Schulprojekt von Wirklichkeit eingeholt

In Weimar endete am Freitag ein schulübergreifender Projekttag mit dem sinnigen Thema „Aufklärung“ in einer Massenschlägerei. „Meine, Deine, unsere Kultur“ lautete das Motto der Veranstaltung und der Einbruch der gesellschaftlichen Wirklichkeit in die Welt der multikulturellen Vorurteile hätte Anlass geben können, das eben Gelernte kritisch zu hinterfragen.

PI musste schon gründlich recherchieren, um dem Hinweis eines Lesers nachzugehen. Die überregionale Presse schweigt zu dem Ereignis ebenso wie der sonst akribische Polizeibericht, der sogar Ordnungswidrigkeiten wie das Fahren ohne Sicherheitsgurt einer Meldung für Wert befindet. Endlich fand sich eine Meldung auf der Homepage einer der am Projekt beteiligten Schulen:

Nach einen spannenden und interresanten Projekt Tag mit unterschiedlichen Workshops gab es am Abend eine Abschluss Party im Mon ami in Weimar. Mit dem Button, dem man am Projekt Tag bekam konnte man zur Party kommen. Ab 20:00 Uhr konnten die Schüler im Mon ami ihren Spaß bei lauter Musik von verschieden Bands haben. Diese Party wurde, wie der ganze Projekt von Schülern der 11-12 Klassen, verschiedener Schulen organisiert. Doch dieser Abend sollte nicht so schön enden wie er angefangen hatte. Gegen 22:50 Uhr bekamen die Mitglieder des SÜP-Teams von Schülern eine erschreckende Nachricht. Vor dem Mon ami waren Flaschen geflogen und nach einigen Wortwechseln hatte sich eine Schlägerei entwickelt. Die herbei gerufene Polizei sowie Mitarbeiter des Verhandlungsteams der Stadt, konnten ihrer Meinung nach den Streit schnell klären. Darauf hin rückte die Polizei wieder ab. Etwa 20 Minuten später kam es erneut zu heftigen Wortwechseln. Diesmal sollte es aber nicht so glimpflich ablaufen wie beim letzten mal. Schnell entwickelte sich eine Massenschlägerei. Diesmal versuchte die Menge sogar ins Mon ami vor zu dringen. Glücklicherweise konnte sie daran gehindert werden. Die von vielen Augenzeugen herbei gerufene Polizei kam mit einem groß aufgebot. Da es auch mehrere Verletzte gab, rückten darauf auch Rettungswagen an. Selbst Beamte der Polizei Weimar wurden von den Randalieren attakiert. Nachdem die Situation einigermaßen unter Kontrolle war, beschlossen die Mitarbeiter des Schulübergreifenden Projektes die Party abzubrechen. Daraufhin wurde das Mon ami geräumt. Unter Aufsicht der Polizei trennt sich die Menschen Massen. Die Enttäuschung über den Ausgang des Abends, der so schön angefangen hatte, war sehr groß.

Es war also doch etwas vorgefallen – aber warum das große Schweigen bei allen anderen? Nach unseren Informationen war es um die Auseinandersetzung mit jugendlichen Gangs mit sogenanntem Migrationshintergrund gegangen. Ausgerechnet die Schule, die soeben einen Projekttag zum Thema Aufklärung und multikulturelles Zusammenleben abgehalten hatte, bemüht sich offenbar in dieser Meldung, gerade nicht über den multikulturellen Zusammenhang der Ereignisse aufzuklären, sondern diese zu verheimlichen.

In der Tat – schlussendlich wurden wir in der Ostthüringischen Zeitung fündig. Unser Informant hatte wahrheitsgemäß berichtet – die aufklärerische Schule als auch Polizei und übrige Presse nach Kräften vertuscht und verschwiegen. Kritik am Wegschauen bei männlich dominierter Gewalt von jugendlichen Migrantenbanden äußert in der Lokalzeitung die Sozialarbeiterin Kathrin Schuchardt:

Nach ihrer Einschätzung sei die Straßenarbeit mit Jugendlichen in Weimar nahezu zum Erliegen gekommen. Zudem ermögliche ein kollektives Wegschauen männlich dominierten Gruppen Heranwachsender, sich zeitweise als die Bestimmer im öffentlichen Raum aufzuspielen. „Die Lage ist nicht nur bedrohlich, sie ist gefährlich.“

Die Massenschlägerei vor dem Mon Ami, bei der 15 Personen teils erheblich verletzt worden waren, betrachtet Schuchardt als Beweis ihrer These. Und sie hält das Ereignis für keinen Zufall. Dass es über kurz oder lang krachen würde an einem der Plätze in der Innenstadt, an denen abends und an Wochenenden bestimmte Gangs die Hoheit übernehmen, sei absehbar gewesen. Eine Ansicht, die auch von Mitarbeitern des Mon Ami geteilt wird.

Schuchardt selbst kennt die Szenen aus dem Eff-Eff, sie hat sich hinreichend Tage und Nächte auf den Straßen um die Ohren geschlagen, um behaupten zu können, Weimar „von unten“ zu kennen. Als eine der engagiertesten Demokratinnen wäre sie die Letzte, die die Prügelei als reines Migrantenproblem hinstellen würde. Vielmehr sieht sie es als einen Ausdruck männlichen Dominanzverhaltens auf einer Stufe mit den Ausschreitungen von Rechts und den Provokationen der Motorradrocker: Ein Problem von Jungs, die auf dicke Hose machen.

Die Gang, die am Freitag Zoff stiftete, als im Mon Ami 400 Teilnehmer des schulübergreifenden Projekttags ihre Abschlussparty feierten, sei schlicht auf Gewalt aus gewesen, schätzt Mario Lange ein. Lange war als ehrenamtlicher Deeskalationstrainer vom Bürgerbündnis gegen Rechts (BgR) gebeten worden, die Party zu begleiten. Seinen Beobachtungen zufolge hätten sich die aggressivsten Mitglieder der Gang nicht einmal durch ihre eigenen Wortführer zurückhalten lassen. Dass die Polizei den Einsatzort nach ihrem ersten Anrücken wieder verließ, um Verstärkung anzufordern, warf bei den Betroffenen ebenfalls Fragen auf.

Drei Tage nach der Prügelei herrscht Ratlosigkeit. Stadt, Polizei und Kriminalpräventiver Rat sind noch mit der Auswertung befasst.

Die Polizei in Weimar bestätigte auf Anfrage, dass man über den Vorfall nicht berichtet habe. Für eine nähere Erklärung habe man aber gerade keine Zeit. Möglicherweise hat der Pressesprecher auch kürzlich an einem Seminar über „Aufklärung“ teilgenommen…

(Spürnase: Klausklever, Foto: TeilnehmerInnen des Projekttages)