Abstiegsangst macht Journalisten gefügig

sarrazinWer eben noch die Kanzlerin ins Weiße Haus begleiten durfte, kann heute gezwungen sein, den Lebensunterhalt hinter einer Laden- oder Biertheke zu bestreiten. Der akademische Mittelbau wird mit Zeitverträgen abgespeist. Die Angst vor der sozialen Deklassierung geht um und macht gefügig. Das sorgt für Scham, die nach Kompensation ruft. Das erklärt die Aggression gegen Autoren wie Sarrazin, die sich der Anpassung verweigern.

Die Herrschaftsattitüde entpuppt sich als ein Barmen um Aufmerksamkeit, das forcierte Engagement als camouflierte Duckmäuserei. Die meisten Priester und Sinngeber sind in Wahrheit abhängige Lohnschreiber und -redner, oft ohne echte Kenntnisse, ohne kulturelle und geschichtliche Einsichten, unfähig zu fundierten Problemanalysen.

Als Betätigungsfeld bleibt nur das Denunzieren, der eifernde Dienst an der Ideologie, die de facto auch die Staatsideologie ist. Bei aller vordergründigen Aufmüpfigkeit gegen Politiker sind die Medienvertreter von der Politik abhängig. Man denke nur an die verschämte Diskussion über finanzielle Beihilfen des Staates für die sogenannte Qualitätspresse. (Aus der Besprechung des Sarrazin-Buches in der JF!)