Geldschwemme für Islamapologeten

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland und mit 2,5 Millionen Euro pro Preisträger der international höchstdotierte wissenschaftliche Förderpreis. Förderpreis bedeutet, dass die Summe natürlich nicht privat, wie ein Nobelpreis, sondern ausschließlich für die wissenschaftliche Forschung verwendet werden darf.

(Von Fred Studiosus)

Der Preis wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vergeben und entspricht in etwa dem Zwanzigfachen eines typischen Forschungsantrags im Normalverfahren, wobei in der Regel mehr als 70 Prozent abgelehnt werden, mit steigender Tendenz, da erhebliche Mittel in die politisch motivierten Exzellenzinitiativen umgelenkt worden sind. Ein Leibniz-Preis bedeutet für den so ausgezeichneten Wissenschaftler weit mehr finanzielle Mittel auf fünf Jahre konzentriert, als ein Durchschnitts-Professor an Forschungsförderung innerhalb des gesamten Lebenswerks erhält. Dass innerhalb von zwei Jahren gleich zwei Wissenschaftler, die sich mit muslimisch-arabischer Kultur befassen, den Leibniz-Preis erhalten haben, setzt offenkundig Akzente, was an geisteswissenschaftlicher Forschung als zukunftsträchtig anzusehen ist.

Einen der Leibniz-Preise 2012 erhielt Prof. Dr. Friederike Pannewick (Foto oben links), die nach eigenen Angaben Orientalistik, Arabistik und Turkologie studiert hat, als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem DFG-Projekt „Kulturelle Selbstbehauptung der Palästinenser“ zur Erstellung eines Lexikons moderner palästinensischer Lyrik mitgewirkt und schließlich über „Arabische Wege der Theatralität“ promoviert hat. Die Preisverleihung würdigt den aktuellen politischen Bezug ihrer Arbeiten:

So machen ihre Forschungen zur literarischen Konzeptionalisierung des Märtyrertums die aktuelle politische Entwicklung in den arabischen Ländern besser verständlich, und die von Pannewick geleitete Arbeitsgruppe „Von Revolution zu Subversion“ begann sogar, die Grundlagen der „Arabellion“ schon vor deren Ausbruch zu analysieren.

Einen der Leibniz-Preise 2013 erhielt Prof. Dr. Thomas Bauer (Foto oben rechts), Islamwissenschaftler an der Universität Münster, der durch seine Kritik an der Seebestattung Osama bin Ladens und durch seine Erklärungen zum Karikaturen-Streit in den Mainstream-Medien bekannt wurde, sowie auf PI bereits mit seinen Erkenntnissen zur Homophobie im Islam vorgestellt worden ist. Die Preisverleihung wird folgendermaßen begründet:

Bauer wird zum einen identifiziert mit seinen Forschungen zur arabischen Dichtung etwa der Onagerepisode oder der Abbasidenzeit, die bereits grundlegend neue Erkenntnisse zur Kultur und Mentalität der vormodernen arabisch-islamischen Welt erbrachten. Zum anderen verbindet sich Bauers Name mit der (Wieder-)Entdeckung des Islam als einer „Kultur der Ambiguität“. In einer grundlegenden Monografie wies Bauer nach, dass gerade der Islam über viele Jahrhunderte lang ausgesprochen offen war für Vielfalt und für eine Pluralität kultureller Diskurse und Handlungen – anders als die antike und mittelalterliche Tradition im Westen, aber auch im Gegensatz zur heutigen Realität in den islamischen Ländern. Diese in der Fachwelt wie in den Feuilletons begeistert aufgenommene Betrachtung gilt bereits jetzt über die Wissenschaft hinaus als wichtiger Beitrag zur interkulturellen Verständigung.

Die Begeisterung der Islam-Experten und des Feuilletons ergibt sich aus Bauers Schuldzuweisung an den Westen, für die heutigen Zustände in islamischen Ländern verantwortlich zu sein. Mit dem Leibniz-Preis werden seine bisherigen Erkenntnisse nun auch offiziell von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geadelt, verbunden mit der finanziellen Ausstattung und dem Auftrag, genügend Hilfskräfte und Doktoranden einzustellen, um seine Sicht der islamischen Welt wissenschaftlich zu untermauern.

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