Katholische Kirche: Mehr Austritte als Taufen

Die Entchristianisierung Deutschlands hat sich im vergangenen Jahr weiter beschleunigt. Erstmals vermeldete die Katholische Kirche für die Bundesrepublik, dass die Zahl der Kirchenaustritte die der Taufen überschritten hat. D.h. in 2010 kehrten 181.193 Katholiken der Kirche den Rücken, während lediglich 170.000 Menschen katholisch getauft wurden. Auch wenn immerhin 11.000 Menschen gleichzeitig in die Katholische Kirche eintraten, täuscht das nicht darüber hinweg, dass die Zahl der Kirchenmitglieder deutlich von 24,9 Millionen auf 24,6 Millionen sank. Schließlich muss man berücksichtigen, dass zusätzlich noch rund 253.000 Katholiken gestorben sind.

(Von Thorsten M.)

Damit beträgt der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung Deutschlands mit 30,2% vermutlich letztmals über 30%. Die Zahl der katholischen Priester unterschritt dagegen bereits letztes Jahr eine magische Marke, nämlich die der 10.000: So waren in 2010 noch 9.857 Pfarrer im katholischem Kirchendienst.

Die Reaktionen auf diese Entwicklung sind erwartungsgemäß sehr unterschiedlich. Eher linksgestrickte Reformer, wie Christian Weisner von der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“, sehen das Heil in einem Kniefall vor dem Zeitgeist. Die Kirche müsse Scheidung, Wiederverheiratung und alleinerziehenden Eltern gegenüber „endlich dialogfähig“ werden.

Die römische Kirche dagegen sieht die Lage aus ihrem globalen Blickwinkel wesentlich entspannter. Wie z.B. Kardinal Walter Kasper (Foto) am Samstag der Schwäbischen Zeitung gegenüber einräumte, gehe in Deutschland zwar die Zeit der Volkskirche zu Ende. „Wir kommen in eine Missionssituation.“ „Davor brauche man nicht unbedingt Angst zu haben, sagte er weiter. Wenn nämlich aus der Volkskirche eine wache, kreative, kleinere Kirche entstehe mit Menschen, die sich bewusst für sie entschieden haben, dann sehe ich das gar nicht schwarz.“ Hinzu kommt, dass der Entchristianisierung Deutschlands doch ein deutlicher Zuwachs in anderen Weltregionen gegenüber stehe, wie z.B. in Lateinamerika, dem südlichen Afrika oder auch Asien.

Sollte sich dieses Gesamtsaldo von etwa 253.000 Abgängen pro Jahr auch nur weiterhin verfestigen, während ebenfalls der Zuwachs der Muslime in Deutschland mit über 100.000 im Jahresdurchschnitt seit 1972 stabil bleibt, dürften Katholiken und Muslime spätestens im Jahr 2060 zahlenmäßig gleichgezogen haben. Aufgrund der in den nächsten 30 Jahren stark steigenden Sterbeüberhänge der Biodeutschen ist gleichwohl wesentlich früher mit dieser historisch bedeutenden Wendemarke zu rechnen.

Man darf gespannt sein, ob sich Kardinal Kasper bei der angekündigten Missionierung in Deutschland auch an die Muslime heranwagen wird.