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Österreich, Deutschland und die Wehrpflicht

Posted By PI On 21. Januar 2013 @ 09:39 In Deutschland,Österreich | Comments Disabled

[1]Vermutlich auch abgeschreckt durch die trostlose Entwicklung der Freiwilligenarmee Bundeswehr, hat sich Österreich am Wochenende in einem Referendum für die Beibehaltung der Wehrpflicht ausgesprochen. Etwa 60 Prozent der 6,3 Millionen Wahlberechtigten stimmten für die Nicht-Abschaffung von Wehr- und Zivildienst.

Das Ergebnis ist eine herbe Schlappe für die regierenden Sozialisten und wird ganz sicher beim politischen Establishment das Mütchen kühlen, sich mehr als nötig auf Volksbefragungen einzulassen.

Gewinner dieser Volksabstimmung sind die FPÖ und auch die ÖVP, die sich für die Beibehaltung der Wehrpflicht ausgesprochen hatten.

Unterdessen geht in Deutschland das Gejammere von Seiten des die Freiwilligenarmee ererbten Ministers weiter. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) äußerte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“:

„Die Sehnsucht junger Leute nach der großen, weiten Welt wird heute anders bedient. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Interesse für das Unbekannte gibt als Sehnsucht nach ,Hotel Mama’.“

Darüber hinaus ist die Abbrecherquote weiterhin sehr hoch, da viele neben der Bewerbung um einen Studienplatz noch eine „schnelle Mark“ machen wollen. Auch überhaupt ist die Tätigkeit bei der Bundeswehr zu einem Job wie jeder andere geworden, frei von jeglichem Pathos und mit Vorgesetzten, die ihre Mitarbeiter im allgemeinen „Talentwar“ bei Laune halten müssen.

Im Klartext: Kein Mensch möchte hier für ein undankbares Heimatland in Konflikten, die uns so nichts angehen, seine Knochen hinhalten. Wenn er trotzdem sein Geld meint bei der Bundeswehr verdienen zu müssen, meidet er – wo möglich – das Risiko. Wie unter dieser Prämisse eine Armee dauerhaft funktionieren soll, bleibt das Geheimnis ihrer Schöpfer.

Wenn wir in Deutschland wieder eine leistungsfähige Armee wollen, müssen wir zunächst einmal dafür sorgen, dass der Soldatenberuf – so wie in den USA – wieder ein angemessenes Ansehen in der Gesellschaft bekommt. Es kann nicht sein, dass man von jungen Menschen erwartet, dass sie ihr Leben für ihr Land einsetzen oder gar opfern sollen, dass sie aber schon beim Gelöbnis mit Trillerpfeifen ausgebuht werden und sich in Uniform nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken lassen können. Der Soldatenberuf ist durch die latente Todesbedrohung – so wie der des Arztes oder Pfarrers, aber eben auf andere Art – ein besonderer, dem hohes Sozialprestige gebührt!

Darüber hinaus ist es hilfreich, wenn durch eine Wehrpflicht die Armee näher an die Gesellschaft herangeführt wird, nicht zuletzt wegen der weiteren Rekrutierungspotentiale. Ein zumindest anfänglicher Pflichtdienst in der Armee fördert vor allem auch die Entstehung einer militärischen Disziplin, der man sich nicht so einfach durch mehr oder weniger fristlose Kündigung jederzeit entziehen kann, wenn einem einmal etwas nicht passt.

Voraussetzung für eine Wehrpflichtakzeptanz ist aber Wehrgerechtigkeit! Sollte sich Deutschland je wieder mit dieser Frage beschäftigen, dann muss klar sein: Es kann keinen erneuten Pflichtdienst nur für junge Männer mit ausschließlich deutschem Pass mehr geben. Auch die zuletzt geübte Praxis großzügig untauglich zu schreiben, da man sonst zu viele Pflichtrekruten gehabt hätte, war ein Skandal! Wenn, dann muss für einen bestimmten Zeitraum jeder junge Mensch mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis – egal ob Migrant oder Frau – einen Freiwilligendienst an der Allgemeinheit leisten. Letztere Gruppen dann eben in der Pflege, im sozialen oder kulturellen Bereich. Ganz sicher könnte dies unser Sozialsystem entlasten!

Man kann den Österreichern, die gestern eine grundsätzlich richtige Entscheidung getroffen haben, nur wünschen, dass sie es schaffen, behutsam ihre Wehrpflicht in diesem Sinne weiter zu entwickeln.


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