London: Gebet verboten, Baroness Warsi, Papst

Religion und Politik im Verwirrten Königreich. In London hat letzte Woche Mr Justice Ouseley, ein Richter des High Court, formelle christliche Gebete in den Rathäusern von England und Wales verboten. Offenbar wird vor Eröffnung von Sitzungen, sogar im Parlament, traditionell jedes Mal ein standardisiertes Gebet gesprochen. Wie üblich in solchen Fällen: Ein intoleranter, linker Atheist hatte gegen diese Tradition geklagt und gewonnen. Das gab Schlagzeilen, und eine Moslem-Ministerin springt jetzt den Christen bei. 

Zunächst einmal folgten dem Urteil viele Kommentare, die sich gegen die Abschaffung christlicher Traditionen wandten. So hier ein langer Artikel von Lord Carey, dem früheren Erzbischof von Canterbury, der viel konservativer ist als der derzeitige amtierende Scharia-Erzbischof (PI berichtete)! Lord Carey scheint sich jedenfalls bestens auszukennen. Er nennt das verbotene Kreuz der BA-Mitarbeiterin Nadia Eweida, die Umwandlung von „Merry Christmas“ zu „Season’s Greetings“, die „Winter Holidays“ und den Fall einer Standesbeamtin, die keine Schwulenhochzeiten leiten wollte, und er sagte klipp und klar, daß der britische Staat all das nur aus Rücksicht auf die Moslems veranstaltet. Und auch den Homosexuellen hielt er Intoleranz vor:

Since the September 11 attacks, we seem to have become obsessed with not upsetting British Muslims, while successive pieces of legislation means the rights of homosexuals now seem to trump those of everyone else. Including the rights of some Christians to express or act on views that, although at odds with mainstream thinking, are sincerely held and have been a part of Christian teaching for centuries.

Und Carey nennt die unbestreitbare Tatsache, die auch bei uns gilt, daß alle möglichen Minderheiten und Multikulti toleriert werden müssen, nur die Christen nicht:

We’ve become enslaved to multiculturalism, political correctness and so-called equal rights, so obsessed with the idea of minimising any possible offence to any minority group that we don’t seem to have realised that one of the great British human qualities — tolerance — has now been replaced by intolerance. Indeed, in the name of so-called tolerance, Christians are not being tolerated.

Und dann vergingen ein paar Tage und es meldet sich heute die Baroness Warsi (Foto), die erste moslemische Ministerin im UK, die heute zum zweiten Mal mit dem Papst spricht. Sie wird vortragen, daß Europa selbstsicherer mit seinem Christentum umgehen sollte und sich nicht noch für seine jahrhundertelange christliche Kultur, die überall durchscheint, schämen sollte:

I will be arguing for Europe to become more confident and more comfortable in its Christianity. The point is this: the societies we live in, the cultures we have created, the values we hold and the things we fight for all stem from centuries of discussion, dissent and belief in Christianity.
These values shine through our politics, our public life, our culture, our economics, our language and our architecture. And, as I will say today, you cannot and should not extract these Christian foundations from the evolution of our nations any more than you can or should erase the spires from our landscapes.

Auch wenn viele jetzt gleich wieder auf Hintergedanken tippen, was diese Frau schreibt und ehrlich zu denken scheint, ist bemerkenswert. Und es ist gleichzeitig beschämend, daß so etwas eine Muslimin sagen muß. Würde es ein christlicher Minister sagen, flöge er bei nächster Gelegenheit aus dem Kabinett, auch aus dem Merkelschen. (Sorry, aber die englischen Artikel sind zu lang zum Übersetzen.)