NRW: Massiver Protest gegen Matheklausur

mathe_cartoonDie Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre bis zum Abitur war dringend notwendig, erhöht sie doch die Chancen der letzten verbliebenen Talente, die Schulzeit ohne massive Schädigung zu überstehen. Allerdings waren Probleme schon abzusehen, weil nach einem ungeschriebenen Gesetz niemand aus dem letzten 13er-Jahrgang – G9 genannt – sitzen bleiben durfte, denn die jüngeren G8ler machen nun mal zur gleichen Zeit Abitur. Der Unterricht wurde dementsprechend noch mehr angepasst, damit jeder irgendwie durchkommt, jedenfalls hier in NRW. Man braucht kein Prophet zu sein, um das Scheitern oder einen Kulturschock besonders vieler dieses Abitur-Jahrgangs im Studium oder in der Berufsausbildung vorherzusehen. Doch niemand hatte damit gerechnet, dass die Aufgaben im Mathe-Abitur nicht ebenfalls dem abgesunkenen Leistungsstand angepasst würden. Folglich regt sich nun ein Sturm der Entrüstung.

(Von Jerry Blackwater)

Durch die Gründung der Facebook-Gruppe „Protest gegen Mathe Abiturklausur ’13“, die nach nur wenigen Tagen über 8000 Mitglieder zählt und für kommende Woche eine Demonstration in Düsseldorf angekündigt hat, hat es die Abiturientin Dilana in die Medien geschafft. „Dilana kämpft auf Facebook für neue Abitur-Klausur in Mathe“ titelt die WAZ:

Schon beim Blick auf die erste Analysis-Aufgabe habe sie einen Schrecken bekommen: „Das war der Horror“, erinnert sich Dilara. „Man wusste gar nicht, wo man anfangen sollte.“ Und von Zeitmangel. Denn die Analysis-Aufgaben waren prinzipiell lösbar, gibt Dilara zu. „Aber eine Freundin hat allein zweieinhalb Stunden an der ersten Aufgabe gesessen“, so Dilara. Blieben noch 30 Minuten für die anderen Aufgaben.

Fragwürdige Argumente gegen die Mathe-Abi-Klausur finden sich auch unter den Einsendungen zur Online-Petition. Manche Schüler seien doch noch so jung gewesen und hätten wegen der Matheklausuren geweint. Daneben die Forderung einer Mutter, niemand dürfe zur Mathematik gezwungen werden, damit die Jugendlichen ein begabungsgerechtes Abitur erhalten. Und hier ein weiteres Highlight:

Wenn man Lehrer während der Klausur fragt, was man mit einer Aufgabe machen sollen und sie kreidebleich neben einem stehen und sagen „scheiße weiß ich auch nicht“, dann sollte sich das Ministerium vielleicht mal die Frage stellen, ob sie Abitur nicht vielleicht mit Mathestudium vertauscht haben.

Vielleicht war das diesjährige Mathe-Abitur tatsächlich etwas schwerer als im vorangegangenen Jahr. Dann fehlt aber eine wichtige Forderung für alle, die in Mathematik dennoch eine glatte Eins oder besser geschafft haben: Die sofortige Verleihung eines Deutschland-Stipendiums ohne das sonst übliche Zusatzkriterium des angeblich besonderen gesellschaftlichen Engagements, das einseitig die jungen Politkader der Mainstream-Parteien hofiert.