MV: AfD gendert nicht – Wortentzug im Landtag

Sylvia Bretschneider, Präsident/in des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern ist am 7. Dezember 2016 nur knapp einem Tobsuchtsanfall entgangen. Grund der Gereiztheit vor und während einer laufenden Debatte war, dass der AfD-Abgeordnete Prof. Dr. Ralph Weber sich in seiner Rede an die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wandte. An die Bürger, nicht an die „Bürgerinnen und Bürger“. Im Video sieht man gut, wie Frau Bretschneider bereits hier die Ohren anlegt und sich ihre Gesichtszüge verkrampfen, weil sie einen Gender-Anschlag befürchtete. Tatsächlich kam das, was sie erwartete.

dpa berichtete über den Vorfall:

Erster Eklat im Landtag um AfD: Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider entzog dem Greifswalder Abgeordneten Ralph Weber am Mittwoch nach drei Ordnungsrufen das Wort. Entzündet hatte sich die Auseinandersetzung an der Anrede „Frau Präsident“ statt „Frau Präsidentin“.

Er durfte während der gesamten Sitzung keine Rede mehr halten. Seine gerade begonnenen Ausführungen zur künftigen Entwicklung des Kreiskrankenhauses Wolgast (Landkreis Vorpommern-Greifswald) übernahm ein anderes Mitglied der AfD-Fraktion. Den Wortentzug quittierte Weber mit den Worten: „Das ist Willkür.“ Bretschneider sagte dazu: „Es gibt hier im Haus keine Willkür, sondern Regeln.“

Sylvia Bretschneider, geschult in vier Jahren Studium an der Sektion „Theoretische und angewandte Sprachwissenschaften“ der Uni Leipzig fiel auf, dass da was fehlte. Sie vermisste ein „-in“ bei dem Mann, der da sprach, also für sich, so wie auch andere Frauen andere Endungen bei Männern begutachten und loben oder das Fehlen bemängeln. Den Wutausbruch über das fehlende Wortglied konnte sie nur mit Mühe unterbinden, wie man in dem Video gut sehen kann. Willkommener Nebeneffekt der ums „in“ gebrachten bzw. kastrierten Bretschneider war immerhin, dass sie so einen Vorwand hatte, dem unliebsamen politischen Konkurrenten von der AfD das Wort abzudrehen, ein kleiner Trost für die „Verletzung der Würde des hohen Hauses“, die sie geflissentlich mit der ihren gleichsetzt.

Eine gute Stellungnahme zur Art der Sprachverwendung und der Kritik daran fanden wir auf dem Blog „Runder Tisch„, die wir hier gerne zitieren möchten. Kommentator Adolf Breitmeier schrieb dazu wie folgt:

Wenn ein Mensch eine Doktorarbeit schreibt, dann ist das eine Doktorarbeit, und diese Vorraussetzung zum akademischen Titel DOKTOR wird nicht zur Doktorinarbeit, wenn es sich dabei um eine Frau handelt.

Und wenn der Doktortitel verliehen ist, dann ist der Mann ein HERR Doktor und die Frau eine Frau Doktor (wenn sie obendrein Ärztin ist, wird sie landläufig als Doktorin bezeichnet, wenn sie keine Ärztin ist, bleibt sie eine Frau Doktor).

Wenn das Amt PRÄSIDENT heißt, redet man den Mann mit HERR PRÄSIDENT an und die Frau mit FRAU Präsident. Wenn man von ihrem Berufszustand spricht, sagt man landläufig, sie sei Präsidentin. Wer also eine Präsidentin mit Frau Präsident anspricht, hat die deutsche Grammatik verinnerlicht und spricht ganz schlicht ohne jede ideologischen Schwachsinn nichts anderes als KORREKT.

So einfach ist das. Allerdings Frau Präsidentin zu sagen ist so, als würde man bei einem schwarzen Pferd von einem schwarzen Rappen, und bei einem weißen Pferd von einem weißen Schimmel sprechen. Doppelt gemoppelt.

Im Grunde könnte man sich amüsiert zurücklehnen über die Bretschneider und ihre schrägen Marotten, würde sie nicht in elementare Grundrechte des Parlaments eingreifen und dazu noch auf fatale Weise üble Assoziationen an deutsche Amtsträger in der Vergangenheit wecken, die aus ähnlichen Nichtigkeiten heraus ins Schreien gerieten, ohne Respekt vor denen, die da machtlos vor ihnen stehen, die mehr können als sie selbst, Moral nicht nur dröhnend verkünden, sondern sie leben, die feiner denken als sie selbst, viel feiner und so den Hass und den Neid der Zurückgebliebenen herausfordern.

Vielleicht ist es nur die verletzte Eitelkeit der Bretschneider, die ihr und anderen das Leben schwer macht. Neid auf die anderen politischen Hip-Weiber, von denen einige schlagfertiger auftreten, souveräner agieren, weniger verbissen sind und (dadurch) auch hübscher rüberkommen als sie selbst. Wir bedauern jedenfalls Prof. Weber für sein Los und wir bedauern alle anderen Männer, die gezwungen sind mit Frau Präsident Bretschneider zurechtkommen zu müssen, zutiefst. (lsg)