Berlin: Messer-Amokläufer Coskun P. wieder frei

Am Mittwoch griff er noch sechs Passanten an, verletzte zwei von ihnen mit einem Messer. Völlig wahllos. Ein Ermittlungsrichter ordnete daraufhin seine vorläufige Unterbringung in der Psychatrie an. Doch schon einen Tag später war Coskun P. (Foto) wieder auf freiem Fuß. Warum – dazu will niemand etwas sagen. Grund: „Persönlichkeitsrechte“.

Die „Berliner Zeitung“ schreibt:

Sechs arglose Menschen attackierte Coskun P. (33) vergangenen Mittwoch in Kreuzberg. Wahllos. Auf zwei stach er mit einem Messer ein. Nach seiner Festnahme, bei der auch zwei Polizisten Prügel einstecken mussten, wurde er von einem Haftrichter in die Psychiatrie eingewiesen. Am Wochenende spazierte der gefährliche Psycho-Kriminelle wieder durch Berlin!

Am Sonntagmittag schlenderte der Mann, der von Polizeiermittlern als öffentliche Gefahr eingeschätzt wird und in diesem Jahr schon 23 Straftaten begangen hat, unbehelligt über einen Trödelmarkt in seinem Neuköllner Kiez. Nur einen Tag nach seiner Unterbringung in der Psychiatrie war der Serientäter wieder zu Hause. Seit 18 Jahren geht das schon so.

Coskun P. wurde im Alter von 15 Jahren das erste Mal straffällig. Sein Strafregister füllt ganze Aktenbände, darunter gefährliche Körperverletzung, Waffen- und Drogenbesitz, Bedrohung, Beleidigung und eine Verkehrsstraftat mit fahrlässiger Tötung.

Warum durfte er trotzdem wieder raus? Am Donnerstag war der psychisch kranke und offenbar kokainabhängige Straftäter nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz (abgekürzt: PsychKG) eingewiesen worden. Das PsychKG soll den Betroffenen ermöglichen, ein eigenständiges Leben innerhalb der Gesellschaft zu führen.

Bei akuter Gefährdung für andere oder sich selbst ist es den Behörden aber erlaubt, die Erkrankten auch gegen ihren Willen unterzubringen.

Offenbar gilt das aber nicht für Coskun P. „Uns sind enge Grenzen gesetzt, psychisch Kranke dürfen nicht einfach weggesperrt werden, auch wenn sie sich nicht behandeln lassen wollen“, erklärt Dr. Ulrich Wimmer, Sprecher der zuständigen Berliner Zivilgerichte, der sich zum konkreten Fall aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht äußern darf.

Das weiß offenbar auch Coskun P. „Hol doch die Bullen, die können mir sowieso nichts“, brüllte er einen Tag vor seinem Kreuzberger Amoklauf Hausmeister Rainer R. (59) ins Gesicht. Ihn soll Coskun P. mit den Worten bedroht haben: „Es ist das letzte Mal, dass du hier Kaffee trinkst, wenn ich und meine Kumpels mit dir fertig sind, wirst du auch deine Brille nicht mehr brauchen.“ Der Hausmeister erstattete Anzeige wegen Bedrohung. Immerhin prüft die Justiz nach B.Z.-Informationen nun, ob sich nicht doch noch „strafrechtlich relevante Anhaltspunkte“ für eine Untersuchungshaft ergeben.

„Er hat mich sexuell attackiert und vom Rad gestoßen“, so die Frau, die am Mittwoch in der Görlitzer Straße eines seiner Zufallsopfer wurde: „Als ich am Boden lag, hat dieser Mann eine Minute lang mit einem Gürtel auf mich eingeprügelt, ich hatte Angst um mein Leben.“

Kein Wunder, dass in Berlin niemand Polizist werden will

(Foto oben: Coscun P. am Sonntag auf einem Flohmarkt in Berlin-Neukölln)