Dieter Stein hat ein ernstes Höcke-Problem

stein_hoeckeAuf die jetzt schon fast legendäre Jauch-Talkshow mit dem thüringischen AfD-Politiker Björn Höcke hat der Gründer und Chefredakteur meiner seit vielen Jahren abonnierten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ in einer so negativen, ja bösartigen Weise reagiert, dass es dazu eines Zwischenrufs bedarf.

(Von Andreas Fichte)

Stein hat bekanntlich schon seit Längerem eine sehr abschätzige Meinung von Höcke, den ausgerechnet er – das ist irgendwie doch auch etwas absurd – für zu „rechts“ erachtet. Und der ohne jeden Zweifel hochverdiente Chefredakteur eines von den radikalen Linken als „Naziblatt“ diffamierten Publikation glaubt im tiefsten Inneren wohl immer noch, der von ihm bewunderte Bernd Lucke habe auch deshalb den Richtungs- und Machtkampf in der AfD verloren, weil sich dort „Radikalinskis“ wie Höcke durchgesetzt haben.

Das alles mag verständlich sein oder nicht. Dieter Steins Auffassung ist jedenfalls zu respektieren. Doch nichts berechtigt Stein, nach der ersten Talkshow mit einem konsequent offensiv und auch aggressiv auftretenden AfD-Politiker, diesen in einer Art und Weise zu verteufeln, wie es die Lügenmedien auch nicht „besser“ machen können.

Allen Ernstes macht Stein dem ungeliebten Höcke zum Vorwurf, hohles nationales Pathos verbreitet zu haben und „berauscht“ von den großen Demonstrationserfolgen in Erfurt und Magdeburg zu sein. Geht’s noch? Höcke hat sich mit Fahne und Worten vor Millionen am Bildschirm zu Deutschland und dem deutschen Volk bekannt – das ist eine Pioniertat in diesem entehrten Land, die ihm bleibenden Ruhm sichern wird.

Und Höcke zieht Tausende an, die sich der Asyl-Invasion widersetzen wollen und geradezu verzweifelt nach einer politischen Alternative zu dem abgewrackten Personal der Blockparteien suchen.

Sollen diese Menschen tatsächlich alle nur die „Junge Freiheit“ abonnieren und nach der Lektüre im stillen Kämmerlein stumm die Faust ballen? Und ist tatsächlich, wie Stein verlangt, „Besonnenheit und Vernunft das Gebot für die Partei“? Braucht es jetzt nicht auch und jetzt ganz besonders Leidenschaft, Klarheit und Kampfgeist? Stein hat offenbar völlig ausgeblendet, dass ein echter Politiker der Opposition zu all diesen alternativlosen Merkel-Bücklingen ganz anders auftreten muss als Lucke oder Henkel.

Stein ist ein rechtskonservativer Journalist und Publizist, der nicht vor die Massen treten will und muss. Höcke aber ist ein national eingestellter Politiker, der außer der parlamentarischen Tagesarbeit genau diesen Kontakt sucht und auch findet. Höcke geht dabei ein viel größeres Risiko ein als Stein, das sollte auch letzterer wissen und würdigen.

Selbstverständlich hat der AfD-Politiker in der Jauch-Runde auch einige Schwächen gezeigt, die jedoch leicht bei neuen Auftritten zu korrigieren sind. Aber keine dieser Schwäche berechtigt den geradezu böswilligen Ton, mit dem Stein auf Höckes TV-Auftritt reagiert hat. Hat Stein wirklich nicht bemerkt, wie schockiert die Vierer-Bande um ihn darauf regierte, dass einer ihr übliches Spiel nicht nur nicht mitmachte, sondern es ihnen gründlich verdarb?

Mit seinem beruflichen und familiären Erscheinungsbild ist Björn Höcke ein großer Hoffnungsträger gerade derjenigen, die Woche für Woche auf die „Junge Freiheit“ im Briefkasten warten. Und er hat durchaus das Zeug dazu, ein Hoffnungsträger für Millionen Deutsche, die auch weiterhin Deutsche bleiben wollen, zu werden. Dieter Stein mag mit dieser Perspektive fremdeln. Besser wäre es, sich damit abzufinden und möglichst bald ein kritisches Interview mit Höcke auf Seite 3 der JF zu drucken. Denn an diesem AfD-Politiker wird der Chefredakteur jetzt erst recht nicht mehr vorbeikommen.