Teuffel „hört“ den Heiland vom Islam reden

Jochen TeuffelWenn ein Pfarrer sagt, „man solle doch einmal dem Heiland“ zuhören, klingt das schon sehr nach deus dixit, zumal es sich bei Dr. Jochen Teuffel (Foto) um einen Lutheraner-Dogmatiker handelt – also jener Fraktion, die meist glaubt, alles über Paulus besser zu wissen als Paulus selbst, über Jesus sowieso. Ein typischer deutscher Nachkriegstheologe also, der sich so sehr in seiner schuldbewussten Kreuzestheologie ergötzt, dass er die Deutschen am liebsten selbst ans Kreuz nageln und vom der Last des Islam zu Tode toleriert sehen möchte – der Lohn dafür wird ein jenseitiges Himmelreich sein.

Teuffel glaubt:

Das Christentum in Europa hat ein existentielles Problem. Es ist nicht etwa die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft oder deren vermeintliche Islamisierung. Die Existenzbedrohung besteht vielmehr darin, dass dem eigenen Namensgeber mit seiner Botschaft und seinem Werk nicht wirklich geglaubt wird.

Selbstverständlich weiß Teuffel auch genau, was stattdessen „richtig“ geglaubt werden müsste:

Der stellvertretenden Lebenshingabe des Gottessohnes ist menschlicherseits nichts hinzuzufügen. Was für Christen zu tun bleibt, ist die gottesdienstliche Feier des Pascha-Mysteriums Christi, das missionarische Namenszeugnis sowie der Dienst am fremden Nächsten. Im Übrigen gilt Toleranz, was nichts anderes heißt, als „Zuwiderliches“ zu ertragen, weil man es weder abwenden noch ignorieren oder gar für sich akzeptieren kann. …

Am Kreuz Christi manifestiert sich diese passionierte Toleranz handgreiflich – im wahrsten Sinne des Wortes. Folgerichtig schärft Jesus seinen Jüngern die Nachfolge im Martyrium mit den Worten ein: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

Zu Deutsch: Lasst euch Opfern, liebe Christen, und akzeptiert vom Islam erdrückt zu werden, dann wird euch eure Schuld vergeben – als Deutsche habt ihr eh nichts anderes verdient. Die eigene christliche Religion als „voraufklärerische Leitkultur“ retten zu wollen, nennt Pfarrer Teuffel einen „menschenmächtigen Religionsanspruch“, an dessen Stelle eine „kruziforme Toleranz“ – sprich willige Gesinnungsdiktatur konforme Selbstaufgabe treten müsste – hier beweist Teuffel einen bei Lutheranern leider oft zu beobachtenden Hang zur Obrigkeitshörigkeit.

Christen haben nichts zu verlieren, was nicht schon längst in Christus gewonnen ist. Was am Kreuz vollbracht ist, der Sieg über Sünde und Tod, wird dem biblischen Zeugnis zufolge am Ende der Weltzeit in der Wiederkunft Christi allumfassend geltend gemacht. Wer dieser Zusage glaubt, für den ist die eigene Toleranz eben kein resignatives Sichabfinden mit einer pluralistischen Schicksalsgemeinschaft. Im Glauben an das „Es ist vollbracht!“ entgehen Christen vielmehr einer bürgerlichen Identitätsfalle, wo sich eigene Lebens- beziehungsweise Todesangst in gesellschaftlichen Untergangsprophetien – „Deutschland schafft sich ab“ – zur Sprache bringt. Stattdessen hat das Zeugnis des Apostels Paulus das letzte Wort: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“ (Römer 8,38f).

Das Zitat aus Römer 8 ist ein typisches Beispiel dafür, wie ein trostvoller biblischer Text heillos vergewaltigt werden kann. Die Zusage des Paulus ist kein Aufruf zur identitätslosen Leidensüberlegenheit, sondern vieleher ein Zuspruch an die verfolgten Christen (zu denen der von der F.A.Z. hoffierte Teuffel kaum gehört), sich durch die Widrigkeiten der Welt nicht schrecken zu lassen. Wenn Pfarrer Teuffel das nächste Mal den „Heiland von Islam reden hört“, wäre ihm empfohlen einmal das Neue Testament gründlich zu lesen. Grenzenlose Toleranz? Jesus ein Fan des Gutmenschen-Mainstreams?

Setzt alles daran, durch die enge Tür (nicht-Mainstream) einzutreten! Denn viele, sage ich euch, werden es versuchen, und es wird ihnen nicht gelingen. Wenn sich der Hausherr erhoben und die Tür verschlossen hat und ihr noch draußen steht und erst dann anfangt, an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, öffne uns!, wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid! Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben doch vor deinen Augen gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Und er wird zu euch sagen: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, all ihr Übeltäter! Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr dann seht, wie Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten (Israels!) im Reich Gottes sind, ihr aber hinausgeworfen werdet. (Lukas 13,24-28)

Mene mene tekel u-parsin…