Offener Brief an Bundesinnenminister Friedrich

Sehr geehrter Herr Innenminister, ich lese soeben auf „Focus Online“ folgende Äußerung von Ihnen: „Gruppen und Organisationen, die die Islamisten auch in Deutschland provozieren wollen, indem sie beispielsweise diesen unsäglichen Mohammed-Film verbreiten wollen, müssen wissen, dass sie grob fahrlässig Öl ins Feuer gießen. Deswegen muss man dem auch Einhalt gebieten“. Und frage Sie: Sind Sie von allen guten Geistern verlassen?

(Von le waldsterben)

Haben Sie etwa den Film „Leben des Brian“ verbieten lassen? Sind Sie gegen den ans christliche Kreuz genagelten Frosch vorgegangen, der Verunglimpfung Jesu als „Latten-Gustl“ entgegengetreten, mit Kritik vorstellig geworden, als der Papst mit Urin- und Kot-besudelter Soutane auf dem Titelbild der Titanic erschien?

Haben Sie dem Künstler Einhalt geboten, der ein Kruzifix in eine Urinflasche steckte und draufpinkelte? Haben Sie sich gegen die Musikertruppe verwehrt, die in einer Moschee „Scheiße, Scheiße, Allahs Scheiße“ brüllte?

Oh – Entschuldigung – dagegen hätten Sie sich MIT SICHERHEIT verwehrt, aber eine solche Aktion gab es gar nicht. Vielmehr war es anstatt einer Moschee eine Kirche und anstatt des Islams das Christentum, das solches erdulden /tolerieren / im Namen der Meinungsfreiheit ertragen musste, wie nahezu die gesamte journalistische Bagage hierzulande meinte. Hatte ich Ihre lautstarke Kritik hieran vielleicht nur überhört?

Nun wird ein Film produziert, der eine umstrittene Person der Zeitgeschichte in schlechtem Licht darstellt, WENN AUCH NICHT SO SCHLECHT WIE JESUS IN DEN OBIGEN BEISPIELEN! Zudem betonen manche, dass die negativen Zuschreibungen auch zutreffen würden: immerhin ist ein Ausspruch dieser Person als so gesichert überliefert, dass die Hamas dies in ihre Charta in Art. 7 aufgenommen hat und der lehrt, dass „die Zeit [des Paradieses] nicht anbrechen (wird), bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten.“

Und eine solche Person zu kritisieren, stellen Sie als was dar? Als zulässige künstlerische Fragestellung zu Geschichtsfakten? Als Teil der für uns selbstverständlichen Meinungsfreiheit aufgeklärter Kulturen? Als zwar geschmackloses Kunstwerk, das aber jeder, dem es nicht passt, durch Verzicht auf einen Kinobesuch gern ignorieren darf?

Nein: für Sie muss GENAU DIES vom freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat bekämpft werden, während all der oben genannte Unflat über die christliche Religion legal ist!

Und von allen guten Geistern sind Sie meiner Meinung nach deswegen verlassen (und ärgerlicherweise entsprechend auch ihr politisches Umfeld 2013 keine Wahlalternative für Wertkonservative mehr), weil Sie nicht erkennen, was die EINZIGE Botschaft ist, die Sie damit vermitteln.

Sie vermitteln nämlich nicht, dass Deutschland ein weltoffenes Land ist, in dem viele Kulturen und Denkrichtungen zu Hause sind (denn dann könnte sich z. B. auch die Kultur der Islamkritik heimisch fühlen).

Sie vermitteln nicht, dass die verschiedenen Religionen in Deutschland Schutz genießen, denn eine ist offensichtlich gut geschützt, während eine andere nahezu beliebig attackierbar ist.

Gerade aus Letzterem ergibt sich die einzige Botschaft, die Sie wirklich vermitteln und die Ihrem Auftrag als Innenminister diametral gegenübersteht:

Gewalt IST eine Lösung!

Und so etwas als deutscher Minister zu lehren, kann doch wohl kaum anders erklärt werden, als … Ja, womit eigentlich?

Sollten Sie eine vernünftige Erklärung haben: ich würde SEHR viel dafür geben, diese zu hören. Oben auf dieser Seite finden Sie eine Kontaktadresse, oder schreiben Sie einfach im Kommentarbereich mit.

Eines zur Vorbeugung: sollten Sie aus meiner obigen Kritik an den Anfeindungen gegen das Christentum schließen, hier schreibt einfach nur ein aufgebrachter christlicher Gläubiger: Ich gehöre keiner Kirche oder Religionsgemeinschaft an, und Kritik am Christentum finde ich sogar ausgesprochen angebracht!

Probleme fangen für diejenigen an, die dies auch für andere Religionen gelten lassen wollen: für das Judentum, für die Scientologen, für den Buddhismus, für die Pastafari oder für die Hindus.

Klingt komisch? Ist es auch, stimmt nämlich nicht!

Probleme fangen nämlich NUR für diejenigen an, die dies auch für den ISLAM gelten lassen wollen!

Und wer dies nicht wahrhaben will, ist entweder ein feiger Appeaser – oder von allen guten Geistern verlassen.