Hartmut Mehdorn redet Tacheles

Der Chef von Air Berlin, Hartmut Mehdorn (Foto), ist ein Mann der Wirtschaft, wie es sie leider viel zu selten gibt. Schon als Bahnchef ging er unbekümmert seinen Weg gegen die Widerstände von allen Seiten. Aufgrund des BER-Debakels, für das die Politik die Verantwortung trägt, wird Mehdorn wohl nun Personal entlassen müssen. Er hat gestern eine Rede gehalten, die es in sich hat. 

Wir zitieren ausführlich den Tagesspiegel:

Eigentlich, so Mehdorn, sei eine funktionierende Luftfahrt „das Schmierfett einer funktionierenden Wirtschaft“. Das scheine die Politik nicht mehr zu verstehen. Bei Air Berlin habe man eine „schwierige Situation, vielleicht schwieriger, als es von außen sichtbar ist“. Die Politik aber kümmere sich nur noch um Nachtflugverbote, CO2-Richtlinien und immer neue Regeln.

Er verwies auf einst stolze Staatsfluglinien wie Alitalia (heute bei Air France) und Iberia (heute bei British Airways), von denen kaum mehr als Türschilder übrig seien. Auch die skandinavische SAS sei am Ende. Sein Unternehmen habe im ersten Halbjahr 2012 170 Millionen Euro Verlust gemacht. Trotzdem gebe es zwischen Wirtschaft und Politik keinen funktionierenden Dialog mehr: „Für die sind wir nur die Lärmmacher.“

Seit Jahren könnten sich die EU-Staaten nicht auf einen einheitlichen Luftraum einigen, der Air Berlin und Lufthansa helfen würde, im Schnitt rund zwölf Prozent Kerosin einzusparen. Mehdorn kritisierte, dass selbst kleine Staaten in dieser Frage mitsprechen. „Warum soll ein Zypriote da mitreden? Der hält doch nur die Hungerkralle auf.“ Und mit der nun erfolgten Aufnahme der Luftfahrtbranche in den EU-weiten Emissionshandel „schießen wir uns richtig ins Knie“.

Die von der Bundesregierung auf einer Wochenendklausur beschlossene und seit Anfang 2011 erhobene Luftverkehrssteuer sei „Unzucht mit Abhängigen“. „Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich die Steuer nicht bezahlt und geguckt, was passiert“, sagte er. Aber der Staat buche die Steuer direkt von den Konten ab. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe ihm gesagt, diese Steuer werde man nie mehr hergeben. „Wir haben eine Regierung, die sich um uns nicht kümmert, die uns gar nicht zuhört“, klagte Mehdorn weiter. Air Berlin könne die Situation nicht mehr lange aushalten.

Bei seinem Antritt im September 2011 habe er versprochen, die Sanierung Air Berlins ohne Personalabbau zu versuchen. „Das kann ich heute nicht mehr versprechen.“ Lange habe er gedacht, es ginge ohne, „aber es geht wahrscheinlich nicht“. Lieb gewordene Dinge werde man sich nicht mehr leisten können. „Es liegt nicht an den Mitarbeitern der Air Berlin, es liegt nicht an meinem Kurs, es liegt an der Politik“, schloss der Manager seine Rede.

Schade, daß es die Rede nicht im Original gibt. Er hat recht von A bis Z. Und das betrifft nicht nur Air Berlin, sondern unsere ganze Wirtschaft! Ach ja, im Tagesspiegel steht heute auch, daß auf das Flugfeld von Tempelhof Sozialwohnungen kommen sollen. Das paßt!