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Kommt, wir wollen uns vertragen!

Indoor Soccer Turnier Marl unter dem Motto Fair play for peace“Wann, so fragen wir uns, wann ist eigentlich für einen richtigen überzeugten Gutmenschen das Maß voll? Wann wird er einsehen, dass man eben nicht mit allen Menschen im Guten auskommen kann, dass man nicht mit jedem reden kann, dass man nicht jedes Problem im Dialog lösen kann? Der Lehrer Bernhard Weinmann, ein waschechter überzeugter Gutmensch, veranstaltete unter dem Motto „Fair Play For Peace“ in der westfälischen Stadt Marl in der Martin-Luther-King-Schule ein multikulturelles, offenes Indoor-Soccer-Turnier zur besseren Verständigung der „Kulturen“. Es endete in einer Massenschlägerei, die einen Polizeieinsatz erforderlich machte. Auch der Lehrer bezog Prügel, als er zu deeskalieren versuchte. Erschüttert stellte er fest, dass auch Jugendliche mit Migrations-Hintergrund gekommen waren, um Ärger zu machen. Konsequenz für den Lehrer: Wir müssen den Dialog vertiefen und das Gespräch mit den Schlägern suchen. Sicher haben sie Gründe, an denen wir Schuld sind.

„Fair play for peace – faires Spiel für Frieden.“ Das war das Motto, unter dem das Offene Indoor-Soccer-Turnier auf Initiative des Kunterbunten Chamäleons am vergangenen Freitag in der Sporthalle am Ovelheider Weg stattfinden sollte. Allerdings ging es zwischenzeitlich weniger friedlich zu. Insbesondere vor der Tür gab es zahlreiche Schlägereien, die am Ende sogar einen Polizeieinsatz erforderten. (…) Das Turnier stand unter dem Aspekt der Kommunikation der Kulturen für jeden offen, auch für ungebetene Gäste. „Wir mussten leider feststellen, dass auch Jugendliche mit Migrations-Hintergrund gekommen waren, die hier nicht nur eine gute Zeit haben wollten. Sie waren gekommen, um andere bewusst verbal und handgreiflich zu verletzen“, erklärt der Pädagoge. Was als Rangelei und Beschimpfung in der Halle begann, verlagerte sich schnell nach draußen.

Gut 100 Personen schlugen sich in zeitlichen Abständen plötzlich im Halbdunkel. Ein Dutzend Zwischenfälle zählte Bernhard Weinmann insgesamt. „Ich habe versucht zu deeskalieren, bin mit weiteren Lehrer dazwischen gegangen“, erläutert der 52-Jährige. Aber es waren zu viele Streithähne. Am Ende hat der Pädagoge selbst Prügel bezogen. Das Maß an Gewalt und vor allem die Brutalität der Schläger haben den ansonsten lebensbejahenden Lehrer sichtlich gezeichnet.

„Ich habe das Gefühl, dass sich die Nationalitäten vor Ort bekriegen. Das hat eine neue Dimension, die man nicht unter den Tisch kehren darf“, beobachtet der Pädagoge. Dennoch sieht Weinmann nach vorne: „Täter müssen benannt werden, davon lebt unsere Demokratie. Ich habe die Hoffnung, die betreffenden Personen an einen Tisch zu bekommen. Im Gespräch möchte ich erfahren, wozu die Gegenseite bereit ist und welche Regeln akzeptiert werden.“ (…)

Lehrer Weinmann möchte die Randalierer und Schläger fragen, welche Regeln sie zu akzeptieren bereit sind. Was macht er, wenn sie ihm erklären, dass sie nur die Regel vom Recht des Stärkeren zu akzeptieren bereit sind? Ob er sich danach richten und künftig brav gehorchen wird, weil es sonst Haue gibt? Es kommt aber noch besser:

„Zu einer guten Strategie gehört immer eine gute Analyse. Eventuell wollen die Täter so ihre Verletzung begleichen. Ihnen fehlt in ihrer Biografie vielleicht der Erfolg im Leben, sie sind nicht angenommen, haben die Sorge, nicht am Erfolg in der Gesellschaft teilhaben zu können. Gewalt ist aber der falsche Weg. Das will ich deutlich machen und erinnern, was Recht und Unrecht ist. Wir müssen Pflöcke der Orientierung setzen und uns um die Schieflage der Jugendkultur kümmern.“

Also auf Gutmenschendeutsch: Wir haben die lieben Kinderlein in ihren Gefühlen verletzt, ihre Art, das zu verarbeiten, ist eben Gewalt. Darüber müssen wir reden. Wenn wir ihnen versprechen, nie wieder bös zu ihnen zu sein, vielleicht verprügeln sie uns dann nicht so oft. Und bald wird alles gut, denn Lehrer Weinmann wird heute das Gespräch mit Eltern in einer Moschee suchen. – Upps, in einer Moschee? Waren am Ende vielleicht die Randalierer nicht nur auch Jugendliche mit Migrationshintergrund, sondern hauptsächlich?

Und das alles passierte in einer wirklich „vorbildlich“ gutmenschlich ausgerichteten Schule, wie ein Blick auf deren Website zeigt. Da gibt es Antirassismustage, da wird für Familien gespendet, denen die Abschiebung droht und es wird sich für den Weltfrieden engagiert – kunterbunt und multikulturell. Die Quittung für so viel Blauäuigkeit gabs am Wochenende. Gelernt hat man daraus scheints nichts. Und so gehts weiter volle Kraft voraus in die falsche Richtung.

(Spürnase: Incanto )