Günter Ederer zu Griechenland und Euro-Illusion

griechen_euro[..] Der ebenso inhaltlich wie taktisch falsche Satz der Angela Merkel: “Scheitert der Euro, scheitert Europa” beinhaltet doch auch, dass die kommunistische Tsipras-Regierung gerade machen kann, was sie will. Unsere Kanzlerin und mit ihr alle Berufseuropäer werden die Griechen wieder mit Geld füttern. Irgendeine Begründung werden sie schon finden, dass das Reformprogramm, das schlussendlich irgendwann vorgelegt wird, doch akzeptabel ist. So viel Beleidigungen und antideutsche Tiraden kann die herrschende Clique in Athen gar nicht ausstoßen, dass sie damit Frau Merkel aus der Balance bringen könnte.

Der nicht auf die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen über die Aufgabe von Notenbanken und internationale Währungspolitik spezialisierte Wähler hat längst den Überblick verloren, über welche Möglichkeiten die Kommission in Brüssel und die Europäische Zentralbank in Frankfurt verfügen, um den Griechen doch noch einige Milliarden zukommen zu lassen. Die Vorgabe der Kanzlerin lässt da keinen anderen Schluss zu. Käme es tatsächlich zu einem Exit der Griechen, aus Versehen oder gewollt, wäre laut Frau Merkel Europa gescheitert, was aber nicht der Fall sein wird. Aber ihre Politik hätte sich als falsch erwiesen – und das wird sie nicht zulassen. Vorher ist sie bereit, eherne Grundsätze ohne Zögern zu opfern. Sie hat die Maastricht – Verträge gebrochen, das Verantwortungsprinzip und die Haftung für das eigene Handeln, die Grundlagen jeder Marktwirtschaft geopfert. Sie hat alle stabilitätsbewussten deutschen Währungsfachleute von Ex-Bundesbankchef Axel Weber, über den stellvertretenden EZB-Bankpräsidenten Otmar Issing und EZB-Chefökonom Jürgen Stark im Regen stehen lassen, wenn es darum ging, das Versprechen umzusetzen, dass der Euro genauso stabil sein würde, wie einst die D-Mark.

Die Jahrzehnte vertretene Position der bürgerlichen Parteien, dass neben der staatlichen Rente die Arbeitnehmer sparen sollten, um sich eine zweite Säule für die Altersversorgung aufzubauen, hat die Kanzlerin aufgegeben und diejenigen, die dem Rat gefolgt waren, kalt enteignet. Keine Bevölkerungsgruppe in Deutschland wird für die griechischen Rettungsträume so abkassiert, wie die Sparer, die den Mittelstand bilden. Berufsgruppen, die sich auf Lebensversicherungen verlassen mussten, sehen sich jetzt Jahr für Jahr einem Absinken ihres Lebensstandards gegenüber, den sie nicht mehr beeinflussen können. Diese Enteignung war schlimmer als die Vermögensabgabe, die die Grünen im letzten Wahlkampf gefordert haben. Aber sie wurde nicht in einem Wahlprogramm angekündigt, sie wurde einfach vollzogen. (Den ganzen Artikel gibt es bei der Achse des Guten)