„Arabischer Frühling“: Mediale Parallelwelten

„Demokratiebewegung“, „Freiheitskämpfer“, „Menschenrechtsaktivisten“ – den islamophilen Massenmedien war während des sogenannten „Arabischen Frühlings“ kein Begriff zu pathetisch, um die „Arabellion“ nicht als Beweis für die Demokratiefähigkeit des Islams zu deuten. Wer darauf hinwies, dass es bei den Aufständen vorrangig um den Lebensstandard und nicht um Demokratie ging, war schnell als Miesmacher verschrien.

Nachdem islamische Extremisten bei Wahlen nun von einem Sieg zu nächsten gehechelt sind, dürfte in die meisten Redaktionsstuben Ernüchterung eingekehrt sein. Die Medien zeigen nun immer häufiger ein ungeschöntes Bild der Realität. So lässt die „Allgemeine Zeitung“ aus Hessen eine zum Islam konvertierte Deutsche namens Amelie Schneider zu Wort kommen – und die nimmt kein Blatt vor den Mund:

Amelie Schneider ist empört. Seit sieben Jahren lebt sie in Syrien und arbeitet für die Regierung als archäologische Dokumentatorin. Und sie erlebt hautnah, wie sich auch „ihr“ Land infolge der Ereignisse in Kairo und dem Aufbegehren von großen Teilen der Bevölkerung verändert. Aber was sie in den Medien darüber liest, erzürnt sie. Die seien alle auf Seiten der Aufständischen, die aus ihrer Sicht kurz davorstehen, das Land ins Mittelalter zurückzukatapultieren.

„Ich erlebe so viele Anfeindungen, wie sie vorher undenkbar waren, und das nur, weil ich europäisch aussehe. Dabei bin ich sogar inzwischen vom Glauben her Muslimin“, sagt die 62-Jährige. Allerdings keine Sunnitin, wie 75 Prozent der Bevölkerung, sondern Alawitin, eine Richtung des Islams, der auch die regierende Familie Assad angehört, und die wesentlich freizügiger lebt. (…)

Das alles war lange problemlos, aber nun hat sich vieles verändert. „Wenn ich heute jogge oder mit dem Fahrrad unterwegs bin, werde ich mit Steinen beworfen. Und als ich jüngst in Mared el Homan die zwei Kilometer vom Hotel zum Museum  durch ein traditionelles Viertel der Sunniten zu Fuß zurücklegen wollte, haben Kinder mich sogar mit Steinschleudern angegriffen“, berichtet sie von Aggressionen gegen Ausländer und Andersgläubige. Schon vor zwei bis drei Jahren habe sie gehört, wie „Hasspredigten“ von den Moscheen hallten und die Folgen jeweils unmittelbar zu spüren bekommen. „Wenn ich Kinder frage, warum sie mich angreifen, sagen sie, weil ich keinen Schleier trage, keine Muslimin sei“, berichtet Schneider.

Hinter ihrer Stadt Tartus in der Gemeinde Al Krab verläuft in drei Kilometer Entfernung die Grenze zwischen den Wohngebieten der Alawiten und koptischen Christen und denen der Sunniten. Im Frühjahr sei dort die Angst umgegangen, berichtet die Mainzerin. „Die christlichen Gebiete wurden okkupiert, jeden Moment musste man befürchten, dass die Kirchen in Flammen aufgingen. Die Regierungstruppen haben eingegriffen und die Christen gegen die Sunniten verteidigt. Aber in den deutschen Medien werden die Sunniten als arme Demonstranten bezeichnet, die angegriffen würden, das ist schlicht falsch.“ (…)

„Wir stehen in Syrien im bittersten Religionskrieg, und wenn wir den gegen die Sunniten verlieren, haben wir ihn bald auch in Europa“, ist die Mainzerin überzeugt. Schuld seien die „Hetzberichte der ausländischen Medien“, die die Demonstranten bestärkten. Die derzeitige Regierung sei zwar nicht demokratisch gewählt, aber sie habe die Religionsfreiheit garantiert, den Frauen Rechte, jedem eine kostenlose Behandlung im Krankenhaus, Essen und Heizöl für die Armen und bis zum Beginn der Unruhen die Reisefreiheit. „Was derzeit geschieht, ist kein arabischer Frühling, sondern der Weg zurück ins Mittelalter. Die Alawiten und Christen wollen keinen islamischen Staat. Der führt direkt zurück ins Mittelalter.“

Wir denken dennoch, dass Deutschland Syrien unbedingt finanziell unterstützen sollte. Nach den 92 Millionen Euro für Tunesien fallen ein paar Millionen mehr oder weniger schließlich nicht ins Gewicht…

(Foto: Anhänger des syrischen Präsidenten Bashar Assad)