Nach außen hui, innen pfui

Die Kotau-Routine der gefallenen Gutmenschen

Sie stehen oft in erster Reihe, wenn es für Flüchtlinge und „gegen rechts“ geht. Sie sind politisch aktiv und gelten als moralische Instanzen. Es gibt kaum einen Runden Tisch des Gutmenschentums, an dem sie als Übergewissen nicht beteiligt sind. Aber wenn mitunter die Fassade der Wohlanständigkeit zerbricht,  dann brennen sie wie einstudiert ein Kotau-Feuerwerk  ab, das preisverdächtig ist.

Was ist abstoßender, die Entschuldigungsroutine oder die Tat(en) selbst? Zwei Fälle aus jüngster Zeit.

In Berlin streifte der Linken-Politiker Hakan Tas nachts mit seinem neuen Mercedes in der Innenstadt eine Laterne, direkt neben einem Radweg,  und wollte sich wie ein mickriger Spießbürger aus dem Staub machen. Das heißt, der 52-jährige Innenpolitiker im Berliner Abgeordnetenhaus beging Unfallflucht. Laut Tagesspiegel mit knapp 1,0 Promille im Blut, als er nach drei Kilometern Alkoholfahrt seinen Daimler abstellen wollte und von aufmerksamen Polizisten hops genommen wurde.

Der Deutsch-Türke ist bekannter Innenpolitiker in einer rot-rot-grünen Koalition, die weniger Autoverkehr fordert, dafür Radfahrer und öffentliche Verkehrsmittel fördert. Warum fuhr Tas, bekennender Schwuler, dann nicht im Taxi, mit dem Radl oder der Tram? War ihm das nachts zu Sonnabend um 0.30 Uhr zu gefährlich oder zu unbequem? Kurzum: Tas gehört zu denen, die gerne Wasser predigen und selbst Wein saufen. In des Wortes wahrster Bedeutung. Als vermutlicher Moslem macht er da keine Ausnahme.

Musste in der Tatnacht noch gegen seinen Willen Blut abgenommen werden, so zeigte sich Tas im Laufe des Sonnabends reumütig. Wahrscheinlich trug die Unzeit eines gleichzeitig  stattfindenden Parteitages der Linken zur Zerknirschtheit bei, denn um 13 Uhr Ortszeit ging Tas an die Öffentlichkeit:

Nach einer emotional aufwühlenden Reise in die Türkei habe ich gestern einen großen Fehler gemacht. Ich bereue zutiefst, gestern alkoholisiert Auto gefahren zu sein. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen werde ich tragen und den Ermittlungsbehörden die Möglichkeit zur vollständigen Aufklärung geben. Der gegebenenfalls dazu notwendigen Aufhebung meiner Immunität stimme ich zu. Um weiteren Schaden von meiner Fraktion abzuwenden, lasse ich meine Sprecherposten der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin und meine Mitgliedschaft im Fraktionsvorstand ruhen.

Man fühlt sich in die englische Kult-Comedyserie „British Britcom“ versetzt, in der englische Politiker persifliert werden, die „auf einer roten Kirsche ausgerutscht“ sind. Regelmäßig treten sie dann vor die Kameras und heucheln Reue mit einer selbstzerfleischenden Penetranz, die keinen Zweifel an der Unredlichkeit der Worte aufkommen lässt. Harakiri ohne Schwert, weil`s nicht so weh tut. Wie in Berlin: Von Rücktritt von seinem Abgeordnetenmandat ist beim Deutsch-Türken Tas bislang nicht die Rede.

Ein zweiter Fall beschäftigt die Bürger aus Burg bei Magdeburg im Jerichower Land. Dort flog ein pädophiler roter Stadtrat auf. In den sozialen Netzwerken heißt es: „Fabian B. das moralische Übergewissen der Region Burg. Kein runder Tisch gegen rechts; kein Kinderclub und keine AWO-Party ohne den SPD – Linken. Und nun wurde ausgerechnet dieser Fabian B. zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Hintergrund ist der Besitz von kinderpornografischem Material.“

Insbesondere ein Schock für die SPD in Burg und den evangelischen Kirchenkreis Elbe-Fläming. Der 32-Jährige war in der Kommunalpolitik und gesellschaftlich in der Stadt aktiv und bekleidete zahlreiche Funktionen. Er war Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion, stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender, Beisitzer im SPD-Kreisvorstand, beruflich leitete er den AWO-Nachbarschaftstreff, der sich vorrangig um die Betreuung und Integration von Flüchtlingen kümmert, war federführend beim Kinderclub International der evangelisch-reformierten Petri-Gemeinde, Sprecher des Runden Tisches gegen Rechts, den er mit ins Leben gerufen hat, und Mitglied des Kulturstammtisches der Stadt. In Burg gibt es kaum ein Gremium, in dem er nicht vertreten war. Ihm wird eine besondere Nähe zur Antifa nachgesagt.

Noch Mitte des Jahres war Fabian B. in einem Interview als Koordinator des Runden Tisches  gegen Rechts  „für Toleranz und Menschlichkeit“ gelobt worden. Der Gutmensch mit dem Aussehen eines Mini-Talibans arbeitete mit Vertretern von Polizei und Verwaltung zusammen.

Jetzt die eingespielte Rückzugs-Routine wie aus dem Lehrbuch für gefallene Gutmenschen: Der ehemalige Stadtrat hat inzwischen alle seine politischen und ehrenamtlichen Ämter niedergelegt, beruflich bei der AWO einen Schlussstrich gezogen und ist aus der SPD ausgetreten.

Ende schlecht, alles gut? Schon der griechische Dichter Äsop wusste: Trau, schau, wem?