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Die letzte Gauloise

rauchverbot.jpgAb dem ersten Januar 2008 darf, wie in mehreren deutschen Bundesländern, in Frankreichs Bars, Cafés und Restaurants offiziell nur noch in Raucherkabinen gequalmt werden. Aber ob die freiheitsliebenden Franzosen da wohl mitmachen werden? Das bezweifeln zumindest PR-inside und 20 Minuten. Zumal die Polizei auch gar keine Lust hat, auf Raucherjagd zu gehen.

In öffentlichen Einrichtungen und am Arbeitsplatz ist der blaue Dunst in Frankreich bereits seit elf Monaten Tabu. Jetzt soll das Gesetz ähnlich wie bereits in mehreren anderen europäischen Staaten von Italien bis Schweden auf Gastbetriebe ausgeweitet werden. Kettenraucher Jean-Paul Sartre würde sich vermutlich im Grab umdrehen. Gauloise zu Pastis oder Rotwein gehört zu Frankreich wie Wildschwein zu Obelix.

Barbesitzerin Anne Lemèl aus Versailles zieht heftig an ihrer Marlboro und schimpft:

„Ich werde mich einen Dreck um das Gesetz kümmern, die spinnen doch in der Regierung. Ein Eingriff in die persönliche Freiheit, das lass ich mir nicht gefallen. Außerdem ist das hier kein Restaurant, die Kunden sind doch schnell wieder draußen. Wem schadet es? Niemandem!“

Wütend sind vor allem die Besitzer der 19.000 Tabakläden mit angeschlossener Bar im Land, nahezu den einzigen Lokalen, in denen in Frankreich Zigaretten verkauft werden. Sie fürchten jetzt um ihre Existenz. Den Großteil ihres Umsatzes machen die Tobaccos mit rauchenden Kunden, die nach Einführung des Verbotes ausbleiben könnten. Die Vorschrift, einen Raucherraum mit separatem Luftabzug einzurichten, ist für viele nicht umsetzbar.

Bereits Ende November demonstrierten in Paris 10.000 Menschen gegen das Verbot. Doch die Regierung gibt sich unnachgiebig. Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot argumentiert mit der Bilanz der Tabakopfer: Nach offiziellen Angaben sterben in Frankreich jedes Jahr 66.000 Menschen an den Folgen des Rauchens, darunter 5.000 Passivraucher.

Obwohl Präsident Nicolas Sarkozy im Wahlkampf noch gesagt hatte:

„Es ist schon merkwürdig, dass man dort nicht mehr rauchen darf, wo man seine Zigaretten kauft.“

Trotzdem ist die letzte Gauloise noch lange nicht geraucht, denn viele Franzosen wollen in Asterix-Manier das neue Gesetz erst einmal boykottieren. Die Regierung droht mit hohen Geldstrafen, doch wirklich eintreiben, will sie niemand. Olivier Damien von der Polizeigewerkschaft sagt:

„Wir werden zum neuen Jahr wohl erst mal wichtigeres zu tun haben, als das Rauchverbot zu überprüfen. Es lohnt sich wohl kaum, wegen einer Zigarette den Ausbruch neuer Unruhen zu riskieren.“