Es gibt keinen Gott außer Justin Bieber

bieberWozu Teenager bereit wären, um an Konzertkarten für einen Auftritt ihres Idols zu kommen, wollte Anne-Kat Hærland, Moderatorin der norwegischen Comedy-Show „Ann kat“ herausfinden. In der Osloer Fußgängerzone bot man an: „Wer zum Islam konvertiert, bekommt Gratis-Tickets für das nächste Konzert von Justin Bieber“. „Ann kat“ kokettierte hier nicht zu Unrecht mit der Hysterie junger weiblicher Fans des Teeniestars – und wurde vollauf bestätigt.

(Von L.S.Gabriel)

Tatsächlich fanden sich junge Mädchen, die bereit gewesen wären, sich auf diesen abartigen Deal einzulassen. Die vermeintlichen Konvertiten mussten sich zuallererst einmal abschminken. Make up sei nicht erlaubt im Islam, wurde ihnen gesagt. Sie sollten einen traditionellen Hijab anlegen, wurden fotografiert und mussten danach, unter Aufsicht einer lebendigen Salafistenatrappe, arabische Verse rezitieren. Die Mädchen dachten, es handle sich dabei tatsächlich um das islamische Glaubensbekenntnis. In Wahrheit aber sagten sie, zum Beispiel: „Justin Bieber ist unrein und wahrscheinlich homosexuell“. (–>Siehe Video unten)

Svein Tore Bergestuen vom Sender „TV Norge“ rechtfertigte sich im Interview damit, dass man nicht in die Produktion dieser Fan-Aktion involviert gewesen wäre: „Anne-Katrine und ihre Crew haben alle Freiheiten, eine lustige TV-Show zu kreieren. Es ist nicht unsere Aufgabe, ihre Entscheidung in Frage zu stellen, was lustig ist und was nicht.“

Nun entbehrt es natürlich nicht einer gewissen Ironie, dass, um festzustellen, wie weit jemand für ein Objekt seiner Begierde gehen würde, als äußerstes Extrem das Konvertieren zum Islam genommen wurde. Und auch wenn der norwegisch-lutherische Bischof Halvor Nordhaug in dieser Aktion einen mangelnden Respekt gegenüber dem Glauben sieht, ist grundsätzlich festzuhalten, dass es sich hier um eine Comedy-Produktion mit versteckter Kamera handelte und Humor, Satire und Persiflage nicht vor etwaigen Glaubensbefindlichkeiten halt machen sollten. Denn gerade Dogmen der Religionsgemeinschaften müssen humorvoll und kritisch hinterfragt werden dürfen.

Durchaus als bedenklich einzustufen ist allerdings das Vorführen junger Mädchen, denen die Tragweite dieser Entscheidung bestimmt in keiner Weise bewusst gewesen war.  Halvor Nordhaug nennt dieses Ergebnis tragisch und erbärmlich, wo man ihm durchaus recht geben kann. Tragisch ist es bestimmt, dass in einer Zeit, in der sich der Islam weltweit als die derzeit größte Bedrohung für Frieden, Freiheit und Sicherheit darstellt, junge Menschen so wenig darüber wissen, dass sie bereit wären, sich für zwei Stunden in vermeintlicher Nähe eines unerreichbaren Traums, einem menschenverachtenden Diktat zu unterwerfen.

Und erbärmlich ist, dass sich nun wieder einmal an einem wirklichen Problem vorbeiechauffiert wird. Denn es wird jetzt darüber diskutiert, ob Fernsehen so etwas dürfe, was noch unter Humor fällt und ob so etwas nicht religiöse Gefühle verletze. Dabei wäre diese Vorführung des Nichtwissens und der Blauäugigkeit gegenüber dem Islam doch eine gute Gelegenheit, endlich darüber zu reden, wie wichtig es ist, die Menschen aufzuklären und wie notwendig eine flächendeckende Informationskampagne über die Gefährlichkeit einer als Glaubensbekenntnis getarnten Hass- und Gewalt-Ideologie wäre.

Und auch TV-Norge sollte vielleicht, anstatt sich nun hinter Phrasen zu verstecken, aus dieser Episode die richtigen Schlüsse ziehen und seine Möglichkeiten nutzen, denn Satire erreicht manchmal auch jene, die solch ernsten Themen sonst nicht zugänglich wären.