweise haben die grausamen Ausbeuter auch dieses Ostern, dank des machtvollen Auftritts der Guten, die Welt nicht vernichtet. Und so sorgte nicht der befürchtete Atompilz für die fluchtartige Auflösung der Veranstaltung, sondern plötzlich einsetzender nasskalter Fallout aus einer konventionellen Regenwolke. Auch nicht ungefährlich, denn immer noch sterben jährlich mehr ältere Herrschaften an Lungenentzündung als an Atom.