Beleidigung des Islams wegen Konvertierung

Ashraf ThabetBeleidigung ist eine Straftat, die in Deutschland gemäß § 185 StGB mit Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe geahndet wird. Wörtlich heißt es: „Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Aber wen kann man beleidigen?

(Von Eckhardt Kiwitt, Freising, PI-Gruppe München)

Wahrscheinlich nur einen anderen Menschen, seinen Nachbarn zum Beispiel oder einen Politiker, einen Journalisten usw. Oder wäre es denkbar, dass man den Hund des Nachbarn beleidigt, oder die Pflanzen in seinem Wohnzimmer? Könnte man die Rinder oder die Schweine eines benachbarten Landwirts beleidigen und würden diese sich dann auch beleidigt fühlen?

Könnte man bei uns das Christentum, das Judentum, den Islam, die Demokratie, den Sozialismus, den Kommunismus oder dergleichen „beleidigen“?

In Ägypten – wie auch in so manchen anderen islamischen Staaten – kann man „den Islam“ beleidigen, wie uns dieser Bericht auf Kath.net darlegt:

Ashraf Thabet, ein ehemaliger Muslim aus Ägypten, zahlt für seinen Glauben an Jesus Christus einen hohen Preis. Seine Frau hat sich von ihm getrennt und die gemeinsamen Kinder mitgenommen. Nun fürchtet der 45-Jährige aus dem oberägyptischen Port Said, für Jahre ins Gefängnis zu müssen. Denn er ist angeklagt, den Islam beleidigt zu haben. Bei einem Schuldspruch drohen Thabet bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Fühlt sich also „der Islam“ in Ägypten nun „beleidigt“ und hat deshalb Anzeige erstattet? Nein, es können nur Muslime sein, die sich durch den Übertritt des Ashraf Thabet (Foto oben) zum Christentum „beleidigt“ fühlen bzw. es ist die ägyptische Justiz, die das so sieht.

Würde ein Christ in Deutschland zum Islam konvertieren, stellt sich die Frage: Würde er damit dann das Christentum „beleidigen“? Würde ein Atheist in Deutschland, der sich entschließen sollte, Moslem zu werden, den Atheismus beleidigen? Würde ein Demokrat, der sich einer extremistischen Partei anschließt, die Demokratie beleidigen? Welche rechtlichen Möglichkeiten hätte das Christentum, der Atheismus oder die Demokratie in Deutschland, darauf mit Rechtsmitteln zu reagieren?