„Konservative Maulhelden“? Konservativ leben!

das_konservative_minimumBei PI wurde zuletzt über die Frage nach der Aktivismus-Eignung konservativ-freiheitlicher Menschen diskutiert. Der Autor hat sehr zutreffende Kritikpunkte angesprochen, denen man noch hinzufügen könnte: Der Konservative ist kein Linker, also kein Weltverbesserer und kein Fan von Utopien. Er ist somit schon mal grundsätzlich kein Eiferer. Politischen Eintagsfliegen und kontraproduktiven Aktionen und Organisationen steht er skeptisch gegenüber.

Der Konservative hält nichts von kollektivistischen Experimenten, egal ob sie National-Sozialismus oder International-Sozialismus heißen. Der wesentliche Bezugspunkt ist im Gegensatz zu den Zwangsbeglückern die verantwortungsvolle Lebensführung als gereifte Persönlichkeit. Das muss jedem klar sein, der über konservativen Aktivismus debattiert. Denn konservativer „Aktivismus“ meint zunächst einmal, das eigene Leben zu führen. Das klingt für manche Vollzeit-Aktive bieder, besitzt aber konstanteren Wert. Der Einzelne und die Familie sind die Grundlagen der Gesellschaft. Und somit baut jeder, der sein Leben ordentlich meistert, mit Familie und Arbeit, Engagement in der Gemeinde und Verwurzelung vor Ort, mit an der Gemeinschaft und ihrer Stabilität.

Wenn man jetzt noch konservative Ideen in sich trägt und sie vorlebt, dann leistet man echten Dienst an der Gesellschaft. Der Göttinger Historiker Karlheinz Weißmann, der in seinem unverzichtbaren Grundlagentext über die Frage nach dem „Konservativen Minimum“ gegen die Entleerung des Begriffs „konservativ“ zu Felde zieht, benennt ebendiese Ideen und grenzt den authentischen Konservativen damit ein für alle Mal von denen ab, die nur beim Essen und beim Konzertbesuch ein bißchen konservativ tun.

das_konservative_prinzipÜber das Führen eines vorbildhaften Lebens hinaus gibt es selbstverständlich auch Möglichkeiten des sinnvollen Aktivismus. Hierfür sollte immer die Maxime gelten: „Erfahrung ist für den Konservativen die Leitlinie des Handelns.“ Wird dies beachtet, kann man sich mutig der „Phalanx gegen den Zeitgeist“ anschließen. So nennt der Germanist Günter Scholdt in seinem ebenso wichtigen Buch „Das konservative Prinzip“ die Kreise, die publizistisch oder aktivistisch gegen den linken Mainstream arbeiten. Scholdt spricht wohl jedem, der politisch unterwegs ist, aus der Seele:

„Denn es gibt sicherlich auch heute erheblich mehr Nonkonformisten, als dies bekannt ist, gewiß viele Tausende. Man stößt allerdings in der Regel erst auf sie, wo man selbst bereit ist, Farbe zu bekennen. Sie sind nicht ganz leicht zu finden, da man ihnen systematisch mediale Plattformen verweigert. Dennoch füllen sie ihre Funktion wie einst die Inneren Emigranten als Leuchttürme in finsterer Nacht. Daß sie existieren, daß man nicht alle eingeschüchtert oder zum Verstummen gebracht hat, ist eine große Ermunterung. Schließlich bedarf ihrer von Zeit zu Zeit auch der robusteste Außenseiter zur Bestätigung, daß sein Kurs nicht gänzlich falsch justiert ist.“

wozu_politkMan könnte natürlich auch den gegenteiligen Weg gehen und nur noch konservativ mit Haus und Hof leben, ohne politische Dimension. Doch das wäre das andere Extrem, also das isolierte Gegenüber des reinen Aktivisten. Denn Weißmann und Scholdt rechnen auch das Übernehmen von Verantwortung zum konservativen Minimum bzw. Prinzip. Erik Lehnert, Philosoph und Geschäftsführer des „Instituts für Staatspolitik“, räumt in seiner Mut spendenden Überlegung „Wozu Politik?“ zudem ein, dass Mut der unverzichtbare Faktor ist, Verantwortung auch im politischen Bereich zu übernehmen.

Man darf an den traurigen Zuständen unserer Gesellschaft nicht verzweifeln. Neben dem Mut braucht man also auch Geduld. Jeder, der konservativ lebt und denkt, leistet seinen aktiven Teil. Wie und wo er sich darüber hinaus einbringt – das ist die Sache eines jeden Einzelnen. Fest steht, dass man etwas wagen sollte. Denn, so schreibt Lehnert: „Wenn wir scheitern, heißt das nicht, daß es vergeblich war.“

Bestellmöglichkeit der Bücher:

» „Das konservativen Minimum“ von Karlheinz Weißmann (8,50 €)
» „Das konservative Prinzip“ von Günter Scholdt (8,50 €)
» „Wozu Politik?“ von Erik Lehnert (8,- €)