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Freital: Kuchen- und Obstverbot in Kitas

kinder_kuchenDeutschland wird mehr und mehr zu einem Land der Verbote und hysterischen Ängste selbsternannter Gesellschaftswächter. Schon seit Monaten grassiert in immer mehr städtischen Kitas die Angst vor einem Kuchen-Supergau. Was früher normal war, dass Mütter, zum Beispiel am Geburttag ihrer Kinder, für ein kleines Fest der Kindergartengruppe einen Kuchen backten, fällt heute offenbar in den Bereich Attentatsversuch. Aufgrund völlig überzogener Hygienevorschriften verbieten immer mehr Kita-Leitungen das Mitbringen und anbieten von Selbstgebackenem. In Freital geht man nun noch einen Schritt weiter, dort wird neben Geburtstagstorte und Früchtekuchen auch frisches, aufgeschnittenes Obst verboten.

(Von L.S.Gabriel)

Inge Nestler, Freitals Stadtsprecherin sagt: „Es kann sein, dass der Kuchen nicht richtig durchgebacken ist. So setzen wir das Infektionsschutzgesetz durch.“ Darum belehrte die Stadtverwaltung die Kitaleiter dahin, dass künftig generell keine selbstzubereiteten, also gekochten oder gebackenen Speisen mehr mitgebracht werden dürften. Diese Vorschriften gelten ab sofort auch in Schulen und Horten. Der Hintergrund für diese Maßnahme ist eine offensichtlich geradezu krankhafte Angst vor mikrobieller Kontamination. Laut Benita Plischke, Leiterin des Verbraucherschutzes im Landkreis befänden sich gerade auf aufgeschnittenem Obst krankmachende Keime. Einen konkreten Anlassfall gibt es natürlich nicht.

Wie MOPO berichtet wird die Einhaltung dieser Zwänge auch generalstabsmäßig überwacht:

Wer Essen mit in den Kindergarten bringt, muss den Bon vom Einkauf mitbringen.

Allerdings sind die Erzieher angewiesen, zu kontrollieren, dass niemand heimlich Naschwerk in die Gruppen schmuggelt: „Wer etwas mitbringt, muss den Kassenbon zeigen“, so die Stadtsprecherin. „Damit man sieht, dass es gekauft wurde.“

Auch in Leipzig wollte man derartigen Schwachsinn schon durchsetzen, dort wehrten sich die Eltern aber erfolgreich gegen diesen Anfang des Monats vom SPD- Sozialdezernenten Thomas Fabian initiierten Vorstoß.

Private Träger müssen sich nicht an der behördlichen Kuche- und Obstphobie beteiligen. Aber an staatlichen Einrichtungen gibt es für Kinder in Freital ab sofort nur noch industriell Abgepacktes. Das freut Industrie und Handel und verbannt systemgewünscht den Einfluss der Eltern wieder ein Stück mehr aus der staatlichen Kindsnahme.