Ich-will-Opfer-sein-Syndrom, um jeden Preis!

George CosbucGeorge Cosbuc wurde am 20. September 1866 in Hordou (jetzt Cosbuc) im Haus des griechisch-katholischen Pfarrers Sebastian Cosbuc geboren. Er verstarb am 9. Mai 1918 in Bukarest. George Cosbuc war Dichter, Übersetzer, Lehrer und Journalist und ab 1916 Mitglied der Rumänischen Akademie. Bis kurz vor der Geburt von Cosbuc wurde sein Land von Herrschern regiert, die vom imperialistischen osmanisch-islamischen Reich ernannt wurden, davor war es dem osmanisch-islamischen Reich tributpflichtig. Der osmanische Sultan war auch zugleich Kalif, also sowohl geistlicher als auch politischer Führer des islamisch-theokratischen Kolonialmacht Staatswesens.

Bereichert mit islamischer Kultur, schrieb Cosbuc das heute wie damals gültige Gedicht El-Zorab, über das „Ich-will-Opfer-sein-Syndrom, um jeden Preis!“:

EL-ZORAB von George Cosbuc
(Übersetzung aus dem Rumänischen)

Zum Pascha kommt ein Araber
Die Augen erloschen, die Stimme schwach
Ein Beduine bin ich, aus Bab-el-Mandeb komm ich her
Um zu verkaufen meinen EL-ZORAB

Jeder kommt geeilt aus seinem Zelt
Nur um meinen Hengst zu sehen
Wie ich ihn führe
Das Spiel der Zügel zu betrachten
Und wie galant im Trab er rennt

Ich liebe ihn mehr als mein Augenlichte selbst
Verkaufen würde ich ihn nicht einmal tot
Doch meine Kinder vor Hunger sterben
Ihre Münder sind verdorrt
Meines Weibes Milches Quelle ist erloschen
Und uns allen droht der Tod

Verloren sind wir, Pascha,
Und zwar alle.
Erbarme dich unserer voller Gnade
Kaufe meinen Hengst, denn ich bin arm
Gebe mir Geld soviel du kannst
Wenn Du gefallen an ihm findest
Gebe mir so viel Du magst

Er führt den Hengst in grossen Kreisen
Im schnellen Trab und langsam schreitend
Des Paschas Augen vor Entzückung glänzen
Über seinem Barte streichelnd
Mit leerer Seele bleibt er stumm

Ein Tausend Dinar sollst du haben !
Nimmst du an ?

Gewiss mein Herr, welch Güte!
Mehr als ich je zu träumen wagte
Gott soll Dich dafür behüten
Oh du guter Mann !

Mit grossen Augen nimmt er dann das Gold in seinen Händen

Gerettet sind wir von nun an und reich !
Das Leben im Zelte ist beendet !
Das Betteln ist vorbei !
Jetzt werden wir den Armen helfen
Ihnen milde Gaben schenken !

Im schnellen Schritt geht er davon
Vor Glücke fast von Sinnen
Betrachtet er das Geld in seiner Hand
Doch Gedanken gehen durch seinen Kopf
Und wie erstarrt da hält er inne

Mit gesenktem Haupte zitternd
Langsam schreitet er zurück
In die Augen des Pferdes blickend
Das Weinen kaum noch unterdrückt
Umarmt er dessen schönen Hals
Vergräbt das Antlitz in der Mähne
Und wimmert leise vor sich hin

Du Sohn der Löwen
Meines Lebens Sinn
Weißt du, dass ich dich verkaufe ?

Meine Kinder werden nicht mehr mit deiner Mähne spielen
Dich lachend dann zum Flusse bringen
Dir voller Entzücken Datteln aus den Händen geben
Zu mir mit ausgestreckten Händen rennen
Damit ich sie auf deinen Rücken
In den Sattel setzen kann

Was soll ich meinen Kindern sagen,
Meinem Weib, wenn sie nach EL-ZORAB fragen wird?
Alle Araber werden lachen
Über den armen Ben-Ardun

Auch mein Weib Raira
Wird ihren EL-ZORAB nicht mehr erblicken
Der auf ihr Befehl in die Knie knickte
Um sie zu lassen in den Sattel

Mich, Ardun, Dein Ben-Ardun
Wirst du nicht mehr tragen Stund für Stund
Von einem Ort zum anderen in Blitzes Schnelle
So schnell wie nur der Wind es kann
Niemand wird mehr lächeln
Wenn er mich auf deinem Rücke sieht
Oder meine Ankunft spüren
Indem er sein Ohr zum Boden führt

Oh du mein Pferd, mein ganzer Stolz
Von jetzt an werde ich dich nicht mehr sehen
Dein Spiel der Zügel, deine Kraft dein Stolz
Dein Galopp so wie ein Donner
Wie ein Gewitter, das über die Wüste tobt

Und wessen wirst du nun jetzt sein ?
Wem sollst du nun gehören ?

Wer wird dich vor Wind und Regen hüten ?

Schlagen werden sie dich mit ihren Ruten
Hungern wirst du und sie werden dich beschimpfen
Selbst in den Krieg wirst du mit ihnen ziehen

Damit du mit ihnen umkommst werde ich dich nicht verkaufen !

Pascha gebe mir mein Pferd zurück !

Was soll ich tun ? Guter Mann bist du von Sinnen ?
Was für unverschämte Worte kommen denn aus deinem Munde?
Hüte deine Zunge gut
Sonst verfüttere ich dich an meine Hunde !
Das Pferd das ist jetzt meins !

Deines mein Herr wird er niemals sein !
Ich habe ihn aufgezogen er ist mein
Nur ich kann ihn bändigen
Aus einem Löwen mache nur ich ein Lamm !
Auf mein Wort gehorcht er dann
Er gehört nur mir, nur mir allein !
Gott soll dafür hier mein Zeuge sein
Mein Herr du kannst bessere Pferde haben
Aber für mich gibt es keine anderen
Nur diesen einen „EL-ZORAB“ !

Oh Gott im Himmel, Allah, hier
Dein ganzes Mitleid schicke mir
Und richte zwischen mir und ihm !

Der Pascha gibt ein Zeichen geschwind:
Reisst ihm die Kleider vom Leib und peitscht ihn aus !

Die Diener kommen aus den Zelten raus
Um ihn zu strafen, wie ein Kind

Des Arabers Augen sind vor Leid erstarrt
Aus seiner Tasche zieht er dann ein Dolch hervor
Ein Meer aus Blut, eine wahre Quelle
Strömt aus des Pferdes Halses blitzesschnelle
Und erfüllt den ganzen Ort

Des Paschas Augen sind erloschen
Die Diener ziehen sich vor Schreck zurück
Der Araber auf dem Boden kniend
Küsst er dann das warme Blut

Dann steht er auf
Er wirft die Klinge fort
Und voller Reue sagt er dann sein letztes Wort

Meine Kinder werden Rache üben !
Und wie es vorhin kam aus deinem eigenen Munde
Verfüttere mich nun an deine Hunde !

(Gastbeitrag von Daniel Katz, Middle-East-Info.org)