‚Gastarbeiter kamen unmittelbar nach dem Krieg‘

Bilkay ÖneyBilkay Öney (Foto) ist Ministerin für Integration im Kabinett Kretschmann in Baden-Württemberg. Im Zuge der allgemeinen Lobhudelei für das vor 50 Jahren abgeschlossene Deutsch–Türkische Anwerbeabkommen mit gegenseitigem Schulterklopfen, natürlich nur Türken, Türkenfreunde, Politiker und sonstige Gutmenschen, hat Öney Deutsche Welle TV ein Interview gegeben (siehe Video am Ende dieses Beitrags).

(Von felixhenn)

Ab ca. 1:30 min. wird es interessant:

„Die Gastarbeiter kamen unmittelbar nach dem Krieg, als Deutschland buchstäblich am Boden zerstört war.“ […] „Es war falsch, zu glauben, dass die Menschen wieder zurückkehren würden.“

Dazu sollte man einmal die Frau Ministerin aufklären und ihr einen Taschenrechner schenken. Der Krieg war um Mitternacht 8./9. Mai 1945 zu Ende, dann kamen die Trümmerfrauen, die keiner feiert. Dann kamen Kriegsgefangene Männer zurück, es wurde 1948 die „Bank Deutscher Länder“ gegründet und die DM eingeführt. Ab 1949 gab es dann die Bundesbank und auch die Bundesrepublik Deutschland, Otto Normalverbraucher hat mit DM 40,00 Handgeld angefangen.

Dann ging es mit der produktiven Arbeit los und es kam eine Zeit, die man nachher „Wirtschaftswunder“ nannte. 1955 kam dann eine Anfrage aus Italien, ob wir nicht ein paar Arbeiter beschäftigen könnten, um so Devisen nach Italien hinein und Arbeitslose aus Italien heraus zu bringen und auch noch das Handelsdefizit abzubauen. Am 20. Dezember 1955 wurde dann das Anwerbeabkommen beschlossen, wie es am 25.02.1956 veröffentlicht wurde. Spanier und Griechen folgten 1960. Und es kam auch eine Anfrage aus der Türkei, die jedoch von dem damaligen Arbeitsminister Theodor Blank abgelehnt wurde:

[…] Arbeitsminister Theodor Blank lehnte das Angebot zunächst ab. Da er die kulturell-religiöse Distanz und mögliche aus dieser resultierende Konflikte als zu groß einschätzte, des Weiteren bestünde zunächst auch kein Bedarf an türkischen Arbeitskräften da das Potenzial an deutschen Arbeitslosen aus strukturschwachen Regionen noch nicht hinreichend ausgeschöpft sei. Aufgrund des außenpolitischen Drucks der USA, welche nach der geostrategisch motivierten Aufnahme der Türkei in die Nato dieses Land ökonomisch stabilisieren wollte, übernahm das bundesdeutsche Außenministerium, im Gegensatz zum ursprünglich zuständigen Arbeitsministerium die Verhandlungsführung mit der türkischen Republik. Bei Abschluss des Abkommens standen die außenpolitischen Ziele der Nato, sowie die innenpolitischen und wirtschaftlichen Ziele der Türkei im Vordergrund. […]

Das Abkommen mit der Türkei wies auch einige Besonderheiten auf, so wurde das Rotationsprinzip eingeführt und eine Arbeitserlaubnis für Türken nur für zwei Jahre gegeben, damit sollte sichergestellt werden, dass die türkischen Arbeiter wieder in die Heimat zurückkehren. Diese Broschüre wurde den türkischen Arbeiter ab 1963 mit auf den Weg gegeben.

In verschiedenen Kapiteln wird der damalige „Gastarbeiter“ auf seinen Aufenthalt in Deutschland vorbereitet. Der Abschnitt darüber, wie man sich als wohlgemerkt befristet in Deutschland arbeitender Türke in dem „fremden Land verhalten und seine Identität bewahren soll“, beginnt mit den Worten:

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein nationalistischer Staat. Die dort lebenden Deutschen, sind, genau wie wir Türken, Nationalisten und Feinde des Kommunismus.

In Bezug auf das Privatleben wird der Arbeiter u.a. gewarnt, dass deutsche Frauen zwar das „Heldentum des Türken lieben“, diese Tatsache jedoch nicht als Aufforderung misszuverstehen sei, sich diesen Frauen auf „ungebührende Weise“ zu nähern. Zum Arbeitsleben heißt es:

Arbeitet fleißig, wach und umsichtig und lernt schnell dazu, was ihr noch nicht wisst. Haltet euch strikt an die Betriebsordnung. Kommt pünktlich und geht pünktlich. Lasst euch nie krankschreiben, außer wenn es gar nicht anders geht.

Des Weiteren werden Kontaktadressen – 1963 kaum mehr als die türkischen Konsulate in Deutschland oder der Arbeitsattaché in Bonn – genannt, die bei Wünschen und Klagen, die z.B. nicht über die Betriebsräte der jeweiligen Firmen zu klären sind, dem türkischen Arbeiter in der Fremde weiterhelfen.

Bis zum Stopp aller Anwerbeabkommen 1973 waren etwa 500.000 bis 750.000 Türken in Deutschland, die sich entgegen aller Abmachungen und Verträge hier festsetzten und vermehrten. Vielleicht sind die Äußerungen von Frau Öney gar nicht so verwunderlich, wenn man ihren Werdegang berücksichtigt. Man beachte:

[…] Danach arbeitete Öney als Bankangestellte und wechselte dann zum staatlichen türkischen Fernsehsender TRT. Dort arbeitete sie als Redaktionsassistentin, dann als Assistentin der Geschäftsführung und als Redakteurin und Moderatorin, bis sie am 17. September 2006 ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt wurde. […]

Wenn jedoch eine deutsche Ministerin so einen Unsinn erzählt, muss man sich ganz objektiv fragen, ob sie für einen Ministerposten geeignet ist.

Kontakt:

» Bilkay Öney: poststelle@intm.bwl.de