"Unser Dorf soll schöner werden" – ohne Flüchtlinge?

Nicht alle Sittenser beraten über Gestaltung des Rathausvorplatzes

Unlängst trafen sich 50 Bürger der Gemeinde Sittensen (zwischen Bremen und Hamburg), um über die Verschönerung des Rathausplatzes zu beraten, wie Nord24 am 29. März berichtet:

Der Platz vorm Rathaus in Sittensen soll schöner werden. Über das Wie reden die Bürger mit. Gut 50 haben sich an einer Versammlung beteiligt, bei der Ideen gesammelt wurden.

Die Teilnehmer sahen sich zunächst das betreffende Areal an. Danach steckten sie die Köpfe zusammen und machten sich Gedanken. Und zwar ohne Beschränkungen. Gemeindedirektor Stefan Miesner wies darauf hin, dass Fragen der Machbarkeit und der Kosten zunächst keine Rolle spielen sollen.

Die danach formulierten Wünsche und Bedürfnisse waren entsprechend vielfältig: Sie reichen von Gastronomie bis hin zur Rettung des Wochenmarktes und einer öffentlichen Toilette. Darin, dass der Platz barrierefrei werden soll, waren sich alle einig.

Nord24 zeigt auch ein Bild dieser Bürger. Zu sehen sind mehrere (ältere) weiße Männer und auch eine weiße Frau. Und Flüchtlinge? Die sind nicht zu sehen. Unsere Medienerfahrung lehrt uns, dass, wenn ein „Flüchtling“ oder eine Kopftuchfrau sich hier eingebracht hätten, dass er oder sie dann begeistert präsentiert worden wäre. In solchen Fällen hält man sie gerne hoch wie eine Trophäe, nach dem Motto „Schaut her, was unser Flüchtling alles kann!“ Doch hier Fehlanzeige. Man muss davon ausgehen, dass Personen aus dieser Gruppe nicht vertreten waren.

Was sind die Gründe? Sollte es in der Gemeinde vielleicht keine geben? Falsch, Manpower ist genug da, wie der Flüchtlingsverein EWiS (Eine Welt in Sittensen) schreibt:

In der Samtgemeinde Sittensen leben zurzeit (Winter 2018) ca. 115 von weltweit über 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Es sind vor allem junge Männer und einige wenige Familien. Sie kommen hauptsächlich aus dem Sudan, aus Syrien, aus Afghanistan und von der Elfenbeinküste. […]

Bereits jetzt können wir sagen: Der Alltag in der Samtgemeinde ist durch „unsere“ Geflüchteten bunter, vielfältiger und interessanter geworden. Die Begegnung mit Menschen anderer Länder und Kulturen findet jetzt nicht mehr nur im Urlaub „on the sunny side“, oder in der Großstadt statt, sondern in unserem ganz normalen Alltag. Hier können wir alle miteinander ein gutes, weltoffenes Zusammenleben lernen und praktizieren – vor Ort!

Wenn sie denn schon da sind, stellt sich die Frage, warum sie sich nicht einbringen (dürfen?) für ein „gutes, weltoffenes Zusammenleben“ in Sittensen. Die gemeinsame Gestaltung eines Rathausvorplatzes wäre doch eine gute Gelegenheit dafür. Wir wissen, dass viele Ärzte und Ingenieure zu uns gefunden haben, vielleicht ist in Sittensen ja auch ein Städteplaner oder Architekt mit dabei, der den von Inzucht geplagten Deutschen nützliche Tipps geben könnte?

Oder besitzen die Neubürger doch nicht die Kreativität, die man sich so inständig für Sittensen erhofft hatte? Traut man ihnen nichts zu und lädt sie deshalb erst gar nicht ein? Unter den Terminen, die der Flüchtlingsverein von Sittensen für seine Flüchtlinge bereitstellt, finden sich jedenfalls im März nur Angebote zum Essen, Trinken und Spielen:

Sa, 16.03.2019  | Internationales Café

15 – 18 Uhr: JUZ Drosselgasse, Sittensen

Wir treffen uns immer am 3. Samstag im Monat, um bei Kaffee und Kuchen zusammenzusitzen, um Tischtennis, Billiard, Airhockey zu spielen, oder im Tonstudio Musik zu machen.

Mi, 20.03.2019  |  Café Mittendrin

15?18 Uhr, FeG Sittensen, Mühlenstraße 16, Sittensen

Café “Mittendrin” ist ein Anlaufpunkt, wo Jede und Jeder herzlich willkommen ist, in einer Atmosphäre von Wertschätzung und Respekt eine kleine Auszeit zu haben. Man kann Kaffee und Kuchen genießen, gute Gespräche haben oder es sich einfach gutgehen lassen. Ab und zu gibt es auch ein kreatives Angebot.

Mi, 27.03.2019  |  Café Mittendrin

15?18 Uhr, FeG Sittensen, Mühlenstraße 16, Sittensen

Oder fürchtet man sich im Gegenteil gerade vor ihren Vorstellungen, die die traditionellen Denkmuster in Frage stellen könnten? Was, wenn ein Flüchtling vorschlägt, vor dem Rathaus einen großen Parkplatz einzurichten, damit er einen barrierefreien Zugang für sich und sein Auto bekommt? Oder öffentliche gemeinsame Toiletten für muslimische Schwule und Lesben, deren Klobrille dann gen Mekka zeigen könnte? Wie wäre es mit neuen öffentlichen Geldautomaten oder mit einer kombinierten Kleiderkammer und Tafel für deutsche Rentner, wenn das Geld mal knapp ist? Ein neues Kennenlern-Cafe?

An den Sprachkenntnissen wird es kaum liegen. Statt: „Ich möchte zwei Stück Erdbeertorte“ kann man auch sagen „Ich möchte einen Parkplatz vor dem Rathaus.“ Vielleicht will man aber gerade solche Vorschläge vermeiden, um sie nicht ablehnen zu müssen und den Traumatisierten dadurch noch mehr Anlass für Traurigkeit zu bereiten. Außerdem könnte man da schnell in den Verdacht geraten, ein Rassist zu sein. Das will man nicht. Also begnügt man sich damit, ihnen zu essen, zu trinken und zu spielen zu geben, um sich dann daran zu erfreuen, wie sehr das geschaffene Biotop von den Exoten angenommen wird. So vermuten wir es jedenfalls bis jetzt.

Auf diese Weise würden dann auch deutsche, ältere, männliche Experten, die sich schon vor den eigenen Leuten gerne mit ihren Fachkenntnissen profilieren, ihre Leitkultur und Deutungshoheit bestehend aus Blumenrabatten und schön gemusterten Pflastersteinen behalten. Es gibt Dinge, die verhandelt man dann doch nicht so gerne täglich neu.