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Lufthansa-Streik: Ver.di lässt die Muskeln spielen

Frank BsirskeEs gibt sie noch, erfolgreiche Unternehmen in Deutschland. Die Lufthansa ist eines davon, das trotz widrigster Umstände wie der drastischen Erhöhung des Ölpreises, den massiv gestiegenen Sicherheitskosten und Preisattacken von Billigfliegern noch Gewinn machen und – im Gegensatz zu anderen börsennotierten Unternehmen – gar dieses Jahr eine gestiegene Dividende auszahlen konnte.

Den Mitarbeitern wurde eine Lohnsteigerung von 6,7 Prozent plus Einmalzahlung angeboten bei einer Laufzeit des neuen Tarifvertrages von 23 Monaten. Dies ist wesentlich mehr als andere Tarifabschlüsse der letzten Zeit und bedenken sollte man ebenfalls, dass die Lufthansa in der Flugbranche zu den am besten zahlenden Arbeitgebern gehört.

In einem dramatischen und vorher noch nie dagewesenen Appell hat sich der LH-Chef Mayrhuber an die Mitarbeiter gewandt.

Mayrhuber schrieb in seinem in der Mitarbeiterzeitschrift „Lufthanseat“ veröffentlichten Brief, die Angebote an die Gewerkschaften lägen im oberen Bereich der diesjährigen Tarifabschlüsse in Deutschland. „Mehr geht nicht, das muss deutlich gesagt werden“, schrieb Mayrhuber.

Er erklärte, er habe „volles Verständnis“ dafür, dass die Beschäftigten angesichts steigender Lebenshaltungskosten am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens teilhaben wollten. Ein Tarifabschluss müsse aber wirtschaftlich vertretbar sein. „Das sind Familien, die sich auf ihren Jahresurlaub und ihre Flugreise freuen, für die sie hart gearbeitet haben. Wir verärgern diejenigen, die Ihnen Arbeit geben, denn es sind letztlich die Kunden, die Ihre Vergütung sichern“, warnte Mayrhuber.

Ver.di und allen voran Grünen-Mitglied Frank Bsirske (Foto) allerdings brauchen einen Erfolg und da kamen die Tarifverhandlungen mit der Lufthansa gerade recht. Man verlangt 9,8 Prozent mehr Gehalt und beharrt stur auf dieser Position. Und man würde auch nur eine Laufzeit von zwölf Monaten akzeptieren. Der Grund ist offensichtlich: weil man dann nächstes Jahr wieder das gleiche Spiel wiederholen kann (und nicht erst nach 23 Monaten).

Hinzu kommt noch, dass Ver.di gegenüber UFO, der Gewerkschaft des Kabinenpersonals, auftrumpfen will. Deren Tarifvertrag läuft zwar noch bis Ende des Jahres und die Kabinenmitarbeiter unterliegen somit der Friedenspflicht, Ver.di muss allerdings Härte zeigen, will es den durch UFO bei Lufthansa verlorenen Einfluss wieder gutmachen. Momentan sind lediglich 3,9 % des Kabinenpersonals Mitglieder von Ver.di. Es ist schon erstaunlich, mit welchem Recht man sich bei Ver.di die Vertretung des Kabinenpersonals in Tariffragen herausnimmt.

Eine eigentlich vorgesehene Schlichtung wurde von Seiten Ver.dis abgelehnt. Stattdessen ruft man die Lufthansa-Mitarbeiter zur Urabstimmung, die erwartungsgemäß auch mit 90,7 % für den Streik endet. Wer würde schon mit „nein“ antworten, wenn man ihn fragt ob er mehr Geld haben will?

Und so beginnt heute um Mitternacht ein unbefristeter Streik. Ver.di hat angekündigt, dass man immer mehrere Flughäfen und dies immer abwechselnd bestreiken will. Natürlich um den möglichst größten Erfolg (aus Sicht Ver.dis), den möglichst größten Schaden (aus Sicht der Lufthansa) und die möglichst grössten Unannehmlichkeiten für die Passagiere zu erreichen. Denn diese werden morgen zu Hunderttausenden ohne Abflug dastehen. Ob zu einem Geschäftstermin oder aber in den verdienten Urlaub – wohl kaum mit der Lufthansa. Und während wahrscheinlich morgen auf deutschen Flughäfen genervte Geschäftsleute neben urlaubsreifen Familien auf Ver.di schimpfen werden, wird Genosse Bsirske sich zufrieden zurücklehnen. Er hat seine Macht gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass viele Ver.di-Mitglieder und deren Familien vom Streik betroffen sein werden und dass diese dann den richtigen Schluss ziehen werden: spart Euch lieber die Ver.di-Mitgliedsbeiträge – Ihr werdet sie brauchen, um auch im nächsten Jahr noch in Urlaub fliegen zu können.

Unbeteiligte Dritte, die Passagiere werden durch diesen Streik primär geschädigt. Dies ist folglich kein akzeptierbarer Arbeitskampf, es ist schlichtweg Erpressung auf Kosten der Passagiere.