Der Mann, der bei Stasi IM Wagner war

Der Mann, der bei der Stasi IM Wagner war, ist derselbe, der bei BILD Hans Esser war. Oder anderswo der arme Türke Ali. Der Verkleidungsschriftsteller Günter Wallraff. Nur dass über die Ergebnisse des investigativen Journalismus zu den eigenen Machenschaften öffentlich geredet wird, hat der alte Stalinist bisher durch die Gerichte des Klassenfeindes verbieten lassen. Jetzt haben Historiker Dokumente des dänischen Geheimdienstes gesichtet, die den Berufsdenunzianten der Falschaussage vor Gericht überführen könnten.

Das ZDF berichtet:

Historikern ist es gelungen, aus Geheimdienstakten über ein Treffen von Günter Wallraff mit einem Journalisten aus Ostdeutschland, der für die Stasi Instrukteur „Friedhelm“ war, zu zitieren. Wallraff hatte ein Treffen zu zweit vor Gericht bestritten.

Noch nie hat ein westeuropäischer Geheimdienst einen Teil seines Archivs für Historiker geöffnet. Wissenschaftlern der Süddänischen Universität ist es erstmals gelungen, aus Protokollen zu Günter Wallraff aus den siebziger Jahren zu zitieren. Der Geheimdienst hatte Wallraff 1971 auf einer Kopenhagen-Reise auf Schritt und Tritt observiert und minutiös festgehalten, wie sein Treffen mit einem Journalisten aus Rostock, der für die Stasi-Instrukteur „Friedhelm“ war, verlief.

Nach Recherchen des ZDF heute-journals stellen sich durch die Geheimdienstbeobachtungen neue Fragen zu Wallraffs Kontakten mit mutmaßlichen Stasi-Mitarbeitern. Wallraff hatte 2006 vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Recht bekommen, er dürfe nicht als „Stasi-IM“ bezeichnet werden. Zwar war Wallraff bei der Stasi als „IM Wagner“ registriert, aber es könne ihm nicht nachgewiesen werden, dass er „wissentlich und willentlich“ mit der Stasi kooperierte, so die Begründung des Gerichts.

Die Richter konnten damals nicht einwandfrei feststellen, ob sich Wallraff in Kopenhagen 1971 konspirativ mit „IM Friedhelm“ getroffen hatte, oder, wie Wallraff vor Gericht aussagte, mit zwei weiteren Personen. Aus den jetzt aufgetauchten Geheimdienstunterlagen geht hervor, das Treffen fand zu zweit statt. Hätten die Richter mit dem Wissen von diesen dänischen Beobachtungen 2006 anders geurteilt?

Zum Hintergrund: Stasi-Instrukteur „Friedhelm“ wurde auf der Rückreise von Kopenhagen über Hamburg vom BKA festgenommen. Der Mann war mit falschen Ausweispapieren unterwegs. In seinen Unterlagen hatte er unter anderem ein Schreiben dabei, das an Wallraff gerichtet war. Darin bietet ein Student an, einen informellen Kontakt in die Umgebung des damaligen Verteidigungsministers Helmut Schmidt herzustellen. Wallraff hatte bislang immer betont, dass er „naiv und leichtfertig“ im Umgang mit der Stasi war. Ein IM-Spitzel sei er aber niemals gewesen.

Natürlich muss die Ikone des deutschen Qualitäts- und Stasijournalismus auch seine Meinung zu Thilo Sarrazin abgeben:

Wann macht Ihr Kommunistengreise endlich Platz für frischen Wind in Deutschland? Irgendwann muss Erich Mielkes Verrätergeld doch abgearbeitet sein? Wir sind euch so leid.

(Spürnasen: TS, Steve L.)