Geeint in der Sache, getrennt bei Milo Yiannopoulos

Berliner AfD-Konferenz zu Freien Medien schlägt hohe Wellen

Von MARKUS WIENER | Bereits im Vorfeld der ersten Konferenz der Freien Medien am Samstag im Bundestag, ausgerichtet durch Abgeordnete der AfD-Fraktion, gab es heftige Empörungsrituale von Seiten der angezählten Altmedien. Ein Stelldichein von Rechtsaußen-Bloggern, Islamhassern und sonstigen Unmenschen im Herzen der deutschen Demokratie, so der Tenor der Vorwürfe. Gepaart mit der Unterstellung von Kumpanei zwischen Politik und Gefälligkeits-Journalisten. Ein Angriff, der eigentlich zum Lachen ist, wenn man sich vor Augen hält, wer ihn ausgerechnet führt!

Weniger lustig war dagegen, dass die Medienkonferenz auch einige Verwerfungen innerhalb der AfD verursacht hat. Besonders der kurzfristig als Ersatz für den „Überraschungsgast“ Steve Bannon gewonnene Youtube-Star Milo Yiannopoulos sorgte bei Teilen der AfD-Bundestagsfraktion für Ärger. Einige sexuell missdeutbare Äußerungen des schwulen Ex-Breitbart-Kolumnisten wurden als Argument ins Feld geführt, dass ein solcher Referent auf einer AfD-Veranstaltung untragbar sei. Unbeachtet blieb dabei freilich, dass Yiannopoulos in Bezug auf diese schon älteren Vorwürfe die Missverständnisse bereits richtig gestellt hatte.

Eine schwierige Situation also, die kurz vor Beginn dieses professionell organisierten Meinungsaustausches zwischen alternativen Medienvertretern und AfD-Spitzenpolitikern die ganze Konferenz in Gefahr brachte. Nach zwei Sondersitzungen der AfD-Bundestagsfraktion am Freitag fand man mit den Organisatoren – den Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst, Petr Bystron, Udo Hemmelgarn und Uwe Schulz – schließlich folgenden Kompromiss: Die Konferenz kann stattfinden, aber Milo Yiannopoulos wird ausgeladen.

Eine Entscheidung, die von der Mainstreampresse hämisch kommentiert wurde und bei vielen Vertretern der freien Medien auf Unverständnis stieß, aber wenigstens dieses tabubrechende Format mit rund 100 Teilnehmern überhaupt ermöglichte. Was sich wiederum im Laufe des Samstags als bahnbrechender Erfolg erwies. Denn obwohl es natürlich schon vorher zahlreiche Kontakte zwischen der AfD und den freien Medien gab, wurde an diesem Tag im Detail heraus gearbeitet, dass man bei aller unterschiedlichen Rollenverteilung geeint ist bei wichtigen Anliegen: der Aufrechterhaltung von wahrer Meinungs- und Pressefreiheit, der Wiederherstellung eines herrschaftsfreien Diskurses über die Zukunft unseres Landes und der wahrheitsgetreuen Vermittlung alternativer politischer Positionen anstatt des manipulativen Erziehungsjournalismus der Kartellmedien.

Der exzentrische Gaststar Milo Yiannopoulos am Tag danach vor dem Reichstag.

Doch nicht nur über diese Ziele herrschte weitestgehend Einigkeit. Auch über konkrete praktische Verbesserungen auf dem Weg zu deren Erreichung wurde konstruktiv im Plenum und den verschiedenen Arbeitsgruppen diskutiert. Eine produktive Betriebsamkeit, die sich in zahlreichen Gesprächen auf den Fluren des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses des Bundestages den ganzen Tag über fort setzte.

Highlights der Konferenz waren zweifellos die Reden der Bundestagsabgeordneten Martin Renner (PI-NEWS berichtete) und Petr Bystron, ebenso wie der äußerst sachkundige Vortrag des bekannten Kölner Medienrechtanwalts Prof. Ralf Höcker zu „journalistischer Ethik“ und „Fakenews“, der wohl für alle Beteiligten – Politiker wie Blogger – ein großer Gewinn und Genuss war.

Milo bei Merkel: Innige Liebe sieht wohl anders aus…

Aufschlussreich auch eine Diskussionsrunde mit David Berger und Michael Stürzenberger, die für die „Vereinigung der freien Medien“ sprachen und die Vernetzung dieser hauptsächlich im Internet entstandenen Sprachrohre der Gegenöffentlichkeit zum linken Einheitsbrei der Altmedien vorantreiben wollen.

Mit großer Begeisterung wurde während der laufenden Konferenz die Reporter-Legende Billy Six als Gast begrüßt. Der erst jüngst nach mehrmonatiger Geiselhaft in Venezuela frei gelassene Journalist steht wie kein anderer für den unbedingten Willen, auch unter schwierigsten Bedingungen die Wahrheit zu suchen und zu berichten.

In diesem Geist endete die von der AfD veranstaltete Konferenz um etwa 17 Uhr im Bundestag – und wie von Geisterhand fand sich die fast identische Zuhörerschaft wenig später im restlos überfüllten Saal eines urigen Brauhauses in der Nähe des Brandenburger Tores wieder, um den „ausgeladenen“ Gaststar Milo Yiannopoulos mit gebührender Lautstärke und „Milo, Milo“-Rufen begeistert in Empfang zu nehmen (Text der Rede hier). Denn die „Vereinigung der freien Medien“ hatte es sich nicht nehmen lassen, kurzfristig selbst in die Bresche zu springen, wo der AfD aus innerparteilicher Räson die Hände gebunden waren. Auch ein Zeichen von Unabhängigkeit und eines konstruktiv-kritischen Rollenverständnisses. Eine Praxis, die allen Beteiligten hilft und dem gemeinsamen Anliegen dient.

Weitere Fotos:

» Siehe auch PP: Erster Kongress der freien Medien im Bundestag Sternstunde des Journalismus


Markus Wiener.
Markus Wiener.
PI-NEWS-Autor Markus Wiener schreibt bevorzugt zu Kölner und tagespolitischen Themen für diesen Blog. Der 41-jährige Politologe und gelernte Journalist ist parteiloses Mitglied des Kölner Stadtrates und der Bezirksvertretung Chorweiler. Seit über 20 Jahren widmet er sein politisches und publizistisches Engagement der patriotischen Erneuerung Deutschlands. Der gebürtige Bayer und dreifache Familienvater ist über seine Facebook-Seite erreichbar und bloggt zur Kölner Kommunalpolitik auch unter rutwiess.blog.