Bundeswehr: SPD will Kopf von Chefredakteur

In der Bundeswehr ist durch den tragischen Unglücksfall auf der Gorch Fock, bei dem im vergangenen November die Offiziersanwärterin Sarah Lena S. ums Leben kam, eine lebhafte Diskussion in Gang gekommen. Kameraden sprechen dabei in allen Truppenteilen, sobald sie unter sich sind, offen darüber, dass Frauen vielleicht doch nicht so gut zum Militärdienst geeignet sind, wie das die Gleichstellungsbeauftragten dieser Republik gerne hätten.

(Von Thorsten M.)

Spätestens seit Erik Lehnert im Fachmagazin „MarineForum“ dies sehr ausführlich darlegte, ist der Geist endgültig aus der Flasche. Nun hat – wie schon Kewil berichtete – auch der neue Chefredakteur der Studentenzeitung „Campus“ an der Bundeswehr-Universität in München, Martin Böcker, nachgezogen. Schon im Editorial der ersten von ihm verantworteten Ausgabe kündigte der Oberleutnant eine klare Linie an: Die Redaktion werde den Schutz der Pressefreiheit „schamlos ausnutzen“.

Und es blieb nicht nur bei der Drohung. Plötzlich sind in der bisher unauffälligen Studentenzeitung Sätze zu lesen wie „Frauen als Kämpfer einzusetzen, bedeutet einen strukturellen Kampfwertverlust“. Oder es spreche zudem vieles dafür, „dass die Abnahme von Disziplin und innerem Zusammenhalt bei geschlechtlich gemischten Einheiten mehr als ein Allgemeinplatz“ sei. Auch von einer „Verweichlichung von Ton und Stil“ in der Truppe ist die Rede. Dass dann zu allem Überfluss auch noch eine Werbeanzeige des rechts-konservativen Instituts für Staatspolitik (IfS) veröffentlicht wurde, brachte sicher das Fass zum überlaufen.

Peter Paul GantzerNun forderte der an der Bundeswehr-Uni tätige Honorarprofessor Peter Paul Gantzer (Foto l.), der gleichzeitig für die SPD als Vizepräsident im bayerischen Landtag sitzt, Konsequenzen. Der Verteidigungsminister müsse disziplinarrechtlich einschreiten, wenn die Truppe sich verselbständigt und bestreitet, dass die Erde eine Scheibe sei.

Wenn das nicht helfen sollte, können wir uns ganz sicher darauf verlassen, dass der Studentische Konvent, der für die Berufung Böckers zum Chefredakteur verantwortlich ist, die Reißleine ziehen wird. Zu kleinen Stauffenbergs mit einem Ehrbegriff, für den man zur Not auch mit dem Leben einsteht, werden unsere wohlstandsverhätschelten Offiziersanwärter nämlich nicht mehr er- und gezogen. Viel wichtiger ist für einen Soldaten und das Land schließlich – wie Gantzer meint – aus der Armee eine liberal-demokratische Einrichtung zu machen. Nachdem man in manchen Truppenteilen schon vor über 20 Jahren begonnen hat Befehle auszudiskutieren, schien man diesem Ziel doch eigentlich schon ganz nah.

Vermutlich wird dem in seinem Selbstverständnis „katholisch-konservativen Offizier“ Martin Böcker (Foto l.), der schon für die Junge Freiheit geschrieben hat, auch nicht helfen, dass die Anwürfe gegen ihn nachweislich aus dem linksextremen Spektrum kommen und das Institut für Staatspolitik NICHT vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Schließlich reicht es schon, wenn letzteres in seiner Publikation „Sezession“ äußert, dass es von Verantwortungslosigkeit zeuge, „wenn es sich die führenden Köpfe unseres Landes noch immer verbieten, rechts von der Mitte Ausschau nach Lösungswegen aus der Volkskrise zu suchen“.

Stellt sich zum Schluss noch die Frage, was wirklich frauenfeindlich ist: Männer und Frauen in allen Lebensbereichen – selbst dort wo es keinen Sinn macht – in eine Wettbewerbssituation zu befördern? – Oder ehrlich zu erkennen, wo einfach die Teamleistung nicht mehr stimmt, wenn man zwischengeschlechtliche Probleme und geschlechtstypische körperliche oder mentale Schwächen in eine Mannschaft holt. Manchmal ist eine Kette eben doch nur so stark, wie ihr schwächstes Glied.

Übrigens hat man noch niemanden gehört, der sich ernsthaft darüber beschwert hätte, dass im Sport Frauen nicht in Männermannschaften mitspielen dürfen. Das sollte uns zu denken geben.

Kontakt:

» Studentischer Konvent: studentischer.konvent@unibw.de
» Peter Paul Gantzer (MdL): lukas.graf@gantzer.de

Medienberichte zum Thema:

» Sezession: Interview mit Oberleutnant Martin Böcker
» Spiegel: Bundeswehr-Uni fürchtet Unterwanderung von rechtsaußen
» Blaue Narzisse: Chronik des Skandals um „Campus“
» WELT: Rechter Chefredakteur entzweit den Lehrkörper